Wenn im herbstlichen Hausgarten die Blätter an Kartoffelpflanzen welken, ruhen im Boden erntereife Knollen-Schätze in Feinschmecker-Qualität. Diese Anleitung zum Kartoffelanbau macht Sie Schritt für Schritt vertraut mit der richtigen Vorgehensweise nach ökologischen Grundsätzen, die chemische Hilfsmittel gezielt ausgrenzen. Von der fachmännischen Bodenvorbereitung am idealen Standort über die gekonnte Pflanzung und natürliche Pflege bis hin zum optimalen Zeitpunkt für die Ernte lernen Sie alle Maßnahmen detailliert und praxisnah kennen.

Standort - wichtige Kriterien im Überblick

Im naturnah bewirtschafteten Nutzgarten trägt die umsichtige Standortwahl maßgeblich dazu bei, dass Sie eine reiche Kartoffelernte einfahren. Die folgenden Rahmenbedingungen berücksichtigen die südamerikanische Herkunft von Kartoffelpflanzen und halten zugleich pathogene Erreger auf Abstand:
  • Sonniger bis absonniger Standort
  • Warme und geschützte Lage, gerne luftumspült
  • Nährstoffreicher, tiefgründiger, lehmig-sandiger Boden
  • Idealerweise mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5
  • Frisch bis feucht mit gutem Wasserabzug
Der gewählte Standort erfüllt erst dann alle wichtigen Kriterien, wenn in den vorausgehenden drei Jahren hier keine Kartoffeln wuchsen. Erst eine Fruchtfolge von drei bis vier Jahren garantiert, dass im Boden keine Erreger der gefürchteten Kraut- und Knollenfäule oder andere
Krankheiten und Schädlinge lauern.

Bodenvorbereitung - Startschuss fällt im Herbst

Die organische Nährstoffversorgung ist des Hausgärtners Ass im Ärmel, wenn er den naturnahen Kartoffelanbau anstrebt. Damit die stark zehrenden Kartoffelpflanzen pünktlich zur Pflanzzeit im Frühjahr auf ein reichhaltiges Nährstoffbuffet treffen, müssen fleißige Bodenorganismen über Wochen und Monate Vorarbeit leisten. Kompost, Hornspäne, Stallmist und Dung geben die wertvollen Inhaltsstoffe erst frei, wenn diese den Prozess der Aufspaltung durchlaufen haben. Daher steht die erste Maßnahme im Kartoffelanbau bereits im Herbst des Vorjahres auf dem Programm. Die folgenden Optionen stehen für eine ökologische Aufbereitung des Kartoffelbeetes zur Verfügung:
  • Die Beeterde im Herbst umgraben
  • Wurzel- und Pflanzenreste sowie Steine entfernen
  • Kompostierten Stallmist, Pferdedung oder reifen Kompost in den Boden einarbeiten
  • Idealerweise 3 bis 5 Liter je Quadratmeter oberflächlich unterharken und beregnen
Alternativ säen Sie im Spätsommer oder Herbst auf dem vorgesehenen Kartoffelbeet eine Gründüngung aus. Bewährtes Saatgut sind Terra-Life Solanum oder Landsberger Gemenge. Die Pflanzen werden vor Beginn der Kartoffel-Saison abmäht und untergegraben. Der besondere Nutzen liegt in einem nährstoffreichen, gut durchlüfteten Gartenboden und einem geringen Aufkommen von Unkraut.

