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Kirschlorbeer hat gelbe angefressene Blätter: was tun?

Hierzulande gibt es nur wenige Schädlinge, die dem Kirschlorbeer gefährlich werden können. Eine zügige Behandlung des Befalles ist für die Erholung der Pflanze von entscheidender Bedeutung.

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Mögliche Ursachen

Für gelbe und angefressene Blätter am Kirschlorbeer kann es verschiedene Ursachen geben. Zu den häufigsten gehören:

  • Befall durch Dickmaulrüssler
  • Befall durch Schlehen-Bürstenspinner
  • Befall durch Schwammspinner
  • Schrotschusskrankheit

Dickmaulrüsslers

Der Dickmaulrüssler ist der Familie der Rüsselkäfer zuzuordnen. Sein biologischer Name lautet Otiorhynchus. Optisch erscheint er in einem schlichten dunkelbraun bis Schwarz. Diese Färbung bietet ihm eine natürliche Tarnung vor potenziellen Fressfeinden. Dennoch weisen einige Arten auch Musterungen in Gelb auf, die vor allem am Kopfteil zu finden sind.

Darüber hinaus charakterisiert der Käfer sich durch:

  • bis zu einem Zentimeter groß
  • breiter, gut sichtbarer Rüssel
  • Rillenmusterung auf dem Rücken
  • keine Körperbehaarung
  • keine Flügel

Neben den adulten Käfern stellen auch die Larven eine Bedrohung für den Kirschlorbeer dar. In der Praxis kann es daher auch relevant sein, diese von Nützlingslarven unterscheiden zu können.

Kirschlorbeer - Lorbeerkirsche - Prunus laurocerasus

Die Engerlinge des Dickmaulrüsslers kennzeichnen sich durch:

  • 0,5 bis 1 Zentimeter Körperlänge
  • weiße Körperfärbung
  • braunes Kopfteil

Lebensweise des Dickmaulrüsslers

Der Dickmaulrüssler wird in der Natur bis zu zwei Jahre alt und ist überwiegend nachts aktiv. Tagsüber ist es daher nahezu unmöglich, die kleinen Insekten mit bloßem Auge auszumachen. Während er zu Frühlings-, Sommer- und Herbstzeiten ausschließlich oberirdisch aufzufinden ist, verbringt er die Winter unter der Erde. Durch das Vergraben in tieferen Erdschichten gelingt es dem Käfer sich vor den frostigen Temperaturen zu schützen.

Die Vermehrung von Otiorhynchus verläuft folgendermaßen:

  • Eiablage im März, Juni und Juli
  • vorhergehende Befruchtung des Weibchens nicht erforderlich
  • Schlupfzeiten von April bis Mai und August bis Oktober
  • Larven leben ausschließlich unterirdisch
Hinweis:

Insbesondere im Herbst nach dem Ende der Schlupfzeiten ist ein schwächelnder Kirschlorbeer zwingend auf Larven von Otiorhynchus am Wurzelwerk zu untersuchen. Ein Befall ist dabei an Wurzeln, die angefressen aussehen, zu erkennen.

Aussehen des Schlehen-Bürstenspinners

Der Schlehen-Bürstenspinner (biologisch: Orgyia antiqua) erinnert aufgrund seiner buschigen Behaarung auf den ersten Blick an eine kleine Bürste. Farblich präsentiert er sich überwiegend in einem neutralen Grau, das jedoch durch eine rot-schwarze Musterung ergänzt wird.

Weitere optische Merkmale sind:

  • bis zu drei Zentimeter lang
  • vollständig weißliche behaart
  • bürstenähnliche weiße Haarbüschel vom vierten bis zum siebten Körpersegment

Aussehen des Schwammspinners

Der Schwammspinner tritt nur sehr selten auf Prunus laurocerasus auf. Lymantria dispar ist mit einer Körperlänge von bis zu acht Zentimetern visuell äußerst gut zu erkennen. Die Grundfarben der Raupe sind Grau und Gelb, wobei die Rückenseite mit roten und blauen Warzen bedeckt ist.

Schadbilder

Das Schadbild, den ein Befall mit Dickmaulrüsslern, Schlehen-Bürstenspinnern oder Schwammspinnern hervorruft, ist zu Beginn leicht zu übersehen. Die Fraßstellen setzen anfangs in der Regel an den Randstellen an. Bei genauerer Betrachtung erwecken sie den Anschein von kleinen Buchten oder Halbkreisen, die in das Blatt eingearbeitet sind. Mit der Zeit setzt sich der Fraß jedoch unregelmäßig in das Innere vom Blatt fort. Ergänzend tritt in den meisten Fällen auch eine Aufhellung vom Blatt zu einem hellen Grün bzw. Gelb auf.

Doch auch unterirdisch ist ein Befall bei entsprechender Untersuchung ersichtlich. Die unterhalb der Erde lebenden Larven des Dickmaulrüsslers ernähren sich primär von den Wurzeln, die dafür angefressen werden. Das Wurzelwerk wird dadurch zunehmend spärlicher und dünner.

Bekämpfung

Für die Bekämpfung eines Insektenbefalles haben sich in der Praxis verschiedene Methoden bewährt. Der Einsatz eines Insektizids ist eher kontraproduktiv. Die im Handel erhältlichen Mittel bestechen vor allem durch ihre generalistische Wirkungsweise gegenüber vielen heimischen Insekten. Damit werden neben den Schädlingen auch viele Nützlinge geschädigt.

