Weinreben schneiden - Anleitung im 1. und 2. Jahr

Weinreben werden mit fachgerechtem Schneiden erzogenAmbitionierten Züchtern ist es zu verdanken, dass veredelte Sorten der Vitis vinifera mittlerweile auch in winterharten Gegenden kultiviert werden können. Mit Weinreben lassen sich dekorativ Pergolas, Gartenzäune und auch Hauswände begrünen. Für eine reichhaltige Beerenernte und für ein gesundes Wachstum der Pflanze ist ein regelmäßiger Rück- und Erziehungsschnitt jedoch unverzichtbar. Bereits in den ersten beiden Standjahren gilt es, einige Besonderheiten beim Beschnitt zu beachten. Unter idealen Standort- und Pflegebedingungen erwartet Sie bereits nach wenigen Jahren Ihre

eigene, ertragreiche Weintrauben-Ernte.

Der richtige Schnitt zur richtigen Zeit

Weinreben im Hobbygarten verströmen ein südländisches Flair. Mit Vitis vinifera können Sie dekorativ Hauswände und Gartenzäune begrünen und im Herbst sich an der schmackhaften Beerenernte erfreuen. Zahlreiche Zuchtarten und -Formen machen die Kultivierung von Weinreben auch in winterharten Regionen möglich. Ein vollsonniger Standort und das richtige Substrat fördern die Widerstandsfähigkeit des wuchsfreudigen Gewächses. Auch die richtige Pflege ist überaus wichtig und erfordert einiges an Aufwand und Zeit. Für eine ertragreiche Ernte und ein gesundes Erscheinungsbild ist ein regelmäßiger Beschnitt zwingend notwendig. Fehler verzeiht die robuste Weinrebe eher, als ein Jahr ohne Rück- bzw. Erziehungsschnitt.

Ob und zu welcher Zeit Weinreben beschnitten werden sollten, ist ein heftig umstrittenes Thema. Werden die schnell rankenden Pflanzen jedoch vollständig sich selbst überlassen, verwahrlosen sie. Schwache Triebe, Totholz und kranke Blätter sind das Ergebnis. Bereits nach einem Jahr macht sich der "Nichtbeschnitt" bemerkbar. Um die Weinreben in Form zu bringen und gesundheitlich zu fördern, ist ein jährlicher Beschnitt nötig.

Der Grundstein für eine ertragreiche Weinernte

Im ersten Jahr der Pflanzung sind die richtigen Maßnahmen notwendig, damit sich aus den zarten Trieben ein kräftiger und gut verholzter Stamm entwickelt. Gepflanzt wird im Frühjahr und bis zum Spätsommer sollten Sie der Weinrebe Gelegenheit geben, ungestört zu wachsen und ein starkes Wurzelgeflecht auszubilden. Möchten Sie das Wachstum der Reben auf 2 bis 5 Meter begrenzen, so erfolgt Ende August der erste Rückschnitt. Dabei werden die Pflanzen auf etwa 1,5 Meter eingekürzt. Das gibt dem Gewächs die Möglichkeit, noch vor der Winterruhe die überschüssige Energie in die Ausbildung der Wurzeln und zur Stärkung der oberirdischen Pflanzenteile einzusetzen.

Im Herbst ist die beste Gelegenheit, um sich um schwache Weinreben zu kümmern. Schlaff herabhängende und gekrümmte Triebspitzen sind ein Anzeichen für einen gesunden und kräftigen Wuchs. Lassen Sie diese nach Möglichkeit unberührt. Gestauchte Triebe hingegen deuten auf ein stagniertes Wachstum hin, die Pflanze leidet an einen Mangel. Handeln Sie sofort und überprüfen Sie zuerst die Standortbedingungen. Doch auch Wurzeldruck durch andere Gewächse und Das regelmäßige Schneiden der Weinreben sichert gute ErträgeNährstoffmangel können der Auslöser sein. Fehlen Licht und Wärme, so sollten Sie die Weinrebe noch vor dem ersten Frost an einen anderen Pflanzort umsetzen. Fehlt der Mindestabstand zu anderen Gehölzen hin, so entfernen Sie diese. Wenn die Rebe bis zum Herbst nur einen schwachen Haupttrieb aufweist, so kürzen Sie diesen bis auf drei Augen ein. Das Gewächs muss nun das Folgejahr nutzen können, um kräftige Wurzeln und kräftige Triebe auszubilden.

