Mammutbaum - Anzucht und Pflege

MammutbaumMammutbäume sind etwas ganz Besonderes: Traumhaft schnelles Wachstum bis zu 2 m pro Saison, mit rund 70 Millionen Jahren Entwicklungsgeschichte unter den ältesten Gehölzen dieser Erde und dabei so selten, dass es nur noch drei Arten auf der ganzen Welt gibt. Weil die Mammutbäume auch die Rekorde "höchster Baum" und (fast) "dickster Baum" halten, sind aber nur wenige Arten/Sorten von Interesse für Privatgärtner. Nachfolgend erfahren Sie, welche Mammutbäume das sind, wie Sie sie aus Samen selbst aufziehen und wie sie gepflegt werden:

Steckbrief

  • Mammutbäume sind Koniferen aus der Familie der Zypressengewächse
  • Ihre Unterfamilie der

    Sequoioideae wurde von der biologischen Forschung bis in die Kreidezeit zurückverfolgt
  • Damals gab es mindestens ein Dutzend verschiedene Mammutbäume, von denen nur drei Gattungen mit je drei Arten überlebt haben
  • Das sind die kalifornischen Bergmammutbäume und Küstenmammutbäume sowie der in China entdeckte Urweltmammutbaum
  • Urweltmammutbäume sind die Mammutbäume für Hausgärten
  • Sie kommen mit unserem Klima am besten zurecht und bleiben als Kultursorte in gartenverträglichen Höhen
  • Einige Sorten des Bergmammutbaums halten es in unserem Klima als ältere Bäume ebenfalls gut aus
  • In Kultursorten, die kompakter wachsen als das bis zu 100 m hohe Original
  • Die trotzdem nur zur Anpflanzung in außergewöhnlich weitläufigen Gärten empfohlen werden
Tipp: Vorab, weil wichtig: Pflanzen Sie sich niemals unüberlegt irgendeinen Mammutbaum an irgendeine Stelle im Garten! Zwei von drei Mammutbaum-Arten haben im normalen Hausgarten nichts zu suchen, Exemplare der geeigneten Sorte müssen das erste Jahr im Kübel verbringen; vor allem aber müssen Sie vor der Anpflanzung eines Mammutbaums sehr genau Ihr Baumschutzgesetz studieren. In manchen Bundesländern ist jeder Baum, außer ausdrücklich aufgeführten Arten, ab einem nicht sehr gewaltigen Stammumfang geschützt; hier kann ein Mammutbaum Schutzstatus erreichen, bevor sie bemerken, dass er für Ihren Garten wohl doch zu gewaltige Proportionen entfalten wird.

Anzucht aus Samen

Wenn Sie schon wissen, welchen Mammutbaum Sie aufziehen möchten (wenn Sie das noch nicht wissen, sollten Sie zunächst unten den Abschnitt "Die Auswahl des richtigen Mammutbaum: Arten und Sorten" lesen), kann es losgehen, sobald die Samen geliefert wurden, nach folgender Schritt-für-Schritt-Anleitung:

1. Samen stratifizieren

Mammutbaum-Samen steht unter Keimhemmung, wodurch in der Natur dafür gesorgt wird, dass der zum Herbst gereifte Samen nicht sofort loslegt und dann in der kalten Jahreszeit nicht viel Freude hat. Während Saisonware gewöhnlich vom Händler stratifiziert wird, damit die ungeduldigen Gärtner im Frühjahr sofort loslegen können, werden Mammutbaum-Samen das ganze Jahr gehandelt. Deshalb wird Ihnen die Stratifizierung überlassen, deshalb kann der Samen das ganze Jahr ausgesät werden.
Mammutbaum
Normalerweise wird die Keimhemmung durch Winterkälte abgebaut, wenn die gerade nicht zur Hand ist, darf der Kühlschrank diese Aufgabe übernehmen. Dort bleiben die Samen je nach Baumart unterschiedlich lange, vielleicht muss auch die Temperatur ein wenig angepasst werden, hier die Ansprüche der drei Mammutbaum-Arten an die Stratifizierung:
• Urweltmammutbaum-Samen: 5 - 7 Grad, 5 bis 10 Tage, danach über Nacht (12 Stunden) in lauwarmem Wasser einweichen
• Bergmammutbaum: 5 Grad abwärts und eine längere Stratifizierungs-Dauer
• Es gibt viele Meinungen darüber, wie lange genau, von einzelnen Tagen bis zu 2 Monaten
• Eine Stratifizierungsdauer von 14 Tagen scheint den meisten Erfolg zu bringen
• Anschließend sollten auch Bergmammutbaum-Samen 12 - 24 Std. eingeweicht werden
• Die Samen des Küstenmammutbaums werden bei höchstens 5 Grad stratifiziert
• Stratifizierungsdauer: Siehe Bergmammutbaum, auch hier bringt ca. 14 Tage Stratifizierung wohl die beste Erfolgsquote
• Anschließendes Einweichen wird bei Küstenmammutbaum-Samen

