Fliederbaum GehölzFlieder schneiden oder nicht? Bei den duftenden Gewächsen gibt es deutliche Vor- und Nachteile dieser Pflegemaßnahme, denn der Flieder kommt jahrelang gut ohne einen Verschnitt aus. Fehlt er aber zulange, beginnt die Pflanze zu sehr schnell sehr stark zu altern, Triebe bleiben kahl und auch die Blüte lässt erheblich nach. Mit dem richtigen Wissen lässt sich jedoch ein Mittelmaß finden oder auch ein radikaler Verschnitt gut durchführen. Hier wird verraten, worauf es dabei ankommt.

Ohne Verschnitt

Der Flieder gehört zu den wenigen Pflanzen, die sehr gut ohne einen Verschnitt auskommen - und das über viele Jahre hinweg. Tatsächlich wachsen und blühen die Gewächse zunächst besonders üppig, wenn ihnen die Gartenschere fernbleibt.

Dieser Umstand ist
darin begründet, dass sich Blüten erst am zweijährigen Holz bilden und die Knospen für das nächste Jahr schon dann vorhanden sind, wenn die aktuellen Stände gerade erst verwelken. Mit einem radikalen Verschnitt können also alle Blütenanlagen für die nächsten zwei bis drei Jahre entfernt werden.

Dieser bequeme Zustand hält aber nicht ewig vor. Mit der Zeit verholzen die Triebe des Flieders nicht nur, sie vergreisen auch und bilden dann weder Blätter noch Blüten aus. Es kann also nicht grundsätzlich von einem regelmäßigen Verschnitt des Flieders abgeraten werden.  

Blütenstände verschneiden

Die einfachste Variante des Verschnitts beim Flieder ist die Entfernung der verwelkten Blütenstände. Sobald diese abgeblüht sind, darf zur Schere gegriffen werden. Hierbei ist aber Vorsicht geboten, denn die Knospen für das nächste Jahr warten direkt dahinter. Grüne Abschnitte sollten daher keinesfalls weggeschnitten werden, sofern die Blüte nicht eingeschränkt werden soll. Das Verschneiden der Blütenstände ist während der gesamten Gartensaison möglich.  

Tipp: Bei dieser Art des Verschnitts ist es sinnvoll, auch gleich kahle oder schwach beblätterte Zweige zu entfernen.

Pflegeschnitt

Im Prinzip ist der Pflegeschnitt beim Flieder lediglich eine Erweiterung der Entfernung der vertrockneten Blütenstände. Hierbei werden alle Zweige und Pflanzenzteile beseitigt, die:
  • "verquer" wachsen
  • abgestorben sind
  • nur wenige Blätter aufweisen
  • sehr lang und verholzt aber schwach beblättert sind
  • abgeknickt sind
Gelegentlich muss zu diesem Zweck auch tiefer in das Innere des Flieders vorgedrungen werden. Dies ist einfacher, wenn der Flieder gerade nicht in voller Blüte steht. Andererseits lassen sich gerade dann abgestorbene und schwach wachsende Zweige sehr gut erkennen.

Ein Vorteil beim pflegenden Verschnitt des Flieders ist, dass er im Prinzip ganzjährig erfolgen kann. Er kann also nach und nach während der Gartensaison erfolgen und problemlos schrittweise durchgeführt werden. Wann immer ein Abschnitt störend auffällt, ist das Wegkürzen möglich.  

Formschnitt

Der Formschnitt kann aus vielerlei Gründen nötig sein. Wenn der Flieder zu hoch oder zu breit wird, kann er diesen gebrauchen. Dazu kann er erforderlich sein, wenn das Gewächs in eine bestimmte Form gezogen werden soll.
Flieder schneiden
Hier darf relativ radikal vorgegangen werden. Ein Meter über dem Boden sollte bei größeren Exemplaren aber mindestens erhalten bleiben. Zudem ist es wiederum empfehlenswert, beim Formschnitt schrittweise vorzugehen. Anstatt den Flieder in einem Jahr und bei einem Verschnitt "abzuholzen", sollte die Maßnahme über zwei bis drei Jahre erfolgen.
Der Flieder verliert hierdurch weniger Blätter und damit auch weniger Kraft. Empfehlenswert ist es bei älteren Exemplaren von innen nach außen vorzugehen. Das wirkt anfangs zwar unnötig kompliziert, folgt aber dem natürlichen Vergreisen und Verkahlen des Gewächses von innen heraus.  

Radikalschnitt

Auch wenn der Flieder die ersten Jahre überhaupt keinen Verschnitt benötigt, setzt irgendwann das Vergreisen und damit das Verkahlen ein. Die Blühkraft nimmt ab. Das Wachstum der Blätter lässt nach. Zweige bleiben teilweise vollkommen kahl. Zudem haben neue Triebe kaum Platz.
Wenn ein völlig verwucherter Zustand eingetreten ist, kann ein
Radikalschnitt notwendig sein. Hier kann allerdings zunächst versucht werden, schrittweise einen Formschnitt über zwei bis drei Jahre durchzuführen.

