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Gummifluss bei Obstbäumen behandeln – Infos für alle Obstsorten

Dabei sind hauptsächlich Süßkirsche, Pfirsich und Aprikose gefährdet, wobei vielerlei Ursachen für das Phänomen verantwortlich sind. Gummifluss tritt vor allem an Schnittwunden und anderen Verletzungen des Baumes auf, aber auch an scheinbar unverletzten Stellen an der Rinde. Diese reißt dadurch auf und bietet so weiteren Schaderregern ein Einfallstor. Schaderreger können den Gummifluss verstärken, allerdings handelt es sich nicht primär um eine durch Pilze oder Bakterien hervorgerufene Krankheit. Stattdessen ist der Gummifluss eine physiologische Störung des Baumes, die zum Absterben ganzer Äste sowie zu einer starken Beeinträchtigung der Ernte führen kann.

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Was genau ist der Gummifluss?

Die Gummose tritt vornehmlich bei jungen oder aber sehr alten Bäumen auf – ergo bei Exemplaren, die von vornherein auf falsche Pflegemaßnahmen oder schlechte Wachstumsbedingungen empfindlicher reagieren als Bäume, die im Zenit ihrer Lebenskraft stehen. Einen Ausbruch der Krankheit erkennt selbst der Laie deutlich an den harzähnlichen Auswüchsen, die aus den Ästen oder sogar am Stamm hervortreten. Dieses Harz erinnert in Farbe und Konsistenz an das der Nadelbäume, hat jedoch eine ganz andere chemische Zusammensetzung. Es handelt sich größtenteils um aufgelöstes Pflanzengewebe, wobei sich etwa das Holz des betroffenen Baumes verflüssigt und in verschiedene Zuckerverbindungen und Säuren zerlegt wird. Gummifluss entsteht, wenn der Stoffwechsel des Baumes gestört ist, die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig.

Schadbild und Auswirkungen auf den betroffenen Baum

Vornehmlich verletzte Bereiche der Rinde, aber auch oberflächlich gesund erscheinende Teile des Baumes können durch den Gummifluss betroffen sein. Verletzungen lassen sich schließlich nicht immer auf den ersten Blick als solche erkennen: Die Störung ist in vielen Fällen eine Folge kleinster Risse in der Rinde, hervorgerufen durch Spannungen bei Frost, oder Fraßspuren von Schädlingen wie dem Borkenkäfer oder dem Rindenwickler. Dabei entsteht an der verletzten Stelle unter der Rinde ein Krankheitsherd, bei dem sich der Ausfluss bildet und schließlich aus dem Inneren sichtbar hervortritt.

Leider kann sich die gallertartige Masse nicht nur nach außen, sondern auch nach innen ausbreiten und beispielsweise wichtige Leitungsbahnen verstopfen. In der Folge wird der betroffene Teil des Baumes nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt, so dass er schließlich abstirbt. In der Regel sind zunächst nur einzelne Triebe oder Äste betroffen, allerdings kann die Krankheit schlimmstenfalls auf den ganzen Baum übergreifen und diesen schließlich gänzlich absterben lassen. In seltenen Fällen tritt der Gummifluss auch an den Früchten auf.

Gummifluss hat viele Ursachen

Gummifluss am Kirschbaum

Die Gummose ist kein Anzeichen für eine bestimmte Erkrankung, sondern eher als ein Merkmal eines allgemein geschwächten Baumes zu sehen. Als eine der Hauptursachen werden zu schwere, nasse Böden angesehen. Auch alles andere, was den Baum strapaziert, kann den Gummifluss hervorrufen oder verstärken: Nässe, Frost, Rindenverletzungen oder eine unharmonische Nährstoffversorgung gehören ebenfalls zu den Gründen.

Schädlinge und Krankheiten

Sehr vielfältig sind die parasitären Ursachen für das Entstehen von Gummifluss. Hierbei können pilzliche wie bakterielle Erkrankungen vornehmlich der Rinde, aber auch unterschiedliche tierische Schädlinge eine unrühmliche Rolle spielen. Besonders häufig tritt die Störung in Zusammenhang mit der häufig auftretenden Kräuselkrankheit des Pfirsichs, der Monilia-Spitzendürre, der Schrotschusskrankheit oder der Valsa-Krankheit auf.

Kräuselkrankheit

Bei der Kräuselkrankheit kräuseln sich die Blätter stark, vertrocknen und fallen schließlich ab. Ursache ist ein Pilz, der auf den Zweigen überwintert und im Frühjahr die austreibenden Blätter infiziert – insbesondere bei regnerischem Wetter. Befallene Triebspitzen und Blätter sollten schnell entfernt werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nur erfolgreich, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt – beim Knospenschwellen – anwendet. Am besten wählen Sie eine gegen die Kräuselkrankheit resistente Pfirsichsorte aus.

