Heimwerkertipps

Gips anrühren – Anleitung zum richtigen Mischen & Verhältnis

Welcher Gips ist zweckmäßig? Und wie rühre ich ihn an? – Halina gibt Tipps.

Eine Arbeitskollegin meines Mannes rief gerade an. Sie hätte mit dem büroeigenen Mini-Hubschrauber ein Stückchen Stuckgips abgeschossen und wolle das jetzt selbst wieder in Ordnung bringen. Außerdem seien ohnehin einige Risse im Stuck, die hätte der Maler einfach überpinselt, die würde sie dann gleich mit beheben. Und da komme es doch bestimmt darauf an, dass der Gips richtig angerührt wird.

Tipps zum Verarbeiten von Gips

Mein Mann hatte von meinen weihnachtlichen Gips-Basteleien erzählt. Ich könne ihr doch bestimmt sagen, was dabei besonders zu beachten ist. Ich habe mir das Lachen verkniffen und ihr zugesichert, dass ich ihr in ein paar Minuten eine Kurzanleitung mailen würde. So sah sie aus:

  • Es gibt sehr viele verschiedene Gipssorten. Sie unterscheiden sich in Gipssorte und Zuschlagstoffen. Je nach Gipssorte hat der Gips eine andere Körnung und eine andere Farbe (einen anderen Weißgrad), er ist auch mehr oder weniger haltbar. Je feiner der Gips bzw. die Körnung ist, desto glatter kann eine Oberfläche gespachtelt werden. Wenn es nur um ein kleines Stück Stuck und um Risse geht, ist es aber nicht ganz so wichtig, genau die gleiche Körnung zu treffen. Kritischer ist es schon mit der Farbe, es kann bei sehr altem Stuck sehr schwierig werden, die richtige Farbe zu treffen.

Der Stuck, um den es geht, ist Gottseidank gerade mit Silikatfarbe gestrichen worden, von der auch noch etwas vorhanden ist. Hier kann also einfach nachgestrichen werden, außerdem geht es ja nur um kleine Ausbesserungen.

Den richtigen Gips verwenden

  • Dann unterscheidet sich der Gips noch darin, wie schnell er fest wird. Man bräuchte hier ja eigentlich Stuckgips, das ist aber ein Gips, der besonders schnell versteift – er wird ja bei Herstellung des Stucks in eine Form gegossen. Kein Problem bei den Rissen, sondern sogar eher gut. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass der Gips mehrfach angerührt werden muss.

– Aber bei dem Stückchen, das der Hubschrauber abgeschossen hat? Wenn hier künstlerische Formarbeit in mehreren Dimensionen erforderlich ist, ist der schnell versteifende Gips vielleicht nicht das beste Material … Ich habe schnell telefonisch noch einmal nachgefragt: Es ist eine dreieckige Scharte, also ein schräger Einschnitt, der dann senkrecht nach oben geht. Der ist gut mit Stuckgips zu füllen:

  • Im ersten Arbeitsgang kann man hier einen kleinen Gipsklumpen in die Scharte geben und mit dem Spachtel die eine Seite der Kerbe glatt ziehen.
  • Im zweiten Arbeitsgang wird der Rest gefüllt und die andere Seite glatt gezogen.

Weitere Gipssorten im Überblick

Länger bearbeiten lässt sich Putzgips. Er ist deshalb der beliebteste Putz für alle Innenarbeiten. Auch Mörtelgips wird gerne in Innenräumen verarbeitet, weil er durch besondere Zusatzstoffe erst spät versteift. Etwas schneller versteift Haftgips, der sehr fein ist und deshalb sehr gut für dünne, einlagige Innenputze eingesetzt werden kann. Dann gibt es noch Ansetzgips, der z. B. zum Verputzen von Gipskartonplatten genommen wird, weil seine Zusatzstoffe auf dem Gipskarton eine hervorragende Haftung bewirken, er versteift auch nur langsam. Um Gipsbauplatten zu verbinden, nimmt man Fugengips, mit Spachtelgips werden Rigipsplatten und andere Bauplatten verspachtelt, beide lassen dem Handwerker genügend Zeit für genaue Arbeit und eventuelle Korrekturen. Marmorgips wird auch ganz langsam steif, er kann gut zum Verfugen von Fliesen oder Platten eingesetzt werden.

Gips richtig anrühren

    • Beim Gips anrühren sollte man sich immer genau an das auf der Packung angegebene Mischungsverhältnis halten. Dazu gehört auch, eine Waage zu benutzen, denn es geht um das spezifische Gewicht der beiden Teile. Das Wasser sollte Zimmertemperatur haben. Nun wird das Gipspulver locker ins Wasser gestreut (man sollte niemals die umgekehrte Reihenfolge wählen). Der Gips sollte nicht zu schnell eingestreut werden, weil er sonst vielleicht Luft bindet – das verursacht sogenannte Gipsknollen. Anschließend sollte man den Gips etwa eine halbe Minute in Ruhe lassen (sumpfen lassen). Dann kann er gerührt werden, mit der Hand oder mit der Maschine, mindestens eine Minute, mit 2 bis 3 Umdrehungen pro Sekunde, also ziemlich schnell.

 

  • Bei Detailarbeiten wie diesen kann man sofort nach dem Ende des Mischens anfangen zu arbeiten, jetzt setzt bereits der Abbindeprozess ein. Kleinigkeiten können später nachmodelliert werden, z. B. der zweite Teil der Scharte, solange die Gipsmasse noch matt glänzt. Tut sie das nicht mehr, sollte man den Gips austrocknen lassen, dann kann nur noch Schleifpapier helfen.

Ich habe die E-Mail dann losgeschickt, mit dem Ratschlag, den Gipsbecher nicht im Waschbecken auszuwaschen, da Gips auch unter Wasser trocknet. Wenn ich meinen Mann mal wieder im Büro abhole, werde ich mir das Ergebnis ansehen.

Eure Kommentare

Leider keine Kommentare.

Dein Kommentar

Hinweis: Die Redaktion behaelt es sich vor Kommentare, die der Werbung dienen, nicht freizuschalten oder die Werbung aus den Kommentaren zu entfernen.