Die Bettwanze (Cimex lectularius) gehört zur Familie der Plattwanzen (Cimicidae) und zur Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera). Auf jeden Fall ist diese Hauswanze, wie sie auch genannt wird, ein mehr als lästiger Parasit, der sich am liebsten dort aufhält, wo es warmes Blut zu saugen gibt. Die Bisse hinterlassen auf der Haut ihre typischen Spuren. Schlafplätze von Warmblütern ziehen diese Spezies magisch an. Der Befall eines Menschen von Bettwanzen wird Cimikose genannt.

Aussehen

Bettwanzen kann man durchaus mit dem bloßen Auge erkennen, sie sind 3 bis 10 mm lang, je nach Alter und ob sie sich gerade frisch vollgesaugt haben. Wenn man sie durch eine Lupe betrachten würde, könnte man noch folgendes entdecken:
  • flacher, rotbrauner Körper
  • verstümmelte Flügel (flugunfähig)
  • 6 haarige Beine (sehr flink)
  • punktförmige Augen (verkümmert)
Die
cremweißen Eier sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, sie sind gerade mal einen Millimeter groß. Die Larven haben bereits fast die Form und Größe einer adulten Wanze, sind aber sehr viel heller.

Lebensweise

Fortpflanzung
Nach der Begattung legt das Bettwanzen Weibchen ein bis zwölf Eier. Jeden Tag. Bettwanzen leben ein halbes bis zu einem Jahr lang. Das Weibchen bringt es im Laufe seiner Lebenszeit ungefähr auf 200 Eier. Die legt sie gut versteckt in Ritzen, Falten und Löchern ab. Nach zwei Wochen schlüpfen die Larven. Das Larvenstadium dauert ca. sechs Wochen. In dieser Zeit häuten sie sich fünf Mal, das heißt sie durchlaufen fünf Entwicklungsstadien.

Bereits als Larve muss sich die Bettwanze in jeder dieser Phasen einmal mit Blut vollsaugen. Vielleicht ist es ganz gut zu wissen: im Larvenstadium überstehen sie Temperaturen unter 15 °C nicht. Die Entwicklung stoppt. Erwachsene Bettwanzen können Temperaturen über 50 °C nicht länger als eine Stunde überleben. Auch Minusgrade überleben sie nicht. Um sie mit frostigen Temperaturen abzutöten braucht es allerdings ein paar Tage.

Lebensräume
Geografisch ist sie fast allgegenwärtig auf unserem Globus. Erst nördlich des 65. Breitengrades wird es den Hauswanzen dann langsam zu kalt. Eine enge Nachbarschaft zum Menschen mit oder ohne tierische Umgebung ist für diesen Parasiten lebensnotwendig.

Bettwanzen sind in der Nacht aktiv und verstecken sich tagsüber in Ritzen. Beliebte Rückzugsorte in der häuslichen Umgebung sind zum Beispiel:
  • Ritzen an und unter Betten oder Matratzen
  • hinter Tapeten
  • hinter Fußleisten, in Bodendielen
Ernährung
BettwanzenbissAlle drei bis fünf Tage benötigen die Bettwanzen frisches Blut. Ihre Nahrungsquellen sind Menschen, Haustiere, Vögel und Fledermäuse. Für eine Mahlzeit, bis sie sich vollgesaugt haben, benötigen sie um die zehn Minuten. Dabei versiebenfacht sie ihr Gewicht. Der Biss wird vom Wirt nicht bemerkt, da sie zuvor eine kleine örtliche Betäubung setzen, ähnlich wie die Mücken. Mit Duftstoffen machen sie sich gegenseitig darauf aufmerksam, wo es etwas zu holen gibt oder wenn Gefahr droht. Im Notfall können sie monatelang ohne Nahrung auskommen. Durch Körperwärme und Kohlenstoffdioxid Ausdünstungen werden sie angelockt.

Spurensuche

Um zur eindeutigen Diagnose "Bettwanzenbefall" zu kommen, benötigt man, wie in der Medizin oder Kriminalistik, immer mehrere Spuren. Eine Spur allein kann in der Regel mehrere Ursachen haben. Zum Beispiel juckende Stiche, kleine Blutspuren auf der Bettwäsche, Kotspuren oder seltsame Gerüche.

Spuren im Haus

Die Wanzen müssen mit ihrem Biss ein Blutgefäß erwischen, um sich erfolgreich vollsaugen zu können. Beim Biss kann es daher zu kleinen Blutflecken auf der Bettwäsche oder Nachtwäsche kommen. Untereinander kommunizieren Bettwanzen hauptsächlich über Gerüche miteinander. Diese Gerüche können sogar wir wahrnehmen. Mit anderen Worten, es stinkt. Der Geruch ist widerlich und süßlich. Kleine schwarze Pünktchen, keinen ganzen Millimeter groß, können ebenfalls Hinweise auf einen Befall mit Bettwanzen geben. Diese Kotspuren findet man gehäuft in den Brutstätten und um ihre Verstecke herum, die sie tagsüber aufsuchen.

