Unkraut richtig abflämmen - Ist das Verbrennen verboten?

Unkraut vernichten durch abflämmenDas Abflämmen ist keine neue Technik. In biologischen Betrieben werden Abflammgeräte bereits sein 1852 eingesetzt. Diese primitiven Geräte auf der Basis von Petroleum oder Benzin hatten aber noch Mühe, eine stabile Flamme zu gewährleisten. 1948 kamen erstmals effektive Konstruktionen auf der Basis von Flüssiggas auf den Markt. Seitdem wurden die Geräte, die vor allem im Gemüseanbau zum Einsatz kommen, immer weiter entwickelt. Und auch für den Hausgebrauch gibt es seit einigen Jahren moderne Handgeräte, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Funktionsweise

Beim Abflämmen wird die Pflanze oder Pflanzenteile

grundsätzlich nicht verbrannt. Die Unkräuter werden lediglich mit einem Brenner auf relativ hohe Temperaturen aufgeheizt. Bei der Erhitzung von Pflanzenzellen über einen Zeitraum von nur etwa einer Sekunde auf 60 bis 70 Grad gerinnt bereits das Eiweiß, das jede Zelle enthält. Werden die Pflanzenteile schockartig auf etwa 110 Grad erwärmt, platzen die Zellwände auf und die Zellflüssigkeit tritt aus. Das Unkraut muss also nicht komplett verbrannt werden, damit die Pflanze vertrocknet und abstirbt. Bei der Verbrennung von Flüssiggas, mit dem Abflammgeräte heutzutage betrieben werden, werden diese Temperaturen problemlos erreicht. Propangas entwickelt schneller Hitze als Butangas, deshalb eignet es sich besser für die Unkrautvernichtung durch Abflämmen.

Einsatzgebiete

Auf befestigten und gepflasterten Flächen siedeln sich im Laufe der Zeit verschiedene Pflanzen an. Meist handelt es sich um Löwenzahn und Einjährige Rispe. Aber auch kriechende Knötericharten und Wegerich sind keine Seltenheit. In schattigeren Lagen sind Moose zu finden. Das Unkraut sieht aber nicht nur unschön aus, es kann auf Gehwegen auch zu Sicherheitsproblemen für Fußgänger und Radfahrer führen. Sämlinge der Weide oder Birke heben teils sogar die Platten durch ihre starken Wurzeln an und können außerdem Schäden an der Bausubstanz verursachen.

Rechtliche Grundlagen

Da die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Gehwegen und gepflasterten Flächen wie Terrassen und Garageneinfahrten verboten ist, wird neben dem obligatorischen kraft- und zeitaufwendigen Unkrautjäten, bei dem die Pflanzen und Moose beispielsweise mit einem Messer aus den Fugen gekratzt werden müssen, auch im privaten Bereich immer häufiger die Abflammmethode eingesetzt. Diese thermische Methode ist sehr energieaufwendig und daher teuer. Daher ist ein Abflammen nur dann sinnvoll, wenn mechanische Maßnahmen nicht infrage kommen oder es sich um kleinere Flächen handelt.
§ 12 des Pflanzenschutzgesetzes besagt:
Unerwünschte Gräser und Kräuter auf Plätzen und Wegen sollen mechanisch oder thermisch beseitigt werden. Hierfür stehen verschiedene Geräte und Verfahren zur Verfügung, für die keine Ausnahmegenehmigung erforderlich ist. Zu den erlaubten thermischen Verfahren gehören Geräte, die nach folgendem Prinzip arbeiten:
  • Verbrennung von Gas oder Öl (heißes Gasgemisch)
  • Infrarotstrahlung
  • erhitztes Wasser oder Dampf
  • heiße Luft
Zu diesen Geräten gehören auch alle Arten von Abflammgeräten, die für den häuslichen Gebrauch zur Unkrautbekämpfung konzipiert sind.

gesetzliche Regelung unbedingt beachten

Effektivität

Unter idealen Bedingungen ist das Abflämmen von Unkraut sehr effizient. Allerdings ist die Wirkung dieser Methode sehr variabel und hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Hierzu gehören beispielsweise:
  • Anzahl der Unkräuter
  • Art der Pflanzen
  • Größe (je kleiner, umso effektiver)
  • Witterungsbedingungen
Da die Wurzeln bei thermischen Verfahren genau wie bei den meisten mechanischen Methoden nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, ist je nach Größe und Unkrautart eine mehrfache Behandlung notwendig. In regenreichen Jahren muss häufiger abgeflammt werden als bei trockener Witterung. Ein Abflammen kann bis zu sieben Mal jährlich nötig sein.