Vortreiben hinter Glas - die Mühe lohnt sich

KartoffelernteKommen vorgekeimte Saatkartoffeln in die Erde, resultieren daraus drei überzeugende Vorteile. Da das Wachstum bereits in Gang gesetzt wurde, sinkt die Anfälligkeit für Erreger der Kraut- und Knollenfäule. Zugleich profitieren Sie von einem vorzeitigen Beginn der Erntezeit und einem höheren Ertrag schmackhafter Kartoffeln. Vier bis sechs Wochen vor Beginn der Pflanzzeit ist der beste Termin, um Saatkartoffeln vorzutreiben. So machen Sie es richtig:
  • Holzkisten oder Eierpappe füllen mit einem Mix aus Gemüseerde und Sand oder Kompost und Sand
  • Das Substrat idealerweise leicht besprühen mit Sud aus Ackerschachtelhalm oder Baldrian
  • Die Saatkartoffeln zur Hälfte darin einsetzen
  • Die Seite mit den meisten Augen/Keimtrieben weist nach oben
  • Am hellen Fensterplatz bei 12 bis 15 Grad Celsius aufstellen
Es ist kein Grund zur Beunruhigung, wenn sich die Schalen grün färben. Ausnahmsweise ist bei diesem Prozess die Bildung von Solanin erwünscht, denn es bringt das Wachstum der Keimtriebe von Saatkartoffeln in Schwung und wirkt sich vorteilhaft auf die Pflanzengesundheit aus. Überdies bietet die Methode eine gute Gelegenheit, infizierte Pflanzkartoffeln rechtzeitig an faulen Stellen zu erkennen und zu entsorgen.

Pflanzzeit - die Bodentemperatur bestimmt den Termin

Maßgeblich für den Beginn der Pflanzzeit sind die Temperaturen im Boden. Kartoffelpflanzen und deren Knollen sind sehr kälteempfindlich. Erst wenn sich das Erdreich aufgewärmt hat bis auf mindestens 7 Grad Celsius, kann die Pflanzung in Betracht gezogen werden. Zugleich sollten die Keimtriebe an vorgetriebenen Saatkartoffeln 3 bis 4 cm lang sein. Ein einfaches, analoges Bodenthermometer räumt alle Zweifel über die aktuelle Temperatur aus dem Weg.

Tipp: Erfahrungsgemäß beginnt in Deutschland die Pflanzzeit für Frühkartoffeln Anfang bis Mitte April. Da zu dieser Jahreszeit in vielen Regionen verspätete Bodenfröste drohen, legen Sie vorsichtshalber ein Gartenvlies bereit. Kündigen die Meteorologen nächtlichen Frost an, decken Sie das Kartoffelbeet bis zum nächsten Vormittag ab.

Saatkartoffeln pflanzen

Saatkartoffeln treffen auf ideale Startbedingungen, wenn die Beeterde frei von Unkraut und feinkrümelig ist. Harken Sie den Boden bitte gründlich durch und arbeiten je Quadratmeter 2 bis 3 Liter reifen Kompost mit Hornmehl ein. So verfahren Sie weiter:
  • Mit der Hacke Furchen ziehen mit einer Tiefe von etwa 15 cm
  • Reihenabstand: Frühkartoffeln 50-60 cm, Spätkartoffeln 60-80 cm
  • Pflanzkartoffeln mit den Keimtrieben nach oben in die Furchen setzen
  • Pflanzabstand: 30-40 cm, 4 bis 5 Knollen je Quadratmeter
Verschließen Sie die Furchen, sodass die Saatkartoffeln unter einer 5 bis 8 cm hohen Erdabdeckung liegen. Beregnen Sie die Erde mit feiner Brause und ziehen ein Schutznetz darüber, damit sich keine gefräßigen Tiere an den Pflanzkartoffeln vergreifen.

Tipp: Wenn Sie Kartoffeln in Mischkultur anbauen, profitieren Geschmack und Gesundheit. Tagetes und Spinat wehren Pilzsporen ab. Meerrettich vertreibt Kartoffelkäfer.

Einsaaten von Kamille, Kapuzinerkresse, Dill und Ringelblumen bilden einen dichten Pflanzenteppich. Das verhindert Spritzwasser, das verschiedene Krankheitserreger nutzen, um die Kartoffelblätter zu befallen.

Anhäufeln optimiert den Ertrag

Kartoffeln AnbauenFragen Sie erfolgreiche Bio-Kartoffelbauern nach ihrem Erfolgsrezept für einen ertragreichen Anbau, werden Sie das Stichwort 'Anhäufeln' als Antwort erhalten. Das Ziel dieser Maßnahme ist die Bildung zahlreicher Tochterknollen. Haben Ihre Kartoffelpflanzen eine Höhe von 15 bis 20 cm erreicht, geht es los. Mit einem Hand-Häufelpflug geht die Arbeit besonders leicht von der Hand. So gehen Sie richtig vor:
  • Die Erde zwischen den Kartoffelreihen bis an die Pflanzen heranziehen
  • Zuvor den umliegenden Boden gründlich jäten
  • Anschließend mulchen mit Brennnessel- oder Beinwellblättern
  • Diese Maßnahme im Abstand von 14 Tagen wiederholen
Anhäufeln vergrößert nicht nur den Ernteertrag. Die Maßnahme verhindert zugleich, dass die ersten Knollen durch das Erdreich wachsen und unter dem Lichteinfluss grüne Schalen mit giftigem Solanin entwickeln.

