Patagonisches Eisenkraut, Verbena bonariensis - Pflege-Anleitung

Eisenkraut Verbena bonariensisDas Patagonische Eisenkraut kann begeistern, das hat es schon in den 1980er Jahren als Publikumsliebling auf Landes-Gartenschauen bewiesen. Warum Verbena bonariensis seitdem derart in Vergessenheit geriet, ist schwer zu verstehen – falls es an der häufig beschworenen "Einjährigkeit" liegt, wird diese im Artikel als "Fake" enttarnt. Wenn Sie es lieben, dass Ihr Garten ohne viel Aufwand vor Blütenfülle nur so strotzt, ist das Patagonische Eisenkraut Ihre Pflanze – deren bescheidene Ansprüche an jedem einigermaßen passenden Standort Sie überraschen werden:

 Patagonisches Eisenkraut

  • Verbena bonariensis gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse
  • Die hochwüchsige Pflanze entwickelt

    ein Meer von lila Blüten, die auf den Stängeln zu schweben scheinen
  • Zu mehreren auf Flächen gepflanzt ein spektakulärer Eindruck
  • Den Sie von Juni bis Oktober genießen dürfen, eine "endlose" Blütezeit
  • Auch in der Vase und als Trockenblume sehr ausdauernd
  • Die südamerikanische Staude ist mehrjährig und kann deutsche Winter in vielen Regionen mit ein wenig Schutz überleben
  • In kalten Gegenden könnte es eng werden mit der Überwinterung
  • Aber Sie brauchen nur ein paar Samen ausreifen lassen, dann erscheint das Eisenkraut zuverlässig in der nächsten Saison
  • Die Pflege ist kaum der Rede wert: Am richtigen Standort müssen Sie nur im Frühjahr die alten Stängel entfernen
  • Außer der Naturart werden die Sorten 'Cloud' (größere Blüten) und 'Lollipop' (kompakter Zwergwuchs) angeboten

Standort- und Bodenansprüche

Das Patagonische oder Argentinische Eisenkraut trägt seine Herkunft im Namen, der Naturstandort liegt also unter südamerikanischer Sonne. Die Verbena bonariensis wächst als hohe, schlanke Staude, die Horste bildet und sich aufrecht der Sonne entgegen reckt. Eine auffällige und besondere Sommerblume, die im Garten "richtig was hermacht", besonders wenn Sie größere Flächen mit dem Eisenkrautgewächs bepflanzen: Der Dauerblüher entwickelt hohe Triebe, aber sehr feine mit wenig Laub, die nach oben hin natürlich noch feiner und dünner werden. Dagegen haben die Blüten, die über die ganze Saison immer wieder neu und nur am äußersten am Ende der Triebe gebildet werden, eine kräftigere Struktur, intensive Farbe und einen nicht zu übersehenden Umfang zwischen 5 und 10 cm.

Ein Gegensatz, der herausgestellt gehört, weil er für einen ziemlich spektakulären Effekt sorgt: Die Blüten des Patagonisches Eisenkrauts wirken wie eine Horde von blühenden Bällen, die über zartem, vereinzeltem Grün zu schweben scheinen. Diese Blüten "schweben", ohne dass die Stängel eine Stütze bräuchten, und sie schweben ungewöhnlich lange, von Mai/Juni bis in den späten Herbst; also die gesamte Zeit, in der Garten zum Ausruhen, Entspannen und Blüten bewundern genutzt wird.
Eisenkraut Verbena bonariensis
Die British Royal Horticultural Society (RHS, Britische Königliche Gartenbau-Gesellschaft) findet das Patagonische Eisenkraut ebenfalls interessant und hat die Talente der Verbena bonariensis als Gartenpflanze 2002 genau untersucht. Dazu gehört auch eine genaue Beschreibung der Eigenschaften und Ansprüche der Art:
  • Namen: Botanisch Verbena bonariensis, landessprachlich Patagonisches oder Argentinisches Eisenkraut
  • Synonyme des botanischen Namens: Verbena bonariensis 'Buenos Aires' (doppelt gemoppelt, bonariensis heißt Buenos Aires), Verbena brasiliensis (Falschbezeichnung)
  • Große Staude mit aufgerichteten, verzweigten Stämmen bis zu 2 m Höhe
  • Mit spärlichen, länglichen Blättern und großen verzweigten Clustern von kleinen lila Blüten von Sommer bis Herbst
  • Verbreitung: Südamerika
  • Laub: Sommergrün
  • Wuchsgestalt: Säulenförmig/Aufrecht
  • Duft: Blüten
  • Farbe: Grüne Blätter und lila Blüten von Frühling bis Herbst
  • Licht, Sonne: Volle Sonne
  • Pflanzrichtung: Süd- oder Westseite
  • Standort-Umgebung: Das Patagonische Eisenkraut kann freistehend oder geschützt (durch Nachbarpflanzen oder Hauswände) gepflanzt werden
  • Boden: Wächst in tonhaltigem Boden, Lehmboden, Kalkboden, Sandboden
  • Bodenfeuchtigkeit: Feucht, aber gut wasserdurchlässig / gut wasserdurchlässig
  • pH-Wert: Sauer, Neutral, Alkalisch
  • Größe der erwachsenen Pflanze: Endgültige Höhe 1,5 bis 2,5 Meter;