Sicherheitsvorkehrungen

Zwar arbeiten die heutigen Geräte meist nicht mehr mit einer offenen Flamme, trotzdem müssen für ein sicheres Arbeiten und die Aufbewahrung ein paar Sicherheitsregeln beachtet werden.

1. Bedienungsanleitung befolgen
Vor dem Einsatz des Abflammgerätes muss ein Gärtner die Herstellerangaben und die Bedienungsanleitung lesen und sich an die Vorgaben halten, um Verbrennungen und andere ungewünschte Folgen zu vermeiden.

2. Füße und Beine schützen
Achten Sie beim Umgang mit dem Brenner unbedingt auf Ihre eigene Sicherheit. So sollten wegen der Verbrennungsgefahr auf jeden Fall geschlossene Schuhe und nach Möglichkeit lange Baumwollhosen getragen werden. Baumwolle ist im Gegensatz zu manch anderem Gewebe schwer entflammbar und schützt die Haut in gewissem Maße vor versehentlicher Hitzeeinwirkung.

3. Entflammbares Material entfernen
Reinigen Sie im Vorfeld die Flächen, auf denen Sie das Unkraut abflämmen möchten, von Blättern, trockenen Zweigen und sonstigem Unrat, um Brände zu vermeiden. Da die Geräte teilweise Temperaturen bis zu 1000 Grad erreichen, sollten Sie nicht in der Nähe von trockenen Hecken oder Grasflächen arbeiten.

4. Kinder und Haustiere
Aus Sicherheitsgründen sollten sich kleine Kinder und Haustiere lieber im Haus und nicht in der Nähe des Abflammgerätes aufhalten, wenn Sie damit arbeiten. So vermeiden Sie schon im Vorfeld mögliche Gefahrensituationen.

5. Nicht rauchen
Um Zwischenfällen mit dem Flüssiggas vorzubeugen, ist es sinnvoll, während des Abflammens weder zu rauchen, noch andere Zünd- und Feuerquellen in der Nähe zu betreiben. Offene Flammen wie auch glühende Gegenstände (beispielsweise im Grill) können zu Unfällen mit dem Gerät führen.

6. Lagerung
Abflammgeräte, vor allem die dazugehörigen Gaskartuschen, müssen sicher und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Achten Sie darauf, dass die Kartuschen nur an gut belüfteten Orten gelagert werden, da es zu einem Gasaustritt kommen kann. Auch Sonneneinstrahlung vertragen die Gasdruckbehälter nicht. Außerdem sollten in der Nähe keine leicht entzündlichen Materialien wie Waschbenzin oder auch Kartonagen gelagert werden.

Anwendung

Gasflasche zum abflämmenDie Anwendung ist denkbar einfach und grundsätzlich bei allen Abflammgeräten immer dieselbe. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Gerätetypen. Im Folgenden erhalten Sie eine allgemeine Anleitung zum Abflammen. Beachten Sie jedoch unbedingt auch die Angaben des Herstellers sowie die Bedienungsanleitung.

1. Gasflasche/Kartusche anschließen
Im ersten Schritt muss das Gerät mit einer Gasflasche oder Kartusche verbunden werden. Kleine Gasbrenner lassen sich in der Regel direkt an eine Gaskartusche
anschließen. Bei größeren Brennern wird zunächst der Gasschlauch an den Druckregler angeschlossen. Ist nicht gleich am Gerät ein Druckminderer integriert, ist ein Regler an der Gasflasche wichtig, da durch ihn die Gaszufuhr reguliert wird. Egal welche Variante Sie verwenden, es ist immer wichtig, die Anschlüsse auf Dichtigkeit zu überprüfen, damit nicht versehentlich Gas an der falschen Stelle austritt.

2. Gas anzünden
Nicht bei allen Geräten wird das Gas auf die gleiche Art und Weise entzündet. Einige Geräte sind mit einer automatischen Zündung (piezoelektrisch) ausgestattet. Bei anderen Brennern muss das Propangas vorsichtig mit einem Zündholz oder Feuerzeug (am besten ein Stabfeuerzeug) angezündet werden. In diesem Fall wird zunächst der Gashahn der Gasflasche aufgedreht und anschließend der Regler am Unkrautbrenner auf die kleinste Stufe geregelt. Die Regelstufe wird nur dann erhöht, wenn das Gas auf niedriger Stufe nicht zündet.

