Der Kohlweißling ist einer der am weitesten verbreiteten Tagfalter und ein nicht zu unterschätzender Gemüseschädling. Nahezu alle Kohlarten dienen ihren Raupen als Wirtspflanze. Hier können sie in kürzester Zeit große Schäden anrichten. Das wiederum kann enorme Ernteausfälle zur Folge haben. Umso wichtiger ist es, schon bei den ersten Anzeichen mit der Bekämpfung zu beginnen und einem erneuten Befall vorzubeugen.

Kohlweißling erkennen

Zu Schäden durch den Kohlweißling aus der Familie der Weißlinge kann es in der Zeit von Mai bis August kommen. Der weißlich-gelbe, große Kohlweißling (Pieris brassicae) legt seine Eier in Gelegen von bis zu 20 Stück ab. Die daraus schlüpfenden Raupen werden bis zu fünf Zentimeter lang, sind gelbgrün und schwarz gefleckt. Im Gegensatz dazu legt der etwas gelblichere, kleine Kohlweißling (Pieris rapae) seine Eier einzeln ab. Seine Raupen sind hellgrün und etwa 3,5 cm lang. Der beste Schutz vor diesem Schädling ist die Verbeugung. Ist es dafür bereits zu spät, sollte man spätestens dann aktiv werden, wenn die weißen Falter durch den Garten schwirren, denn dann dauert es in der Regel nicht mehr lange, bis es auf den Kohlpflanzen von Raupen nur so wimmelt und die ersten Fraßschäden sichtbar
werden.

Schadbilder bei einem Befall

Der große Kohlweißling legt seine Eier auf den Blattunterseiten kreuzblütiger Wildpflanzen ab, an denen die Raupen dann 3-4 Wochen fressen, bevor sie sich schließlich verpuppen. Von Bedeutung sind aber vor allem die Falter der zweiten Generation, die ihre Eier unter den Blättern der Kohlpflanzen oder der Kapuzinerkresse ablegen und dort die typischen Fraßschäden verursachen. Dagegen ist das Spektrum an Wirtspflanzen beim kleinen Kohlweißling wesentlich größer. Dazu zählen neben Kohlpflanzen und anderen Kreuzblütlern auch Kapern-, Kapuzinerkresse- und Fuchsschwanzgewächse. Dabei beschränken sich die Raupen des Kleinen Kohlweißlings nicht nur auf die Blätter, sondern fressen sich teilweise bis in die Herzen der Kohlpflanzen vor. Die größten Schäden treten in der Regel im Juli auf. Ist es für präventive Maßnahmen zu spät, sollte man mit der Bekämpfung unbedingt so früh wie möglich, also bereits bei den ersten Anzeichen für einen Befall beginnen.

Hausmittel zur Bekämpfung

Eine Bekämpfung mit Hausmitteln kann vor allem dann Erfolg versprechend sein, wenn sich die Raupen dieses Schädlings noch nicht bis ins Innere der Pflanzen durchgefressen haben. Falls doch, kann man betroffene Gemüsepflanzen meist nur noch entsorgen.

Absammeln

KohlweißlingDie einfachste Methode ist sicherlich das Absammeln der Raupen. Das macht allerdings nur bei einem anfänglichen Befall bzw. vereinzeltem Auftreten von Schädlingen Sinn, und bevor sich die Kohlherzen ausgebildet haben. Je länger man die Raupen gewähren lässt, desto größer sind die Fraßschäden. Dabei sollte man etwa ab Juni/Juli nach den Eiern dieses Falters Ausschau halten, die in der Regel unter den Blättern abgelegt sind und dann kontinuierlich nach den geschlüpften Raupen. Die Eier lassen sich leicht mit den Fingern zerdrücken. Mit Handschuhen ist das Ganze nicht ganz so unangenehm. Oder man bürstet sie mit Handfeger und Kehrblech ab.

Tipp: Wem das Absammeln mit den Händen zu aufwendig oder eklig ist, der kann sich gegebenenfalls einen Spezialsauger für derartige Tätigkeiten ausleihen. Gelegentlich werden sie in gut sortierten Gärtnereien als Leihgabe angeboten.

Tabak-Asche und Steinmehl

Reicht es nicht aus, die Raupen abzusammeln, kann man versuchen, sie mit Tabakasche oder Steinmehl zu vertreiben bzw. fernzuhalten. Dazu befeuchtet man zunächst die Pflanzen mit der Gießkanne oder dem Gartenschlauch, damit die Asche darauf haften bleibt. Dann stäubt man sie mit Tabakasche ein. Alternativ zu Tabakasche kann man sie auch eine hauchdünne Schicht Steinmehl über den Pflanzen verteilen.

Tipp: Auf ölhaltige Mittel sollte man möglichst verzichten, denn sie können den Pflanzen eher schaden als nutzen.