Richtig düngen - darauf sollten Sie achten

Als weiterer Schlüsselfaktor im biologischen Kartoffelanbau gilt die organische Nährstoffversorgung. Die in dieser Anleitung empfohlenen Vorbereitungsarbeiten im herbstlichen Beet und im Vorfeld der Pflanzung sind im Pflegeprogramm lediglich die Ouvertüre. Als Starkzehrer sind Kartoffelpflanzen auf eine kontinuierliche Gabe von Dünger angewiesen, um ein Optimum an Ertrag und Geschmack zu entwickeln. So düngen Sie Kartoffeln vorbildlich:
  • Von Mai bis zur Blütezeit alle zwei bis drei Wochen düngen mit Kompost und Hornspänen
  • Wahlweise drei Mal düngen mit selbst hergestellter Brennnessel- und Beinwelljauche
  • Alternativ einen Bio-Kartoffeldünger aus dem Handel verwenden nach Anleitung des Herstellers
Ein eigener Komposthaufen ist keine zwingende Voraussetzung für den ökologischen Kartoffelanbau. Der Fachhandel bietet reifen Kompost fix und fertig verpackt an. Pferde- und Rinderdung steht in Form von Pellets zur Verfügung. Indem Sie organischen Dünger mit Hornmehl mischen, geht die Verarbeitung durch Bodenorganismen schneller vonstatten, sodass die Nährstoffe rascher für
die Kartoffelpflanzen zur Verfügung stehen.

Mit der Blütezeit endet die ergänzende Nährstoffzufuhr im Kartoffelanbau. Werden jetzt noch größere Mengen von Stickstoff verabreicht, wachsen die Blätter ohne Unterlass und die Knollen im Boden haben das Nachsehen.

Kraut- und Knollenfäule stets im Blick

KartoffelIm Kartoffelanbau schwebt die Gefahr durch Kraut- und Knollenfäule permanent wie ein Damoklesschwert über den Pflanzen. Wie diese Anleitung an den entsprechenden Stellen bereits thematisierte, können Sie im Vorfeld mit verschiedenen Maßnahmen der gefürchteten Krankheit vorbeugen. Zu Ihrer Orientierung fassen wir wichtige Vorkehrungen im Folgenden zusammen:
  • Fruchtfolge von drei bis vier Jahren beachten bei der Standortwahl
  • Eine sonnige, warme und luftige Lage zum Standort bestimmen, damit feuchte Blätter rasch trocknen
  • Saatkartoffeln vorkeimen am hellen Fensterplatz bei 12 bis 15 Grad Celsius
  • Pflanzkartoffeln mit braunen Flecken aussortieren
  • Ausreichende Pflanzabstände: in der Pflanzfurche 30-40 cm, Reihenabstand 50-80 cm
  • Konsequent Unkraut jäten
Vermeiden Sie bitte eine räumliche Nähe von Kartoffeln und Tomaten. Eine Mischkultur von Kartoffeln, Tagetes und Ringelblumen wehrt die Sporen ab. Fernerhin empfehlen wir bei der Sortenauswahl resistenten Kartoffeln den Vorzug zu geben. Vollkommen gefeit ist keine Kartoffelpflanze vor der Kraut- und Knollenfäule. Immerhin haben sich zahlreiche leckere und ertragreiche Sorten als weitgehend immun erwiesen.

Tipp: Mulchen mit Stroh oder Beinwellblättern reduziert Spritzwasser beim Gießen. Zumindest dieser Weg ihrer Verbreitung ist den Krankheitserregern der Kraut- und Knollenfäule dann verschlossen.

Fachmännisch ernten

Frühkartoffeln sind nach 90 bis 120 Tagen erntereif. Unter normalen Witterungsbedingungen ist für die frühen Sorten zwischen Ende Juni und Ende Juli Erntezeit. Spätere Sorten nehmen sich zwischen 120 und 160 Tagen Zeit für die Reife und sind zum größten Teil für eine längere Lagerzeit geeignet. Für die Ernte von Spätkartoffeln ist es höchste Zeit, wenn sich die ersten Frostnächte ankündigen.

