Würmer in der Blumenerde wirken abstoßend. Die meist farblosen oder weißen kleinen Tiere lösen Ekelgefühle aus und werden als Schädlinge betrachtet. Das sind sie zwar nicht per se, aber sie tun der Zimmerpflanze auch nicht immer gut. Es ist also durchaus verständlich, wenn man die Würmer loswerden will. Chemikalien sind allerdings nicht nötig, die Würmer können einfach ausziehen.

Verwandte der Regenwürmer

Werden Würmer in der Blumenerde bemerkt, ist normalerweise der Ekel erst einmal groß. Die kleinen Lebewesen sind zwischen vier und dreißig Millimeter lang, oft durchsichtig, manchmal aber auch milchig weiß oder braungrau. Die meisten davon gehören zur selben Familie wie Regenwürmer und ernähren sich auch so: Sie ziehen abgestorbene Pflanzenteile unter die Erde, fressen sie auf und düngen mit ihren Ausscheidungen den Boden. Allerdings ist das Angebot an abgestorbenen Pflanzenteilen in einem gepflegten Blumentopf oder -kübel im Zimmer stark begrenzt im Gegensatz zum Freiland. Daher kann es passieren, dass die
kleinen Würmer irgendwann aus Nahrungsmangel die Wurzeln der Pflanzen anfressen. Und das schadet der Pflanze.

Die Würmer gehören meist zur Familie der Enchyträen. Diese Würmer sind ausgewachsen meist zwischen fünf und dreißig Millimeter groß und weiß oder gelblich-braun. Allerdings gibt es auch ganz durchsichtige Exemplare. Hier lohnt es, den Ekel zu überwinden und die Tiere genauer anzusehen: Durch den durchsichtigen Körper sind die inneren Organe erkennbar, und der Verdauungstrakt der Würmer kann gesehen werden. Das ist ein faszinierender Einblick in die Natur, der sonst nur Biologen vergönnt ist.

In der Natur fressen die Würmer die abgestorbenen Pflanzenteile und verdauen auch die darin enthaltenen Bakterien, bevor diese die umliegenden Pflanzen befallen können. Ihre Ausscheidungen düngen den Boden. Durch ihre Bewegungen durch den Boden wird die Erde aufgelockert und belüftet, Wasser kann gut eindringen und versickern, die Erde wird gleichmäßig mit Humus durchsetzt. Damit sind die Tiere im Freiland und in Kübeln im Freien wirklich willkommen und eine tolle Hilfe für jeden Gärtner. Ebenso wie Regenwürmer, die manchmal mit der Freilanderde in den Blumentopf gelangen.

Schädlich oder nicht?

Im Balkonkasten oder im Kübel draußen, wo öfter abgestorbenes Laub liegt und auch hin und wieder mal ein unerwünschtes Kraut wächst und ausgezupft wird, schaden Würmer erst einmal nicht. Im geschlossenen Zimmer sieht das anders aus: Hier landen keine Pflanzenteile auf der Erde, die durch den Aufräumdienst entfernt werden müssten (denn genau das sind Würmer im Endeffekt). Sie würden also recht schnell aufgrund von Nahrungsmangel die Zimmerpflanzen anknabbern. Gesunde, starke Pflanzen können den Verlust einiger Haarwurzeln gut verkraften, aber wenn die Würmer sich vermehren, wird da schnell ein echtes Problem raus. Denn dann bleibt es nicht bei einigen Haarwurzeln, sondern es werden viele Wurzeln gefressen. Die Pflanze benötigt die Wurzeln aber, um die Nährstoffe aus der Blumenerde zusammen mit dem Gießwasser aufzunehmen. Werden die Wurzeln abgefressen, verhungert und verdurstet die Pflanze also. Dementsprechend sind die Würmer im Blumentopf zwar per se keine Schädlinge, in geschlossenen Räumen aber durchaus eine Bedrohung für die Pflanzen.