Pflanzenbrühen aus Rainfarn und Wermut

Eine andere, sehr sanfte Möglichkeit, den Kohlweißling und seine Raupen zu bekämpfen, bieten Pflanzenbrühen aus Rainfarn und Wermut. Wirksam gegen den Kohlweißling sind hier vor allem die intensiven Geruchsstoffe beider Gewächse sowie die Bitterstoffe des Rainfarns.
  • Verwendet werden Blüten, Blätter und Stiele
  • Beste Zeit zum Sammeln ist von Juli bis August
  • Zum Herstellen einer Brühe, frisches und getrocknetes Kraut geeignet
  • Benötigt werden 300-500 g frisches oder 30 g getrocknetes Kraut und 10 Liter Wasser
  • Zunächst das Kraut für etwa 24 Stunden in Wasser einweichen
  • Vorzugsweise Regenwasser verwenden
  • Danach das Ganze ca. 20-30 Minuten lang kochen
  • Bitterstoffe und ätherische Öle können sich so aus den
    Pflanzen herauslösen
  • Anschließend die Masse abkühlen lassen
  • Nach dem Abkühlen durch ein Sieb gießen
  • Fertige Rainfarnbrühe während der Flugzeit des Kohlweißlings ausbringen
  • Unverdünnt auf den Boden um die Pflanzen herum, und die Wurzelhälse spritzen
Wermutbrühe spritzt man im Juni und Juli im Verhältnis 1:3 (1 Teil Wermutbrühe, 3 Teile Wasser) direkt auf die Kohlpflanzen und den Boden. Wer Wermut zum Zwecke der Schädlingsbekämpfung selbst im Garten anbauen möchte, sollte das aufgrund des ungünstigen Einflusses auf benachbarte Pflanzen aber auch auf Regenwürmer und andere Nützlinge, immer an einer gesonderten, abgelegenen Stelle des Gartens tun. Aus demselben Grund sollte Wermut auch nicht auf dem Kompost entsorgt werden.

Tipp: Brennnesselbrühe ist für vieles gut, aber gegen den Kohlweißling in der Regel eher kontraproduktiv denn sie lockt Schmetterlinge an, so auch den Falter des Kohlweißlings.

Kaltwasserauszüge aus Tomatenblättern

Ein aus den Geiztrieben (unfruchtbare Seitentriebe) von Tomaten hergestellter Kaltwasserauszug kann zur Bekämpfung des Kohlweißlings bzw. dessen Vertreibung eingesetzt werden. Auch hier beruht die Wirkung auf dem starken Geruch, der die Schädlinge verwirren bzw. abschrecken soll.
  • Kaltwasserauszuges aus frischem Pflanzenmaterial herstellen
  • Dazu etwa 1 kg frische Tomatenblätter oder Geiztriebe in 10 Liter Wasser einweichen
  • Das Ganze 1-2 Tage stehen lassen
  • Anschließend abseihen und in verschließbaren Gefäßen lagern
  • Mischung sollte auf keinen Fall gären
  • Den fertigen, unverdünnten Sud kurz vor und während der Flugzeit einsetzen
  • Pflanzen vorzugsweise bei bedecktem Wetter einsprühen
KohlweißlingAlternativ zu einem Kaltwasserauszug aus Tomatenblättern kann man Blätter und/oder Triebe von Tomaten auch einfach nur unter den Kohlpflanzen auf dem Boden ausbreiten. Allerdings müssen in regelmäßigen Abständen immer wieder neue nachgelegt werden. Die vertrockneten Pflanzenteile können getrost auf dem Boden liegen bleiben, und so als Mulch und Nährstofflieferant dienen.

Natürliche Fressfeinde

Wie die meisten Schädlinge hat auch der Kohlweißling natürliche Fressfeinde, mit denen man sowohl den Falter selbst als auch seine Raupen bekämpfen kann. Neben Vögeln gibt es eine bestimmte Schlupfwespenart, die sogenannte Kohlweißling-Schlupfwespe.
  • Kohlweißling-Schlupfwespe ist eigentlich eine Brackwespe (Cotesia glomerata)
  • Brackwespen sind nur 0,3 cm groß
  • Ersten drei Larvenstadien parasitieren verschiedene Schmetterlingsraupen
  • Darunter auch die des Großen Kohlweißling
  • Brackwespenweibchen legen bis zu 150 Eier pro Raupe
  • Entwicklung der Larven vollzieht sich im Innern der Raupen des Kohlweißlings
  • Brechen kurz vor Verpuppung durch die Haut ihrer Wirtsraupen
  • Das tötet die Raupen des Kohlweißlings ab
Neben dem Einsatz von Brackwespen kann man mittels eines Insektenhotels weitere nützliche Insekten in den heimischen Garten locken und so neben Kohlpflanzen auch viele andere Nutz- und Zierpflanzen vor Schädlingen schützen. Neben der Unterstützung bei der Schädlingsbekämpfung kann man mit einem Insektenhotel wichtige Helfer zur Bestäubung von Gemüse-, Obst- und Beerengehölzen anlocken. Darüber hinaus ist es sinnvoll auch für andere Fressfeine wie z.B. Raub- und Laufkäfer entsprechende Unterschlupfmöglichkeiten zu schaffen. Diese Käfer nutzen sehr gerne Verstecke wie Stein-, Laub- und Totholzhaufen, Baumstümpfe, feuchte Bereiche unter Bodendeckerpflanzen oder mit Moos.

