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Bambussamen: ernten und neue Pflanzen aus Samen ziehen

Bambus gehört zur Familie der Süßgräser und ist nicht nur in China, sondern mit Ausnahme von Europa und der Antarktis auf der ganzen Welt beheimatet. Es gibt 47 verschiedene Arten mit rund 1200 Sorten, von denen jedoch nur etwa 20 für den Anbau in mitteleuropäischen Gärten geeignet sind. Viele hier kultivierte Bambusarten blühen nur etwa alle 100 Jahre, weshalb das Sammeln von Samen und die daraus folgende Vermehrung schwierig ist.

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Bambus ist nicht gleich Bambus

Der echte Bambus (lateinisch Bambusa) ist aufgrund der klimatischen Bedingungen in mitteleuropäischen Gärten eher selten anzutreffen. Stattdessen werden hierzulande vor allem verschiedene winterharte Sorten der beiden Gattungen Phyllostachys (Flachrohrbambus) und Fargesia (Schirmbambus) kultiviert. Diese sind in der Regel unkompliziert in der Pflege, wobei die Phyllostachys-Arten mittels einer speziellen Wurzelsperre an einer unkontrollierten Ausbreitung gehindert werden sollten. Die Vermehrung erfolgt meist über Teilung, selten – und nur bei einigen wenigen Arten möglich – auch über Stecklinge.

Bambus blüht extrem selten

Das Sammeln von Samen und die Vermehrung aus diesen gestaltet sich aufgrund der extrem seltenen Blüte der beiden am häufigsten kultivierten Bambus-Gattungen Phyllostachys und Fargesia sehr schwierig. Diese Arten blühen nur einmal im Abstand von etwa 100 Jahren, wobei konkrete Zeiträume nicht genannt werden können. In der Regel blühen zudem fast alle Exemplare einer Art ungefähr zum gleichen Zeitpunkt – und zwar weltweit. Der Grund für diese seltene Blüte konnte bislang wissenschaftlich noch nicht festgestellt werden, allerdings gibt es Vermutungen: So stellt die Pflanzengattung durch diese extrem langen Zeiträume sicher, dass sich bestimmte Tierarten nicht auf den Verzehr der Samen spezialisieren können – und stellen so das Überleben der Art sicher.

Andere Bambusgattungen und -arten blühen dagegen häufiger, jedoch ebenfalls nur in Abständen von mindestens 12 Jahren bis mehreren Jahrzehnten. Nach der mehrjährigen Blüten sterben viele Pflanzen aufgrund von Nährstoffmangel schließlich ab, säen sich jedoch zuvor selbst aus. Dies gilt vor allem für Fargesia, die letztmalig in den Neunzigern bzw. um die Jahrtausendwende geblüht hat.

Bambussamen ernten

Bambus - Bambusoideae

Wenn Bambus blüht, dann über einen Zeitraum von etwa zwei bis fünf Jahren. Währenddessen bildet die Pflanze im Frühjahr immer wieder neue Blüten aus, aber es kommen keine neuen Blätter mehr nach. In der Folge verkahlt der Bambus und stirbt schließlich ab. Aus diesen Blüten entwickeln sich nach einer erfolgten Befruchtung die Samen, die gegen Ende des Sommers bzw. im Herbst geerntet werden können. Leider erweisen sich gerade die Samen der häufiger blühenden Bambusarten in vielen Fällen aus steril und damit nicht keimfähig. Trocknen Sie die selbst geernteten Samen zunächst für ein bis zwei Tage, um sie anschließend für einige Stunden in einem warmen Wasserbad aufquellen zu lassen und zeitnah einzupflanzen.

Anleitung zum Ernten von Bambussamen

  • Ernte nur nach seltener Bambusblüte möglich
  • Blüte erfolgt zyklisch im Abstand von mehreren Jahrzehnten
  • Blüte lässt sich nicht provozieren – es hilft nur, abzuwarten
  • reife Samen zum Sommerende / im Herbst sammeln
  • Samen vorsichtig mit einem weichen, trockenen Tuch reinigen
  • Samen für ein bis zwei Tage trocknen lassen

Säen Sie die Samen so frisch wie möglich aus, da sie mit der Zeit ihre Keimfähigkeit verlieren.

