Bereits im alten Rom wurde die Artischocke vor allem von den gehobenen Bevölkerungsschichten verzehrt. Im Mittelalter wurde die Pflanze schließlich nicht nur wegen ihrer geschmacklichen, sondern auch wegen ihrer medizinischen Wirkung sehr geschätzt, so dass sie mit wandernden Mönchen über die Alpen nach Mitteleuropa gelangte. Hier wurde sie vornehmlich in fürstlichen Gärten sowie Klostergärten angebaut. Bis heute gilt das Gewächs als Gourmetgemüse, was den kundigen Gärtner auch kaum verwundert. Das cremige Artischockenfleisch ist nicht nur ein kulinarischer Hochgenuss - das Essen ist zudem aufwändiger als die Aufzucht. Lediglich der Zeitpunkt für die Ernte muss gut abgepasst werden.

Artischocken sind sehr gesund

Artischocken enthalten die Bitterstoffe Cynarin und Cynaridin, die anregend auf den Verdauungsapparat wirken sowie auch eine wohltuende Wirkung auf die Leber haben. Sie sollen sogar in der Lage
sein, die Regeneration einer bereits geschädigten Leber zu unterstützen. Außerdem enthält die Pflanze krebsvorbeugende Flavonoide, die zudem dazu beitragen, den Cholesterinspiegel zu senken. Des Weiteren wird diesen Stoffen eine gefäßschützende Wirkung nachgesagt. Diabetiker vertragen das in der Artischocke enthaltende Inulin, ein Kohlenhydrat, besonders gut. Bei empfindlichen Personen kann dies jedoch Blähungen verursachen. Wegen der positiven gesundheitlichen Wirkung der Inhaltsstoffe kann man Artischockenpräparate als Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke oder im Reformhaus kaufen - oder die Pflanze auch einfach selbst im Garten anbauen.

Wuchs und Aussehen

Wer selbst Artischocken im Garten anbauen möchte, kann die Pflanzen ab Februar aus Samen auf der Fensterbank heranziehen. Die noch zarten Jungpflanzen kommen dann nach den Eisheiligen ins Beet - und können dort bis zu zwei Meter hoch und ebenso breit werden. Es handelt sich um stattliche Stauden mit großem Platzbedarf, was der Gärtner natürlich bei der Frühjahrspflanzung unbedingt beachten muss: Jede Artischocke braucht mindestens einen Quadratmeter Platz für sich.

Nach der Pflanzung bildet das Gewächs zunächst eine Blattrosette aus, aus der dann meist im zweiten Jahr die Blütenstängel herauswachsen. Bei manchen, einjährig kultivierten Sorten können Sie sogar schon im ersten Jahr der Pflanzung ernten. Die Staude sieht im Garten durch die fiederschnittigen, silbriggrauen Laubblätter und das imposante Wachstum sehr hübsch aus. Die Blütenstände sind - sofern nicht geerntet - distelähnlich und mit zahlreichen violetten Röhrenblüten bestückt.

Kann man Artischocken auch im heimischen Garten anbauen?

Artischocken - Cynara cardunuculusIn ein wintermildes Klima wie beispielsweise in den deutschen Weinbauregionen lässt sich die Artischocke mehrjährig kultivieren, ist aber hier nicht zuverlässig winterhart. Daher sollten Sie es über die kalte Jahreszeit mit Erde, Stroh, Laub oder einem Vlies abdecken. Doch auch wer in klimatisch raueren Regionen wohnt, muss auf Artischocken aus eigenem Anbau nicht unbedingt verzichten. In diesem Fall können Sie auf speziell gezüchtete einjährige Sorten wie 'Vert Globe', 'Vert de Provence' oder 'Imperial Star' zurückgreifen. Diese entwickeln schon im ersten Pflanzjahr viele schmackhafte Blütenknospen.
Wenn Sie Artischocken anbauen wollen, so müssen Sie auf diese Punkte achten:
  • Pflanzen ab Februar aus Samen vorziehen
  • alternativ Jungpflanzen einkaufen
  • im Mai auspflanzen
  • vertragen keinen Frost
  • großer Platzbedarf
  • benötigen lockeren, nährstoffreichen Boden
  • vollsonniger Standort wird bevorzugt
  • hoher Nährstoffbedarf
  • regelmäßig mit organischem Dünger düngen
  • regelmäßig hacken und Boden lockern
  • bei Trockenheit gießen
Bei guten Wachstumsbedingungen und einer entsprechenden Pflege können Sie im Sommer schließlich die ersten eigenen Artischockenblüten aus eigenem Anbau ernten.

Wann sind Artischocken reif für die Ernte?

Bei Artischocken werden die Blütenstände verzehrt. Allerdings sollten die Blüten noch fest verschlossen sein, denn sie sind nicht mehr genießbar sobald sie sich geöffnet haben. Sie werden trocken und verlieren ihren aparten Geschmack. Der Erntezeitraum beginnt je nach Klima im Juni oder Juli und kann sich über mehrere Wochen erstrecken.

