Anleitung zum Apfelbaumschnitt

Obstbaum schneidenApfelbäume (Malus domestica) gibt es in unterschiedlichen Formen, die hinsichtlich des Kronenaufbaus differenziert werden. Am bekanntesten ist die „normale“, buschige Form, weiterhin werden Schnur- oder Spalierbäume und die meist zierlicheren Spindelbäumchen (Ballerina) kultiviert. Da der Baumschnitt dem Aufbau einer gesunden Krone dient, gibt es für die verschiedenen Formen auch keinen allgemeingültigen Schnitt, vielmehr werden die Maßnahmen dem gewünschten Ergebnis angepasst.

Baumschnitt an buschiger Kronenform

Für die Erziehung einer gesunden Krone bei dieser allgemein bekannten Baumform sind verschiedene Schnittmaßnahmen im Verlaufe des Lebens eines Apfelbaumes

notwendig.
  • Pflanzschnitt (unmittelbar nach dem Pflanzen des jungen Bäumchens)
  • Erziehungsschnitt (über mehrere Jahre hinweg bei jungen Apfelbäumen)
  • Unterhaltungsschnitt (möglichst jährlich bei „erwachsenen“ Bäumen)
  • Verjüngungsschnitt (an alten, im Ertrag nachlassenden Apfelbäumen)
ApfelbaumEine alte Gärtnerweisheit besagt, dass man durch die Krone eines einen gut geschnittenen Apfelbaumes einen Hut hindurch werfen kann. Diese Regel weist bereits darauf hin, dass das Ergebnis des Obstbaumschnitts eine sehr luftige Krone mit nur wenigen Leitästen und überwiegend nach außen wachsenden Seitentrieben darstellen soll. Bei einer zu dichten Krone treten bei länger anhaltender feuchter Witterung rasch Krankheiten auf, da die Blätter hier bei mangelnder Belüftung und ungenügender Sonneneinstrahlung nicht rasch genug abtrocknen können, um beispielsweise einem Pilzbefall zu widerstehen. Das Ziel des Schnittes liegt darin, den Baum so lange wie möglich gesund zu erhalten und dabei reiche Ernteerträge bei möglichst hoher Fruchtqualität zu erzielen.

Pflanzschnitt

Der Pflanzschnitt, der unmittelbar nach
der Pflanzung vorgenommen wird, schafft die Grundlage für alle späteren Schnittmaßnahmen. Zunächst wird der möglicherweise noch vorhandene, parallel zum Mitteltrieb aufragende Konkurrenztrieb restlos an seiner Basis entfernt. Alle weiteren Leitäste werden bis auf wenige Augen gekürzt, so dass außer dem Mitteltrieb 3 – 4 Leitäste verbleiben. Zuletzt wird auch der Mitteltrieb so geschnitten, dass er die Leittriebe um höchstens 10 cm überragt. Die Krone soll nach dem Schnitt eine pyramidenähnliche Form haben, sich also noch oben hin verjüngen. Bei Apfelbäumen, die beim Kauf bereits 2 – 3 Jahre alt sind und aus dem Fachhandel bezogen werden, kann dieser Schnitt in der Regel entfallen, da er hier meistens in der Baumschule ausgeführt wurde.

Erziehungsschnitt

Apfelbaum verschnittenDiese bei jungen Bäumen über einige Jahre hinweg vorzunehmende Maßnahme dient dem Aufbau einer luftigen Krone mit reichlich Fruchtholz. Sie betrifft die Leitäste und die aus ihnen wachsenden Seitentriebe. An jedem Leitast dürfen nur 3 Seitenäste belassen werden, von denen zwei nach außen wachsen sollen. Alle aus den Leittrieben steil aufragenden jungen Äste sind zu entfernen. Die Krone soll nach dem Schnitt breit und luftig wachsen.

Instandhaltungsschnitt

Hiermit ist das regelmäßige, möglichst jährliche Auslichten der Krone gemeint, wobei abgetragene Fruchtäste entfernt und Neutriebe durch mäßigen Schnitt zum vermehrten Austrieb und zur Ausbildung von neuem Fruchtholz angeregt werden.

Verjüngungsschnitt

Durch den Verjüngungsschnitt sollen alte, nicht mehr ertragsfreudige Kronen „verjüngt“ werden. Will man hierbei Erfolg erzielen, so müssen Mitteltrieb und Leitäste konsequent mindestens um die Hälfte, besser noch um zwei Drittel gekürzt werden. Wer sich solch eine radikale Maßnahme nicht selbst zutraut, von seinem geliebten Apfelbaum jedoch noch einige Jahre lang mit

Äpfeln versorgt werden möchte, der beauftragt am besten einen Fachmann für Obstbaumschnitt.

Allgemeine Hinweise für den Schnitt der Apfelbäume

Im Hausgarten werden Apfelbäume in der Regel in der vegetationslosen Zeit, also etwa von November bis März geschnitten. Die Schnittstellen werden stets über einem nach außen zeigenden Auge angesetzt, damit der Austrieb nicht in das Kroneninnere erfolgt. Zum Einsatz kommen nur scharfe Astscheren, bei stärkeren Trieben auch Astsägen. Größere Wundflächen sind mit Baumharz zu verschließen, um ein Eindringen von Krankheitserregen in das Innere des Apfelbaumes zu verhindern.

Bei Beachtung aller dieser Hinweise kann der Hobbygärtner über viele Jahre hinweg mit gesunden Obstbäumen und mit reichen Ernten bei hoher Fruchtqualität rechnen.

Quelle: Helmut Jantra, Garten heute, Falken Verlag 1987, S. 263 - 266.