3. Unkraut abflämmen
Sobald die Gasflamme brennt, kann mit der Unkrautbekämpfung begonnen werden. Um das Unkraut zwischen den Pflastersteinen abzuflämmen, müssen Sie die Flamme lediglich ein paarmal direkt über das Unkraut oder Moos führen.

Kontrolle

Um möglichst effektiv zu arbeiten, müssen die Zellen der Pflanzen zerstört werden. Zu kurzes Erhitzen beschädigt die Zellen nicht in ausreichendem Maße. Zu langes Erhitzen ist wegen des hohen Zeit- und Kostenaufwandes nicht gewünscht. Aus diesem Grund ist die sogenannte Fingerdruckprobe die wichtigste Kontrollmaßnahme beim Unkraut abflämmen. Drücken Sie nach der Hitzeeinwirkung mit zwei Fingern das eventuell noch grüne Blatt zusammen. Bleibt Ihr Fingerabdruck deutlich sichtbar, reichen die Behandlungszeit, der Gasdruck und die Brennereinstellung aus. Hinterlässt die Fingerprobe keinen Abdruck auf dem Blatt, muss länger behandelt oder der Gasdruck erhöht werden.

Wichtige Faktoren

Wer Unkraut mit einem entsprechenden Gerät abflämmen möchte, sollte ein paar wichtige Dinge beachten, die besonders großen Einfluss auf den Erfolg nehmen können.

1. Wirkungsradius
Mit einem Abflammgerät lassen sich lediglich die oberirdischen Pflanzenteile zerstören. Die Wurzeln der entsprechenden Pflanzen bleiben jedoch unbeschadet im Boden erhalten und können nach einiger Zeit wieder austreiben. In vielen Fällen ist daher entweder ein mehrfaches Abflämmen nach jeweils etwa zwei Wochen oder alternativ eine Entfernung der Wurzeln per Hand notwendig. Je kleiner und jünger die unerwünschten Beikräuter sind, umso effektiver ist die Methode.

2. Unkrautart
In der Regel sind Samenunkräuter vor allem in frühen Entwicklungsstadien (bis zu vier Blättern) sehr empfindlich auf Hitze. Unkräuter mit ledriger oder behaarter Oberfläche hingegen halten viel Hitze aus. Bei Gräsern liegt der Vegetationspunkt im Erdreich und ist daher recht gut geschützt. Deshalb treiben sie nach dem Abflämmen recht schnell wieder aus. Größere Pflanzen sollten im Vorfeld mechanisch entfernt werden. Wenig hitzeempfindlich sind:
  • Brennnessel (Urtica)
  • Distel
  • Portulak (Portulaca)
  • Sumpfkresse (Rorippa)
  • Ampfer (Rumex otusifolius)
  • Quecken (Elymus)
  • Einjähriges Rispengras (Poa annua)
Tipp: Bei Gräsern und anderen gut verwurzelten Pflanzen ist es hilfreich, das Abflammen nach zwei Wochen noch einmal zu wiederholen.

3. Witterungsbedingungen
Je kleiner und trockener die Pflanzen sind, umso effektiver wirkt die schockartige Hitze des Abflammgerätes. Nässe oder auch Tautropfen auf den Blättern verzögert die Hitzeeinwirkung auf die Zellen. Je nach Gerätevariante (vor allem bei seitlich offenen Geräten) ist die Wirkung bei Wind stark eingeschränkt. Günstige Bedingungen:
  • trockene Witterung
  • wenig Wind
  • vorzugsweise an heißen Tagen arbeiten
  • nicht am frühen Morgen oder späten Abend abflämmen

Vorteile der Methode

Unkraut abflammenDas Abflammen des Unkrauts bietet eine Reihe an Vorteilen, da es sich um eine wirkungsvolle thermische Art der Unkrautvernichtung handelt.

1. Schnell und effektiv
Per Hand lässt sich das Unkraut in den Fugen zwischen den Steinplatten nur sehr mühsam entfernen. Durch das Abflämmen mit einem entsprechend geeigneten Gerät wird dieser Vorgang in kürzerer Zeit durchgeführt. Unter optimalen Bedingungen liegt der Wirkungsgrad bei 100%.

2. Umweltschonend
Bei der Abflammmethode kommt keine Chemie oder auch andere Mittel wie Salz oder Essig zum Einsatz, die den Boden und das Grundwasser gefährden könnten. Es bleiben keine Rückstände zurück.