Jedoch sind die Pflanzen zwar sehr groß, aber nicht besonders blühfreudig: Pro Pflanze entwickeln sich bei besten Bedingungen
höchstens sechs bis acht Knospen, mit etwas Glück können es auch bis zu zwölf sein - oft sind es aber tatsächlich nur ein bis zwei.
Daran erkennen Sie erntereife Blütenknospen:
  • Blütenboden vollständig ausgebildet
  • grüne Deckblätter noch fest verschlossen
  • bzw. beginnen gerade, sich leicht abzuspreizen
  • Spitzen der Deckblätter verfärben sich leicht braun
Tipp: Sie können mit der Ernte der Artischocken natürlich bis zum optimalen Zeitpunkt warten - oder aber bereits ab Mai / Anfang Juni die winzigen, noch längst nicht ausgereiften Blütenknospen abschneiden. Diese lassen sich im Ganzen garen und sind besonders zart, auch wenn vielleicht noch nicht viel "dran" ist. Es wachsen zu diesem Zeitpunkt ja neue nach.

Wie werden Artischocken geerntet?

Artischocken - Cynara cardunuculusArtischocken werden geerntet, indem Sie mit einem sauberen und scharfen Messer die Blütenknospe mitsamt dem darunter befindlichen Stiel abschneiden. Der Blütenstiel sollte erhalten bleiben, besonders, wenn Sie die Knospen nicht gleich verarbeiten wollen - dieser versorgt die Köstlichkeit weiter mit Feuchtigkeit und verhindert so ein Austrocknen. Bei der Ernte beginnen Sie mit der Knospe am obersten Trieb der Pflanze und beernten diese dann von oben nach unten.

Artischocken richtig lagern und verarbeiten

Im Gemüsefach des Kühlschranks halten sich Artischocken nur wenige Tage. Wickeln Sie sie am besten in ein feuchtes Tuch ein, damit sie nicht austrocknen. Ist der Stiel lang genug, können Sie die Blütenknospen zur Aufbewahrung auch in eine Vase stellen.
Die Zubereitung sollte so schnell wie möglich erfolgen:
  • Waschen Sie die ganze Artischocke gründlich ab.
  • Entfernen Sie den Stiel, diesen jedoch nicht abschneiden!
  • Brechen Sie ihn über einer Tischkante o. ä. ab.
  • Nur dadurch können Sie das ungenießbare "Heu" im Inneren entfernen
  • indem Sie es mit dem Stiel herausziehen.
  • Auch die zähen äußeren Blätter werden entfernt,
  • sie sind ebenfalls ungenießbar.
  • Schnittstellen sofort mit Zitronensaft beträufeln
  • sonst oxidieren sie und verfärben sich unansehnlich braun
  • Artischocke in kochendem Salzwasser bissfest garen
  • Kochzeit variiert je nach Größe zwischen 30 und 45 Minuten
Sie können dem Kochwasser für die besondere Note auch Zitronensaft und Weißwein hinzufügen.

So essen Sie eine Artischocke stilgerecht

Artischocken - Cynara cardunuculusWenn Sie die Artischocke wie oben beschrieben zubereiten, haben Sie schon vor dem Verzehr die ungenießbaren Teile entfernt. Schöner sieht sie natürlich aus, wenn Sie sie im Ganzen kochen und servieren - dann müssen Ihre Gäste die Knospe selbst bearbeiten. Zum Verzehr zupfen Sie einzeln die Blütenhüllblätter ab und dippen sie in eine passende Sauce - beispielsweise in eine Frischkäsecreme, eine Kräuter- bzw. Tomatensauce oder in eine Vinaigrette aus gutem Olivenöl und aromatischen Kräutern.

Das cremige Artischockenfleisch wird mit den Zähnen aus dem unteren Teil der Blätter herausgezogen. Übrigbleibende grobe Fasern legen Sie einfach beiseite. Je dichter Sie zum Blütenboden kommen, desto üppiger wird der verzehrbare Anteil. Den delikaten Blütenboden essen Sie dagegen mit Messer und Gabel, sobald Sie das so genannte Heu - dabei handelt es sich um überständige, harte Fasern - davon entfernt haben.

Tipp: Artischocken isst man für gewöhnlich als Vorspeise. Ein Schüsselchen mit Wasser sowie ein kleines Handtuch zur Reinigung der Finger sollten für die Gäste auf dem Tisch bereit stehen.

Fazit
Die aus dem Mittelmeerraum stammenden Artischocken werden schon seit tausenden Jahren gegessen und gelten als "königliches Gemüse". Verzehrt werden lediglich die noch nicht geöffneten Blütenknospen, die einfach mitsamt Stiel mit einem scharfen Messer abschnitten und danach in Salzwasser gekocht werden. Der richtige Zeitpunkt für eine Ernte ist, bevor sich die Schuppen öffnen und die Blüten erscheinen. Diese sind distelartig und mit zahlreichen violetten Röhrenblüten versehen - allerdings für den Genuss in der Küche nicht mehr geeignet. Artischocken sind nicht nur ein Gemüse für Feinschmecker, sondern gelten überdies als sehr gesund.