Möglichst frisches Saatgut kaufen

Dies gilt vor allem dann, wenn Sie Saatgut kaufen und aussäen wollen. Erkundigen Sie sich nach den Blütezeiten der gewünschten Bambusart und -sorte, um den besten Zeitpunkt für den Kauf von Samen festzustellen. Je frischer die Samen sind, desto höher ist die Keimquote. Die Samen des sehr beliebten Moso Riesenbambus (lateinisch Phyllostachys edulis oder Phyllostachys pubescens) etwa werden hauptsächlich in den Monaten Oktober und November geerntet, so dass Sie diese nicht unbedingt erst im Herbst des darauffolgenden Jahres erwerben sollten. Frisches Saatgut kann es immer nur dann geben, wenn die betreffende Bambusart sich gerade in einem Blühzyklus befindet.

Neue Bambuspflanzen aus Samen ziehen

Sollten Sie Bambussamen gekauft haben, bekommen Sie die für die Art und Sorte passende Aufzuchtanleitung mitgeliefert. Gerade die exotischen, tropischen Arten benötigen neben einer hohen Luftfeuchtigkeit hohe Temperaturen von über 26 °C, um erfolgreich zu keimen. Für die bei uns winterharten Bambusarten dagegen genügen Temperaturen zwischen 16 und 24 °C. Die Anzucht der Pflanzen aus Samen ist grundsätzlich ganzjährig möglich, allerdings sollten Sie eine ausreichende Versorgung mit Licht sicherstellen. Stellen Sie die Aufzuchtstation hierzu direkt an ein helles Fenster (optimal ist ein nach Süden ausgerichtetes).

Tipp:

Während der dunklen Wintermonate oder für die Anzucht in einem dunklen Raum kann die Installation einer Pflanzenlampe sinnvoll sein, wobei Sie nicht zwangsläufig zu teuren Speziallampen greifen müssen. Für Bambus genügen einfache, warmweiße Leuchtstoffröhren.

Samen vorbereiten

Riesenbambus

Bevor Sie die Samen aussäen, sollten Sie sie zunächst für sechs bis zwölf Stunden – am besten über Nacht – in einem Glas mit lauwarmem, sauberem Wasser aufquellen lassen. Haben Sie keinen frischen, sondern älteren Samen, können Sie diesen zur Verbesserung der Keimfähigkeit schälen. Dies geschieht in der Natur natürlich nicht, aber dort wird der Samen auch nicht monate- oder gar jahrelang gelagert.

Tipp:

Anzuchtmethoden variieren

Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie das vorhandene Saatgut auch teilen und unterschiedlich behandeln. Auf diese Weise können Sie zudem überprüfen, welche Anzuchtmethode bei Ihnen am besten funktioniert. So können Sie etwa einen Teil der Samen einweichen, einen Teil nicht, einige Samen wie Kresse auf Watte keimen lassen, andere dagegen auf sandigem Substrat im Zimmergewächshaus. Haben Sie ruhig den Mut, zu experimentieren, denn viele Bambusarten sind im Hinblick aufs Keimen schwer aus ihrer harten Schale zu locken.

Substrat und Pflanzbehältnisse vorbereiten

In puncto Substrat verwenden Sie möglichst nährstoffarme, sandige Anzuchterde, wobei aber auch so genannte Anzuchtpads (beispielsweise aus Kokosfasern) sich ebenfalls sehr gut eignen. Diese müssen lediglich in Wasser vorquellen und können anschließend in die vorbereiteten Pflanzgefäße gelegt werden. Hierbei können Sie spezielle Anzuchtplatten verwenden, aber auch kleine Töpfe oder Joghurtbecher. Wichtig ist nur, dass die Behältnisse gründlich ausgewaschen und sauber sind, damit keinerlei  Keime oder Schimmelpilze den Keimerfolg zunichte machen können.

