Im Allgemeinen werden Obstbäume freistehend kultiviert. Es gibt aber eine altbewährte, spezielle Art des Anbaus: Obstanbau an Spalieren. Bei Spalieren handelt es sich um eine gitterförmige Konstruktion aus Holz oder Metall, an die die Triebe der Obstbäume gebunden werden. Mithilfe dieses Spaliers werden die Zweige in die gewünschte Wuchsform gebracht und dort gehalten. In den meisten Fällen werden Spaliere an einer Wand oder Mauer errichtet, um so die Wärme besser auszunutzen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Spalierobst freistehend anzubauen.

Standort

Bei Obstbäumen, die zweidimensional gezogen werden, ist der richtige Standort beziehungsweise die passende Ausrichtung einer der wichtigsten Faktoren beim Anbau. Wandspaliere werden vorzugsweise vor Ost- oder Westwände gesetzt, damit die Blütenknospen im Spätwinter nicht zu stark durch die Sonne an einer Südwand aufgeheizt werden und vorzeitig austreiben. Um die Lichtverhältnisse optimal auszunutzen, pflanzt man freistehende Spalierbäume in Nord-Süd-Richtung.
  • Wandspalier: an Ostwand oder Westwand
  • freistehendes Spalier: in Nord-Süd-Ausrichtung
  • windgeschützt
  • sonnig bis halbschattig

Geeignete Obstsorten

Damit sie auch am Spalier gut wachsen können, sollten ausschließlich solche Obstbäume ausgesucht werden, die auf eine schwach wachsende Unterlage veredelt wurden. Zum Anbau eignen sich die verschiedenen Kernobst- und Steinobstsorten:
  • Apfel
  • Aprikose
  • Birne
  • Kirsche
  • Pfirsich
  • Pflaume
  • Quitte
Bei Äpfeln wird in der Regel auf die Unterlage namens M9
zurückgegriffen. Bei Birnen haben sich unterschiedliche Quittenunterlagen bewährt. Wenn Sie damit liebäugeln, Spalierobst in Ihrem Garten anzubauen, sollten Sie sich unbedingt in einer Baumschule oder Gärtnerei beraten lassen. Im Herbst finden Sie dort ein reichhaltiges Angebot an Obstgehölzen.

Tipp: Beliebt am Spalier sind außerdem Weintrauben, Kiwis und Brombeeren, die eigentlich nicht zu den klassischen Spalierobstsorten gehören.

Geeignete Baumformen

Apfel - Malus - BlüteWichtig für den Spalieranbau ist immer der Platz, der zur Verfügung steht. Neben der Fruchtart müssen auch Baumform und Wüchsigkeit angepasst werden. Neben Spindelbüschen, einem Nieder- oder Halbstamm können auch Hochstämme als Wuchsform für ein Spalier ausgewählt werden. Schlanke oder kleinbleibende Buschformen eignen sich besonders gut für zwei Meter hohe Spaliere.

Spalier- und Erziehungsformen

Ein Spalier besteht meist aus Holz oder Metall. Es sollte bereits die Form haben, in der der Baum erzogen werden soll. In vielen Fällen können auch Drähte gespannt werden, an die die Äste gebunden werden. Besseren Halt - vor allem für schwer beladene Fruchtäste - bieten aber immer stabile Querlattungen aus Holz oder Metall.
  • waagerechte Palmette (waagerechte Äste in mehreren Ebenen)
  • zweiarmiger Schnurbaum (nur zwei waagerechte Äste, einfache Form der Palmette)
  • Fächerspalier (fächerförmige Ausbreitung der Äste)
  • formloses Spalier (Lattung nach Belieben)
  • U-Spalier (zwei Äste werden zunächst waagerecht, dann senkrecht nach oben geleitet)
Birnen und Äpfel lassen sich gut mit waagerecht stehenden Ästen auf einer waagerechten Palmette ziehen. Pfirsiche, Pflaumen, Aprikosen und Sauerkirschen hingegen benötigen einen aufgelockerten Aufbau. Deshalb zieht man sie vorzugsweise auf einem Fächerspalier. Auch eine waagerechte Lattung ist möglich, wenn die Äste leicht schräg angebunden werden (Winkel etwa 45 Grad).

Freistehendes Spalier bauen

In der Regel werden freistehende Spaliere aus Pfählen mit Querlattung oder Querdrähten errichtet. Der unterste Querdraht oder Latte wird in der Höhe des ersten Seitentriebes vom Boden aus angebracht. Dieser sollte aber mindestens 50 cm über Bodenniveau liegen. Der oberste Ast sollte nicht über zwei Meter Höhe verlaufen. Denn nur so können die Pflege- und Erntearbeiten vom Boden aus durchgeführt werden. Je nach Wuchsform des Baumes betragen die Abstände der einzelnen Querlattungen etwa 40 cm, manchmal auch etwas weniger. Verwenden Sie ausschließlich wetterbeständige Holzarten wie Edelkastanie, Robinie oder Lärche. Um Wind und Wetter standzuhalten, müssen diese Holzarten weder gestrichen noch eingeölt werden.

