Die Kübelpflanze erfreut sich besonderer Beliebtheit, welches nicht zuletzt auf ihre Blühfreudigkeit zurückzuführen ist. Allerdings fordert die Engelstrompete dafür eine optimale Pflege, zu der auch ein richtig durchgeführter Schnitt zählt. Nur wenn dieser professionell zum optimalen Zeitpunkt ausgeführt wird und einige Details beachtet werden, wird die Blütenpracht nicht darunter leiden, sondern belohnt Sie mit einem gesunden Wachstum und Farbintensität. Im Folgenden erfahren Sie alles Wissenswerte und erhalten eine professionelle Schnitt-Anleitung.

Zeitpunkt

Als beste Zeit für den Rückschnitt bei einer Engelstrompete zeigt sich das Frühjahr. Hier ist die Pflanze aus dem Winterquartier raus und aus der Winterruhe erwacht. Um sie keinem Frost auszusetzen, der bei frischen Schnitten das Erfrierungsrisiko um ein Vielfaches erhöht, sollten Engelstrompeten nie vor den Eisheiligen geschnitten werden und dementsprechend also frühestens erst ab Mitte Mai.

Ein Rückschnitt im Herbst ist ebenfalls möglich. Vor allem, wenn das Winterquartier nur beschränkt Platz bietet, ist ein Rückschnitt während der Monate Oktober und Anfang November durchaus
sinnvoll, solange noch kein Frost in Sicht ist. Auch hier kommt es darauf an, dass der Rückschnitt richtig erfolgt, denn schlimmstenfalls könnte sonst die Blüte im Folgejahr lange auf sich warten lassen.

Schneidewerkzeug

Einen wesentlichen Faktor bilden der richtige Umgang mit dem Schneidewerkzeug sowie die optimale Auswahl. Engelstrompeten verfügen über Verholzungen, die nur mit entsprechend scharfem Schneidewerkzeug geschnitten werden sollten. Eine spezielle Gartenschere ist extra für stärkere Zweige mit Verholzungen im Fachhandel erhältlich. Messer sind weniger geeignet, es sei denn, sie sind sehr scharf und besitzen eine glatte Klinge, mit der Sie mit einem Schnitt Gehölz sowie Zweige abtrennen können. Dies erfordert in der Regel aber einige praktische Erfahrungen.

Ein anderer Punkt liegt bei der Giftigkeit der Trompetenblüten. Lassen Sie nach dem Schneiden Ihr Schneidewerkzeug niemals für Kinder oder Haustiere erreichbar. Letzteres könnte durch den süßlichen Blütensaft zum Ablecken der Schneiden oder Messerklingen verleiten und Vergiftungserscheinungen austragen.

Schneide-Hygiene

Engelstrompete - BrugmansiaInsbesondere aufgrund der giftigen Blüten ist es bei der Engelstrompete extrem wichtig, dass Sie Ihr Schneidewerkzeug immer nach dem Gebrauch sehr gut reinigen. Optimal können Sie dies, indem Sie eine Desinfizierung vornehmen, nachdem Sie die Schere oder das Messer gründlich mit Wasser und Spülmittel gesäubert haben.

Die anschließende Desinfektion vertieft den Reinigungsgrad nochmals, trägt eventuelle Blütenreste ab und entfernt zudem zuverlässig eventuelle Bakterien, Viren oder andere Krankheitserreger, welche ohne zusätzliche Desinfektion leicht auf andere Pflanzen übertragen werden könnten, wenn Sie diese mit dem gleichen Schneidewerkzeug behandeln.
Zur Desinfektion stehen Ihnen drei verschiedene Varianten zu Verfügung:

Erhitzen
Sie können die Schneideseiten von Gartenscheren oder eine Messerklinge gut in einer Flamme desinfizieren. Dazu eignet sich allerdings nicht jedes Feuer/jede Flamme, denn sie muss entsprechend heiß werden können. Deshalb sollten Sie sich hier rein auf einen Gas-Bunsenbrenner oder eine Spiritusflamme beschränken. Halten Sie das Schneidewerk für einige Sekunden tief in den unteren Bereich der Flamme, da hier die höchsten Temperaturen herrschen. Achten Sie darauf, dass vor allem die Schnittflächen von beiden Seiten gut erhitzt werden.