Kirschlorbeer - Lorbeerkirsche - Prunus laurocerasus

Zu den effektivsten und schonendsten Behandlungsmöglichkeiten gehören die nachfolgenden Optionen. Um eine vollständige Beseitigung der Schädlinge zu erreichen, sollten die Behandlung mehrmals jährlich und über mindestens zwei bis drei Jahre durchgeführt werden.

Absammeln

Sowohl der Schlehen-Bürstenspinner als auch der Schwammspinner sind tagaktive Insekten. Darüber hinaus besitzen sie kein scheues Wesen und sind daher nahezu ganztätig auf den Blättern des Kirschlorbeers anzutreffen. Mithilfe eines Handschuhs lassen sich die mehrere Zentimeter großen Schädlinge leicht absammeln und versetzen.

Blumentopf mit Holzwolle

Aufgrund ihrer Nachtaktivität ziehen sich die vor allem adulten Dickmaulrüssler tagsüber tief in den Kirschlorbeer zurück. Der dichte Pflanzenwuchs erschwert jedoch die Suche nach den Insekten. In der Praxis hat es sich daher bewährt einen mit Holzwolle gefüllten Blumentopf unterhalb des Strauches zu platzieren. Dieser dient den Insekten über den Tag als Rückzugsmöglichkeit. Am frühen Morgen können diese dann mitsamt dem Gefäß an einen anderen Ort versetzt werden.

Hinweis:

Grundsätzlich ist es auch möglich, die Käfer einzeln aufzusammeln. Aufgrund ihrer Nachtaktivität und der kleinen Körperlänge ist dies jedoch äußerst mühsam. Es empfiehlt sich daher nur im Anfangsstadium eines Befalles.

Nematoden

Die Nematoden gehören zu den effektivsten Methoden gegen die hungrigen Larven. Vor allem gegen Otiorhynchus sind sie sehr wirksam. Die auch als Fadenwürmer bekannten Nützlinge sind reagieren äußerst aggressiv auf die Larven. Durch den Befall dieser, dienen sie fortan als Wirt für die Nematoden. Bereits nach kurzer Zeit sterben die Larven zugunsten der Würmer ab, die im Erdreich verbleiben.

Natürliche Fressfeinde

Der Dickmaulrüssler, der Schlehen-Bürstenspinner und der Schwammspinner haben in der Natur viele Fressfeinde. Hierzu gehören neben Igeln, Spitzmäusen und Maulwürfen auch diverse Vogelarten. Durch das Angebot entsprechender artspezifischer Behausungsmöglichkeiten lassen sich die vorgenannten Tierarten auch im heimischen Garten vorhalten. Zu diesen gehören:

  • Futter- und Wasserstellen
  • Nist- und Brutkästen
  • Erd-, Holz- und Laubhaufen
  • Insektenhotels
  • Natursteinmauern mit Rückzugsmöglichkeiten
  • Blumen- und Nutzpflanzendiversität

Zusätzliche Pflegemaßnahmen

Neben der Bekämpfung der Schädlinge selbst sollte auch die Pflege der Pflanze nicht vernachlässigt. Insbesondere die Larven des Dickmaulrüsslers hinterlassen am Wurzelwerk große Schäden, die im schlimmsten Fall zu einem Absterben des gesamten Gewächses führen können. Um zusätzliche Erkrankungen zu vermeiden, empfiehlt sich daher:

  • angefressene Blätter entfernen
  • angenagte Wurzelteile abschneiden
  • Substrat in einem großzügigen Radius austauschen
  • zusätzlichen Dünger verabreichen
Tipp:

Sowohl die abgeschnittenen Pflanzenteile als auch die entfernte Erde sollten weder im Biomüll noch im Kompost entsorgt werden. Idealerweise erfolgt die Entsorgung in einem separaten Sack im Restmüll. Dies verhindert eine erneute Ausbreitung der Schädlinge im eigenen oder fremden Garten.

Schrotschusskrankheit

Die Schrotschusskrankheit resultiert aus einem Pilzbefall, der insbesondere infolge hoher Feuchtigkeit auftritt. Die Ablagerung der Sporen auf den Blättern führt zu einem kreisrunden Vergilben der Blätter. Mit zunehmendem Krankheitsverlauf verfärben sich diese Pflanzenteile braun und fallen aus dem Blatt heraus. Zurück bleibt Laub, welches Schusslöcher enthält.

Bekämpfung der Schrotschusskrankheit

Glücklicherweise handelt es sich bei der Schrotschusskrankheit um keine lebensbedrohliche Erkrankung. Die durchlöcherten Blätter stellen in der Praxis eher einen optischen Makel dar.

Für eine effektive Behandlung empfehlen sich die nachfolgenden Maßnahmen:

  • erkrankte Blätter abschneiden
  • mit einem passenden Fungizid einsprühen
  • gute Belüftung der Pflanze ermöglichen
  • Feuchtigkeit ausschließlich über den Wurzelbereich zufügen
Tipp:

Um eine Übertragung der Pilzsporen auf andere Pflanzen zu vermeiden, sollte das verwendete Werkzeug gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Prävention

Um einen möglichen Befall zu verhindern, empfiehlt es sich in erster Linie bereits frühzeitig aktiv zu werden. Vor dem Kauf von neuen Pflanzen sollten diese dringend auf etwaige Blätter, die angefressen sind, untersucht werden. Dies verhindert eine Einschleppung in den heimischen Pflanzenbestand. Darüber hinaus sollten die Pflanzen grundsätzlich regelmäßig gründlich untersucht werden. Daneben können die vorgenannten Methoden zur Bekämpfung auch vorbeugend eingesetzt werden.

Autor Heim-Redaktion

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