Einfaches Spalier für einen Baum
  • 2 x Holzpfahl mit Spitze Ø 10 cm (Länge mind. 2 m)
  • Querlatten (etwa 25 x 25 x 2000 mm)
  • Schrauben
Schlagen Sie die zwei Holzpfähle in einem Abstand von etwa 60 cm in den Boden. Die Pfähle müssen so tief eingeschlagen werden, dass sie genügend Stabilität bieten. Anschließend werden die Latten auf die passende Länge geschnitten und parallel an die Pfähle geschraubt. Bei einem Fächerspalier gehen alle Latten von einem Punkt aus fächerförmig nach oben.

Stabiles Spalier für mehrere Bäume
Sollen mehrere Obstbäume an ein längeres Spalier gebunden werden, ist es sinnvoll, die Pfähle in einem Abstand von etwa 1,5 Metern mithilfe eines Pfostenträgers einzubetonieren.
  • Holzpfosten Vierkant (Länge mind. 185 cm)
  • passende Pfostenträger
  • Beton
  • Schrauben
  • Querlatten (etwa 30 x 30 x 2000 mm)
Nach dem einbetonieren und Ausrichten der Pfosten, werden die Querlatten angebracht. Es lohnt sich, bei langen Spalieren zwei Hölzer als Abstandshalter zu schneiden, auf die die Latten aufgelegt und angeschraubt werden, damit nicht jedes Mal wieder neu gemessen werden muss.

Tipp: Von großer Bedeutung ist beim Abbiegen der Äste vor allem der richtige Zeitpunkt. Junge, unverholzte Triebe sind noch etwa 10 bis 20 cm von der Spitze an biegsam. Längere Äste verholzen schnell und brechen beim Ableiten ab.

Boden

Apfel - Malus - SpalierObstbäume haben im Allgemeinen sehr empfindliche Wurzeln, deshalb ist es wichtig, sie an einen Platz im Garten zu pflanzen, der nicht zu Staunässe neigt. Ein gut feuchtigkeitsspeichernder, mäßig nährstoffreicher Boden ist optimal.
  • tiefgründig
  • humos
  • gut durchlässig

Pflanzung

Gepflanzt werden können Obstbäume zwischen Oktober und März. Voraussetzung für die Pflanzung ist jedoch, dass die Witterung frostfrei ist. Eine Herbstpflanzung hat den Vorteil, dass der Baum mehr Zeit hat, neue Wurzeln zu bilden. Deshalb treiben diese Obstbäume früher aus als Bäume, die erst im Frühjahr gepflanzt werden. Achten Sie gleich beim Kauf Ihres Spalierobstbaumes auf Qualität. Gehölze mit Krebswunden, schlecht verheilter Veredelungsstelle oder spärlich verzweigte Exemplare sollten Sie lieber nicht kaufen. Besonders robuste Bäume bekommen Sie in einer Baumschule. Hier steht man Ihnen auch mit gutem Rat zur Seite, wenn Sie Fragen haben sollten.

Egal, ob Sie sich für einen bereits vorkultivierten Spalierobstbaum entschieden haben oder einen ganz normalen Jungbaum selbst erziehen möchten, die Pflanzung ist bei beiden Varianten gleich. Verwenden Sie zum Festbinden keine Drähte oder andere starre Materialien. Diese führen schon nach kurzer Zeit zu Einschnürungen. Besser eignen sich Sisalseile oder Gummibänder.
  • Zeitpunkt: Herbst (frostfreier Tag)
  • Pflanzloch ausheben (doppelte Ballenbreite und -tiefe wie der Wurzelballen)
  • die Wurzeln dürfen nicht geknickt werden
  • Sohle mit der Grabgabel auflockern
  • eventuell Sand oder Kies als Drainage einfüllen
  • Abstand zum Spalier: etwa 20 cm
  • Aushub mit Kompost versetzen
  • Wurzelballen wässern
  • bei Topfware die äußere Wurzelschicht mit den Händen aufreißen
  • Baum einsetzen
  • Pflanzloch auffüllen
  • antreten
  • gründlich wässern
  • eventuell Gießrand anlegen
  • Leittrieb am Spalier festbinden (mit Kokosstrick oder Gummiband)
  • untere Triebe waagerecht (oder andere Wuchsform) binden
Tipp: Viele Obstbäume, wie der Apfel,
können sich selbst nicht befruchten und benötigen daher einen Pollen spendenden zweiten Baum in der Nähe.