Es geht ohne Chemikalien

Drachenbaum - DracaenaGegen viele verschiedene Organismen, die Pflanzen potentiell schaden, gibt es spezielle Sprays, Tinkturen und andere Chemikalien, die bisweilen auch in die Erde gemischt werden. Bei Wurmbefall ist das nicht nötig. Es reicht aus, wenn die Pflanze vorsichtig von der alten Blumenerde befreit und in neue Erde und einen neuen, gereinigten Topf gesetzt wird. Übrigens ist das auch empfehlenswert, wenn in der Blumenerde auf dem Balkon oder in den Kübeln vor der Haustür Würmer herumkriechen. Nicht, weil die den Pflanzen zu sehr schaden würden, sondern weil Würmer eben doch bei den meisten Menschen extremen Ekel auslösen.

Keim- und würmerfreie Erde?

Wer sich vor Würmern in der Blumenerde ekelt, wird sicherstellen wollen, dass nach dem Umtopfen garantiert keine Lebewesen mehr in der Blumenerde zu finden sind. Es gibt mehr oder weniger sterile Erde zu kaufen. Andere Erde kann immer kleine Lebewesen enthalten, weil diese Erde nun einmal als ihren natürlichen Lebensraum betrachten und in Gärtnereien und im Handel ganz selbstverständlich hineingeraten. Es ist recht einfach, normale Blumen- oder Gartenerde halbwegs frei von Tieren und anderen unerwünschten Lebewesen zu bekommen:
  • Backofen auf 220° C vorheizen.
  • Ein ausreichend tiefes Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Erde in gewünschter Menge darauf verteilen.
  • Backblech in den Ofen schieben und etwa 15 bis 20 Minuten erhitzen. Am besten unter Aufsicht, falls etwas in der Erde Feuer fängt.
Bei dieser Methode überleben die meisten Pilzsporen nicht, viele Bakterien gehen kaputt, und auch Würmer vertragen diese Hitze nicht. Der sich in der Wohnung ausbreitende leicht erdige Geruch ist normal, solange nichts brennt, ist alles in Ordnung. Alternativ kann die Erde in der Mikrowelle sterilisiert werden.
  • Leicht feuchte (nicht nasse) Erde locker in einen Baumwollbeutel geben.
  • Beutel zuknoten und in die Mitte der Mikrowelle legen.
  • Bei 900 Watt-Geräten etwa vier bis fünf Minuten durchgaren. Unter Aufsicht, falls der Beutel Feuer fängt.
  • Auskühlen lassen und vorsichtig aus dem Beutel nehmen.
Das Sterilisieren in der Mikrowelle ist weniger stromintensiv als die Backofenmethode und nicht so zeitintensiv. Allerdings wird auch in diesem Fall die Küche etwas nach heißer Erde riechen, das lässt sich nicht vermeiden.

Umtopfen Schritt für Schritt

Zur Vorbereitung sollte alles, was für das Umtopfen benötigt wird, bereitgelegt werden. Benötigt werden:
  • Zimmerpflanze im alten Topf
  • neuer Topf
  • ausreichend neue Erde
  • etwas Kies oder Seramis
  • ein Mülleimer für die alte Erde
  • Handschuhe und eine
    kleine Schaufel
  • viel Zeitungspapier
Als erstes wird die Arbeitsfläche mit Zeitungspapier ausgelegt. Das erleichtert die Reinigung nach getaner Arbeit. Dann werden die Handschuhe angezogen und die benötigten Utensilien werden auf der Zeitung bereitgestellt. Der neue Topf wird mit etwas Kies oder Seramis gefüllt, darauf kommt etwas Blumenerde. In die Mitte wird eine Mulde eingedrückt, so dass die Pflanze hier mit dem Wurzelballen Platz findet. Die restliche Blumenerde wird auf der Zeitung bereitgestellt. Die Zimmerpflanze wird nun vorsichtig am Stamm gepackt, möglichst nah an der Erde (Würmer können sich nicht durch Handschuhe beißen, also keine Angst).
flammendes Kätchen - Kalanchoe
Jetzt vorsichtig nach oben ziehen und den Topf mit der anderen Hand festhalten. Oft löst sich die Pflanze aus der Erde und lässt sich herausnehmen. Ist das nicht der Fall, kann die Erde mit der Schaufel am Rand des Blumentopfes etwas angelockt werden. Die Pflanze wird nun vorsichtig über den Mülleimer gehalten, so dass sich die Erde möglichst vollständig vom Wurzelballen abschütteln lässt. Sanft schütteln, so dass die Pflanze nicht beschädigt wird. Gegebenenfalls muss mit der zweiten Hand nachgeholfen werden: So viel Erde wie möglich sollte von den Wurzeln abgestreift werden, allerdings ohne die Wurzeln zu beschädigen.

