Baumpilze sind keinesfalls immer so harmlos, wie der äußere Anschein vermuten lässt. Viele der zahlreichen Sorten können das Leben des Baumes ernsthaft bedrohen. Wenn sich der Fruchtkörper am Stamm zeigt, hat das Pilzgeflecht im Inneren des Stammes bereits jahrelang am Holz nagt. Ist es für Rettungsmaßnahmen zu spät? Oder kann der Pilz vertrieben werden, solange der Baum noch lebt?

Bedeutung und Vorkommen von Baumpilzen

Baumpilze sind für das Ökosystem der Erde sehr wichtig und daher überall in der Natur anzutreffen. Unzählige Arten helfen dabei, totes Holz zu zersetzen und so neues Baumaterial zu liefern. Sie räumen sozusagen auf und tragen dadurch zur Erhaltung des Lebenskreislaufs bei.
  • Verbreitung erfolgt über zahlreiche Pilzsporen
  • diese werden vom sichtbaren Fruchtkörper ausgestreut
  • das Myzel (Pilzgeflecht) wächst jahrelang im Verborgenen
Das Problem mit Baumpilzen ist, dass sich einige Arten auch über
einen lebenden Baum hermachen und ihr gesundes Holz ebenfalls, wenn auch langsam, zersetzen. Dabei machen sie auch nicht vor Bäumen halt, die in unseren privaten Gärten stehen.

Weißfäule, Braunfäule und Moderfäule

Die Pilzarten unterscheiden sich in ihrem Abbauverhalten und werden grob in drei Gruppen eingeteilt:

Weißfäule
Bei der Weißfäule wird das Holzbestandteil Lignin zersetzt. Das Holz wird heller, weicher und faserig. Es quellt auf und nimmt dadurch an Volumen zu.

Braunfäule
Bei der Braunfäule dagegen wird Zellulose zersetzt, was beim Holz zu braunen Verfärbungen führt. Erst zerbricht es in Stücke und zerfällt später gänzlich zu Staub.

Moderfäule
Moderfäule zersetzt auch sehr nasses Holz und zeigt sich dabei ähnlich wie die Braunfäule.

Baumpilze sind artenreich

Während sich das Pilzgeflecht im Holz ausbreitet und sein Werk zielstrebig verrichtet, bleibt es für unsere Augen verborgen. Von der Ansteckung des Baumes bis zum ersten sichtbaren Zeichen, dem Fruchtkörper, können Jahre vergehen. Er verrät auch, welcher Pilz sich im Holz befindet. Da die artenreiche Familie der Baumpilze mehr als 1000 Arten zählt, wird ein Hobbygärtner selten auf Anhieb die Pilzart erkennen.

Farbenfroher Fruchtkörper als Hinweis

Austernseitling - Pleurotus ostreatusDie Fruchtkörper von Baumpilzen sind meist farbenfroh und interessant geformt. Oft sind sie auch so groß, dass sie kaum zu übersehen sind. Wenn ein Obstbaum im Garten einen solchen Fruchtkörper am Baumstamm zeigt, hilft sein Aussehen, die Pilzart zu identifizieren. Es können diverse Bilddatenbanken im Internet durchforstet werden, um eine Übereinstimmung mit dem heimischen Exemplar zu entdecken. Da einige Pilzarten häufiger vorkommen, macht es aber auch Sinn, diese zuerst in Betracht zu ziehen:
  • Austernseitling
  • Hallimasch, auch Honigpilz genannt
  • Schwefelporling
  • Rotrandiger Baumschwamm
  • Zunderschwamm

Wann der Pilz zuschlägt

Lebende Bäume werden nicht zwangsläufig durch Kontakt mit Pilzsporen infiziert. Ein gesunder Baum ist gegen eine derartige Bedrohung gut geschützt. Anders sieht es mit schwächelnden oder kranken Bäumen aus. Wenn den Sporen zusätzlich eine offene Eintrittspforte geboten wird, sind die Bedingungen für eine Pilzbesiedlung optimal.

Leben mit dem Baumpilz

Wenn der Baumbesitzer den Fruchtkörper entdeckt und den Pilz dadurch eindeutig identifiziert hat, sind ihm die Hände dennoch weitestgehend gebunden. Wenn der Fruchtkörper entfernt wird, hilft das dem befallenen Baum herzlich wenig, denn das Pilzgeflecht im Inneren bewirkt die Schäden. Eine wirksame Bekämpfung des Pilzgeflechts ist aber aus zwei Gründen nicht möglich, auch wenn gewiefte
Fungizid Anbieter das gelegentlich behaupten.
  • das Pilzgeflecht ist im Inneren schwer zugänglich
  • es hat sich schon jahrelang das Holz irreversibel geschädigt
Wie der Pilzbefall voranschreitet und welche Auswirkungen das auf den Baum hat, ist auch abhängig von der Pilzart. Die Tatsache jedoch, dass ein Baum noch jahrelang mit einem Baumpilz weiter leben kann, bringt ein wenig Trost. Obstbäume können sogar weiterhin schmackhafte Früchte bilden. Der Baum hat noch ein Leben vor sich, wenn auch ein gestörtes bzw. kürzeres.