Pflanzschnitt

Birne - PyrusDie Erziehung des jungen Baumes beginnt bereits beim Einpflanzen mit dem richtigen Pflanzschnitt. Der Unterschied zwischen den Spalierformen liegt lediglich in der Anordnung der Äste. Bei waagerechten Palmetten werden die Äste in einem Winkel von 90 Grad (also waagerecht) erzogen. Bei einer schrägen Palmette oder einem Fächerspalier liegt der Astwinkel bei etwa 45 Grad. Der Pflanzschnitt wird entweder direkt bei der Pflanzung im Herbst oder spätestens im Vorfrühling durchgeführt.
  • 2 kräftige Seitenäste an der untersten Latte ausrichten
  • bei Birnen und Äpfeln waagerecht
  • bei allen anderen Baumarten im Winkel von 45 Grad (Diagonale der einzelnen Fächer)
  • die beiden Zweige bilden die Leitäste der untersten Etage
  • die Fixierung erfolgt relativ nah am Stamm
Handelt es sich um einen vorgezogenen Spalierobstbaum, der bereits mehrere Etagen aufweist, werden auch die übrigen Seitenäste (Etagen) auf diese Weise angebunden. Bei normalen Obstgehölzen muss der Baum erst aufgebaut werden. Für zweiarmige Spalierbäume ist der Haupttrieb überflüssig und kann daher knapp oberhalb der beiden Seitenäste abgeschnitten werden. Für alle Spalierbäume, bei denen weitere Etagen aufgebaut werden sollen, gilt:
  • alle übrigen Seitenäste entfernen
  • die Spitze des Mitteltriebes nach oben leiten

Pflege

Gegenüber der herkömmlichen Kultivierung eines Obstgehölzes bedeutet der Anbau von Spalierobst nur bei der Pflanzung mehr Arbeit. Da beim Spalierobst nur wenige Äste gezielt gefördert werden, ist ein Schnitt sehr übersichtlich und einfach auszuführen. Natürlich benötigen auch Spalierobstbäume neben einem regelmäßigen Schnitt in trockenen Zeiten zusätzliches Wasser und gelegentliche Düngergaben.

Gießen

Frisch eingepflanzte Obstgehölze müssen in der ersten Zeit regelmäßig gegossen werden, damit sich ihre Wurzeln gut im Boden ausbreiten können. Ältere, gut eingewachsene Exemplare werden nur noch in längeren Trockenperioden oder bei großer Hitze gewässert. Achten Sie darauf, dass niemals Staunässe entsteht.

Düngen

Für ein gesundes Wachstum ist neben Licht und Wasser auch eine ausgewogene Nährstoffversorgung notwendig. Im ersten Jahr nach der Pflanzung muss nicht zusätzlich gedüngt werden, insofern der Boden mit Kompost oder Humus versetzt wurde. In den Folgejahren versorgt man das Gehölz im Frühjahr mit einem Volldünger, der in den Boden eingearbeitet und anschließend mit einer Schicht gut verrottetem Kompost abgedeckt wird.

Aufbauschnitt für die klassische Palmette

In der folgenden Wachstumsperiode wird der Apfel- oder Birnenbaum nicht geschnitten und darf sich ungehindert ausbreiten. Der erste Erziehungsschnitt erfolgt wieder zwischen Spätherbst und zeitigem Frühjahr in der Ruheperiode des Obstbaumes. Jetzt wird die nächste Etage aufgebaut.
  • Mitteltrieb auf der Höhe der zweiten Latte kappen
  • es müssen mindestens drei gut entwickelte Augen (Knospen) darunter erhalten bleiben
  • daraus entwickeln sich die neuen Seitenäste sowie die Verlängerung des Mitteltriebes
Im Verlauf des Jahres werden die neuen Seitentriebe gleich der ersten Etage waagerecht oder im Winkel von 45 Grad vom Stamm weggeleitet und angeheftet. Der Trieb, der sich aus dem obersten Auge bildet, wird senkrecht nach oben geleitet und bildet den neuen Mitteltrieb. Im Laufe der Jahre werden auf diese Weise nun mehrere Etagen aufgebaut, bis der Baum seine endgültige Höhe von maximal zwei Metern erreicht hat. Dann wird der Mitteltrieb knapp oberhalb des letzten Astpaares geschnitten, damit der Baum nicht mehr weiter in die Höhe, sondern ausschließlich in die Breite wächst. Während die Etagen aufgebaut werden, erzieht man gleichzeitig auch die älteren Seitenäste. Diese haben inzwischen Nebentriebe gebildet, die Blattbüschel am Ansatz aufweisen.
  • die weichen (diesjährigen) Nebentriebe nach dem 4. Blatt kappen (Frühsommer)
  • zu eng stehende Nebentriebe ganz herausnehmen
  • Fruchttriebe bleiben etwa vier Jahre ungeschnitten