nicht empfohlen, sie dürfen gleich in die Anzuchterde

Stratifizierungsangaben sind nie ganz genau, da die optimalen Werte von vielen Faktoren abhängen (Luftfeuchtigkeit im Lager des Händlers, Samenreife bei Ernte, Alter der Samen etc.). Wenn Sie Samen sicher zum Keimen bringen wollen (Mammutbaum-Samen werden gewöhnlich in Portionen von 30 bis 50 Stück verkauft, offensichtlich gehen auch die Händler von einer nicht ganz winzigen Ausfallquote aus), sollten Sie die Samen chargenweise aussäen. Starten Sie bei Charge 1 mit den kleinsten Werten der Empfehlungen, wenn es mit diesen ersten Samen nichts wird, stratifizieren Sie die Samen der Charge 2 etwas länger und/oder kälter.

2. Behälter mit Anzuchterde vorbereiten

Während die Samen stratifizieren, können Sie sich schon um Anzuchtbehälter und -erde kümmern. Die Anzuchtbehälter sollten lichtdurchlässig abzudecken sein, Sie können Zimmergewächshäuser mit integriertem Deckel verwenden oder die Anzuchttöpfe mit passenden Glasscheiben, transparenten Kunststoffbehältern (Upcycling der letzten Salat- oder Tomatenverpackung) oder Folienhauben abdecken.

Es werden mehrere Varianten von Anzuchterde empfohlen:
• Gartenerde, Humus und Sand, zu gleichen Teilen gemischt
• Geeignet für Urweltmammutbäume, die bald in den Garten gesetzt werden, sie werden so schon an die hiesigen Mikroorganismen gewöhnt
• Reine Kokoserde, auch als Kokohum bekannt
• Empfehlenswert für Anzucht von Kübel-Mammutbäumen, später auch ins Kübel-Substrat mischen
• Kokohum, unter den zerkleinerte Eierschalen gemischt werden
• Eierschalen bestehen aus kohlensaurem Kalk, passt für Küstenmammutbäume, die auch auf Kalkgestein wachsen
• Kokoserde, unter die etwas Holzasche gemischt wurde
• Soll schon Bergmammutbäume und Küstenmammutbäume nach mehreren Fehlversuchen zum Keimen gebracht haben (am Naturstandort keimen sie nach Waldbränden).

3. Mammutbäume aussäen

Wenn Anzuchtbehälter und Samen fertig vorbereitet sind, können die Samen in die Erde. Genauer gesagt, auf die Erde, alle Mammutbäume sind Lichtkeimer und werden als Samen locker auf der Anzuchterde verstreut.

4. Anzuchtbehälter pflegen

Samen leicht mit Erde fixieren, Anzuchtbehälter an einem hellen (nicht sonnigen) geschützten Standort aufstellen. Anzuchtbehälter abdecken und Erde durchgehend feucht (nicht nass!) halten, zur Vermeidung von Schimmelbildung regelmäßig lüften.
    
Urweltmammutbäume keimen in 1 - 3 Wochen, Bergmammutbäume und Küstenmammutbäume sollen 2 - 5 Wochen bis zu den ersten Regungen brauchen. Im Zweifel Anzuchtbehälter ruhig noch eine Weile weiter pflegen – es soll
schon Mammutbäume gegeben haben, die erst nach Monaten gekeimt sind.

5. Jungpflanzen pikieren

Wenn die Jungpflanzen soweit gediehen sind, dass sie einigermaßen stabil wirken (frühestens fünf Wochen nach der Keimung), können die Anzuchtbehälter aufgedeckt werden. Wenn sich die Jungpflanzen nach ein paar Tagen an die trockenere Luft gewöhnt haben, werden sie einzeln in die Töpfe gesetzt (= pikiert).
Mammutbaum
Die Erdmischung sollte dem folgen, was Sie als Anzuchterde eingesetzt haben, aber ein gutes Stück nährstoffreicher eingestellt werden (jetzt soll ja das große Wachstum starten).