Samen einpflanzen und pflegen

Da alle Bambusarten Lichtkeimer sind, dürfen Sie die Samen nicht direkt einpflanzen. Legen Sie sie stattdessen einfach auf das angefeuchtete Substrat und bedecken Sie sie auf keinen Fall mit Erde. Manche Ratgeber empfehlen ein leichtes Bedecken mit Vogelsand, doch auch davon ist aufgrund der schlechteren Keimrate abzuraten. Sie können mehrere Samen in ein Gefäß setzen. Anschließend pflegen Sie die Samen wie folgt:

  • Substrat stets leicht feucht halten
  • Substrat darf nicht nass sein = Samen faulen sonst
  • Substrat mit Sprühflasche befeuchten
  • Luftfeuchtigkeit hoch halten
  • Pflanzgefäß mit Klarsichtfolie, einer abgeschnittenen PET-Flasche oder ähnlichem bedecken
  • Zimmergewächshaus mit oder ohne Heizung ebenfalls sehr gut geeignet
  • täglich mehrfach lüften, um Schimmelbildung zu verhindern
  • Pflanzgefäß hell und warm stellen – aber nicht direkt sonnig
Bambus - Bambusoideae

Diese Anzuchtregeln gelten im Prinzip für alle Bambusarten und -sorten und variieren lediglich im Detail (beispielsweise im Hinblick auf die Umgebungstemperatur). Die Samen keimen innerhalb von ein bis zwei Wochen, können aber je nach Art, Sorte, Wachstumsbedingungen und Alter auch mehrere Monate bis hin zu einem Jahr für die Ausbildung von erstem zartem Grün benötigen. Haben Sie also im Zweifelsfall Geduld und werfen Sie nicht gleich die Flinte ins Korn, wenn es mit dem Keimen nicht gleich klappen sollte.

Tipp:

Da junge Bambuspflänzchen sehr empfindlich im Hinblick auf Feuchtigkeit sind, sollten Sie das Substrat tatsächlich nur ganz leicht feucht halten. Nur austrocknen darf die Pflanzerde nicht, sonst kann die Keimung nicht erfolgen.

Sämlinge pflegen und auspflanzen

Nach erfolgter Keimung zeigt sich zunächst nur ein einzelnes Keimblättchen (und kein Blattpaar, wie bei vielen anderen Pflanzenarten). Ist dieses Keimblättchen zu sehen und der kleine Bambus schon ein bisschen gewachsen, können Sie die Pflänzchen vorsichtig vereinzeln und in kleine Töpfe mit geeignetem, nährstoffarmem Substrat setzen. Entfernen Sie beim Umsetzen auf keinen Fall den Samen, sondern bedecken Sie ihn nun mit Erde.

Halten Sie die Pflänzchen weiterhin unter gespannter Luft (d. h. unter Folie) und achten Sie darauf, dass sie in den ersten Monaten keiner direkten Sonne ausgesetzt werden. Ist das Substrat schließlich gut durchwurzelt, können Sie die Jungpflanzen in einen größeren Topf mit geeigneter Bambuserde umsetzen. Mit der Düngung können Sie beginnen, sobald sich die ersten richtigen Blättchen zeigen. Verwenden Sie zu diesem Zweck speziellen Bambusdünger, wobei sich auch Rasendünger (Vorsicht: Wählen Sie eine Marke ohne Moosvernichter!) eignet. Düngen Sie jedoch zunächst sehr sparsam.

Wann können die Sämlinge ins Freie?

Ob und wann die jungen Bambuspflanzen ins Freie können, hängt von ihrer Größe, den vorherrschenden Witterungsverhältnissen und vor allem von der konkreten Art ab. In der Regel sollten Sie Jungbambus zunächst in Töpfen kultivieren und winterharte Arten wie etwa Fargesia und manche Phyllostachys erst im späten Frühjahr / Frühsommer nach den letzten Nachtfrösten auspflanzen. Viele andere Bambusarten (darunter etwa der beliebte Phyllostachys edulis oder Moso-Riesenbambus sowie tropische Arten wie Bambusa oder auch Dendrocalamus) sind dagegen nicht winterhart und sollten daher ohnehin in Kübeln kultiviert werden. Sie müssen in der kalten Jahreszeit frostfrei im Wintergarten o. ä. überwintern, können aber während der Sommermonate unbesorgt ins Freie.

Autor Garten-Redaktion
Ich schreibe über alles, was mich in meinem Garten interessiert.

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