Olivenbaum - Olea europaeaPrivate Olivengärtner scheuen vor einem Rückschnitt zurück, weil er ihnen zu kompliziert und heikel erscheint. Eine wohlgeformte, dicht beblätterte Krone mit zahlreichen Blüten und reicher Olivenernte ist freilich auf einen fachgerechten Schnitt angewiesen. Ein Olivenbaum gibt sich in dieser Hinsicht unkomplizierter als befürchtet. Fassen Sie sich daher ein Herz und schneiden Ihr mediterranes Schmuckstück nach dieser Anleitung. Hier lesen Sie alle Informationen zum besten Zeitpunkt, dem geeigneten Werkzeug und der optimalen Schnittführung. So erziehen Sie Ihren Olivenbaum richtig.

Warum ist ein Schnitt sinnvoll?

In den Olivenplantagen rund um das Mittelmeer garantiert ein regelmäßiger Schnitt für eine reiche Ernte und gesunde Bäume. In dieser Hinsicht übt der kommerzielle Anbau für den privaten Gärtner eine Vorbildfunktion aus, denn sein Interesse zielt ebenfalls in diese Richtung, ergänzt mit dem Wunsch nach einem gepflegten, authentischen Erscheinungsbild. Somit sprechen die folgenden Argumente für einen sachkundigen Erziehungsschnitt und fachgerechten
Erhaltungsschnitt:
  • Generierung einer wohl proportionierten Krone
  • Aufbau einer harmonischen Struktur aus Leit- und Nebentrieben
  • Bewahrung eines lichtdurchfluteten inneren Kronenaufbaus
  • Entfernung abgestorbener, kranker und Schädlings-befallener Zweige
Somit verfolgen sowohl der Erziehungs- als auch der Erhaltungsschnitt das Ziel, einen Olivenbaum zu einer optimalen Photosyntheseleistung zu geleiten. Obschon nördlich der Alpen der Ernteertrag an Oliven eher nachrangig ist, profitieren Sie infolge regelmäßiger Schnittmaßnahmen von einer idealtypischen Silhouette und zahlreichen, leckeren Oliven gleichermaßen.

Der beste Zeitpunkt

Ein Schnitt am Olivenbaum sollte den Austrieb seiner neuen Blätter und Blüten nicht stören. Im gleichen Zug will der Termin so gewählt sein, dass sich die Schnittwunden zügig schließen. Für einen ausgepflanzten oder im Freien überwinterten Baum spielen zugleich die Witterungsbedingungen eine Rolle. Solange noch frostige Temperaturen herrschen, würde ein Schnitt Ihren Olivenbaum an seine Belastungsgrenzen bringen.

Als bester Zeitpunkt für einen Form- und Erhaltungsschnitt gilt folglich ein Tag am Ende der Winterruhe, kurz vor dem Beginn der Vegetationsphase. Konkret bedeutet diese Prämisse, dass Ihr Olivenbaum im zeitigen Frühjahr zwischen Ende Februar und Anfang März auf Schnittmaßnahmen positiv reagiert. Im frostfreien Winterquartier können Sie wahlweise bereits ab Mitte/Ende Januar zur Schere greifen.

Unserer Empfehlung für den optimalen Schnittzeitpunkt spricht nicht entgegen, dass Sie kleinere Korrekturen an der immergrünen Krone oder die Entfernung von Wasserschossern bedarfsweise im Sommer oder Herbst durchführen.

Das richtige Werkzeug

Maßgeblichen Anteil an einem erfolgreichen Schnitt am Olivenbaum nimmt das Werkzeug. Gleich mehrere Faktoren sollten erfüllt sein, damit ein Form- und Erhaltungsschnitt am Ende nicht mehr Schaden als Nutzen hat. Blitzsauber sollten die Klingen sein, damit sich über diesen Weg keine Krankheitserreger Zugang zum Pflanzeninneren verschaffen. Fernerhin sollte das Werkzeug ausreichend scharf sein, denn zerfranste Schnittwunden sind für Schädlinge eine willkommene Angriffsfläche. Nicht zuletzt sollte die Auswahl des Gerätes darauf Rücksicht nehmen, wie dick zu schneidenden Äste sind. In die engere Wahl kommen folgende Schneidwerkzeuge:
  • Rosenschere für junge Bäume und dünne Zweige
  • Astschere für ältere Bäume und stärkere Triebe
  • Handsäge für alle Äste, an denen Rosen- und Astschere nicht ausreichen
Olivenbaum - Olea europaeaReinigen Sie die Klingen vor dem ersten Einsatz bitte gründlich mit Spiritus. Sofern Sie kranke oder mit Schädlingen befallene Triebe entfernen, wiederholen Sie die Säuberung nach jedem einzelnen Schnitt. Mit einem einfachen Schleifstein halten Sie die Schneidblätter genügend scharf. Das hinterlässt nicht nur glatte Schnittwunden, sondern reduziert überdies den Kraftaufwand.

