Alte & Historische Obst -und Gemüsesorten

GemüsesortenAlte und historische Obst- und Gemüsesorten sind heute längst in Vergessenheit geraten. Was früher auf den Feldern wuchs, interessiert heute kaum noch Jemanden.

Wer weiß denn schon, wie Melde schmeckt oder wie anspruchslos der Meerkohl ist?

In Zeiten der optimalen Züchtung von Obst und Gemüse wird eben auch viel Wert auf das Aussehen gelegt, so dass kleine und nicht besonders schöne Äpfel gar nicht mehr in den Handel gelangen.

Dabei haben doch die alten Obstsorten ein unvergessliches Aroma, frei von Düngemitteln

wuchsen sie in freier Natur und man erinnert sich gerne an die schmackhaften Birnen aus Omas Garten.

Und Tatsache ist auch, dass gerade die längst vergessenen Obst und Gemüse besonders leicht zu kultivieren sind. Sie brauchen keine Chemie, kommen ohne Gentechnik aus, sind sogar resistent gegen viele Schädlinge und sind anspruchslos und gedeihen sogar auf schlechten Böden. Sie überstehen ebenso Trockenheiten und Überschwemmungen.

Historische Obstsorten

Zu den alten Obstsorten zählen unheimlich viele verschiedene Äpfel, Birnen und andere Obstsorten. Um hier einen kleinen Einblick zu geben, seien einige kurz erwähnt:

Da gab es zum Beispiel den Braunen Matapfel, irgendwann im 16. Jahrhundert war er in weiten Teilen Deutschlands verbreitet und wurde im frühen 19. Jahrhundert sogar in Baumschulen angeboten. Heute kann man die Exemplare dieser schmackhaften Apfelsorte an einer Hand abzählen.

Auch der Kleine Herrenapfel ist eine uralte Obstsorte. Im 19. Jahrhundert gehörte er zu den beliebtesten und am besten schmeckenden Äpfeln überhaupt, heute kennt ihn fast niemand mehr.

Besonders lange haltbar und schon im frühen 18. Jahrhundert beschrieben, war der Grüne Stettinger, hiervon gibt es aber noch einige Bäume, die es unbedingt zu erhalten gilt. So findet man sie zum Beispiel im Pfarrgarten Gnotzheim oder auch in Roxfeld.

Eine Birnenart, die heute vergessen ist, ist der Kuhfuß. Ursprünglich aus der Gegend um Hannover kommend, wurde sie vornehmlich als Kochbirne verwendet und Anfang des 20. Jahrhunderts in Baumschulen angeboten. In Bayern zum Beispiel steht von dieser Art noch ein einziger Baum.

bold;">Historische Gemüsesorten

Wegen der Anspruchslosigkeit waren früher auch viele Gemüsesorten bekannt und wurden vielerorts angebaut, um den Hunger zu stillen. Hier folgen einige kurze Beispiele:

Da gab es den oben schon erwähnten Meerkohl, eine Gemüsepflanze mit dicken, fleischigen und wohl schmeckenden Blättern. Mindestens bis ins 18. Jahrhundert kann seine Geschichte zurückverfolgt werden. Besonders bekannt hat ihn seine Vorliebe für schlechte und salzhaltige Böden gemacht.

Eine andere Gemüsesorte ist die Melde. Ihre Geschichte geht nachweislich bis ins Jahr 300 v. Chr. zurück. Ihre Blätter wurden gekocht und dann verzehrt.

Vielleicht eher ein Begriff ist die Pastinake. Sie ist ein Gemüse und sieht aus wie eine gelbe, blasse Möhre. Schon zu Zeiten der Römer wurde sie gegessen und auch heute noch findet man sie auf ganz speziellen Märkten. Sie sieht zwar der Möhre ähnlich, soll aber ganz anders schmecken.

Erhaltung der alten Obst- und Gemüsesorten

Befasst man sich einmal näher mit diesem Thema, so kommt man unweigerlich zu dem Schluss,

dass diese alten Kulturen es wert sind, erhalten zu werden. Einmal aus geschichtlichen Gründen und zweitens natürlichen auch aus Gründen der Welternährung. Die heute hoch gezüchteten und anspruchsvollen Obst- und Gemüsesorten können gar nicht mithalten, wenn es um Genügsamkeit und einfachen Anbau geht.

Das hat auch die Wissenschaft erkannt und so finden sich im Archiv des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben bei Magdeburg rund 150.000 dieser alten Pflanzenmuster. Sie werden hier gelagert, untersucht und für die Nachwelt aufbewahrt. Einige dieser Arten, verpackt in Samenmustern wurden unlängst nach Svalbard verfrachtet. Dort werden ungefähr 120 Meter unter der Erdoberfläche des Eises Spitzberges im Permafrost viele Millionen Samen aus aller Welt bei minus 18 Grad Celsius gelagert. Der Sinn hierbei ist wiederum in der Erhaltung der vielen Nutzpflanzen der Erde zu suchen.

Tipps für den Gärtner

Gerade für den Anfänger, den ungeübten Gärtner und den Hobbygärtner, der etwas Neues ausprobieren möchte, empfiehlt sich der Anbau eben dieser alten Sorten Obst und Gemüse.

Diese Pflanzen überzeugen einfach durch ihre Robustheit und Unempfindlichkeit. Sie nehmen kleine Fehler überhaupt nicht übel und belohnen den Gärtner mit frischen und vor allem wohl schmeckenden Früchten. Ein Versuch ist es allemal wert. Neben den Früchten wird man auch von den schönen Blüten, den atemberaubenden Düften und von der absoluten Anspruchslosigkeit dieser Pflanzen überzeugt.

Sieht man sich im Internet ein wenig um, dann findet man sogar Samen, die man kaufen kann. Oder man wendet sich an die wenigen Leute, die die alten Obst- und Gemüsesorten bis heute erhalten haben. Es gibt in Deutschland nämlich einige wenige Leute, die es sich zu Aufgabe gemacht haben, dass man alte Kulturpflanzen nicht vergisst.

Nebenbei: Früher waren diese Sorten nicht nur zur Hungerstillung gedacht, man hat aus ihnen auch Arzneien gewonnen und erfolgreich eingesetzt. Auch heute noch werden einige Pflanzen kultiviert weil man um ihre medizinischen Wirkungen weiß und sie zur Herstellung von Arzneimittel nutzt.