Der Baumschnitt stellt einen unverzichtbaren Teil der Gartenpflege dar, denn er sorgt für Vitalität und einem guten Wachstum er Apfelbäume sowie eine ertragreiche Ernte. Wenngleich diese Pflegemaßnahme von professionellen Fachkräften angeboten wird, können Hobbygärtner den Baumschnitt allerdings auch selbst durchführen. Essenziell hierbei ist lediglich das nötige Know-How sowie das entsprechende Equipment. In diesem Artikel erfahren Sie, wie und wann Sie Ihren Apfelbaum schneiden und welches Schneidwerkzeug sich am besten dafür eignet.

Der optimale Zeitpunkt

In der Regel werden Apfelbäume bevorzugt in den Wintermonaten geschnitten, allerdings lässt sich der genaue Zeitpunkt hierfür nicht festlegen. Denn wann genau der Schnitt stattfindet, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig: Zum einen spielt die Wuchsstärke der Gehölze eine Rolle, denn je stärker der Apfelbaum wächst, desto später wird er geschnitten. Des Weiteren sind natürlich das Wetter sowie der allgemeine Zustand sowie die gewünschte Schnitttechnik weitere Faktoren, die den Zeitpunkt des Baumschnittes beeinflussen. Die Apfelbäume können sowohl im Winter, aber auch im Sommer oder Herbst geschnitten werden.

Winterschnitt

Die kalte Jahreszeit, genauer gesagt von November bis März, eignet sich ideal, um den Apfelbaum zu schneiden. Denn zu dieser Zeit sind die Knospen noch nicht ausgetrieben und somit die Baumsaftzirkulation gering. Der Vorteil hierbei ist, dass die Schnittwunden schneller und besser heilen können. Zudem trägt der Baum im Winter kein Laub, wodurch sich Fehlbildungen der Baumkrone leichter erkennen und anschließend beheben lassen. Wird der Baum im Herbst geschnitten, sollte allerdings Folgendes beachtet werden:
  • die Temperaturen dürfen nicht unter -5 Grad fallen
  • denn sonst kann das Holz brüchig werden
  • leicht schräg schneiden, insbesondere bei dicken Ästen
  • denn exakt waagerechte Schnittwunden fördern Pilze und Krankheiten

Sommerschnitt

In der Zeit von März bis September dürfen aufgrund des Vogelschutzes keine radikalen Schnitte an Gehölzen durchgeführt werden. Allerdings ist es möglich, bestimmte unerwünschte Pflanzenteile aus der Baumkrone zu entfernen. Hierzu zählen
beispielsweise die Wasserschosse, welche keine Früchte tragen und dem Apfelbaum wertvolle Energie rauben. Wenn ein Baum zudem enorm viele Früchte trägt, können einige von diesen entfernt werden. Wird der Apfelbaum im Sommer geschnitten, gilt es, Folgendes zu beachten:
  • nicht während einer Hitzewelle schneiden
  • ebenso nicht bei großer Trockenheit
  • denn durch die vielen Schnittstellen könnte der Baum austrocknen
  • daher insbesondere nach dem Schneiden ausgiebig gießen

Herbstschnitt

Apfelblüte - Mmalus Der Herbst lädt nicht nur ein, die schmackhaften Früchte des Apfelbaumes zu ernten, sondern diesen danach direkt dem Baumschnitt zu unterziehen. Zunächst werden die unterentwickelten und abgestorbenen Früchte entfernt. Denn die sogenannten Fruchtmumien bieten sich Pilzen und anderen Krankheitserregern als idealer Nährboden an. Im Herbst können zudem folgende unerwünschte Pflanzenteile des Apfelbaumes entfernt werden:
  • abgestorbene und kranke Zweige
  • abgeknickte und dürre Triebe
  • zu dicht stehende Zweige
  • Wasserschosse

Die unterschiedlichen Schnitttechniken

Das Schneiden der Apfelbäume ist eine regelmäßige sowie essenzielle Pflegemaßnahme, welche bereits im ersten Jahr der Pflanzung stattfindet. Durch das Schneiden lassen sich unterschiedliche Faktoren, wie beispielsweise das Wachstum und die Wuchsform direkt beeinflussen. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Schnitttechniken, welche dementsprechend unterschiedliche Ziele und Wirkungen haben.