    endgültige Breite 0,1 bis 0,5 Meter, Zeit bis zum Erreichen der endgültigen Höhe: 2 bis 5 Jahre
  • Schädlinge: Normalerweise kein Schädlingsbefall
  • Krankheiten: Normalerweise keine Erkrankungen
  • Einsatz-Empfehlung (Standorte und Garten-Typen): Blumenrabatten und -beete, Bepflanzung an und auf Mauern, Steppengärten, Kies- und Steingärten, Stadt- und Hofgärten
Nach Einordnung und ausgiebigem Test in einem der "königlichen Gärten" wurde dem Patagonischen Eisenkraut der "RHS-Award of Garden Merit" verliehen, der das Patagonische Eisenkraut als hervorragende Gartenpflanze einstuft. Die RHS führt teilweise sehr entschiedene Ansprüche auf, gibt aber Optimal-Bedingungen vor, wenn nicht jedes Detail stimmt, wird das Argentinische Eisenkraut sicher auch noch wachsen.

Wenn das Patagonische Eisenkraut nicht auf eine Freifläche, sondern in Gemeinschaft mit anderen Pflanzen gepflanzt wird, haben sich folgende Pflanzpartner als gute Nachbarpflanzen qualifiziert:
  • Brandkräuter (Phlomis)
  • Fingerhüte (Digitalis)
  • Gelenkblumen (Physostegia)
  • Gräser wie Rispenhirsen (Panicum, z. B. Rutenhirse P. virgatum)
  • Hohe Mädchenaugen wie Coreopsis tripteris
  • Prachtkerzen (Gaura)
  • Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)
  • Rosen (höhere Strauch- oder Beetrosen)
Tipp: Das Patagonische Eisenkraut wird in Gruppen gepflanzt; je größer die Gruppe, desto besser die Wirkung. Dabei können Sie ein besonderes Talent der Verbene nutzen: In Kombinations-Pflanzungen kann sie außen an den Rand gesetzt werden, weil sie halb transparent wächst und dahinter wachsende Pflanzen gut zur Geltung kommen lässt.