Sichtbares Zeichen für erntereife Kartoffeln sind verwelkte, abgestorbene Blätter. Graben Sie zum Test einige Knollen aus. Lässt sich die Schale nicht abreiben, graben Sie alle Knollen mit der Grabgabel oder den Händen aus. Zuvor schneiden Sie Triebe und Blätter ab, die aus Gründen der Vorsicht nicht auf dem Kompost entsorgt werden. Im kleinen Beet ernten Sie zuerst die dicksten Knollen und häufeln die Erde wieder an. Kleine Kartoffeln können auf diese Weise noch einige Zeit an Volumen zulegen.

Nach der Ernte Kartoffeln gewinnen an Qualität, wenn sie noch einige Tage auf dem Beet trocknen können. Entfernen Sie anschließend noch anhaftende Erde mit den Händen. Waschen Sie die Schalen bitte nicht mit Wasser ab, da auf diese Weise die Haltbarkeit beeinträchtigt wird.

Kartoffeln anbauen auf dem Balkon

KartoffelanbauDie Ernte aromatischer Kartoffeln aus eigenem Anbau ist auch ohne Garten möglich. Ein großer Kübel reicht aus, um darin Saatkartoffeln in mehreren Schichten zu pflanzen. Verwenden Sie einen möglichst großen Kunststoff-Topf mit mehreren Bodenöffnungen als Wasserablauf. Als Substrat empfehlen wir einen Mix aus Bio-Gemüseerde, Kompost, Hornmehl sowie Perlite Atmungsflocken. So funktioniert der Kartoffelanbau auf dem Balkon:
  • Auf dem Topfboden 10 cm hoch Tonscherben oder Kies als Drainage einfüllen
  • Über der Drainage eine 15 cm hohe Schicht des Substrats einfüllen
  • Die Erde leicht andrücken und mit Wasser besprühen
  • Darauf 4 Saatkartoffeln zur Hälfte einsetzen
Am sonnigen, warmen und geschützten Standort warten Sie nunmehr ab, bis sich an den Pflanzkartoffeln 8 bis 10 cm lange Keimtriebe gebildet haben. Erst dann bedecken Sie die Knollen mit der nächsten Substratschicht. So fahren Sie fort, bis der Kübel gefüllt ist. Damit kein zu hoher Druck auf die unteren Kartoffeln ausgeübt wird, sollte sich die Höhe auf 80 bis 100 cm beschränken. Lassen Sie die Erde bitte nicht austrocknen und verabreichen alle 14 Tage einen organischen Flüssigdünger.

Tipp: Mit dem innovativen Potato-Pot wird der Kartoffelanbau auf dem Balkon ein Kinderspiel. Bei diesem 2-in-1-System können Sie den Innentopf jederzeit herausheben, um Wachstum und Erntereife der verschiedenen Kartoffelschichten zu überprüfen.

Fazit
Mit dieser Anleitung zum Kartoffelanbau machen sich Hausgärtner unabhängig vom spärlichen Sortenangebot des Handels und den bedenklichen Anbaumethoden der gewerblichen Landwirtschaft. Um Kartoffeln anzubauen nach ökologischen Grundsätzen, wird im Herbst das Beet mit Kompost, Stallmist oder einer Gründüngung vorbereitet. Wer sich die Mühe macht, Saatkartoffeln hinter Glas vorzutreiben, wird belohnt mit einer früheren Ernte und widerstandsfähigen Pflanzen. Steigt im April die Bodentemperatur auf 7 Grad und höher, kommen Saatkartoffeln in die Erde. Indem Sie konsequent Unkraut jäten, alle 2 Wochen anhäufeln und bis zur Blütezeit organisch düngen, stellen Sie die Weichen für eine reiche Kartoffelernte. Balkongärtner bauen ihre Kartoffeln im großen Kübel oder speziellen Potato-Topf an. Mit der Verwendung von Bio-Gemüseerde und organischem Flüssigdünger kann auch im kleinen Rahmen den Anforderungen einer naturnahen Kultivierung von Kartoffeln Rechnung getragen werden.