Für den Kalkanstrich, insbesondere von Obstbäumen, scheint es gleich mehrere gute Gründe zu geben. Er verhindert Schäden an der Rinde durch starken Temperaturschwankungen. Er schützt den Baum vor sehr kleinen und großen Tieren. Nicht zuletzt erfüllt so ein Kalkanstrich für die Rinde auch noch die Funktion einer nährenden, glättenden Faltencreme. Relativ einfach lässt sich die Kalkmasse auch selbst herstellen. Dabei kann man sie gleich nach Belieben mit einigen kleinen Wundermitteln aufpeppen.

Frostrisse

Ein Hauptgrund für den Kalkanstrich von Obstbäumen im Winter, ist die Vermeidung von Frostrissen in der Rinde. Frostrisse, das sind längs aufgeplatzte Rillen und Furchen an der Baumrinde. Sie entstehen meistens im späten Winter, im Januar und Februar. In diesen Monaten kommt es in der Regel zu den stärksten Frösten. Gleichzeitig hat aber die Sonne bereits viel Kraft. Es kommt
dadurch also zu starken Temperaturunterschieden, zwischen Tag und Nacht. Im Stamm und in den Ästen wird Wasser mit den Nährstoffen von den Wurzeln in die Krone transportiert. Zwar ziehen sich diese Säfte für den Winter zurück (Saftruhe), doch trocknen die Stämme und Äste dadurch nicht gänzlich aus. Zur Vorsorge werden die verbleibenden flüssigen Zellanteile verdickt.

Durch die Sonnenbestrahlung verflüssigen sie sich jedoch und ziehen auch wieder in die Gewebestrukturen ein. Starke Temperaturunterschiede führen dann zu einer Ausdehnung der verbliebenen Flüssigkeit im Holz und damit zu einem Aufbrechen der Rinde. Ein dicker Schutzanstrich verhindert das Aufplatzen der Rinde. Zugleich sorgt die weiße Farbe dafür, dass das Sonnenlicht reflektiert wird. Der gefrorene Stamm heizt sich bei Sonnenbestrahlung nicht so stark auf.

Noch einmal mehr gefährdet sind Bäume, die mit einem phosphorbetonten Dünger gedüngt werden. Durch die starke Düngung kann sich das Holz nicht ausreichend für den Winter ausbilden. Das heißt, es befindet sich noch besonders viel Wasser im Stamm bis knapp unter der Rinde. Viele und große Frostrisse können einen Baum sogar zum Absterben bringen. Aber auch kleine Frostrissen können dem Baum schaden, denn:
  • in den Spalten überwintern Schädlinge
  • durch den Riss können Bakterien und Viren leicht in den Baum eindringen
  • in den Spalten nisten sich Pilzsporen ein

Tierfraß

Je nach dem, wo der Garten mit den Obstbäumchen liegt, kann es auch notwendig sein, die Bäume vor Wildverbiss zu schützen. Die Rinde junger Obstbäume mögen Reh und Co einfach zu gern. In eine dicke Kalkschicht dagegen mögen die Tiere eher nicht beißen.

Moosbildung, Flechtenbildung

Eine glatte Rinde verhindert auch die Bildung von Moos und Flechten. Der grüne Bewuchs bietet willkommene Verstecke für die unterschiedlichsten Schädlinge, für ihre Eiablage und um dort geschützt zu Überwintern.

Schädlinge und Pilze

Apfel - Malus - krank Eventuell vorhandene Schädlinge und Pilze werden durch den Kalkanstrich erstickt. Ebenso, wie bereits erwähnt, wird die Gefahr von Frostrissen gemindert und somit fallen sie als Schlupflöcher für viele Schädlinge weg.

Gesundheit, Wachstum, Fruchtbarkeit

Der Kalkanstrich fördert das Dickenwachstum und die Kraft des Immunsystems der Bäume. Dadurch, dass der Kalk mit den Regenfällen im Frühjahr abgespült wird und in den Boden gelangt, nimmt der Baum nach und nach wertvolle Nährstoffe über die Wurzeln auf.

Tipp: Wem diese Gründe noch
nicht ausgereicht haben: Durch die Kalkschicht auf der Rinde im Winter, treibt der Baum im Frühjahr später aus. Das kann, bei Spätfrösten überlebenswichtig für die Blüte sein.

Herstellung

Wer nun, nach all diesen guten Gründen, davon überzeugt ist, seinen Obstbäumen einen Kalkanstrich verpassen zu müssen, der kann sich die Substanz sehr einfach selbst herstellen. Natürlich gibt es sie auch bereits fertig zu kaufen. Die Kalkmischung muss dann nur noch mit Wasser verrührt werden. Doch wer seine Kalkmischung selbst anrührt, weiß erstens genau, was drin ist und kann zweitens, die Substanz durch kleine Zugaben noch weiter aufwerten.