Pilzkrankheit Monilia

Die Pilzkrankheit Monilia tritt in zwei verschiedenen Formen auf: als Spitzendürre und als Fruchtfäule. Bei der Spitzendürre oder auch Zweig-Monilia verwelken oft schlagartig zuerst Blüten und Triebspitzen, schließlich die Blätter. Häufig sieht man gummiartige Tropfen an befallenen Trieben, später bildet sich ein gelblicher bis grauer Pilzrasen. Schneiden Sie befallene Triebe kräftig bis ins gesunde Holz zurück und entfernen Sie sorgfältig vertrocknete Blütenbüschel sowie Fruchtmumien von Baum und Boden. Zugelassene Pflanzenschutzmittel gibt es für die Behandlung von Sauerkirsche, Süßkirsche und Pflaume.

Schrotschusskrankheit

Die Schrotschusskrankheit kommt an Pflaume, Kirschen, Pfirsich und Aprikose vor. Auf den Blättern zeigen sich bald nach dem Austrieb zahlreiche rötliche bis braune Flecken, die später ausbrechen. In der Folge wirkt das Laub schrotschussartig durchlöchert. Auch die Knospen, Blüten, Früchte und Triebe können eingesunkene, teils rot umrandete Flecken aufweisen. Manche Steinobst-Sorten gelten jedoch als gering anfällig und sollten daher bei der Pflanzung bevorzugt werden.

Valsakrankheit

Sortenunterschiede gibt es auch bei der Gefährdung durch die Valsakrankheit an Kirschen, Pflaume und Aprikose, die durch schwere, feuchte Böden begünstigt wird. Sie äußert sich durch krebsartige Rindenwucherungen mit dunklen, warzenartigen Punkten (ähnlich einer „Krötenhaut“) sowie gummiartigen Tropfen. An befallenen Zweigen welken Blätter und Früchte. Befallene Baumpartien sollten Sie großzügig ausschneiden. Ist der Stamm befallen, hilft in der Regel nur noch das Roden des Baumes.

Rindenwickler

Neben den genannten Krankheitserregern können auch Schädlinge wie beispielsweise der Rindenwickler eine Gummose hervorrufen. Dabei handelt es sich um eine Schmetterlingsart mit dem wissenschaftlichen Namen Enarmonia formosana, deren Raupen sich von der Rinde verschiedener Obstbäume ernähren und diese so stark schädigen können.

Ungünstige Kulturbedingungen

Gummifluss - Süßkirsche

Der Ausbruch von Gummifluss, aber auch schon der Befall mit verschiedenen Krankheitserregern und / oder Schädlingen kann oft auf ungünstige Kulturbedingungen und damit einhergehend einer Schwächung des betroffenen Baums zurückgeführt werden. Vor allem schwere, zu Staunässe neigende Böden schädigen die darauf wachsenden Bäume, so dass diese schließlich nicht mehr in der Lage sind, sich gegen Angreifer zur Wehr zu setzen. Aber auch zu sandige Böden eignen sich nicht für die Kultur von Steinobst, stattdessen sollten Sie die Bäume in einen tiefgründigen, humus- und nährstoffreichen sowie leicht kalkhaltigen Boden pflanzen. Nehmen Sie bei Bedarf unbedingt eine Bodenverbesserung vor, beispielsweise durch die Zugabe von reichlich Kompost. Auch ein wenig geschützter, spätfrostgefährdeter Standort kann vor allem Süßkirschen sowie Pfirsichen und Aprikosen gefährlich werden.

Falsche / unzureichende Pflege

Des Weiteren können eine mangelhafte Düngung und damit Ernährung des Baums, ein unsachgemäßer Rückschnitt sowie eine falsche Veredelung (beispielsweise auf eine ungeeignete Unterlage) zu Gummifluss führen. Gesundheit, Wachstum und Ertrag lassen sich verbessern, wenn Sie Obstbäume

  • im Frühjahr mit Kompost und / oder Kalidünger versorgen
  • ausgewogen und nicht stickstoffbetont düngen
  • nach den letzten Spätfrösten mulchen
  • bei starker Trockenheit gießen (vor allem während der Fruchtentwicklung!)
  • Jungbäume und zeitige Blüten bei Spätfrösten mit Vlies schützen
  • Obstbäume regelmäßig auslichten, vorzugsweise nach der Ernte

