Kartoffeln sind im Supermarkt oder auch auf Wochenmärkten nur selten in großer Formen-, Farb- und Geschmacksvielfalt anzutreffen. Dabei bieten vor allem alte Kartoffelsorten ungeahnt viel Abwechslung und vor allem interessante Geschmackserlebnisse. Buttrig, cremig, nussig - in Blau-Violett oder gar mit einem Streifen im Fruchtfleisch sind sie Highlights auf dem Teller. Und mit dem richtigen Wissen überraschend einfach selbst anzubauen.

Alte Sorten

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wurde die Auswahl im Handel auf wenige Kartoffelsorten beschränkt. Hier finden sich vor allem die Varianten, die besonders ertragsreich und einfach anzubauen sind. Das ist zwar verständlich aber auf Dauer auch langweilig. Wer etwas mehr Abwechslung ins Beet und auf den Teller bringen möchte, sollte sich einmal bei den alten Kartoffelsorten umschauen. Heute noch erhältlich und nicht nur in der Farbe interessant sind unter anderem:
  • Edzell Blue mit blauer Schale und
    weißem Fleisch, leicht mehlig kochend und ideal für Kartoffelpüree
  • Shetland Black gelbes Fleisch und ein violetter Ring darin, im Geschmack cremig-buttrig
  • Roseval leicht rot gemasert und besonders fein im Geschmack, ideal für Backkartoffeln
  • Bamberger Hörnchen sind länglich und besonders würzig im Aroma, vor allem für Kartoffelsalat ideal geeignet
  • Sharon Blue sind festkochend und sowohl außen als auch innen blau-violett
  • Hermanns Blaue ist kräftig in der Farbe und im Geschmack
  • Ackersegen ist zugleich buttrig, cremig und würzig
  • Highland Burgundy Red ist alt aber ein wahrer Exot, denn sie ist innen und außen rot und dazu auch noch ausgesprochen vielseitig verwendbar

Standort

Die Kartoffeln gedeihen zwar unter der Erde, die grünen Pflanzenteile benötigen aber dennoch reichlich Licht. Ideal ist daher ein sonniger Standort. Fehlt die Sonneneinstrahlung, mangelt es an Fotosynthese, wodurch die Produktion von Stärke gering ausfällt und die Speicherorgane - also die Kartoffeln - bleiben eher klein. Pralle Mittagssonne auf der Südseite ist nicht nötig, es sollte aber auch nicht dunkler als lichter Schatten sein.

Substrat

Kartoffeln können sowohl auf kargen als auch auf nährstoffreichen Böden gedeihen - bessere Erträge lassen sich aber mit nährstoffreichem Substrat erzielen. Zur Anreicherung empfehlen sich Mist und reifer Kompost. Zudem sollte das optimale Substrat für den Anbau der Kartoffel die folgenden Punkte erfüllen:
  • Locker bis mittelschwer
  • Tiefgründig
  • Nicht zur Verdichtung neigend
  • Feucht aber nicht nass und nicht anfällig für Staunässe
  • Am besten angereichert mit natürlichem Dünger

Vorbereitung

Solanum tuberosum - KartoffelnFür die Vorbereitung des Anbaus von eigenen Kartoffeln - ob diese nun einer alten oder einer neuen Sorte angehören, sind zwei Schritte entscheidend. Zum einen die Vorbereitung des Beetes und zum anderen die Verwendung von richtig vorgezogenen Kartoffeln. Für das Beet und das Substrat sind tiefgründiges Umgraben und sowie die Anreicherung mit Mist und Kompost wichtig. Am besten erfolgt diese Vorbereitung bereits im Herbst vor dem Beginn des Anbaus.

Auf diese Weise können sich die Nährstoffe setzen und durch Bodenbewohner aufbereitet und verteilt werden. Der Anbau der Kartoffeln ist zwar auch ohne diese Maßnahmen möglich, allerdings fällt der Ertrag dann geringer aus und die Anfälligkeit für Krankheiten, Schädlinge und Pflegefehler steigt.

Für die Kartoffeln ist es wichtig, dass sie schon vorkeimen konnten. Zwar ist es wiederum ohne das Vorkeimen möglich, Saatkartoffeln anzubauen - bereits vorhandene grüne Triebe verkürzen aber die Zeit bis zur Ernte und machen die Kartoffeln zudem weniger anfällig für Erkrankungen, wie unter anderem die sogenannte Krautfäule.

Vorziehen

Damit die Saatkartoffeln bereits vorkeimen können, sind die folgenden Faktoren entscheidend:

1. Vier bis sechs sollten für das Vorziehen eingeplant werden.

2. Die Saatkartoffeln benötigen Temperaturen zwischen 10 und 15°C sowie einen hellen Raum.

3. In der Umgebung und zwischen den Kartoffeln sollte auf eine geringe Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Absolut nötig ist diese nicht, eine hohe Luftfeuchtigkeit erhöht aber das Risiko für Schimmelbildung.

4. Es sollten wenigstens wöchentlich Kontrollen durchgeführt werden, um Schimmel und Fäulnis frühzeitig zu erkennen und befallene Kartoffeln aussortieren zu können.