Weinreben fachgerecht im 2. Jahr schneiden

Im zweiten Jahr können Sie mit dem Aufbau und der ersten Erziehung der

Weinreben beginnen. Mit den geeigneten Pflege- und Schneidemaßnahmen können Sie bereits im 4. Jahr mit einer erfolgreichen Weintraubenernte rechnen. Der Winterschnitt erfolgt zwischen November und März, noch bevor die Weinrebe mit dem Austrieb neuer Blätter und Zweige beginnt. In den ersten Jahren dient diese Maßnahme dem Aufbau des kräftigen Stammgerüsts.
  1. Etwa 6 bis 8 stammnahe, starke Triebe auswählen und markieren.
  2. Der Rest der dünnen Vorjahrestriebe wird vollständig entfernt.
  3. Bei Bedarf regen Sie das Wachstum von Seitentrieben durch Kappen der Haupttriebspitze an.
  4. Quer wachsende und wild austreibende Triebe können Sie auch im Sommer stammnah beseitigen.
  5. Kranke und abgestorbene Pflanzenteile werden in der Hauptvegetationszeit entfernt.
In den Folgejahren bestimmt der Winterschnitt die Ertragsmenge der Trauben im Folgejahr. Verzichten
Sie bei Temperaturen unter -5 °C auf einen Beschnitt, denn einige Sorten reagieren darauf überaus empfindlich. Weinreben neigen zum Ausbluten. Besonders im Frühjahr bei höheren Temperaturen schließen sich entstandene Wundränder erst nach längerer Zeit und Pflanzensaft tritt aus. Damit dies das Rankgewächs nicht nachhaltig schädigt, sind die richtige Schnittführung und das passende Werkzeug wichtig. Die Schnittfläche darf nicht gequetscht oder ausgefasert sein, sondern muss sauber und glatt wirken. Verwenden Sie dafür eine scharfe Gartenschere.

Wenn Sie im 2. Jahr schwache Triebe vom Vorjahr einkürzen, so schneiden Sie diese nicht stammnah ab. Etwa 1 bis 2 Knospen sollten vom Trieb erhalten bleiben, der Schnitt erfolgt etwa 1,5 cm über dem letzten Auge. Die unter der Schnittfläche liegenden "Augen" sollten nicht in Kontakt mit dem austretenden Pflanzensaft kommen. Denn die permanente Benetzung mit Flüssigkeit schädigt die Knospe. Mit einer leicht angeschrägten Schnittfläche umgehen Sie dieses Problem.

Sommerschnitt und Erziehungsformen

Der Hauptschnitt bei älteren Weinreben erfolgt ausschließlich im Winter. In den ersten zwei Jahren sollten Sie das Wachstum der Pflanze allerdings nur mäßig eindämmen, damit sich der Hauptstamm und die -Triebe gesund und kräftig entwickeln können. Ein Sommerschnitt wird erst ab dem 4. Jahr angewandt, ist allerdings nur selten notwendig. Dabei werden Geiztriebe beseitigt und überflüssiges Laub rund um die Beerenstände entfernt. Die "Entlaubung" sollte sich etwa über 2 bis 3 Wochen erstrecken, damit die Pflanze keinen Schaden durch UV-Strahlung erleidet. Entfällt der Beschnitt im Sommer, so können Sie diese Arbeiten beim Winterschnitt nachholen.

Bereits bei der Pflanzung sollten Sie sich Gedanken darüber machen, in welcher Form Sie die Weinreben erziehen möchten. Besonders einfach und pflegeleicht sind der girlanden- und fächerförmige Wuchs der Weinreben. Bei beiden Erziehungsarten ist kein strenger Rückschnitt erforderlich, der komplette Pflegeaufwand bei der Kultivierung der Reben hält sich in Grenzen. Wichtig zu wissen: Neu gepflanzte Weinreben sind fast ausschließlich veredelt und besitzen andere Anforderungen und Eigenschaften als ältere, unveredelte Hausreben. Tipp: In den späteren Jahren können Sie beim Sommerschnitt alle Triebe entfernen, die keine Trauben tragen. Die Beeren werden dadurch größer und aromatischer.