Verletzungen verschiedenster Art

Achten Sie außerdem darauf, Verletzungen verschiedenster Art – beispielsweise durch einen zu starken oder unsachgemäßen Rückschnitt oder durch auftretenden Spätfrost – zu vermeiden bzw. diese umgehend richtig zu versorgen. Viele Steinobstsorten sind gegenüber Frost recht empfindlich und benötigen einen Winterschutz. Doch selbst wenn sie frosthart sein sollten, kann ein noch spät im Frühjahr einsetzender Frost gravierende Folgen haben: Der bereits „voll im Saft“ stehende Baum bekommt durch die starke Kälte feinste Risse in der Rinde, die wiederum zu einer Schwächung führen und damit eine Ursache für Gummifluss sein können.

Gummifluss effektiv behandeln – ohne Rückschnitt geht es nicht

An zu Gummifluss neigenden Bäumen werden kräftige Triebe am besten auf Zapfen zurückgeschnitten. Während der Gärtner im Allgemeinen keine Zapfen oder Stummel stehen lassen sollte, gibt es beim Steinobst (und auch beim Beerenobst) einige Ausnahmen. Hier lassen Sie beim Wegschnitt, beim Rückschnitt sowie beim Ableiten kräftiger Triebe am besten rund 20 Zentimeter lange Zapfen über der Schnittstelle stehen. Der Gummifluss entsteht dann am Zapfen, der mit der Zeit abstirbt und entfernt werden kann, beschädigt aber nicht den verbliebenen Triebteil. Außerdem sollte durch Gummose gefährdetes Steinobst vorzugsweise im Sommer direkt nach der Ernte beschnitten werden. Ein Schnitt zu diesem Zeitpunkt fördert eine schnelle Wundheilung und bremst das Wachstum. Ein Winterschnitt ist dagegen möglichst zu vermeiden.

Vorbeugen ist besser als heilen

Gummifluss muss immer so schnell wie möglich behandelt werden, da sonst große Teile des betroffenen Baums absterben können. Führen Sie daher regelmäßige Kontrollen durch und schauen Sie nicht nur nach Anzeichen für eine Gummose, sondern auch nach einem möglichen pilzlichen, bakteriellen oder Virus-Infekt bzw. einem Schädlingsbefall. Außerdem achten Sie auf eine sorgfältige Pflege und artgerechte Versorgung der Obstbäume und ergreifen Sie weitere vorbeugende Maßnahmen.

Schon beim Pflanzen auf den richtigen Standort achten

Gummifluss

So besteht die beste Vorbeugung darin, Obstbäume von vornherein an einen für sie geeigneten Standort zu pflanzen. Vor allem Kirsch- und Pflaumenbäume gedeihen erfahrungsgemäß auf neutralen bis alkalischen Böden wesentlich besser als auf sauren, sind demzufolge dann weniger anfällig für Pflanzenkrankheiten. Pfirsiche, Nektarinen und Aprikosen gedeihen am besten dort, wo es warm, sonnig und geschützt ist – nicht umsonst haben sich diese frostempfindlichen Obstsorten in Deutschland vor allem in den Weinbauregionen etabliert. Wohnen Sie dagegen in einer klimatisch ungünstigeren Region, so sorgen Sie während der Wintermonate und besonders bei einem drohenden Spätfrost im Frühjahr für einen geeigneten Frostschutz.

Wenig krankheitsanfällige Sorten pflanzen

Neben einem geeigneten Standort sollten Sie vor allem Sorten pflanzen, die wenig empfindlich bzw. sogar resistent gegenüber vielen Gummifluss verursachenden Krankheiten sind. Damit schalten Sie bereits eine häufige Ursache von vornherein aus. In der nachstehenden Übersicht haben wir für Sie einige empfehlenswerte, wenig krankheitsanfällige Steinobstsorten zusammengestellt.

Robuste Pflaumensorten für den Garten

  • ‚Hanita‘: auch für raue Lagen, sehr wenig scharkaanfällig
  • ‚Bühler Frühzwetschge‘: wenig anfällig für Scharka und andere Krankheiten
  • ‚Jojo‘: scharkaresistent
  • ‚Katinka‘: wenig scharkaanfällig
  • ‚Ontariopflaume‘: wenig scharkaanfällig
  • ‚Opal‘: wenig scharkaanfällig
  • ‚The Czar‘: sehr robust, wenig scharkaanfällig
  • ‚Bellamira‘: wenig anfällig für Scharka und andere Krankheiten
  • ‚Mirabelle von Nancy‘: wenig anfällig für Scharka und andere Krankheiten