Anleitung für den Erziehungsschnitt

Wo am Standort nicht die idealen Licht- und Temperaturverhältnisse herrschen, gleicht die Krone nach einiger Zeit einem herausgewachsenen Haarschnitt. Zweige mit ungehindertem Zugang zum Sonnenlicht wachsen stärker, als teilweise beschattete Äste. Wenn es infolge trüber Witterungsbedingungen insgesamt an Licht mangelt, sendet der Olivenbaum auf der Suche nach mehr Sonnenstrahlen lange, schmale Triebe aus. Mit einem sachkundigen Erziehungsschnitt bringen Sie den Olivenbaum wieder in die gewünschte Form. Ungeachtet seines sehr langsamen Wachstums, sprengt das mediterrane Ziergehölz mitunter die zur Verfügung stehenden Platzkapazitäten. In diesem Fall greifen Sie mit einem Erziehungsschnitt regulierend ein. So machen Sie es richtig:

Schnittführung planen

Der Erziehungsschnitt am Olivenbaum stellt eine größere Herausforderung dar, als Sie ihn an einheimischen Obstgehölzen kennen. Wir empfehlen daher, im Vorfeld die Krone von allen Seiten zu fotografieren und die Fotos im großen Format auszudrucken. Planen Sie den genauen Ablauf der Schnittführung, indem Sie den Haupttrieb sowie die Leitäste kennzeichnen. Für eine formschöne Krone verteilen sich die Leittriebe im ausgewogenen Verhältnis um den Stamm und bleiben etwas länger, als deren Seitentriebe.

Schnitt durchführen

Eine detaillierte Planung erleichtert Ihnen die eigentliche Schnittführung ungemein und beugt Schnittfehlern vor. So gelingt der Erziehungsschnitt:
  • Gemäß der Planung zuerst die Leitäste auf die gewünschte Länge einkürzen
  • Daraufhin die Seitentriebe im richtigen Verhältnis zu ihrem jeweiligen Leitast etwas kürzer schneiden
  • Den Haupttrieb in der Spitze erst dann schneiden, wenn kein
    weiteres Höhenwachstum gewünscht ist
  • Alle nach innen gerichteten Zweige auf Astring abschneiden
  • Von sich kreuzenden Trieben den schwächeren entfernen
In der richtigen Reihenfolge führen Sie die größeren Schnitte zuerst aus. Der Feinschnitt reiht sich dahinter ein. Die eigentliche Formgebung der Krone obliegt Ihrer individuellen Entscheidung. Eine runde Krone steht Ihrem Olivenbaum ebenso gut, wie eine dreieckige Form. Nehmen Sie den Erziehungsschnitt zum ersten Mal an dem Ziergehölz vor, fungieren einfache Schablonen aus Pappe als nützliche Orientierungshilfe.

Richten Sie den Umfang des Erziehungsschnitts aus nach der Faustregel: Weniger ist mehr. Schnittfehler und Lücken werden aufgrund der langsamen Wuchsgeschwindigkeit erst nach Jahren nicht mehr ins Auge fallen. Bestehen bei einem Schnitt Zweifel darüber, ob er wirklich erforderlich und richtig ist, schneiden Sie besser nicht.
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Tipp: Das Schnittgut ist viel zu schade für eine achtlose Entsorgung. In jedem nicht blühenden, halb verholzten Kopfsteckling steckt das Potenzial zu einem imposanten Olivenbaum. Setzen Sie zur Hälfte entlaubten Steckling in einen Topf mit Anzuchterde, damit er am hellen, warmen Fensterplatz bewurzeln kann.

Anleitung für den Erhaltungsschnitt

Der Erhaltungsschnitt zielt auf die Gesunderhaltung Ihres Olivenbaumes ab. Im Gegensatz zum Erziehungsschnitt gehört er in jedem Jahr auf das Pflegeprogramm für das Frühjahr. Auf diese Weise bleibt es bei kleineren Eingriffen in das Wachstum, wovon Vitalität und Blühfreudigkeit der Pflanze profitieren. Die folgende Schnittführung hat sich in der Praxis bestens bewährt:
  • Abgestorbene Zweige an der Basis abschneiden
  • Aus dem Stamm unterhalb der Krone austreibende Zweige kappen
  • Zurückgefrorene Äste bis ins gesunde Holz einkürzen
  • Triebe mit offensichtlich krankem Laub restlos entfernen
Beginnen Sie in der Kronenspitze und arbeiten sich nach unten vor. Wird ein Trieb restlos ausgelichtet, setzen Sie die Schere flach an, ohne die Rinde von Stamm oder Leittrieb zu verletzen. Schneiden Sie einen Zweig nur teilweise ab, sollte sich kurz unterhalb der Schnittstelle ein schlafendes, nach außen gerichtetes Auge befinden. Auf diese Weise stellen Sie die weitere Verzweigung sicher.