Aussaat und Pflanzen

Mit der Auswahl des richtigen Standortes haben Sie eigentlich alles Notwendige getan, um eine Verbena bonariensis gut gedeihen zu lassen. Sowohl die Aussaat als auch das Pflanzen von Jungpflanzen ist unproblematisch, weshalb sich das "How to grow" der RHS auf folgende Sätze beschränkt: Samen können von Herbst bis frühem Frühjahr in Töpfen bei Temperaturen zwischen 18 und 21 °C vorgezogen (oder der Selbstaussaat überlassen) werden. Jungpflanzen in feuchten bis trockenen, gut drainierten Boden an sonnige Standorte pflanzen und in kalten Regionen im Winter mit trockener Mulche schützen.
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Samen aus dem Handel können ohne Vorbehandlung ausgesät werden, auch direkt ins Freiland. Dann am besten im Herbst, spart das Stratifizieren (Kältebehandlung zum Brechen der Keimruhe) im Kühlschrank. Von einer Pflanze gesammelte Samen dürfen erst ein paar Stunden oder Tage zum Stratifizieren in den Kühlschrank, bevor es an die Aussaat geht, die ansonsten so funktioniert:
  • Aussaattermine: Februar-April
  • Saatgut über Nacht in lauwarmem Wasser vorquellen lassen
  • Keimdauer: Bei 21-24 °C 5-10 Tage, in kälterem Boden länger
  • Ohne Stratifizierung ausgesäte Verbenen keimen meist auch, aber u. U. erst nach Wochen
  • Lichtkeimer locker ausstreuen und leicht mit Substrat überstäuben
  • Gelegentlich ist zu lesen, dass V. bonariensis zu den Dunkelkeimern gehören; das stimmt nicht, wie sollten so feine Samen sich an die Erdoberfläche kämpfen?
  • Anzuchterde nur leicht befeuchten, V. bonariensis keimen am besten in mittelfeuchter bis trockener Umgebung
  • Die Aussaattöpfe können zwar zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit mit Folie bedeckt werden
  • Das Saatgut muss aber ansonsten nicht mehr gegossen werden, Staunässe muss in allen Keimstadien unbedingt vermieden werden
  • Mit Erscheinen der ersten echten Blätter nach den Keimblättern werden die kleinen Pflanzen abgedeckt
  • Dann können die Sämlinge auch pikiert werden
  • Sehr viele Sämlinge müssen dazu nicht einzeln gepflanzt werden, Sie können auch einfach die vorhandenen Pflanzen ausdünnen
  • Wenn die Sämlinge handhoch sind, können Sie entspitzt werden (mit Daumen und Zeigefinger Triebspitze abknipsen), damit sie sich besser verzweigen
  • Wenn die letzten Nachtfröste sicher vorbei sind, können die Jungpflanzen ins Freibeet umziehen
Bald werden sich Blüten in reicher Zahl zeigen, die nicht nur einen sehr attraktiven Blickfang darstellen, sondern so viele Bienen und Schmetterlinge anlocken, dass das Patagonische Eisenkraut auch eine "königliche Auszeichnung" als "Perfect Pollinatinor Plant" (perfekte Pflanze für Bestäuber) erhielt.

Tipp: Das Patagonische Eisenkraut ist für die Kübelpflanzung geeignet, Sie brauchen für die normale Verbena bonariensis aber schon einen ziemlich mächtigen Kübel. Alternative: Die kleinwüchsige Verbena-bonariensis-Sorte 'Lollipop' setzen, die mit einer Wuchshöhe um 50 cm sogar Balkonkästen zieren kann (Vorsicht: Wenn ‚Lollipop’ Samen verbreiten darf, werden aus denen wieder hohe Verbenen).

Pflege-Anleitung

Mit dem "Award of Garden Merit" wird dem Hobbygärtner bescheinigt, dass die prämierte Zierpflanze folgende Qualitäten hat:
  • Die Art/Sorte ist von herausragendem Wert für Gärten, wenn sie normal genutzt und unter angemessenen Bedingungen kultiviert wird
  • Die Art/Sorte ist verfügbar (für Hobbygärtner, in vernünftigen Mengen zu vernünftigen Preisen und ohne unverhältnismäßigen Aufwand)
  • Die Art/Sorte ist von guter Konstitution und generell gesund
  • Die Art/Sorte ist stabil in Form und Farbe und die Einzelpflanzen entsprechen üblicherweise zuverlässig der Verkaufsbeschreibung
  • Die Art/Sorte ist resistent gegen Krankheiten und Schädlinge, und nicht besonders anfällig gegen eine bestimmte Krankheit oder einen Parasiten.
Beim Patagonischen Eisenkraut als Träger dieser Auszeichnung beschränkt sich das britische "How to care" folgerichtig auf einen einzigen Satz: Beschnitt: Im Frühjahr herunterschneiden, wenn sich die neuen Triebe aus der Basis entwickeln; im Herbst "köpfen", wenn keine Aussaat gewünscht ist und die Samen auch nicht gesammelt werden sollen.