Jetzt kann die Pflanze vorsichtig mit dem Wurzelballen im neuen Topf platziert werden. Ist die Pflanze etwas ausgerichtet, wird von außen mehr Blumenerde angeschüttet und leicht festgedrückt. Aber nur ganz vorsichtig, die Erde soll die Pflanze nur in Position halten, nicht einzementieren. Ist die Pflanze stabil, kann der Blumentopf bis zur gewünschten Höhe gefüllt werden. Etwas Wasser hilft der Pflanze, die Wurzeln in die neue Erde auszustrecken. Die übrige Erde aus dem alten Blumentopf kann mitsamt den Würmern im Mülleimer entsorgt werden.

Die Erde kann aber auch einfach in den Garten gekippt werden: Hier leisten die Würmer nützliche Arbeit und schaden nicht. Der alte Blumentopf muss nun noch gereinigt werden, damit auch keine Würmer oder deren Eier oder Larven am Topf kleben bleiben. Warmes Wasser und ein Schwamm leisten da gute Arbeit. Als letztes wird der Arbeitsplatz aufgeräumt, die Zeitungen werden eingesammelt und die darauf befindliche Erde wird heruntergeschüttelt. Die Zeitungen selbst dürfen im Altpapier entsorgt werden, die Erde gehört in den Restmüll oder gegebenenfalls in die Biotonne (die einzelnen deutschen Gemeinden haben unterschiedliche Vorschriften).

Absammeln geht auch

Wer sich vor den Würmern nicht ekelt, kann sie auch einfach ansammeln. Dazu wird die Zimmerpflanze mitsamt Topf in ein großes Gefäß mit Wasser gestellt. Im Wasser können die Würmer nicht atmen, sie kommen an die Oberfläche und können jetzt ganz einfach eingesammelt werden. Im Garten ausgesetzt, können sie dort einen neuen Lebensraum finden und für die Pflanzen gute Arbeit leisten.

Oft erwischt man beim Ansammeln aber nicht alle Würmer. Manchmal bleiben Eier, Larven oder besonders junge Exemplare unentdeckt, so dass sich nach einiger Zeit wieder Würmer in der Blumenerde beobachten lassen. Dann muss das Absammeln wiederholt werden. Zum Wohle der Zimmerpflanze sollte das Wasser nach dieser Aktion vollständig aus dem Blumentopf ablaufen können. Gießen muss man erst einmal nicht, die Pflanze hat ausreichend Wasser.

Manche Pflanzen vertragen auch kurzzeitig extreme Trockenheit - die Würmer aber nicht. Daher kann es auch funktionieren, die Pflanze einfach eine Weile gar nicht zu gießen und die Würmer so auszutrocknen. Allerdings braucht das ein bisschen Gespür, denn von außen ist nicht sichtbar, wie trocken die Erde in der Mitte des Topfes ist. Und wer zu lange mit dem Gießen wartet, riskiert eine verdorrte Zimmerpflanze. Übrigens sind sowohl Enchyträen als auch Regenwürmer Zwitter. Die Würmer sind Männlein und Weiblein zugleich, so dass sie sich grundsätzlich fortpflanzen können, solange nur zwei Würmer vorhanden sind.