Hopfen im Garten anbauen - Hauswände begrünen

garten5 flWenn man einem Gespräch lauscht, in dem über die schönsten Kletterpflanzen diskutiert wird, gewinnt man häufig den Eindruck, hier sei wohl “Hopfen und Malz verloren”. Denn genau dieser Hopfen wird bei solchen Gesprächen meist überhaupt nicht erwähnt, obwohl er zu den schönsten und genügsamsten Kletterpflanzen überhaupt gehört.

Der Hopfen im Garten

Auch wenn Sie keine Bierwürze gewinnen möchten, ist der einheimische Hopfen (Humulus lupulus) eine sehr dekorative Pflanze für den Garten. Er ist mit jedem schattigen bis sonnigen

Standort zufrieden, an dem er gut wasserdurchlässigen, feuchten und recht nährstoffhaltigen Boden findet. Bei der Wahl des Standortes sollten Sie jedoch beachten, dass der Hopfen wohl deshalb "lupulus" heißt, weil man früher der Meinung war, er würde seine Nachbarpflanzen würgen wie ein "lupus" (das ist der Wolf, der würgt allerdings niemanden).

Auf jeden Fall ist der Hopfen bedacht auf schnelles Höhenwachstum und kann einer benachbarten Pflanze durchaus Schaden durch seinen Eifer. Außerdem verliert er im September seine Blätter, die mit ihrer haarigen Oberfläche dann gerne in benachbarten Pflanzen hängen bleiben. Hopfen breitet sich auch gerne durch seine Wurzeln aus, was durchaus zu Ärger führen kann. Bayern, als “Land der Bierbrauer” erfahren im Umgang mit Hopfen, hat in seinem Nachbarrecht festgelegt, dass ein Hopfen mit einer Höhe von über 2 Metern in einem Abstand von mindestens 2 Metern zur Grundstücksgrenze gezogen werden muss.

Der einheimische Hopfen ist mehrjährig und wird als Jungpflanze zum Auspflanzen verkauft, da er vegetativ vermehrt wird, um seine Eigenschaften immer zu erhalten. Eine eigene Aussaat von Hopfen wird aus verschiedenen Gründen nicht empfohlen.

Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr, ab Ende März können Sie ältere Pflanzen auspflanzen, ab Mai werden unverholzte Jungpflanzen in den Boden gegeben. Wenn Sie im Herbst pflanzen möchten, ist das ebenfalls möglich, etwa ab Ende September bis in den November, wenn die Erde noch nicht gefroren ist. Die Pflanzen gehen dann in Winterruhe und treiben im nächsten Frühjahr aus.

Nach der Pflanzung möchte der Hopfen regelmäßig gegossen werden, außerdem braucht er braucht er eine gute Ernährung, die seinem gewaltigen Zuwachs entspricht. Sie können organisches Material oder Kunstdünger einsetzen, vor allem auf eine ausreichende Ernährung mit dem wasserlöslichen Stickstoff ist zu achten. Meist klappt die Düngegabe gut, wenn Sie den Hopfen ähnlich wie Ihr Gemüse ernähren, dabei jedoch die Düngermenge durch den Faktor erhöhen, den der gewaltige Massenzuwachs des Hopfens vorgibt (Düngermenge fürs Gemüse multipliziert mit 3, wenn der Hopfen dreimal schneller
wächst).

Wenn er diese Behandlung bekommt, wird Ihr Hopfen gut und gerne wachsen. Er treibt jeweils im April aus, Sie können ihm dann an warmen Frühlingstagen wirklich fast beim Wachsen zusehen, er kann an einem Tag um 20 cm zulegen. Die Vegetationsperiode des Hopfens endet im September - je nach Standort, Bodenfeuchte und Wetter kann das Anfang oder Ende September sein. Die oberirdischen Pflanzenteile vertrocknen jetzt, die Blätter werden erst gelb und fallen dann größtenteils ab. Die Nährstoffe aus den Blättern und den Trieben wandern in den Wurzelstock. Die sichtbaren Pflanzenteile werden optisch recht unattraktiv und können abgeschnitten werden. Wenn Sie die Reste der Pflanze, etwa 75 cm,

stehen lassen, geben Sie dem Hopfen eine zusätzliche Möglichkeit, Nährstoffe einzulagern. Der Stock selbst braucht keinen besonderen Winterschutz.

Der Hopfen kann im Garten Vieles verdecken, mit seiner rückwärts wachsenden Behaarung klammert er sich an allen möglichen Unterlagen fest, sogar auf rauen Flächen. Sie können Hopfen also nutzen, um einen alten Baumstumpf oder den etwas maroden Schuppen bis zum Herbst wirkungsvoll zu verschönern, oder Sie lassen im Garten Kunst entstehen, indem Sie den Hopfen an einem ganz besonderen Rankgitter entlangwachsen lassen. Nicht zuletzt kann er natürlich auch Hauswände begrünen:

Hauswände begrünen mit Hopfen

staude-pflanzen flAn der Hauswand wird der Hopfen Sie mit seiner Wuchskraft ziemlich glücklich machen, wenn Sie damit leben können, dass die Fassade im Winter nicht begrünt ist. Dann sollten Sie auch die verdorrten Triebe entfernen. Die Fassade sollte also zugänglich sein. Dafür beschränkt sich die Pflege des Hopfens auf Bodenarbeiten wie Gießen und Düngen, und die Fassade liegt im Winter frei, z. B. für Reparaturen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Hopfen mit dünnen Pflanzenteilen nach oben wächst, bei der einheimischen Schlingpflanze handelt es sich nämlich um eine Staude und nicht um ein Gehölz. Der Bewuchs ist deshalb insgesamt sehr leicht und kann an viel zierlichere Rankhilfen gesetzt werden als stammbildende Schlingpflanzen brauchen.

Hopfen kann auch so ziemlich an allem hochwachsen, was sich ohnehin an der Hauswand als Rankhilfe anbietet, sogar an einem Fallrohr, weil er keine würgenden Stämme ausbildet. Sie könnten Hopfen z. B. auch aus einem Kübel an zarten Seilen entlang hoch zu Ihrer Hauslaterne führen. Eine tolle Übersicht, welche Seilsysteme sich für eine Begrünung mit Hopfen eignen, gibt es unter www.fassadengruen.de/uw/kletterpflanzen/uw/hopfen/hopfen.htm anzusehen.

Wenn Sie z. B. irgendwann demnächst die Fassade sanieren wollen, können Sie sie trotzdem jetzt schon mit Hopfen begrünen. Sie müssen die Hopfenpflanzen nur in mindestens einem halben Meter Abstand zur Fassade setzen (leicht schräg zur Fassade hin geneigt, um die Ranken hochzuleiten). Wenn die Fassadenarbeiten anstehen, werden die Ranken dieses Jahres einfach mitsamt dem Rankgitter auf den Boden umgelegt und später wieder an die Fassade geklappt.

Es gibt übrigens auch einen einjährigen Zierhopfen, den aus Japen stammenden Humulus japonicus bzw. Humulus scandens, dessen Samen sich jedoch mitunter ziemlich unkontrolliert ausbreiten sollen. Wenn Sie möchten, dass Ihre Kletterpflanze nicht nur Bierwürze, sondern echte Früchte trägt, könnten Sie sich Wein an die Hauswand setzen. Oder auch eine Kiwi, zum Beispiel die Art Actinidia arguta, die bei uns bis minus 30 Grad frosthart ist und sich ansonsten als pflegeleicht und widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und Krankheiten erwiesen hat.