Robuste Süßkirschen für den Garten

  • ‚Burlat‘: sehr robust, madenfrei
  • ‚Regina‘: sehr robust, starkwüchsig
  • ‚Kordia‘: geringe Standortansprüche

Robuste Sauerkirschen für den Garten

Bei der Auswahl einer geeigneten Sauerkirschen-Sorte sollten Sie neben den geschmacklichen Vorlieben vor allem auf die Widerstandsfähigkeit gegen die Monilia-Spitzendürre achten. Als sehr moniliaanfällig gelten beispielsweise die beliebten Schattenmorellen. Gering anfällig sind dagegen Sorten wie ‚Morellenfeuer‘ und ‚Morina‘, resistent sogar ‚Ludwigs Frühe‘ und ‚Safir‘.

Robuste Pfirsichsorten für den Garten

Im Allgemeinen sind Pfirsiche sehr empfindlich und neigen insbesondere stark zur Kräuselkrankheit. Als mäßig krankheitsanfällig gelten dagegen Sorten wie ‚Benedicte‘, ‚Kernechter vom Vorgebirge‘ (auch bekannt unter dem Namen ‚Roter Ellerstädter‘), ‚Revita‘ oder ‚Roter Weinbergpfirsich‘.

Obstbäume richtig schneiden und Wunden versorgen

Gummifluss - Süßkirsche

In der Hauptwachstumszeit hat der Baum am meisten Energie, die Zellbildung ist aktiver und die Wunden überwachsen besser und schneller als im Winter. Ist das Laubdach außerdem voll entfaltet, tropft auch kein Saft mehr als den Schnittwunden heraus. Aus diesen Gründen ist ein Rückschnitt vor allem nach der Ernte zu bevorzugen. Sehr wichtig ist außerdem die richtige Wundbehandlung nach dem Schnitt: Kleinere Wunden verheilen in der Regel von selbst, sobald sie aber größer als ein Zwei-Euro-Stück sind ist eine Nachbehandlung sinnvoll. Schneiden Sie dazu die Wundränder mit einem scharfen Messer glatt und verstreichen Sie sie mit einem geeigneten Wundverschlussmittel. Derart behandelte Wunden beginnen rasch vom Rand her zu überwallen; es bilden sich aus dem Kambrium, dem unter der Rinde befindlichen teilungsfähigen Gewebe, neue Zellen.

Tipp:

Doch nicht nur im Zusammenhang mit dem Schnitt ist eine sorgfältige Wundbehandlung wichtig. Beschädigungen an Stamm und Ästen, die durch Frost, Obstbaumkrebs, Abschlitzen eines Astes oder anderen Gründen entstanden sind, sollten ebenfalls rasch nachbehandelt werden. In solchen Fällen werden die Wundränder im Frühjahr bzw. sobald der Schaden zu erkennen ist, mit einem scharfen Messer nachgeschnitten und mit einem Wundverschlussmittel verstrichen. Bei Krebs- und Frostwunden reicht dagegen das Glattschneiden der Wundränder nicht aus. Hier müssen Krebsstellen und Frostplatten vielmehr gründlich bis auf das gesunde Holz ausgeschnitten werden.

Gefährdete Bäume im Herbst kalken

Kälteschäden sowie Schäden durch Schädlinge können Sie vermeiden, indem Sie Ihre Obstbäume im Herbst kalken. Dazu rühren Sie Kalk in Pulverform mit Wasser sämig an und verstreichen die Mischung mit einem dicken Pinsel am Baumstamm. Der weiße Anstrich reflektiert das Sonnenlicht und vermindert dadurch allzu starke Temperaturschwankungen im Holz – mit dem Ergebnis, dass weniger Frostrisse entstehen.

Fazit

Der so genannte Gummifluss oder auch Gummose ist keine Pflanzenkrankheit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr als Symptom für einen kranken oder geschwächten Baum zu sehen. Die Ursachen für dieses Phänomen sind sehr vielfältig: Als Verursacher können sowohl Krankheitserreger und Schädlinge als auch ungünstige Standort- und Wachstumsbedingungen, eine falsche oder unzureichende Pflege sowie Frostschäden und andere Verletzungen in Frage kommen. Befallene Bäume sollten umgehend behandelt werden, da der harzähnliche, meist farblose bis bernsteinfarbene Ausfluss die Leitungsbahnen verstopft und zum Absterben großer Teile des Baumes führen kann. Grundsätzlich können fast alle Laubbäume befallen werden, in der Regel findet sich die Gummose aber gehäuft bei Steinobst der Gattung Prunus.

Autor Garten-Redaktion
Ich schreibe über alles, was mich in meinem Garten interessiert.

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