Wer dafür keine Geduld hat und das Risiko des völligen Absterbens eingehen will, kann jedoch auch alle Triebe auf etwa einen Meter über dem Boden einkürzen. Bei sehr alten und geschwächten Gewächsen ist das allerdings mit der Gefahr verbunden, dass sich die Pflanze nicht mehr oder nur sehr langsam erholt.

Daher sollte hier sehr genau abgewogen werden, ob ein Radikalschnitt wirklich von Nöten ist. Wenn das Verkahlen stört, der Flieder aber schwächelt, sollte die Pflanze mit entsprechender Düngung gestärkt und erst im Folgejahr radikal verschnitten werden. Ein gesunder Flieder erholt sich in der Regel jedoch problemlos vom Radikalverschnitt und treibt danach wieder sehr stark aus.

Verjüngungsschnitt

Der Verjüngungsschnitt ist nichts anderes, als ein fortlaufender Pflegeschnitt in Kombination mit der Entfernung der verdorrten Blütenstände. Wer über das Jahr verteilt alle verwelkten, kahlen und beschädigten Pflanzenteile abschneidet, wird nie einen Radikalschnitt durchführen müssen.
Das kann dem einen oder anderen Hobbygärtner verwirrend vorkommen, denn diese Form der Verjüngung erzeugt meist unförmig wachsende Pflanzen. Im Falle des Flieders sorgt die Maßnahme jedoch für ein kompaktes und üppiges Wachstum.

Sicherheitsmaßnahmen

Auch wenn der Verschnitt des Flieders generell recht unkompliziert und das Gewächs gut schnittverträglich ist, müssen dabei einige Punkte beachtet werden. Dazu gehören in erster Linie:
  • sauberes Schnittwerkzeug verwenden, um keine Keime oder Parasiten zu übertragen
  • Verschnitt nicht bei extrem heißem und trockenem Wetter oder bei Minusgraden durchführen
  • Pflanze vor dem Verschnitt durch angemessene Düngung und richtiges Gießen stärken
  • lieber ein Bisschen jedes Jahr als einmal richtig radikal
Ob Blütenstand, ein kahler Zweig oder der radikale Verschnitt, diese Regeln gelten in jedem Fall.

Pflege vor und nach dem Schnitt

Der Flieder ist in der Regel sehr gut schnittverträglich und wächst wieder nach. Dafür benötigt er jedoch die richtige Kraftquelle. Stickstoff und Phosphor sind wichtige Nährstoffe, die als ebenjene Kraftquelle dienen können. Auch mit der passenden Versorgung dauert es jedoch einige Jahre, bis der Flieder wieder kräftig wirkt, neue Triebe und Blätter ausbildet. Bis zur Bildung neuer Blütenstände können drei bis vier Jahre vergehen.

Geeignete Versorgungsmöglichkeiten sind Kompost und organische Mittel, wie Kompost, Knochenmehl, Blutmehl und Haarmehl. Auch fertige Düngemittel für Blühpflanzen aus dem Fachhandel bieten sich an. Eingearbeitet in die obere Substratschicht und mit einer Wassergabe verteilt, können diese innerhalb einiger Monate zu neuer Kraft führen.

Zudem ist wichtig, dass der Flieder nicht durch andere Einflüsse geschwächt ist. Bei Trockenheit oder Staunässe sowie Krankheiten oder einem Befall mit Schädlingen sollte kein großer Verschnitt durchgeführt werden. Hier gilt es, zunächst die Probleme zu beheben und das Gewächs wieder zu Kräften kommen zu lassen.
Verschnitten werden sollten dann nur die Teile, die bereits abgestorben oder befallen sind.
Fliederbaum Gehölz
Dabei gilt es, verschiedene Abstände einzuhalten. Trockenheit lässt sich beispielsweise sehr schnell beheben, indem einfach hin und wieder zur Gießkanne gegriffen wird. Sobald die Blätter nicht mehr welken und schlaff sind, darf verschnitten werden. Bei Nährstoffmangel verhält es sich anders. Hier sollte zunächst für eine Gartensaison eine regelmäßige Düngung durchgeführt werden, bis zur Astschere gegriffen wird.
Eben dies gilt auch bei einem Parasitenbefall oder einer Infektion. Erst, wenn sich das Gewächs erholt hat, sollte radikaler geschnitten werden.

Fazit
Auch wenn der Flieder eigentlich dankbar, pflegeleicht und robust ist, muss beim Verschnitt bedacht vorgegangen werden. Besonders einfach ist es, wenn der Flieder fortlaufend ausgelichtet wird und tote Zweige entfernt werden. Wer also über das Jahr verteilt immer wieder zur Gartenschere greift, muss sich meist keinerlei Gedanken über radikale Verschnitte machen und hält den Flieder das ganze Jahr jung, trieb- und blühfreudig.