Der Pflanzschnitt

Junge Apfelbäume profitieren besonders von dem sogenannten Pflanzschnitt. Dieser findet direkt nach der Pflanzung statt und sorgt zum einen für ein gutes Wachstum und zum anderen fördert er die Bildung einer regelmäßigen Baumkrone. Das Ziel des Pflanzschnitts ist, dass sich ein starker Leittrieb in der Mitte bildet und etwa drei bis vier Seitentriebe als Leitäste fungieren, welche zusammen das Gerüst bilden. Diese stehen im Idealfall etwa 60 Grad vom Mitteltrieb ab und haben nach außen gerichtete Triebspitzen. Beim Pflanzschnitt sollte Folgendes beachtet werden:
  • alle
    Seitentriebe leicht einkürzen
  • den Mitteltrieb auch etwas kürzen
  • das Kürzen dieser Äste wird auch "Saftwaage" genannt
  • dadurch verzweigen sie sich besser und werden gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt
  • das Gerüst sollte pyramidenförmig sein
  • und nach oben hin schmaler werden
  • dadurch bekommen alle Triebe ausreichend Licht
  • Konkurrenztriebe entfernen
  • sowie generell alle senkrecht wachsenden Triebe entfernen
Tipp: Steil nach oben wachsende Äste können in eine waagerechte Form gebracht werden, indem diese heruntergebogen und angebunden werden. Hierfür eignet sich insbesondere ein weiches und dehnbares Material, wie beispielsweise ein Kokosstrick.

Der Aufbauschnitt

Apfelbaum schneidenIm ersten Herbst nach der Pflanzung sollte der Apfelbaum dem sogenannten Aufbauschnitt, welcher auch Erziehungsschnitt genannt wird, unterzogen werden. Zu diesem Zeitpunkt haben sich bereits die ersten einjährigen Triebe entwickelt, welche allerdings noch keine Früchte tragen. Denn die schmackhaften Äpfel werden erst auf den zweijährigen Trieben gebildet. Dennoch sollte der Jungbaum diesem Schnitt unterzogen werden, denn der Aufbauschnitt sorgt zum einen für eine gute Verzweigung und fördert zudem das spindelförmige Wachstum der Baumkrone. Der Aufbauschnitt gestaltet sich wie folgt:
  • alle steil nach oben wachsenden Seitentriebe entfernen
  • lange, unverzweigte Triebe einkürzen
  • zu stark nach unten hängende Triebe entfernen
  • nach innen wachsende Triebe abschneiden
  • Gerüsttriebe um etwa ein Drittel kürzen
  • hierbei wird vom Neuzuwachs ausgegangen
  • Seitengerüsttriebe sollten auf dieselbe Höhe gekürzt werden
  • Haupttrieb auch einkürzen
Tipp: Ist ein Gerüsttrieb deutlich schwächer als die anderen, so ist es ratsam, dass alle Triebe um die Hälfte gekürzt werden.

Erhaltungsschnitt

Etwa fünf bis sieben Jahre nach der Pflanzung, ist die Baumkrone des Apfelbaumes aufgebaut. Nun gilt es, die Fruchtbarkeit und die Vitalität des Baumes zu erhalten. Dies gelingt am besten, wenn der Apfelbaum regelmäßig (bestenfalls jährlich) einem Erhaltungsschnitt unterzogen wird. Diese Pflegemaßnahme hat zudem weitere Vorteile: Denn durch das Auslichten wird eine bessere Lichtzufuhr gewährleistet, wodurch die Blätter nach dem Regen schneller trocknen und die Früchte besser reifen. Zudem wird durch diesen Schnitt eine stabilere Tragfähigkeit der Zweige gefördert, welche besonderes für viele und schwere Früchte von Vorteil ist. Zu guter Letzt wird der Arbeitsaufwand der Ernte erleichtert, denn durch den regelmäßigen Erhaltungsschnitt ist die Baumkrone wesentlich leichter zugänglich. Der Erhaltungsschnitt beinhaltet folgende Arbeitsschritte:
  • steil nach oben wachsende Triebe abschneiden
  • diese verdichten sonst zu sehr die Baumkrone
  • altes Fruchtholz entfernen (hängt meist stark nach unten)
  • denn diese tragen kaum qualitativ gute Früchte
  • totes Holz entfernen
  • Wasserschosse am Astring abschneiden
  • diese tragen keine Früchte und rauben dem Baum Kraft
  • Gerüstäste werden nicht gekürzt, jedoch die Spitzen
    "verschlankt"
  • hierbei jene Triebe entfernen, die an den Spitzen der Triebe zu dicht wachsen
Tipp: Werden Äste und Triebe nur gekürzt, werden diese knapp oberhalb der Verzweigung abgeschnitten. Dadurch wächst die Krone breiter und ist dementsprechend luft- und lichtdurchlässiger.