Wenn sich die Larven häuten, dann hinterlassen sie ihre durchsichtigen, wanzenförmigen Hüllen. Auch diese findet man meistens im Umkreis ihrer Nester.
Um Spuren wie Kot oder Larvenhüllen zu finden, ist es gut zu wissen, wo man suchen
muss. Die Nähe von Türen und Fenstern, Kälte, Nässe sowie metallische Oberflächen meiden sie. Materialien wie Papier, Holz und Textilien mögen sie dagegen gern. Bei einem Verdacht auf Bettwanzen müssen die Plätze in der Nähe von Betten, Sofas und Haustierschlafplätzen gründlich untersucht werden:
  • Bettgestell, unterm Bett, Bettkästen
  • Ritzen von Matratzen und Lattenrosten
  • Nachttisch, Schränkchen (besonders Schubladen)
  • Steckdosen, Lichtschalter, Deckenlampen
  • Risse, Fugen und Löcher in Wänden, Decken und Fußböden
  • Decken, Bettwäsche, Kissen und Teppiche
  • Ritzen vom Sofa, von Sesseln
  • Bilderrahmen, Bücher
  • Vogelkäfige, Nagetierkäfige
  • Schlafplätze von Katzen und Hunden
Tipp: Bettwanzen gehen auch gern auf Reisen. In Flugzeugen, Zügen und Reisebussen halten sie sich ebenso gern auf, wie in Rücksäcken und in ungewaschener Wäsche.

Spuren auf der Haut

Meistens entdeckt man morgens gerötete, juckende Stiche oder Schwellungen. Natürlich können dafür auch Mücken oder Katzenflöhe verantwortlich sein. Also heißt es, genauer hinsehen und dabei auch die anderen Spuren in die Diagnosefindung mit einbeziehen.
Bettwanzen-Biss
Stiche, Bisse
Da die Wanzen nicht immer gleich auf ein Blutgefäß stoßen, entdeckt man meistens mehrere Stiche nebeneinander (Wanzenstraßen) oder in einer Gruppierung. Auch Hunde- und Katzenflöhe hinterlassen juckende Stiche, meistens drei oder vier in einer Reihe oder Gruppierung. Allerdings sind sie in der Regel begrenzter punktförmig. Hineingebissen wird in alle freiliegenden Körperteile, Arme, Beine, Kopf, Gesicht und Nackenbereich. Stellen wie Achselhöhlen und Kniekehlen mögen sie dagegen gar nicht. Wie die Stiche genau am nächsten Morgen aussehen, das ist individuell sehr unterschiedlich. Während es bei einigen Menschen zu dicken Schwellungen kommt, werden die Bisse von anderen kaum wahrgenommen. Man schätzt, dass 20% der Menschen es noch nicht einmal bemerken.

Die Bisse schmerzen nicht. Die Wanzen verpassen ihren Menschen mit jedem Biss eine regelrechte Injektion mit diversen medizinisch wirksamen Substanzen: Da gibt es was für die örtliche Betäubung (Anästhetikum), etwas gegen eine zu schnelle Blutgerinnung (Antikoagulans), etwas Blutverdünner (Hämolytikum) sowie einige aktive Eiweißverbindungen, die das kleine Gefäß weit stellt, damit das Blut ordentlich fließen kann. Bisher wurde noch keine spezielle Infektion, die durch Bettwanzen verursacht ist gefunden. Obwohl die Wanze während ihrer Nahrungsaufnahme massenhaft Erreger und Substanzen ins Blut abgibt.

Medizinisch gesehen
In der Medizin spricht man von einer mehrfach gruppierten Urticae (rötliche, erhabene Hautveränderung) durch einen Biss von der Bettwanze. Die Ausprägungen können von Mensch zu Mensch sehr stark variieren. Eine eindeutig Diagnose Cimikose (Bettwanzenbisse) zu stellen ist allein anhand der Symptome schwierig:
  • im Zentrum einer Quaddel ein winziger blutiger Punkt
  • kleine Bläschen können sich bilden
  • stark juckende Papeln über mehrere Tage
  • dadurch sind lokale Infektionen und Superinfektionen möglich
  • in ganz schweren Fällen: Blutarmut, anaphylaktische Reaktionen
Die Symptome sind in jedem Fall sehr unspezifisch. Rein vom äußeren Erscheinungsbild ist es manchmal sogar schwer, die Bissspuren von Krankheiten, wie Urtikaria oder Windpocken zu unterscheiden. Selbst im Labor ähneln sich Ergebnisse der Untersuchungen unterschiedlicher Insektenstiche (Wanzen, Läuse, Flöhe, Mücken) sehr stark.

Tipp: Weniger empfindliche Menschen, die schon mehrfach gestochen wurden, entwickeln in der Regel eine Toleranz gegen die Stiche. Sie sind kaum noch wahrzunehmen. Kleine Blutspuren auf dem Bettzeug könnten dann die einzigen Hinweise sein.

Fazit
Bevor es zu einer Panik wegen Bettwanzen kommt, am besten erst einmal gründlich auf Spurensuche gehen, um den Verdacht zu bestätigen oder zu widerlegen. Allerdings sollte man sich damit auch nicht all zu lange Zeit lassen. Denn je kleiner die Population ist, desto leichter lässt sich noch dagegen ankämpfen. Wenn es bereits anfängt zu stinken, ist der Befall auf jeden Fall schon weit fortgeschritten und man wird kaum umhinkommen, sich professionelle Hilfe zur Bekämpfung zu holen.