Fallen Ihnen Wasserschosser ins Auge, sollten diese zeitnah abgeschnitten werden. Dabei handelt es sich um Wildtriebe, die aus der Unterlage sprießen und die Krone überwuchern wollen. Diese wachsen sehr viel zügiger, als die Zweige der veredelten Krone. Schneiden Sie daher jeden Wildtrieb sogleich ab, unabhängig von der Jahreszeit.

Tipp: Bestehen Zweifel, ob ein Trieb tatsächlich abgestorben ist und ausgelichtet wird? Dann bringt ein Vitalitätstest Klarheit. Zu diesem Zweck kratzen Sie mit einem scharfen, sauberen Messer etwas Rinde ab. Erscheint darunter grünes Gewebe, pulsiert noch das Leben im Olivenzweig.

Verjüngungsschnitt nur im Notfall

Erhielt ein Olivenbaum über mehrere Jahre keinen Form- und Erhaltungsschnitt, verkahlt die Krone zusehends. Gleiches gilt, wenn der Baum falsch überwintert wird oder sein Wurzelballen unter Staunässe leidet. Am Ende tragen nur noch wenige Triebe an den oberen Enden einige Blätter. Auf Blüten und Früchte hoffen Sie jetzt vergebens. Präsentiert sich das edle Ziergehölz in diesem fatalen Zustand, kann ein radikaler Verjüngungsschnitt die Entsorgung noch verhindern. Da Sie jetzt um einen Schnitt ins alte Holz nicht herumkommen, sind ein langer Geduldsfaden, eine liebevolle Pflege und eine gute Portion Glück für einen erfolgreichen Verlauf erforderlich.

Um einen Olivenbaum zu verjüngen, werden im Winter alle Triebe entfernt, abgesehen vom Haupttrieb sowie 3 bis 4 Leitäste. Aus den Leitästen gedeihen neue Seitentriebe, die über die Lebenskraft verfügen, frische Blätter und Blüten hervorzubringen. Somit schaffen Sie ein neues Grundgerüst, um darauf aufbauend mit regelmäßigem Erziehungs- und Erhaltungsschnitt eine neue Krone zu gestalten.

Pflege-Tipps nach dem Schnitt

Für Ihren Olivenbaum geht jeder Schnitt einher mit einer hohen Stressbelastung. Über den Weg einer umsichtigen Pflege federn Sie die Strapazen wirksam ab. Da sich das Gehölz zu dieser Zeit im Übergang von der Winterruhe in die neue Saison befindet, fördern Sie mit einem Dünger das Wachstum. Im Kübel eignet sich die Gabe von Flüssigdünger für Oliven oder mediterrane Pflanzen. Ausgepflanzte Olivenbäume sprechen auf organischen Dünger, wie Kompost, Guano, Rindenhumus oder Hornspäne gut an.

Schalten Sie zwischen dem Erziehungs- und Erhaltungsschnitt eine Phase der Regeneration, indem Sie einen Olivenbaum im Kübel für 8 bis 10 Tage an einen halbschattigen, warmen Standort aufstellen. Ein abrupter Wechsel vom Winterquartier in die volle Sonne könnte Blattschäden verursachen.

Fazit
Ein Olivenbaum ist schnittverträglicher, als seine urwüchsige Gestalt vermuten lässt. Folgen Sie den Hinweisen dieser Anleitung, nehmen Sie mit einem regelmäßigen Rückschnitt positiven Einfluss auf Vitalität und Blühfreudigkeit. Der sachkundige Erziehungsschnitt zielt ab auf eine harmonische, idealtypische Kronenform, die den besonderen Reiz der mediterranen Charaktergestalt hervorhebt. Eine gute Planung beugt damit Schnittfehlern wirksam vor. Der Erhaltungsschnitt hält den Baum insgesamt jung und gesund, war mit zahlreichen Blättern, Blüten und Oliven belohnt wird. Hierzu wird die Krone gründlich ausgelichtet, falsch ausgerichtete oder zurückgefrorene Zweige entfernt. Bester Zeitpunkt ist Ende Februar oder Anfang März, kurz vor dem frischen Austrieb. Scharfe, desinfizierte Werkzeuge lassen Krankheitserregern und Schädlingen keine Chance. Im Anschluss an den Schnitt darf sich der gestresste Olivenbaum für eine Woche erholen am halbschattigen Standort, gut versorgt mit dem ersten Dünger.