6. Aufzucht der Jungpflanzen

Die Jungpflanzen werden an einem geschützten Standort ohne direkte Sonnenbestrahlung weiter gepflegt.

Urweltmammutbäume können halb schattig bis schattig stehen, Bergmammutbäume und Küstenmammutbäume vertragen auch ziemlich hellen Halbschatten.

Die Jungpflanzen müssen durchgehend gut feucht gehalten werden, weil die feinen, jungen Wurzeln sehr schnell austrocknen und absterben.

7. An die Luft im Freien gewöhnen

Egal ob Ihr Mammutbaum später in den Garten ausgepflanzt werden soll oder sein Leben im Kübel fristen soll: Mammutbäume gehören den Sommer über ins Freie, bei reiner Zimmerhaltung werden sie früher oder später an Lichtmangel eingehen (zur Mammutbaum-Haltung unter Pflanzenlicht gibt es keine Erfahrungswerte).

Es gibt aber Erfahrungswerte darüber, dass schon bei den Jungpflanzen ein wenig Freiluft unverzichtbar ist, weil sie bei reiner Haus-Aufzucht zum Umknicken neigen (Triebe wachsen mehr in die Länge, als an Stärke/Stabilität zuzulegen) und in Räumen mit stehender Luft häufig die Schimmelbildung nicht zu vermeiden ist.

Zuerst an eine geschützten Stelle ohne direkte Sonne stellen, nach und nach dürfen Sie die Jungpflanzen ruhig ein wenig "stressen", "mit Sonne und Wind um die Nase", so sorgen Sie dafür, dass sich robuste, starke Bäumchen entwickeln.

8. Überwintern

Je nach Art, Sorte und Anzucht-Beginn überwintern die Mammutbäume ihre ersten ein bis vier Jahre geschützt.
Mammutbaum
Standort für alle drei Mammutbäume wie gehabt, hell und ruhig, wegen der trockenen Luft im Winter bitte nicht in der Nähe der Heizung.

9. Auspflanzen

Wenn möglich, nach 1 - 4 Jahren (je nach Art, Sorte und Anzucht-Beginn), in einen frischen, nährstoffreichen Gartenboden, an einen Standort mit Sonne oder hellem Halbschatten.

Der beste Zeitpunkt für das Auspflanzen in den Garten ist der Herbst, solange die Erde noch warm genug ist.

Tipp: Vor dem Auspflanzen sollten Sie sich vielleicht sicherheitshalber live ansehen, was aus einem bestimmten Mammutbaum im Klima in Ihrer Gegend werden kann. Wo Sie sich in Ihrer Region welche Mammutbäume ansehen können, verrät Ihnen das Mammutbaum-Register Deutschland (mbreg.de/wiki/index.php/Mammutbaum-Register_Deutschland).

10. Die weitere Pflege

Wenn Sie es so weit gebracht haben, wird es simpel:
• Zusätzliche Bewässerung nur an sehr sonnigen Standorten/bei extrem heißem Wetter erforderlich
• Auf normal nährstoffreichen Böden in den ersten Jahren jedes Frühjahr ein wenig Dünger geben
• Ältere Mammutbäume durch Beschnitt auslichten, wenn sie zu dicht wachsen

Die Auswahl des richtigen Mammutbaums: Arten und Sorten

Mammutbäume (Sequoioideae) gehören zur Ordnung der Koniferen und in dieser zur Familie der Zypressengewächse (Zypressen, Wacholder und Lebensbäume). Man konnte die Unterfamilie bis in die Kreidezeit zurückverfolgen, von mindestens einem Dutzend verschiedener Mammutbäume sind heute nur noch drei Gattungen mit je drei Arten übrig:

Metasequoia glyptostroboides

Auf der Nordhalbkugel entstand die Gattung Metasequoia, von den einstmals etwa zehn Arten dieser Gattung hat nur der Urweltmammutbaum Metasequoia glyptostroboides in einer versteckten Bergregion in China überlebt.

Er ist von den drei Mammutbaum-Arten für die Anpflanzung im Bereich menschlicher Siedlungen mit Abstand am besten geeignet ist: In freier Natur höchstens 40 Meter hoch, gemessen an den beiden anderen Mammutbäumen ein ziemlicher Winzling, Baumschulware hält sich im Höhenwachstum noch ein Stück mehr zurück.
 