Erhaltungsschnitt

Ist der Baum vollständig aufgebaut, sichern jährliche Erhaltungsmaßnahmen eine gute Ernte aromatischer Früchte. Hierzu gehören:
  • alte Fruchttriebe auf drei bis vier Knospen zurückschneiden (Februar bis März)
  • eventuell auf einen günstigen Trieb an der Oberseite umleiten
  • bei Äpfeln, Birnen und Quitten im März den Längenzuwachs mit heller, glatter Rinde an Mitteltrieb und Seitenästen einkürzen
  • bei Aprikosen, Pfirsichen, Pflaumen und Kirschen erfolgt dieser Schnitt erst nach der Ernte
Tipp: Bei Aprikosen schneidet man abgetragene Fruchttriebe nach der Ernte auf die Hälfte zurück.

Sortenempfehlung

Apfel - Malus - SpalierNicht alle Sorten von Bäumen eignen sich gleich gut für den Spalieranbau. Gute Erfahrungen hat man mit folgenden Sorten gemacht:

Alte Apfelsorten
  • Alkmene: gutes Aroma, Herbstsorte
  • Auralia: ertragreich, guter Geschmack
  • Roter Berlepsch: Lagersorte, sehr aromatisch
  • Goldparmäne: altbewährte Sorte, guter Geschmack
  • Schöner von Nordhausen: regionale, robuste Apfelsorte, lagerfähig
Neue Apfelsorten
  • Gerlinde: kaum anfällig für Schorf, resistente Herbstsorte
  • Rebella: resistenter Herbstapfel, wenig anfällig für Schorf
  • Rubinola: lange am Baum haltbar, robust
  • Santana: rote Herbstsorte, guter Geschmack, sehr resistent
  • Topaz: robuste Lagersorte mit säuerlichem Geschmack
Birnen
  • Alexander Lucas: späte Reifung, gut lagerfähig
  • Clapps Liebling: Sommerbirne mit feinem Aroma
  • Gräfin von Paris: robuste Birnensorte, gut lagerfähig
  • Gute Luise: schmackhafte Herbstbirne mit guter Lagerfähigkeit
  • Köstliche von Charneau: robuste Herbstbirne, anpassungsfähig
Quitten
  • Bereczki: aus Ungarn stammende Birnenquitte
  • Radonia: aus Radebeul stammende Birnenquitte
  • Vranja: aus Serbien stammende Birnenquitte
  • Wudonia: Apfelquitte aus Wurzen
Pfirsich
  • Bebedicte: weißes, saftiges Fruchtfleisch, resistent gegen die Kräuselkrankheit
  • Fruteria: rote Sorte mit weißem Fruchtfleisch, robust
  • Red Haven: bewährte Sorte, gelbes Fruchtfleisch, sehr saftig und süß
  • Revita: rosa Blüten, weißes Fruchtfleisch, robust gegen Kräuselkrankheit
  • Roter Weinbergpfirsich: rosa Blüte, rotes Fruchtfleisch, sehr robust
Aprikosen
  • Compacta: mittelgroße, saftige Frucht, schwach wachsend
  • Harlayne: unempfindlich gegenüber Monilia, ertragreich
  • Harogame: robust gegen Monilia, schön gefärbte Früchte
  • Kuresia: sehr aromatisch, hohe Resistenz gegenüber Scharkavirus

Überwintern

Bei der Überwinterung ist nichts Spezielles zu beachten, insofern die Spalierobstbäume an einem geschützten Platz stehen. Die Wurzeln von Jungbäumen werden von einer dicken Schicht Humus oder Mulch vor dem Durchfrieren des Bodens geschützt. Ein besonderes Augenmerk ist jedoch auf die Blüte zu richten. Es besteht die Gefahr bei Spätfrösten, dass die Blüten erfrieren. Ein Vlies, das über Nacht über den Baum ausgebreitet wird, schützt in begrenztem Maße. Besser ist es jedoch, eine spät blühende Obstsorte auszuwählen.

Fazit
Eine geeignete Methode, Obstbäume auch in kleinen Gärten anzubauen, ist die Kultivierung am Spalier. Die Bäume nehmen nur wenig Platz weg und versorgen den Gärtner mit besonders aromatischem, sonnengereiftem Obst. Zwar ist der Spalierobstbau etwas zeitaufwendiger als der normale Anbau, trotzdem ist die Methode auch für ungeübte Gärtner einfach zu erlernen und anzuwenden.