Stockrosen richtig schneiden und überwintern - ist Alcea rosea winterhart?

Stockrosen - Alcea roseaStockrosen gedeihen als zweijährige oder ausdauernde Sommerblumen, die mit ihren farbenfrohen Blütenkelchen romantisches Flair in Ihren Garten zaubern. Im Kübel sind die malerischen Schönheiten ein gerne gesehener Gast auf dem sommerlichen Balkon. Ungeachtet ihres Namens, zählen Bauernrosen nicht zu den echten Rosen, sondern werden den Malvengewächsen zugeordnet. Das krautige Wachstum hat insbesondere Auswirkungen auf die Schnittpflege sowie die Überwinterung. Rätseln Sie nicht länger über die Frage, wie Sie Ihre Alcea rosea richtig schneiden und überwintern. Diese Anleitung hält alle Antworten bereit.

Was bedeutet zweijähriges Wachstum

für den Schnitt?

Mit ihrem zweijährigen Wachstum fallen Stockrosen aus dem Rahmen unter den Sommerblumen. Da dieses Art-spezifische Verhalten Auswirkungen auf den Rückschnitt hat, fassen wir im Folgenden die charakteristischen Eigenschaften dieses floralen Lebenszyklus kurz zusammen:

Zwischen ihrem Wachstum als Keimlinge und der Samenbildung liegen bei Stockrosen zwei Vegetationsperioden. Insofern ist die Bezeichnung zweijähriges Wachstum irreführend, denn es handelt sich nicht um zwei Kalenderjahre. Vor der klimatisch ungünstigen Winterzeit entwickeln die Pflanzen lediglich ihre Wurzeln sowie eine bodenständige Blattrosette. Auf diesem Weg werden Nährstoffreserven angelegt für die zweite Vegetationsphase im darauffolgenden Sommer. Wenn im Frühling die Temperaturen steigen, treibt aus der Blattrosette der straff aufrechte Stängel aus, an dem sich im weiteren Verlauf die Blüten entfalten.

In der Regel sterben zweijährige Pflanzen nach der Samenreife ab. Wie diese Anleitung noch näher erläutert, ist dies bei Stockrosen nicht zwingend der Fall. Zumindest die ungefüllten Sorten können nach einem sachkundigen Schnitt in den Folgejahren ähnlich oft erblühen, wie ausdauernde Stauden.

Der perfekte Zeitpunkt

Wie die Ausführung zum zweijährigen Wachstumsverhalten aufzeigt, obliegt der grundständigen Blattrosette im Pflanzjahr eine wichtige Aufgabe. Die Blätter vor Wintereinbruch abzuschneiden, bedeutet in der Regel den Totalausfall der Blüte im Folgejahr. Von der Schere bleiben Stockrosen im ersten Jahr somit unbehelligt.

Der beste Termin für den Rückschnitt einer Bauernrose ist ab dem zweiten Jahr nach dem Ende der Blütezeit. Je weniger Energie eine Alcea rosea in die kräftezehrende Samenbildung investieren muss, desto besser sind die Aussichten auf ein erneutes Blütenfestival im nächsten Sommer.

Tipp: Stockrosen sind vollkommen ungiftig und weisen auch keine spitzen Dornen auf, wie viele echte Rosen. Daher sind Alcea rosea perfekt geeignet, um den Familiengarten in ein sommerliches Blütenmeer zu verwandeln.

Richtig schneiden - so geht es

Stockrosen machen es ihrem Gärtner leicht, sie fachgerecht zu schneiden. Am Ende der Blütezeit wird der kräftige Stängel mitsamt der verwelkten Blütenstände abgeschnitten. Unter normalen Witterungseinflüssen ist dies im September oder Oktober der Fall. So machen Sie es richtig:
  • Eine scharfe, saubere Schere oder ein frisch geschliffenes Messer zur Hand nehmen
  • Den Stängel mit einer Hand umfassen und stabilisieren
  • Mit der anderen Hand den Hauptschaft abschneiden
Stockrosen - Alcea roseaIdealerweise setzen Sie den Schnitt knapp über der Blattrosette an. Diese bleibt als natürlicher Winterschutz noch bis zum zeitigen Frühjahr stehen. Im Februar schneiden Sie die nunmehr unansehnlichen, eingezogenen Blätter bodennah ab, um Platz zu schaffen für den frischen Austrieb.

