Wilder Wein (Vitis vinifera), genauer gesagt die Jungfernrebe, zählt neben Efeu zu den beliebtesten und mitunter am weitesten verbreiteten Kletterpflanzen heimischer Ziergärten. Weithin bekannt sind gut etablierte Pflanzen, die sogar ganze Hausgiebel oder Gartenhäuschen mit ihrem bunten Laub bereichern. Doch wie schnell wächst eigentlich Wilder Wein? Alles Wissenswerte rund um sein Wachstum erfahren Sie bei uns einfach und verständlich erklärt.

Das Wachstum

Allgemein gesprochen gilt der Wilde Wein als sehr schnell und intensiv wachsend:

  • Sehr dichter und stark verzweigender Wuchs
  • Längenzunahme pro
    Wachstumsperiode (Jahr) zwischen 1,5 und 2,0 Metern
  • Wuchsbreite von Einzelpflanzen bis zu 4 Meter
  • Erzielbare Gesamtgröße je Pflanze von 10 bis 15 Metern Höhe

Damit dieses intensive Wachstum aber möglich ist, muss der Wilde Wein ausreichend gute Rahmenbedingungen vorfinden.

Die Voraussetzungen

Wie die meisten Pflanzen sind auch für die korrekterweise als Jungfernrebe zu betitelnde Schlingpflanze Licht, Wasser und Nährstoffe die Kenngrößen des möglichen Wachstums. Speziell beim Wilden Wein kommt dazu noch ein ausreichendes Platzangebot, in dem die bereits beschriebene Ausbreitung in Länge und Wuchsbreite ungehindert möglich ist.

Der Standort

Je geeigneter der Standort für die Jungfernrebe ausfällt, umso besser entwickelt sie sich und umso üppiger fällt ihr Wachstum aus. Ihr bevorzugter Standort sieht so aus:

  • Sonniger Standort
  • wettergeschützte Lage
  • Klettermöglichkeit vorhanden

wilder Wein - Vitis viniferaAm konkreten Beispiel könnte der perfekte Platz für den Wilden Wein also beispielsweise eine Hauswand oder ein Rankgerüst sein, an dem er empor klettern kann und der ihn insbesondere vor Wind schützt. Nach Südosten oder Osten ausgerichtet findet er eine sehr gute Besonnung vor und kann unter diesen Voraussetzungen im Herbst sein markantes, gelb bis rot gefärbtes Laub in voller Pracht entfalten.

Tipp: Wussten Sie, dass der Wilde Wein als "rauchhart" gilt? Das bedeutet, dass er gut mit schlechter beziehungsweise belasteter Luft zu Recht kommt. Damit eignet er sich sehr gut für senkrechte Begrünungen von Hauswänden im Standbereich oder sogar im gewerblichen oder verkehrstechnischen Umfeld.

Da die Pflanze als sehr anpassungs- und widerstandsfähig gilt, kommt sie auch mit weniger optimalen Standorten gut zurecht. Vor allem

halbschattige Bereiche machen ihr kaum zu schaffen. Allerdings fällt die Herbstfärbung des Laubes dann weniger intensiv aus.

Der Pflanzabstand

Während sich Wilder Wein in Wuchsrichtung leicht selbst einen Weg sucht, bedarf es für ein unbeeinträchtigtes Wachstum dagegen in seitlicher Richtung an Platz. Wird die Pflanze hier zu rasch durch Nachbarpflanzen bedrängt, wirkt sich das auch auf das allgemeine Größenwachstum aus. Für die Pflanzung empfiehlt sich daher:

  • Seitlicher Abstand zu nächster Jungfernrebe mindestens 2,00m
  • Gleicher Abstand zu anderen stark- und aufwachsenden Pflanzen wählen
  • Je Hauswand, Rankgerüstseite etc. nur eine Pflanze, bei Bedarf später nachpflanzen

Boden und Versorgung

Neben Sonne und Platz kommt natürlich auch dem Boden eine elementare Bedeutung für das Wachstum des Wilden Weins zu. Besonders gut gedeiht er in einem Boden mit diesen Eigenschaften:

  • Reich an Nährstoffen
  • Hohe Durchlässigkeit
  • Frisch bis leicht feucht
  • Keine Staunässe
  • Tiefgründig
  • Lehmig

wilder Wein - Vitis viniferaBesonders wichtig ist für die Pflanze ausreichend Feuchtigkeit. Gerade im Sommer sollte sie daher regelmäßig, jedoch immer nur mäßig gegossen werden. Denn auf Staunässe reagiert sie sehr empfindlich und quittiert diese mit einem schlechteren Wachstum und einer weniger stark ausgeprägten Farbenpracht im Herbstlaub.

Tipp: Durch ihre große Anpassungsfähigkeit kommt die Jungfernrebe selbst auch völlig von ihren Vorlieben abweichenden Böden zurecht. Wächst sie jedoch beispielsweise auf Sandboden, muss mit einem weniger intensiven Wachstum und einem erhöhten Aufwand für die Wasserversorgung gerechnet werden.

Man kann den Wilden Wein gerade in wenig optimaler Umgebung durch Düngergaben unterstützen. Diese sollten jedoch nur in Maßen erfolgen und zum Herbst eingestellt werden. Andernfalls kann es sein, dass Triebe bis zuletzt kräftig wachsen, vor einsetzendem Frost jedoch nicht mehr vollständig ausreifen. Sie quittieren diesen Umstand mit einer weit geringeren Frosthärte und absehbaren Frostschäden bis zum kommenden Frühjahr.

Die Rankhilfe

Zuletzt schauen wir uns den für viele Hobbygärtner wichtigsten Aspekt beim Wachstum des Wilden Weins an. Als Kletterpflanze ist er in der Lage, Geräteschuppen, Pergolen, Hauswände oder spezielle Rankgerüste emporzuklettern. Jedoch ist nicht jede Art der Jungfernrebe dazu ohne Hilfe

in der Lage. Die meisten der 13 bekannten Sorten verschaffen sich selbst über so genannte Haftscheiben Halt. So können sie selbst glatte Steinwände bewachsen. Die Haftscheiben fallen den Gärtnern vor allem Beim Rückschnitt auf, wenn die Zweige entfernt wurden, die Pflanzen aber gerade diese Haftscheiben als kaum lösbare Hinterlassenschaften an der Wand verbleiben.

wilder Wein - Vitis viniferaAllerdings gibt es auch einzelne Arten, wie etwa die Gewöhnliche Jungfernrebe (Tarthhenocissus Vitacea), die über diese hilfreichen Haftscheiben nicht verfügt. Sie ist daher für ein vergleichbar erfolgreiches Wachstum in die Höhe auf Rankhilfen in Form von rauen Holzlatten, Spanndrähten etc. angewiesen. Sie dringt im Vergleich zu ihren Artgenossen auch insgesamt langsamer in die Höhe vor. Dafür kann sie jedoch weit einfacher zurückgeschnitten werden, da der Aufwand für das Entfernen der Haftscheiben vom Untergrund entfällt.

Tipp: Vor dem Pflanzen des Wilden Weins sollte man unbedingt den Untergrund auf Schäden kontrollieren. Finden die Triebe in Spalten und Rissen perfekten Halt, nutzen sie diesen aus und können auf Dauer erhebliche Schäden an Putz oder Mauerwerk verursachen!