Isopropanol
Eine andere Möglichkeit bietet die Desinfektion mit Isopropanol. Dabei handelt es sich um eine spezielle Alkoholart, die als eine 70-prozentige Lösung Keime, Viren und Bakterien abtötet. Erhältlich ist Isopropanol in Apotheken sowie Drogerien und überall dort, wo Medizinbedarf verkauft wird. Alternativ eignet sich auch die Desinfektion mit purem Spiritus. Dieser ist in einem Verhältnis von 7:1 mit destilliertem Wasser zu vermischen. In beiden Fällen tauchen Sie das Schneidewerkzeug in die Lösung ein und lassen es dort für circa zwei Minuten drin liegen. Achten Sie darauf, dass alle Teile von der Lösung bedeckt sind. Zum Trocknen legen Sie das Schneidewerkzeug anschließend auf eine saubere Küchenrolle und lassen es kurz an der Luft abtrocknen. Danach ist es einsatzbereit.

Chemische Desinfektion
Ohne besondere Vorbereitung können Sie Schneidewerkzeug auch mit chemischen Desinfektionsmitteln reinigen. Hier bietet zum Beispiel der Fachhersteller für Pflanzen- und Gartenbedarf Neudorff das NeudoClean Hygiene-Spray an. Dies hat den Vorteil, dass das Einsprühen schnell erledigt ist und nach 60 Sekunden die Geräte desinfiziert sind. Eine Trockenzeit oder Lösungsvorbereitung ist hier nicht notwendig.

Schneidetechnik

Grundsätzlich sollte eine Brugmansia, wie die Engelstrompete botanisch genannt wird, immer schräg am Zweig geschnitten werden. Das sorgt für eine kleinere Schnittfläche und damit auch Wundfläche, durch die Bakterien und andere Krankheitserreger in das Pflanzeninnere gelangen können. Deshalb gilt generell: Je kleiner die Schnittwunde, desto geringer das Risiko einer Erkrankung.

Zudem sorgt eine abgeschrägte Schnittstelle dafür, dass Wasser vollständig ablaufen kann, während auf einer gerade verlaufenden Wunde, Wasser darauf stehen kann. Im letzteren Fall würde das bedeuten, die Wunde würde längere Zeit benötigen, um abzutrocknen und sich entsprechend wieder zu verschließen. Auch dies ist wichtig, um den Eintritt von Krankheitserregern zu vermeiden. Also: immer nur schräg schneiden!

Wundversorgung

Wer
auf Nummer sicher gehen möchte, verschließt die Schnittwunden in Form einer Versiegelung. Dies kann durch Harz oder Wachs erfolgen, die ebenfalls im Fachhandel als Fertigmasse erhältlich sind. Dies bietet sich vor allem an, wenn der Schnitt im Spätherbst erfolgt, da eine hohe Luftfeuchtigkeit die Heilung deutlich hinauszögern kann und zusätzlich durch die Kälte die Wundstellen nicht selten zu "bluten" beginnen. Sollten Sie sich erst Tage nach dem Rückschnitt für eine Versiegelung entscheiden, ist zuvor eine Desinfektion durchzuführen. Dazu stäuben Sie den Schnittwunden mit Kohlenstaub oder Zimtmehl ein.

Schnittbereich erkennen

Engelstrompete - BrugmansiaBevor Sie einfach darauf los schneiden oder den Schnitt-Anleitungen für andere Pflanzen folgen, sollten Sie wissen, dass die Brugmansia eine besondere Wuchsweise besitzt, die sie stark von anderen Pflanzen unterscheidet und beim Rückschnitt für ein verbessertes Wachstum beachtet werden muss.

Blühregion
Diese Kübelpflanze ragt zuerst ohne Verzweigungen gerade nach oben. Hier legt sich der Trieb erst einmal aus, bevor sich dieser in der Höhe das erste Mal teilt. Mit dieser Teilung entsteht der sogenannte Blühbereich, welcher in der Regel bereits an der ersten Verzweigung eine Knospe bildet. Hinter dieser entsteht meist schon die zweite Teilung. In diesem Bereich wird von nun an in der Blühsaison zwischen Mai und Oktober die Blütenpracht gedeihen.
Lediglich ein Rückschnitt des Blühbereichs sorgt für ein verbessertes Wachstum der Brugmansia und für mehr Blüten. Je zahlreicher die Teilungen erfolgen, über desto mehr Blüten können Sie sich erfreuen. Nur der Blühbereich wird geschnitten.