Sinvolle Maßnahmen

Während sich das Leben eines befallenen Baumes mit langsamen Schritten dem Ende neigt, muss dem nicht nur tatenlos zugesehen werden. Wenn sich der Fruchtkörper beispielsweise an einem Seitenast zeigt, kann eine Schnittmaßnahme dem Leben des Baumes ein paar Jahre zufügen.
  • betroffenen Ast großzügig entfernen
  • bis ins gesunde Holz schneiden
  • abgeschnittene Baumteile entsorgen oder verbrennen
Mit dem Entfernen des Astes können Sie einen Großteil des Pilzgeflechtes bekämpfen. Damit wird der Befallsdruck deutlich gemildert.
Tipp: Schnittwerkzeug vor und nach dem Schneiden gründlich desinfizieren, damit es nicht zu weiteren Übertragungen kommen kann.

Ausbreitung verhindern

Pilzbefall am BaumstammDas Entfernen des Fruchtkörpers hilft zwar nicht dem befallenen Baum selbst, es kann aber dazu beitragen, andere Bäume im Garten zu schützen. Im Fruchtkörper reifen die Sporen, die das Potenzial für neue Baumpilze in sich tragen.
  • Fruchtkörper entfernen
  • sofort nach der Entdeckung
  • noch bevor die Sporen reif werden
Tipp: Der Fruchtkörper gehört nicht auf den Komposthaufen, sondern im Restmüll. Für den Fall, dass sich in ihm ausgereifte Sporen befinden, können sie so nicht gefährlich werden.

Vorbeugen ist der beste Schutz

Wenn Sie an einem Baumstamm einen Baumpilz entdecken, ist es für diesen Baum zu spät, denn Sie können den Pilzbefall nicht wirksam bekämpfen. Was Sie jedoch tun können, ist, die noch gesunden Bäume zu schützen. Das geschieht dadurch, dass Sie diese durch artgerechte Lebensbedingungen gesund und widerstandsfähig halten.
  • regelmäßig auf Krankheiten und Schädlinge kontrollieren
  • diese zeitig mit geeigneten Maßnahmen bekämpfen
  • ggf. robuste bzw. resistente Sorten anbauen
Achten Sie bereits bei der Pflanzung auf den optimalen Standort, an dem der Baum artgerecht gedeihen kann. Erkundigen Sie sich über seine Pflegebedürfnisse, damit er Jahr für Jahr bestmöglich versorgt werden kann.

Vorsicht bei Schnittmaßnahmen

Oft ist Schneiden bei Obstbäumen nicht zu vermeiden, sei es für einen besseren Kronenaufbau, für die Förderung der Fruchtbildung oder als Maßnahme bei diversen Krankheiten. Doch jede Schnittmaßnahme hinterlässt auch offene Schnittstellen, durch die Pilzsporen ungehindert in das Innere des Baumes gelangen können.
  • nur schneiden, wenn es unbedingt sein muss
  • über geeignete Schnitttechniken informieren
  • scharfes und desinfiziertes Schnittwerkzeug verwenden
  • Schnittflächen möglichst klein halten
  • an trockenen Tagen schneiden
  • ggf. Schnittflächen "fachgerecht" versiegeln
Nicht nur das Schneiden mit der Astschere hinterlässt offene Wunden, auch das Rasenmähen kann zu Verletzungen am Baumstamm führen, durch welche dann Pilzsporen eindringen können. Achten Sie auch bei Umgrabungsarbeiten darauf, Wurzeln nicht zu beschädigen.

Standfestigkeit prüfen

Je länger das Myzel am Baumstamm nagt, umso schneller verliert der Baum an Stabilität. Ein morscher Baum
kann allerdings leicht umfallen und dabei gravierende Schäden anrichten. Ja, er kann sogar dabei Menschen und Tiere verletzen. Wie es aber mit der Standfestigkeit eines Baumes bestellt ist, ist ihm von außen nicht unbedingt anzusehen.
  • ggf. einen Baumgutachter oder im Baumkontrolleur beauftragen
  • notwendige Untersuchungen werden durchgeführt
  • die Standfestigkeit wir so fundiert ermittelt
Stockschwämmchen besiedeln BaumstammEin Baumgutachter kostet zwar Geld, doch die Ausgabe kann sich lohnen. Der Schaden, der bei einem Baumumsturz entsteht, kann sich auf ein Vielfaches davon belaufen. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Baum nah an Gebäuden steht.

Baum fällen und roden

Wenn ein Baum im Garten durch einen langjährigen Pilzbefall schon derartig geschädigt ist, dass er nicht mehr über ausreichend Stabilität verfügt, muss er gefällt werden. Dabei ist es ist auch sinnvoll, gleich die Wurzeln aus dem Erdreich zu entfernen.
  • nicht alle Bäume dürfen eigenmächtig gefällt werden
  • bei manchen Exemplaren ist behördliche Genehmigung notwendig
  • bei der Gemeindeverwaltung nachfragen
Keine Sorge, bei einem morschen Baum, von dem Gefahr ausgeht, wird die Genehmigung problemlos erteilt.

Bis zur "letzten Holzzelle" in Ruhe sterben lassen

Wenn ein erkrankter Baum keine Gefahr darstellt, darf er im Garten verbleiben, bis der letzte Rest durch die Natur zum Verschwinden gebracht wird. Wenn Sie sich mit einem morschen Baumstamm anfreunden können, dann lassen Sie ihn da, wo er ist. Zahlreiche Kleinstlebewesen werden ihn lieben und darin Unterschlupf oder Nahrung finden.
  • ggf. als gestalterisches Element betrachten
  • zum Beispiel mit rankenden Pflanzen begrünen
  • auch blühende Kletterpflanzen, die schnell wachsen, sind ideal