Tipp: Auch Spitzmäuse, Maulwürfe, Igel und Hühner vertilgen die Raupen des Kohlweißlings mit Vorliebe.

Wirksam vorbeugen

Der beste Schutz vor dem Kohlweißling und vor allem seinen gefräßigen Raupen ist die Vorbeugung. Dabei geht es vor allem darum, die Falter an der Eiablage zu hindern. Am besten kann man das mit Kulturschutznetzen und abgestimmten Mischkulturen umsetzen.

Kulturschutznetze

Kulturschutznetze oder entsprechende Vliese bieten einen einfachen, kostengünstigen und effektiven Schutz vor einer Vielzahl von Schädlingen, wie z.B. der Gemüsefliege, der Kohlfliege, dem Kartoffelkäfer, der Gallmücke und verschiedenen Schadschmetterlingen wie dem großen und kleinen Kohlweißling. Zudem bieten sie Schutz vor Vogelfraß.
  • Verwendete Netze sollten feinmaschig (maximal 2 mm) und intakt sein
  • Sollten frühzeitig ausgebracht bzw. über Gemüsebeete gespannt werden
  • Frühzeitig bedeutet, direkt nach der Aussaat oder der Pflanzung
  • Zeitpunkt zum Ausbringen etwa ab April
  • Schlupflöcher für Schädlinge unbedingt vermeiden
  • Netzränder ringsum in die Erde eingraben
  • Zusätzlich
    noch mit Steinen beschweren
KohlweißlingDes Weiteren sollten die Netze während der kompletten Kulturdauer auf den Beeten liegen bleiben und auf ausreichend Volumen geachtet werden, denn die Kohlpflanzen wachsen in die Höhe. Werden sehr engmaschige Netze oder sogar Vlies verwendet, sollten diese insbesondere im Sommer bei großer Hitzeeinwirkung regelmäßig geöffnet und belüftet werden, um eine Überhitzung der Gemüsepflanzen zu vermeiden. Um die Wirksamkeit dieser Netze noch zu erhöhen, sollte man gleichzeitig die Fruchtfolge beachten und Mischkulturen anbauen.

Tipp: Auch wenn Kulturschutznetze den Falter des Kohlweißlings relativ gut fernhalten können, sind sie kein Allheilmittel gegen diesen oder andere Schädlinge. Eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen ist dennoch unerlässlich.

Fruchtfolge einhalten

Die Einhaltung der Fruchtfolge ist die Basis für gesundes, schädlingsfreies Gemüse und eine üppige Ernte. Fruchtfolge einhalten heißt, dass man dieselben Gemüsearten nicht Jahr für Jahr immer wieder am selben Standort anbaut. Anderenfalls erhöht das die Gefahr eines Schädlingsbefalls. So sollten Kreuzblütler wie z.B. Blumenkohl, Grünkohl und Kohlrabi, frühestens nach vier Jahren wieder auf demselben Beet angebaut werden. Das gilt auch für eine Gründüngung mit Kreuzblütlern auch das sollte vermeiden werden. Gute Vorfrüchte für Kohl sind z.B. Bohnen, Erbsen, Zuckermais, Sellerie und Roggen. Dabei ist der Kohl selbst eine eher schlechte Vorfrucht.

Mischkulturen anbauen

Für Mischkulturen gibt es viele gute Gründe. Einer davon ist der Schutz vor dem Kohlweißling oder zumindest eine Befallsminderung. Insbesondere zum Schutz vor diesem Schadschmetterling und seinen Raupen sind Mischkulturen mit stark riechenden Pflanzen empfehlenswert. Dazu gehören Sellerie, Tomaten, Zwiebeln, Holunder, Saubohnen, Porree, Borretsch, Salat, Spinat, Tagetes, Liguster, Kapuzinerkresse sowie Kamille, Basilikum, Koriander, Rainfarn, Beifuß, Rosmarin, Salbei und Thymian. Die natürliche Abwehr dieser Gewächse gegenüber dem Kohlweißling beruht auf den enthaltenen Senfölen.

Tipp: Neben Fruchtfolge und Mischkultur sollte grundsätzlich nicht zu viel und vor allem nicht zu stickstoffbetont gedüngt werden. Der Allrounder Brennnesseljauche ist hier als Dünger komplett ungeeignet denn er lockt diesen Schädling an.