Achten Sie nicht nur auf die richtigen Handgriffe, sondern auch auf das richtige SchnittwerkzeugFazit der Redaktion

Die "Erziehung" und der Rückschnitt von Weinreben sind keine hohe Wissenschaft. Auch muss niemand ein dickes Ratgeberbuch durchwälzen, um die eigenen Reben in Form zu bringen. Der richtige Rück- und Erziehungsschnitt ist überaus wichtig, um das Wachstum der Rankpflanzen zu fördern und um die Gewächse in die gewünschte Wuchsform zu bringen. Mit nur wenigen Tipps und Handgriffen verbessern Sie Ihren Ernteertrag und wirken einer potenziellen Verwilderung der Weinreben entgegen.

Wissenswertes zum Weinreben-Schnitt in Kürze

Anleitung
Wenn eine Weinreben noch recht jung, als nicht älter als fünf Jahre ist, und noch keine fachmännische Erziehung durchlaufen hat, kann man sie mit einem Winterschnitt grob wieder in Form bringen:
  • Der Winterschnitt erfolgt im Februar oder März.
  • Zunächst gilt es dabei, dass Holz aus dem Vorjahr zu erkennen.
  • Die alten Triebe zeigen sich meist in einer gelbbraunen, ockerfarbenen oder rotbraunen Färbung. Kratzt man sie an, sind sie im Innern grün.
  • Ferner besitzen die alten Triebe Knospen, jeweils in einem Abstand von fünf bis 15 cm.
  • Diese Triebe sollten bis auf vier bis sechs Knospen gekürzt werden.
  • Dazu muss man wissen, dass Früchte nur aus den Knospen des Vorjahresholzes wachsen.
  • Dafür muss der Trieb stark sein, was der Fall ist, wenn er mindestens so dick ist wie ein Bleistift.
  • Zudem sollten sich keine Verzweigungen am Ende des Triebes befinden, da so eine Nährstoffversorgung am besten gewährleistet ist.
  • Alle Triebe, die diesen Vorgaben nicht gerecht werden, werden bündig bis zum Hauptstamm abgeschnitten.
  • Meist sind nach dieser Auslese rund 90 Prozent des Geästes entfernt.
  • Nun kommt der Feinschnitt, bei dem an den verbliebenen Trieben im unteren Bereich Stummel mit zwei bis drei Knospen übrig bleiben.
  • Im oberen Bereich sollte soweit gekürzt werden, dass vier bis sechs Knospen verbleiben.
Schnittwerkzeug
Grundsätzlich sollte der Rebschnitt immer nur mit einer sehr scharfen Schere erfolgen. Die Schnittfläche ist dabei leicht schräg, während dickere Stammteile auf „Astring“ abgeschnitten werden. Durch den schrägen Schnitt kann die Weinrebe besser „bluten“. Die hierbei austretende Flüssigkeit kann durch den schrägen Schnitt an darunter liegenden Knospen vorbeigeleitet werden, was die Knospen schützt. Durch die scharfe Schere ist gewährleistet, dass sich keine Quetschungen an den Reben ergeben.
  • Es sollte immer darauf geachtet werden, dass die Schnittfläche sauber und glatt ist.
  • Sie darf nicht ausgefasert sein, da es in diesem Fall zu einer Austrocknung der Schnittstelle kommen kann.
  • Ferner ist durch eine stumpfe Schere die Gefahr groß, dass die Knospen mit mehr ausreichend mit Saft versorgt werden können.
Eine richtig gute Schere für das Beschneiden von Weinreben kann man in jedem gut sortieren Baumarkt kaufen. Beim Kauf im Internet sollte man sich unbedingt die Mühen von einem Preisvergleich machen. Es gibt viele verschiedene Onlineshops, die auch die unterschiedlichsten Preise für vergleichbare Produkte verlangen. Durch den Preisvergleich lässt sich an dieser Stelle immer des einen oder anderen Euro sparen. Scheren für das Beschneiden von Weinreben sind nicht gerade günstig, doch eine gute Qualität spricht für sich. Mit einer Investition ab rund 15 Euro aufwärts muss in jedem Fall gerechnet werden.