Anpflanzen

Der Anbau der Kartoffeln kann je nach Region zwischen April und Mai beginnen. Wichtig ist eine Bodentemperatur von 9°C. Ist diese gegeben, sind die Schritte in der folgenden Anleitung erforderlich:

1. Der Boden wird nochmals aufgelockert und Dämme mit einer Breite von etwa 60 Zentimeter angehäufelt. In diesen erwärmt sich der Boden leichter. Zudem wird die Ernte vereinfacht.

2. In den Dämmen werden Rillen von acht bis zehn Zentimeter Tiefe gezogen. Alternativ können Pflanzlöcher von dieser Tiefe eingedrückt werden.

3. In einem Abstand von etwa 30 Zentimetern werden die Saatkartoffeln nun in die Erde gelegt und mit dem Substrat bedeckt.

4. Die Dämme werden rundum mit den Händen leicht festgeklopft, um den Abtrag von Erde bei Regen oder Gießen zu verhindern.

5. Das Substrat wird befeuchtet.

Gießen

Kartoffeln mögen zwar feuchtes Substrat, jedoch keine Staunässe. Gegossen wird daher nur bei Bedarf, wenn die Erde trocken ist oder lange kein Niederschlag fällt. Dabei sollte, gerade anfangs darauf geachtet werden, durch das Gießen die Erde nicht von den Dämmen zu schwemmen.

Düngen

Wurde
der Boden für den Anbau der Kartoffeln mit Pferdemist und Kompost vorbereitet, fällt der spätere Aufwand für das Düngen sehr gering aus. Etwa vier Wochen nach dem Legen der Kartoffeln können nochmals etwas Kompost oder Mist oder auch Hornspäne leicht in die Oberfläche des Substrats eingearbeitet werden.

Tipp: Um gezielt düngen zu können, kann die Durchführung einer Bodenanalyse sinnvoll sein.

Anhäufeln

Sobald die oberirdischen, grünen Triebe der Saatkartoffeln eine Höhe von etwa 25 Zentimetern erreichen, wird es Zeit für das Anhäufeln. Dabei wird mehr Erde auf die Dämme geharkt und geschoben, bis nur noch etwa zehn Zentimeter der Triebe aus dem Substrat ragen.

Diese Pflegemaßnahme ist wichtig, damit die Kartoffelknollen nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Denn durch diese Bestrahlung werden sie grün und leicht giftig. In der Regel muss sie nicht mehr als ein oder zwei Mal bis zur Erntereife erfolgen.

Anbau ohne Garten

Es ist durchaus möglich, Kartoffeln auch ohne ein Beet anzubauen. Gut dafür geeignet sind große Säcke oder Plastikbeutel. Die Saatkartoffeln werden mit wenig Substrat in die Beutel gebracht und die Ränder so nach unten gerollt, dass die grünen Triebe ausreichend Sonne und Wärme erhalten. Je höher die Triebe wachsen, desto mehr Substrat wird eingebracht.

Es empfiehlt sich, die Erde bereits gemischt mit reifem Kompost oder einer kleinen Menge Mist zu mischen, um das Anhäufeln und Düngen in einem Schritt durchzuführen. Beim Wässern muss stark darauf geachtet werden, keine Staunässe entstehen zu lassen.

Ernte

Solanum tuberosum - KartoffelnDie Kartoffeln sind bereits dann erntereif, wenn die Pflanzen Blüten tragen. Diese sind ein Hinweis darauf, dass sich bereits kleine Knollen gebildet haben, die als Babykartoffeln geerntet und verzehrt werden können. In der Regel werden die Kartoffeln aber erst dann geerntet, wenn die grünen Triebe welk werden und vertrocknen. Die Knollen werden vorsichtig, beispielsweise mit einer Pflanzgabel, ausgehoben.

Lagerung

Mäßig trocken, kühl, luftig und dunkel - so sieht die ideale Lagerung der Kartoffeln aus. Damit sich keine Fäulnis oder Schimmel bilden können, sollten die Kartoffeln bei möglichst trockenem Wetter geerntet werden und vor der Lagerung noch einige Stunden an der Luft und in der Sonne trocknen dürfen. Beschädigte oder verfärbte Knollen werden aussortiert.

Krankheiten, Schädlinge und typische Pflegefehler

Krautfäule und Kartoffelkäfer sind typische Probleme beim Anbau der Kartoffeln. Das Risiko für die Krautfäule kann wie bereits erwähnt durch das Vorziehen der Saatkartoffeln reduziert werden. Bricht sie dennoch aus, sollten Blätter mit braunen Flecken und weißen Belägen entfernt und vernichtet sowie die Pflanzen mit einem entsprechenden Fungizid behandelt werden.

Gegen den Kartoffelkäfer zeigt sich eine unangenehme aber nötige Maßnahme hilfreich: das Absammeln von Hand.
Kartoffelkäfer RaupeBei den typischen Pflegefehlern handelt es sich um:
  • Unzureichende Vorbereitung und Auflockerung des Bodens
  • Fehlende Nährstoffe im Substrat
  • Anhaltende Trockenheit oder Staunässe
  • Auslassen des Anhäufelns
  • Fehlende Kontrollen auf Krankheiten und Schädlingsbefall
Fazit
Das eigene Ziehen von Saatkartoffeln wird durch die Wahl alter Kartoffelsorten abwechslungsreich und vielseitig - sowohl im Geschmack, als auch in der Farbe. Wer dabei noch die wenigen wichtigen Punkte der Pflege und des Anbaus beachtet, kann die Vielfalt im Garten und auf dem Speiseplan bereichern.