Bei der Aufzucht von Löwenmäulchen ist es heute Gang und Gäbe, die Pflanzen nach dem Ende der Blütephase zu entfernen und im neuen Jahr durch neue Jungpflanzen zu ersetzen. Doch muss das überhaupt sein? Wie winterhart ist das Löwenmäulchen und wie bringt man es sicher über die kalten Monate? Wir verraten Ihnen alle wichtigen Informationen zu Winterhärte und Überwinterungsmöglichkeiten.

Ist Löwenmäulchen winterhart?

Diese Frage lässt sich zwar bei zahlreichen anderen Gewächsen klar mit ja oder nein Beantworten, beim Löwenmäulchen dagegen lässt sich als pauschale Antwort nur ein "es kommt darauf an" geben. Ursprünglich handelt es

sich bei der Antirrhinum, so der wissenschaftliche Name des Löwenmäulchens, um eine mehrjährige und zumindest mäßig winterharte Staude. Wer das Glück hat, ein solches Exemplar zu besitzen, kann mit einigen Bemühungen auch im kommenden Jahr auf eine reiche Blütenpracht setzen.

Löwenmäulchen, Löwenmaul, AntirrhinumBei vielen der heute angebotenen Zuchtformen handelt es sich dagegen um eine so genannte F1-Hybride. Sie werden ausschließlich auf das Ziel eines starken Wachstums und einer enormen Blütenbildung hin gezüchtet. Die Lebensdauer beschränkt sich daher ohnehin meist auf nur eine Saison, so dass die im Laufe der Züchtung verschwundene Winterhärte nicht mehr groß ins Gewicht fällt.

HINWEIS: Um welche Art Löwenmäulchen es sich handelt, erfahren Sie von ihrem Gärtner. Bei Erwerb im Baumarkt oder Gartenfachhandel ist neben der Zugehörigkeit zur F1-Hybride auch meist direkt eine Angabe zur Winterhärte enthalten.

Mehrjährige Stauden überwintern

Haben Sie das Glück, in Ihrem Garten tatsächlich eine mehrjährige Löwenmäulchen-Staude Ihr Eigen zu nennen, sind die Überwinterungschancen in aller Regel sehr viel versprechend. Diese Maßnahmen helfen, die Pflanze sicher bis zum kommenden Frühjahr zu überwintern:

Rückschnitt

Obwohl viele Gärtner im Herbst dazu neigen, Verblühtes und Welkes von den Pflanzen zu entfernen, sollte hier der Rückschnitt unterbleiben. Das tote Laub erfüllt im Winter mehrere Funktionen:

  • Schutz des Pflanzenstamms vor Wind und daraus folgenden Erfrierungen
  • Schutz des Wurzelbereichs vor intensivem Bodenfrost
  • Abgefallenes oder zur Erde abgesenktes Laub als Verdunstungsschutz gegen Austrocknen bei winterlichen Winden

Abdecken

Eine zusätzliche Schutzschicht hilft, die Pflanzen vor der Winterkälte zu

bewahren. Dabei gilt es vor allem, die empfindlichen Wurzeln zu schützen, während die oberirdischen Pflanzenteile ohnehin im Frühjahr neu austreiben. Geeignete Stoffe für die Schutzabdeckung sind:
  • Kokosbastmatten
  • Reisig
  • Mulch
  • Laub
  • Stroh

ACHTUNG: Luftdichte Abdeckungen, wie beispielsweise Folien, sollten dagegen tunlichst vermieden werden. Zwar schützen sie ebenfalls vor Verdunstung und Kälte, allerdings kann sich unter Ihnen Feuchtigkeit stauen und so die Bildung von Fäulnis und Schimmel begünstigen.

Löwenmäulchen, Löwenmaul, AntirrhinumDie Abdeckungen lassen sich unabhängig von der Pflanzung im Beet oder Topf durchführen. Bei kleineren Töpfen kann schon eine Handvoll Laub der naheliegenden Sträucher ausreichend sein, um die Wurzeln von oben zu schützen.

Nachbarpflanzen

Obwohl Löwenmäulchen die Sonne lieben, kann es sinnvoll sein, sie in der Gesellschaft von größeren Stauden oder Sträuchern anzupflanzen. Die teilweise überhängenden Zweige dieser Nachbarn können einen gewissen Schutz vor der winterlichen Kälte sternenklarer Nächte bieten.

Geschützte Lagen

Wer bereits bei der Pflanzung der Löwenmäulchen auf eine geschützte Lage achtet, hat damit bereits einiges in Sachen winterlichem Schutz erledigt. Vor allem ein Schutz vor Wind, aber auch die Wärmeabstrahlung naheliegender Gebäude tragen ihren Teil zu einer erfolgreichen Überwinterung bei. Guten Möglichkeiten sind beispielsweise:

  • Gebäudenahe Pflanzbeete
  • Lage im Bereich des Dachvorsprungs von Müllboxen, Garagen oder Schuppen
  • Lage auf windabgewandter Seite von Sichtschutzelementen, Gerätehütten etc.

Noch besser lässt sich die Schutzwirkung eines gut gewählten Standortes nutzen, wenn die Pflanzen im Pflanztrog oder Blumentopf gehalten werden. Die Töpfe können dann einfach an die Hauswand gerückt werden oder den Winter unter einer schützenden Terrassenüberdachung verbringen.

Schutz von unten und den Seiten

Während Löwenmäulchen im Pflanzbeet von unten keines Schutzes bedürfen, stellt die allseitig vorhandene Kälte bei Kübelpflanzen eine echte Gefahr für die empfindlichen Wurzeln dar. Stellen Sie Blumentöpfe daher über Winter auf eine Styroporplatte, oder eine Matte aus Bast oder Kokosfasern. Sie halten die von unten herankommende Kälte ab und ergänzen die Schutzmaßnahmen wirkungsvoll. Dasselbe gilt für die Topfseiten, sofern die verbleibende Erde um

die Wurzeln keinen genügenden Schutz darstellt. Hier helfen Kokosmatten oder sogar Noppenfolie effektiv.

Düngen einstellen

Löwenmäulchen, Löwenmaul, AntirrhinumWer seine Pflanzen düngt, meint es meist gut mit ihnen. Für eine erfolgreiche Überwinterung sollten Sie allerdings im September die Düngergaben für das Löwenmäulchen einstellen. So wird der Wachstumstrieb reduziert und die Pflanze reift aus und bereitet sich selbst auf die Winterruhe vor. Besonders anfällige Neutriebe bei Zweigen und Wurzeln werden nicht mehr gebildet.

Ausgraben

Immer wieder hört man davon, dass Löwenmäulchen in besonders kalten Lagen mitsamt ihres Wurzelballens ausgegraben und im Keller überwintert werde können. In der Tat funktioniert diese Methode, allerdings werden die Pflanzen deutlich geschwächt und reagieren im Folgejahr mit geringerem Wachstum und weniger Blütenbildung. Bei der Aufbewahrung im Keller sollte auf folgendes geachtet werden:

  • Wurzeln feucht halten, gegebenenfalls gegen intensive Verdunstung schützen
  • Staunässe vermeiden, z.B: durch Auflage auf Stroh
  • Dunkel lagern, da ansonsten durch höhere Temperaturen Wachstumsbeginn ohne ausreichende Versorgung