Ausputzen beugt Aussamung vor

Die Vermehrungsstrategie von Alcea rosea konzentriert sich auf die Selbstaussaat. Zu diesem Zweck verwandeln sich die prächtigen, bestäubten Blütenkelche nach dem Abblühen in Spaltfrüchte mit unzähligen Samen. Wo diese auf fruchtbaren Boden fallen, wachsen häufig noch im selben Jahr die Blattrosetten, aus denen sich später weitere Bauernrosen erheben. Ein derart invasiver Ausbreitungsdrang ist nicht immer im Sinne des Gärtners. So beugen Sie der Aussamung wirksam vor:
  • Verwelkte Blüten möglichst früh vom Stängel entfernen
  • Hierzu den behaarten Blütenstiel mit den Fingern erfassen
  • Zur Seite hin abknicken und nicht abreißen
  • Alternativ mit einer kleinen Schere am Blütenstiel abschneiden
Da die Stockrose von unten nach oben sukzessive ihre Blüten öffnet, wird mit einem voreiligen Schnitt des
Hauptstängels eine Vielzahl ungeöffneter Knospen entfernt und die Blütezeit radikal verkürzt. Es lohnt sich daher, jede einzelne Blüte auszuputzen, wenn die Selbstaussaat unerwünscht ist im Garten.

Tipp: An Stockrosen im Kübel auf dem Balkon kann zeitaufwändiges Ausputzen verwelkter Blüten entfallen, sofern die vertrockneten Blütenblätter das Erscheinungsbild nicht beeinträchtigen. Hier genügt es vollauf, den Stängel im Herbst abzuschneiden.

Ist Alcea rosea winterhart?

Wer die verschwenderische Blütenfülle von Stockrosen einen Sommer lang genießen durfte, möchte die prachtvollen Blumen im Beet und Kübel nicht mehr missen. Somit liegt die Frage nach der Winterhärte auf der Hand. Der Fachhandel preist Alcea rosea als Pflanze der Winterhärtezone Z3 an. Diese Zuordnung impliziert eine prinzipielle Frosthärte zwischen - 34,5 und - 40,1 Grad Celsius.

Ob Ihre Stockrosen tatsächlich strengen Frost unbeschadet überstehen, hängt von den lokalen Standortbedingungen in Ihrem Garten ab. Am windexponierten Standort oder in verdichteter, feuchter Erde leidet die Winterhärte von Bauernrosen spürbar. Ebenso kann ein plötzlicher Temperaturabfall von Plus- zu Minusgraden von mehr als 10 Grad Celsius die Winterhärte aushebeln.

Fernerhin bezieht sich die Winterhärte einzig auf den Wurzelstock, der sich tief im Boden befindet. Die krautigen Pflanzenteile an der Oberfläche sterben nach den ersten Frostnächten vollständig ab. Demgegenüber ist die Blattrosette als Sprossabschnitt für Kälte besser gerüstet.

Anleitung für die Überwinterung im Beet

Stockrosen - Alcea roseaDamit die Blattrosette im Pflanzjahr gesund überwintert, sollte sie im Spätherbst einen leichten Winterschutz erhalten. Davon profitieren ebenfalls die Pfahlwurzeln, die so kurz nach der Pflanzung mitunter noch nicht tief genug reichen, um strengen Frostnächten die Stirn zu bieten. In winterrauen Lagen sind auch in den Folgejahren diese Vorkehrungen sinnvoll:
  • Im Pflanzjahr die Wurzelscheibe und Blattrosette abdecken mit Laub und Reisig
  • In den folgenden Jahren nach dem Rückschnitt im Herbst ebenso verfahren
  • Alternativ die Pflanzstelle mit atmungsaktivem und lichtdurchlässigem Vlies abdecken
Da die Grundrosette während der kalten Jahreszeit weiterhin Wasser verdunstet, ist die Pflanze bei Kahlfrost von Trockenstress bedroht. Während eines trockenen Winters ohne Schnee und Regen, gießen Sie daher Ihre Stockrosen-Blattrosetten an milden Tagen.