Da außerhalb der Insel lebende Gärtner möglicherweise nicht (wie wohl die meisten Engländer) über ein paar Jahrhunderte Gartenerfahrung verfügen, hier ein paar ergänzende Anmerkungen:
  • Insgesamt möglichst trocken und luftig kultivieren, das fördert frühe Blüteninduktion
  • Normalerweise keine zusätzliche Bewässerung notwendig
  • Bei längerer Hitze braucht auch die V. bonariensis zusätzliches Wasser
  • Verbenen im Kübel werden gegossen, wenn die oberste Erdschicht abgetrocknet ist
  • Die Nährstoffen in normalen Böden und auch in sandigen und steinigen Magerböden reichen der Garten-Verbene
  • Im Kübel muss gedüngt werden, in der Wachstumssaison etwa alle 2 Wochen
  • Pflanzen nicht zu dicht ineinander wachsen lassen, ggf. innen Stängel herausschneiden, aber mit Gefühl, die Triebe stützen sich gegenseitig
  • Außen sitzende Triebe könnten von Wind und Regen "plattgelegt" werden, wenn Sie hier stützende Partner wegschneiden
  • Die dürfen auch deshalb bleiben, weil die Pflanze außen ohnehin luftig genug wächst, um Pilzbefall unwahrscheinlich zu machen
  • Regelmäßiges wegschneiden verblühter Blüten fördert die Neuanlage weiterer Blüten
  • Vergessen Sie nicht, die letzten Blüten an der Pflanze reifen zu lassen, wenn sich die Pflanze selbst aussäen soll
Tipp: Die langen Blütenstängel des Patagonische Eisenkrauts wirken zart, sind aber kräftig und vierkantig und verholzen sogar – sonst könnten sie weder ohne Stütze so hoch wachsen noch die großen Blütendolden tragen. Mit diesem Stängel qualifiziert sich V. bonariensis als ausgezeichnete Schnittblume, die in der Vase bis zu 2 Wochen halten soll, und als haltbare Trockenblume. Für die Vase Blüten schneiden, die gerade oder noch nicht ganz geöffnet sind, Verbenen zum Trocknen können in jedem gewünschten Reifestadium geerntet und kopfüber an einem warmen und luftigen Ort aufgehängt werden.

Überwintern

Beim Award of Garten Merit gehört zum Merkmal "bei normaler Nutzung und richtiger Behandlung von herausragendem Wert" das "RHS hardiness rating", in dem das Patagonische Eisenkraut in Härteklasse H4 eingestuft wird: Im größten Teil des UK mit durchschnittlichen Minustemperaturen zwischen -5 und -10 °C frosthart. Im "Rest der Welt" wird Verbena bonariensis in die internationalen USDA-Winterhärtezonen 7 bis 11 eingestuft, soll also bei durchschnittlichen Winter-Minimaltemperaturen von + 10 °C bis -17,8 °C überleben.
Eisenkraut Verbena bonariensis
In Teilen Deutschlands wird es kälter als in England, unser Land zieht sich über die USDA-Winterhärtezonen 8 bis 6. Glaubt man der internationalen Einstufung, wird es in Wohngebieten mit USDA-Winterhärtezone 6 (−17.8 °C bis −23.3 °C) eng mit der Überwinterung des Patagonischen Eisenkraut; glaubt man den Briten, ist die Überwinterung überall in Deutschland ein Problem. Diese Faktenlage erklärt, warum das Patagonische Eisenkraut abwechselnd als mehrjährig und einjährig beschrieben wird, während es sich tatsächlich um eine mehrjährige Staude handelt. Sicher ist aber auch, dass Winterhärte und deutsche Winternässe nicht die Stärken des Patagonischen Eisenkrauts sind.

Da sich die ganzen gerade genannten Winterhärtezone-Angaben nur auf durchschnittliche Temperaturen beziehen, kann es auch in milden deutschen Gegenden Schwierigkeiten mit der Überwinterung geben, wenn der Winter einmal ein paar zusätzliche Minusgrade entwickelt. Wenn Sie ein bestimmtes, farblich seltenes Argentinisches Eisenkraut sicher überwintern wollen, sollten Sie es deshalb vor dem Dauerfrost ausgraben und entweder im Topf oder wie Dahlien mit nackter Wurzel überwintern.

Ansonsten können Sie es in milden Lagen darauf ankommen lassen – wenn das Eisenkraut die Überwinterung nicht schafft, sichert es normalerweise seinen Fortbestand in der nächsten Saison durch Selbstaussaat am gegebenen Standort. Folgende Vorbereitungen erhöhen die Überwinterungschancen der Altpflanzen:
  • Pflanze mit vollem Laub und ganzen Stängeln in den Winter gehen lassen
  • Rund um die Wurzel trockene Mulche aus Laub, Reisig, Stroh aufbringen
  • Die bis nach den letzten Spätfrösten liegen bleibt
  • Kurz vor dem Austrieb im Frühjahr das Laub des letzten Jahres komplett zurückschneiden
  • Patagonisches Eisenkraut im Kübel überwintert im kühlen, aber frostfreien und hellen Raum und bekommt im Winter ab und zu wenig Wasser
  • Ins Freie dürfen auch Kübel erst wieder, wenn kein Spätfrost mehr zu befürchten ist (nach den Eisheiligen Mitte Mai)