Verjüngungsschnitt

Apfelbaum schneidenSehr alte oder vergreiste Bäume können mit einem Verjüngungsschnitt wieder auf Vordermann gebracht werden. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um einen Schnitt, welcher regelmäßig durchgeführt werden sollte, sondern eher um eine Rettungsmaßnahme. Hierfür ist besonders Fachwissen erforderlich, weshalb der Verjüngungsschnitt bestenfalls von Experten durchgeführt wird. Denn dieser Schnitt ist ziemlich radikal und es kann vorkommen, dass insbesondere sehr alte Bäume dadurch rund ein Drittel ihrer Krone verlieren. Zudem stellt dies eine enorme Belastung für den Baum dar, weshalb es in manchen Fällen sogar ratsam ist, den Verjüngungsschnitt auf zwei Jahre aufzuteilen. Der Verjüngungsschnitt hat das Ziel, die Neutriebbildung anzuregen und beinhaltet unter anderem folgende Arbeitsschritte:
  • Gerüst neu anlegen
  • wenn sich das alte nicht mehr oder nur noch kaum erkennen lässt
  • alle Konkurrenztriebe entfernen
  • etwa vier Triebe stehen lassen
  • die steil nach oben wachsenden Triebe vollständig entfernen
  • Verschlankung der Gerüsttriebspitzen
  • starke Fruchttriebe entfernen
  • zu lange Fruchttriebe umlenken
  • nach innen wachsenden Triebe abschneiden
  • zu steil wachsende Triebe abschneiden
Tipp: Nach dem Verjüngungsschnitt versucht der Baum, das Gleichgewicht zwischen der Baumkrone und der Wurzeln wiederherzustellen. Deswegen bildet er an den Schnittstellen zahlreiche Jungtriebe, wovon jährlich mindestens die Hälfte entfernt werden sollten.

Das Equipment

Je nachdem, welche Arbeiten vollzogen werden, ist anderes Schneidwerkzeug erforderlich. Grundsätzlich sind für den Baumschnitt jedenfalls eine stabile Leiter, sowie scharfes und sauberes Schneidwerkzeug nötig. Für dickere Äste haben sich Baumsägen bewährt, welche zum Teil auch mit einem Seilzug oder einer Teleskopstange ausgestattet sind. Für dünnere Zweige eignen sich eine Amboss-Schere oder eine Bypass-Schere. Oftmals wird gesagt, dass ein Wundverschlussmittel insbesondere für die Schnittwunden von dicken Ästen eingesetzt werden sollten. Hierbei scheiden sich allerdings die Meinungen, zumal mittlerweile herausgefunden wurde, dass ein Wundverschlussmittel die Wundheilung sogar negativ beeinträchtigen kann. Wird dennoch ein Wundverschlussmittel verwendet, sollte wie folgt vorgegangen werden:
  • Nie die gesamte Schnittwunde damit bestreichen
  • sondern nur den Rand der Wunde
  • davor den Wundrand mit einem scharfen Schneidwerkzeug glätten
Fazit
Der regelmäßige Schnitt der Apfelbäume ist eine essenzielle Pflegemaßnahme, welche sowohl das Wachstum als auch die Vitalität des Baumes fördert. In der Regel werden die Bäume im Winter geschnitten, allerdings ist in einigen Fällen, wie beispielsweise nach der Pflanzung, auch das Schneiden im Herbst oder Sommer denkbar.