Blatttypen
Für Sie bedeutet das besondere Wachstum der Brugmansia, dass Sie diese lediglich im oberen Bereich abschneiden können, der sich ab der ersten Teilung ergibt. Erkennen können Sie den Blühbereich auch an den Blättern. In der Regel wachsen die Blätter in der Blühregion asymmetrisch. Das heißt, dass eine Blattseite an dem Blattstiel höher angesetzt ist, als auf der anderen Blattseite. Im Gegensatz dazu stehen die symmetrischen Blätter, bei denen beide Blattseiten auf gleicher Höhe am Blattstiel ansetzen. Diese sind fast ausschließlich nur im unteren Pflanzenbereich außerhalb der Blühregion zu finden. Nur gelegentlich sind symmetrische Blätter im Blühbereich zu sehen.

Schneiden
Im Blühbereich zeigt sich die Brugmansia als sehr robust und verträgt auch Rückschnitte, die bis zur ersten Verzweigung reichen. Der Rückschnitt in diesem Bereich fördert das Höhenwachstum ebenso wie den Wachstum eines dichten Blattkleides und der Knospen beziehungsweise Blüten. Im unteren Bereich wird in der Regel nicht geschnitten. Neue, gerade wachsende Triebe werden ebenfalls durch den Rückschnitt im Blühbereich ausgelöst. Auf diese Weise nehmen Engelstrompeten dann auch in ihrem Umfang zu. Zwar kann ein Seitenaustrieb in der sogenannten Wachstumszone forciert werden, aber beschert Ihnen das leider keinen Anstieg der Blütenmenge.

Herbstschnitt

Bevor die Engelstrompete in ihr Winterquartier umzieht, kann ein Rückschnitt dann sinnvoll sein, wenn nicht ausreichend Platz vorhanden ist.
Folgen Sie dabei dieser Anleitung:
  • Schneiden Sie nur so viel weg, wie es unbedingt nötig ist
  • Nie tiefer als 30 Zentimeter oberhalb der ersten Zweigteilung abschneiden
  • Nicht bei Frost schneiden
  • Pflanze gegebenenfalls ins Warme stellen, damit die Schnittwunden abtrocknen können
  • Alternativ eine Versiegelung der Schnittstellen vornehmen

Zwischenschnitt

Engelstrompete - BrugmansiaWenn das Winterquartier Ihrer Engelstrompete relativ warm und hell ist, kann es vorkommen, dass sogenannte Wintertriebe während der Winterruhe sprießen. Da diese in der Regel sehr dünn sowie kraftlos sind, kaum bis keine Verzweigungen haben werden und das Blattkleid sich blass gestaltet, sollten diese so früh wie möglich abgeschnitten werden. Sie nehmen der Engelstrompete nur unnötig Energie und Nährstoffe weg, welche sie im Frühjahr reichlich benötigt, um kräftige und gesunde Triebe zu bilden.

Frühjahresschnitt

Wenn im Frühjahr die Kälte Platz für wärmere Temperaturen macht und spätestens ab den Eisheiligen kein Frost mehr zu erwarten ist, wird es Zeit für den Frühjahresschnitt bei der Engelstrompete. Ebenso wie bei dem Winterschnitt, sollte dieser mindestens 30 Zentimeter über der ersten Gablung oberhalb des Wachstumsbereichs enden.

TIPP: Abgeschnittene Triebe können Sie übrigens als Stecklinge nutzen und auf diese Weise neue Jungpflanzen selbst heranziehen, wenn Sie die Triebspitzen in Anzuchterde stecken und diese gut feucht halten. Nach circa drei Wochen haben sich Wurzeln gebildet und die Jungpflanze kann eingetopft werden.

Radikalschnitt

Ein Radikalschnitt ist immer eine hohe Belastung für jede Pflanze und speziell für die Engelstrompete. Aber wenn sich eine Pflanze nicht richtig nach einer Erkrankung oder einen Schädlingsbefall erholt, ist der Radikalschnitt meist die letzte Möglichkeit, die Brugmansia am Leben zu erhalten. Einen Versuch ist es allemal wert und die Chancen stehen zudem gar nicht so schlecht, wenn Sie dabei wie folgt vorgehen:
  • Rückschnitt bis in den Wachstumsbereich der gerade verlaufenden Stiele/Stämme
  • Rückschnitt nur so tief ansetzen, wie unbedingt nötig (nicht tiefer als 20 Zentimeter über der Erdoberfläche)
  • Mindestens die ersten sechs Wochen danach nicht düngen
  • Pflanze warm und hell stellen