3. Ungiftig
Bei dieser Art der Unkrautbekämpfung wird lediglich Flüssiggas verbrannt, sodass neben Wasser und Kohlendioxid in der Regel keine anderen Verbindungen entstehen. Bei Berührung oder Verschlucken durch Tiere oder Kleinkinder ist also keine gesundheitliche Gefährdung zu befürchten.

4. Biologisch unbedenklich
Abflammgeräte kommen bevorzugt zum Einsatz, wenn eine Fläche nach biologischen (ökologischen) Gesichtspunkten bewirtschaftet wird. Mit der nötigen Vorsicht und den entsprechenden Vorkehrungen können auch Gemüsebeete behandelt werden.

5. Praktisch und rückenschonend
Abflammgeräte für den Hausgebrauch sind so konzipiert, dass sie problemlos im Stehen bedient werden können. So ist eine stundenlange, kniende Haltung nicht notwendig.

Nachteile

Die Unkrautvernichtung durch Abflämmen hat nicht nur Vorteile. Zu den Nachteilen gehören:
  • relativ hoher Energieverbrauch
  • hoher Kohlendioxid-Ausstoß bei großen Flächen
  • beim Umgang mit Gas und offener Flamme ist Vorsicht geboten
  • Nützlinge im Boden können gefährdet werden (nur in der obersten Bodenschicht)
Tipp: Flammen Sie das Unkraut bei warmer und trockener Witterung ab, halten sich zu diesem Zeitpunkt weniger Nützlinge nahe an der Oberfläche auf. Sie ziehen sich wegen der ungünstigen Verhältnisse in tiefere Schichten zurück. Somit sind sie weniger gefährdet.

Verschiedene Modelle

Ob und welches Abflammgerät sich für den Einsatz auf dem eigenen Grundstück eignet, ist in der Regel eine Frage der Fläche, auf der das Unkraut abgeflämmt werden soll.

1. Mobile Abflammgeräte mit Kartusche
Unkrautbrenner, die mit Gaskartusche betrieben werden, eignen sich nur für kleine Flächen. Wegen der Brennergröße und der eingeschränkten Gasmenge in der Kartusche ist ein großflächiges Abflämmen nicht möglich. Mit dieser Variante lässt sich jedoch exakter arbeiten. Die Flammtemperatur ist zwar etwas niedriger als bei großen Geräten, reicht aber völlig aus, um das Unkraut zu zerstören.

2. Große, leistungsstarke Geräte mit Gasflasche
Für das großflächige Abflammen von Unkraut eignen sich die Varianten mit Gasflasche besser. Die Geräte selbst sind etwas teurer und Sie müssen zusätzlich die Propangasflasche besorgen und diese über das Grundstück bewegen.

Prinzipiell gilt: Je größer das Areal ist, umso eher rentieren sich leistungsstarke Abflammgeräte mit großer Gasflasche. Die kleineren Geräte werden in der Regel als Komplettsatz verkauft, also mit einem Brenner und kleinerer Gaskartusche. Bei größeren Geräten können Sie meist das Brennerteil inklusive etwa fünf Meter Gasschlauch kaufen. Die Gasflasche und eventuell der Druckminderer sind separat zu beschaffen.

Strombetriebene Brenner

Wem das Abflämmen von Unkraut mit einem Gasbrenner zu gefährlich erscheint, kann auch auf Unkrautbrenner zurückgreifen, die mit Strom betrieben werden. Mit Gas betriebene Abflammgeräte arbeiten bei höheren Temperaturen, deshalb sind sie effektiver. Gute, mit Strom betriebene Abflammer erreichen einen Hitzestrahl von etwa 650 Grad. Bei dieser Temperatur lässt sich das ungewünschte Kraut zwischen den Fugen fast wie mit einem herkömmlichen Abflammgerät beseitigen. Es muss jedoch einkalkuliert werden, dass das vollständige Vernichten des Unkrauts etwas länger dauern kann.

Fazit
Zu den wenigen, gesetzlich erlaubten Methoden gegen Unkraut auf befestigten Flächen und Gehwegen gehören neben mechanischen Methoden lediglich thermische Verfahren wie das Abflammen. Unkraut abflämmen ist eine sehr wirkungsvolle und umweltschonende Methode. Allerdings nur dann, wenn gewisse Spielregeln eingehalten werden. Je trockener und kleiner die ungewünschten Beikräuter sind, umso effektiver ist diese Art der Unkrautvernichtung.