Das Grundrezept

Das Basisrezept mit Kalk ist denkbar einfach. Dafür werden Branntkalk und Wasser verrührt und mit einem Schuss Tapetenkleister, für eine bessere Haftung an der Rinde, versetzt. Ein Beispiel für die Mengenverhältnisse:
  • 10 l Wasser
  • 1,5 kg Branntkalk
  • 0,5 kg Tapetenkleister (ohne Zusätze)

Mit diesen Zutaten dann wie folgt verfahren:
Zuvor Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille anlegen. Das macht Sinn, denn es staubt, spritzt, dampft, wird warm und ätzt. Bei dieser Prozedur gibt man nach und nach das Wasser in den Kalk. Dabei wirklich vorsichtig zu Werke gehen, denn Spritzer können auf der Haut und in den Augen ätzen. Vorsicht, Dämpfe und Staub nicht einatmen! Danach lässt man das Ganze mehrere Stunden lang quellen. Vor dem Anstrich wird dann der angerührte Tapentenkleister untergemischt.

Kleine Ergänzung: Branntkalk ist ungelöschter Kalk, auch gebrannter Kalk, Kalziumoxid oder Kalk in Pulverform genannt. Man bekommt Branntkalk bei Baustoffhändlern und im Raiffeisen Handel. Der Tapetenkleister sollte ohne Zusatzstoffe sein.

Weitere Zutaten

HornspäneWer es besonders gut meint, kann seine Mischung durch natürliche Zutaten aufwerten, um seinen Bäumen besondere Nährstoffe zukommen zu lassen. Mit dieser Versorgung kann sich der Baum noch besser gegen Krankheiten und Schädlinge wehren:
  • Kuhfladen
  • Hornmehl
  • Schachtelhalmbrühe
  • Rainfarnbrühe

Zeit

Vom Spätherbst bis in die Mitte der Winterzeit ist der geeignete Zeitraum, die Bäume anzustreichen. Wer sie früh anstreicht, muss eventuell im Winter noch einmal streichen, besonders wenn es in der Zwischenzeit häufig geregnet hat. Der Tag selbst sollte trocken und frostfrei sein, damit der Anstrich gut durchtrockenen kann.

Tipp: Wer seine Bäume im Herbst stark heruntergeschnitten hat oder erst spät im Jahr beschnitten hat, sollte auf jeden Fall einen Kalkanstrich zum Schutz vornehmen.

Vorbereiten

Vor dem Anstrich sollte man, besonders ältere Bäume, ein wenig vorbereiten. Mit einer Drahtbürste befreit man die Stämme und dicken Äste von losen Rindenteilen, Flechten und Moosen. Junge Bäume haben meistens noch eine glatte und makellose Rinde, die Vorarbeit kann hier wegfallen. Für diese Arbeit gibt es im Handel auch spezielle Baumkratzer oder Rindenkratzer. Wenn es bereits Frostschäden am Baum gibt, schneidet man die Wunde mit einem scharfen Werkzeug glatt aus. Vor dem Kalkanstrich sollten Wunden immer mit Baumwachs verschlossen werden.

Durchführung

Ausgerüstet mit einem dicken Quast kann es dann auch schon zur Sache gehen. Angestrichen werden der Stamm und die Leitäste. Damit die Bäume optimal geschützt werden, beginnt man mit dem Anstrich direkt über
den Boden. In die Höhe geht es bis in die dickeren Äste hinein. Junge Triebe und Knospen bleiben ausgespart. Je nach dem, wie porös oder uneben die Baumrinde ist, muss der Anstrich ein paar Male wiederholt werden. Dabei immer abwarten, bis der vorherige Anstrich vollständig angetrocknet ist. Erst dann kommt die nächste Schicht. Der Anstrich ist wasserlöslich, das heißt, je früher man damit gestartet ist, desto eher kann es notwendig sein, im Januar oder gar Februar noch einmal eine Schicht aufzutragen.

Alternativen

Apfel - Malus krankWie bei fast allen Themen, gibt es auch vereinzelt kritische Stimmen, die einen Kalkanstrich nicht empfehlen. Er würde die Rinde eher austrocknen lassen und sie spröde machen. Jeder sollte auf diesem Gebiet seine eigenen Erfahrungen machen. Ein Alternative für den Kalkanstrich ist der Lehmanstrich.
Rezept für einen Lehmanstrich:
  • Schachtelhalmbrühe oder Farnkrautbrühe mit
  • Kuhdung
  • etwas Steinmehl
  • Lehm oder Lehmpulver verrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist
  • alles gut miteinander verrühren
  • über Nacht stehen lassen
  • noch einmal aufrühren und auftragen
Eine weitere Variante ist auch die Beimischung von Lehm (Lehmpulver) in die Kalkmischung.

Fazit
Egal, ob man zu Fertigpräparaten greift oder die Kalkmischung selbst herstellt, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gerade für wertvolle Obstbäume ist solch ein Kalkanstrich bestens geeignet, die Bäume gesund zu erhalten. Das Risiko für einen Schädlings- oder Krankheitsbefall wird damit erheblich gemindert, ohne dass chemische Mittel zur Anwendung kommen müssen.