Tipp: Eine Düngung mit Kalium-reicher Beinwelljauche Ende Juli/Anfang August stärkt die Winterhärte von Stockrosen. Kalium senkt im Zellwasser den Gefrierpunkt und stärkt die Zellwände gegen die Belastungen durch einen wiederholten Wechsel zwischen Tau- und Frostwetter.

Stockrose im Kübel überwintern - so gelingt es

Die Kategorisierung als winterharte Pflanze bis - 40,1 Grad Celsius trifft einzig auf ausgepflanzte Stockrosen zu. Diese treiben eine tief reichende Pfahlwurzel in den Boden, was sie vor klirrendem Frost schützt. Im Kübel ist der Wurzelballen Ihrer Bauernrosen hinter den relativ dünnen Wänden der winterlichen Kälte schutzlos ausgeliefert. Idealerweise räumen Sie Stockrosen im Topf daher nach dem Rückschnitt ein in ein frostfreies, helles Winterquartier. Mit den folgenden Maßnahmen überwintern Sie Alcea rosea auf dem Balkon richtig:
  • Nach dem Rückschnitt den Kübel vor eine schützende Hauswand stellen
  • Einen Holzblock unterschieben oder isolierende Styroporplatten
  • Den Topf umhüllen mit Vlies, Jute oder Folie
  • Die Blattrosette und das Substrat bedecken mit Reisig und Laub
  • Den Wurzelballen im Winter ab und zu gießen, damit er nicht austrocknet
In winterrauen Lagen mit ausgeprägter Windexposition bauen umsichtige Gärtner für ihre Stockrosen im Kübel ein schützendes Winterquartier. Zu diesem Zweck wird der Boden einer großen Holzkiste mit Rindenmulch oder Laub ausgelegt. Darauf wird der Kübel mit der Bauernrose gestellt.
Stockrosen - Alcea rosea
Der freie Raum zwischen Topf und Holzwand wird mit dem restlichen Mulch ausgefüllt. Sobald im Frühjahr die nächtlichen Temperaturen nicht mehr unter den Gefrierpunkt fallen, wird der Winterschutz entfernt, respektive ein Kübel ausgeräumt.  

Fazit
Stockrosen richtig zu schneiden, ist selbst für den Garten-Novizen nicht schwer. Im ersten Jahr bildet die zweijährige Pflanze eine grundständige Blattrosette aus, die keinen Schnitt erhält. Erst im zweiten Jahr kommt die Schere am Ende der Blütezeit zum Einsatz, indem der abgeblühte, kräftige Stängel kurz oberhalb der Grundrosette einfach abgeschnitten wird. Regelmäßiges Ausputzen verwelkter Blüten schon während der Blütezeit beugt einer lästigen Ausbreitung durch Selbstaussaat effektiv vor. Wird diese Schnittführung beherzigt, erblühen Bauernrosen auch in den Folgejahren erneut und geben sich nicht mit einem einzigen Stelldichein im Sommergarten zufrieden. Ein leichter Winterschutz geleitet Alcea rosea im ersten Jahr unbeschadet durch die kalte Jahreszeit. In winterrauen Lagen wird auch in den nächsten Jahren die Wurzelscheibe nach dem Rückschnitt bedeckt mit Laub und Reisig. Für Stockrosen im Kübel gilt die Klassifizierung als winterharte Pflanze nur bedingt. Ohne die hier empfohlenen Vorkehrungen laufen die Hoffnungen auf ein ausdauerndes Wachstum ins Leere.