Er kennt Winterkälte und wirft im Herbst seine Nadeln ab, trägt dafür aber als einziger Mammutbaum in der warmen Saison dauerhaft ein bis fast zum Boden reichendes grünes Nadelkleid (die Belaubung der anderen beiden Arten setzt jedes Jahr ein wenig höher an, bis Sie die untersten Seitentriebe nur noch mit dem Fernglas genauer betrachten können). Bevor der Urweltmammutbaum im Winter die Nadeln fallen lässt, entwickelt er die wunderschöne Herbstfärbung, die ihm den Zweitnamen "Chinesisches Rotholz" eingebracht hat.

Wegen all dieser Vorzüge hat der Urweltmammutbaum als Zierbaum für Parks und Gärten kontinuierlich immer weitere Bereiche der Welt erobert. Inzwischen ist er längst bei uns angekommen und wird in Baumschulen verkauft. Er soll hier so gut wachsen wie in seiner chinesischen Heimat, obwohl das Klima dort milder ist. Er ist aber nur für Einzelstellung in ausreichend großen Gärten geeignet, weil auch die Kultursorten pro Saison um 50 cm zulegen, bis sie eine Höhe zwischen 25 und 35 Metern und eine Wuchsbreite zwischen 7 und 10 Metern erreicht haben.

Über junge Urweltmammutbäume ist mitunter zu lesen, dass sie bereits im ersten Jahr ins Freie setzt werden können. Das sollten Sie aber wirklich nur mit früh im Jahr gekeimten Urweltmammutbäumen versuchen, die sich bis zum Herbst besonders gut entwickelt haben (und dann mit Winterschutz). Die meisten Quellen empfehlen, Urweltmammutbäume den ersten Winter geschützt im Haus zu überwintern.

Tipp: Mit einem Urweltmammutbaum stellen Sie einen "Klimaschutzbaum" in Ihren Garten: Urweltmammutbäume sollen sehr gute Kohlenstoffsenken sein, nehmen also während des Wachstums viel Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf und speichern es. Deshalb soll es bereits erste Ansätze geben, Urweltmammutbäume bei uns forstwirtschaftlich zu nutzen.

Sequoiadendron giganteum

Riesenmammutbäume (Bergmammutbäume) wachsen in Kalifornien und gehören zu den dicksten Bäumen dieser Welt. Der ursprüngliche Sequoiadendron giganteum sollte dem deutschen Hausgarten deshalb besser nicht zu nahe kommen, es gibt aber kompakte Zuchtsorten. Diesen Zuchtsorten wurde mehr Winterhärte angezüchtet, in der Baumschule erfahren Sie, welche Sorte wann ausgepflanzt werden darf.
Mammutbaum
Tipp: Der durchschnittliche Hausgarten ist mit einem Riesenmammutbaum überfordert, und einen Park haben leider die wenigsten von uns vor der Haustür ... Er ist aber die einzige Mammutbaum-Art, die sich gut im Kübel kultivieren lässt. Im Kübel können Sie den schnellen Wuchs in der Jugendzeit genießen, ohne Angst haben zu müssen, dass das Gehölz irgendwann die Proportionen Ihres Heims "überwächst". Sie können hier auch die Höhe selbst steuern, indem Sie dem Gehölz mehr oder weniger Wurzelraum zugestehen (bis hin zu "sehr wenig Wurzelraum", bei den Sequoiadendron giganteum soll sogar die Formung zum Bonsai möglich sein). Die Alternative könnte ein Gartenstandort nur für ein paar Jahre sein: Die Koniferen = Nadelhölzer sollen in ihrer Jugend sehr einem Weihnachtsbaum ähneln.

Sequoia sempervirens

Küstenmammutbäume stellen mit den “California Redwoods” die aktuell höchsten Bäume der Welt. Sie wären deshalb nur für richtig weitläufige Parkanlagen geeignet, sind aber frostempfindlich und in den meisten Gegenden Deutschlands nicht winterhart.

Einzelne Anzuchtversuche gibt es, z. B. am freundlichen Niederrhein und im Botanischen Garten Berlin, bei Interesse an dieser Art sollten Sie vor Anzucht/Auspflanzung in Bezug auf Winterhärte und -schutz unbedingt solche Spezialisten befragen.