
Die Beigabe von Xylit zu Blumenerde etc. ist insbesondere aus ökologischer Sicht umstritten.
Neue Entdeckungen für den Einsatz im Garten werden immer mit Spannung aufgenommen, vor allem wenn es sich um Substanzen handelt, die die Pflanzenentwicklung fördern. Zu diesen neuen Substanzen gehört Xylit, das momentan viel von sich reden macht. Auch ich war neugierig: Was ist Xylit, und wie kann man es mit welchem Nutzen verwenden?
- (1) Xylit ist nach dem griechischen xylon, Holz, benannt, es entsteht auch u. a. aus Holz: Xylit ist nicht vollständig inkohltes Holz oder Pflanzenmaterial, teilweise sind noch sehr deutlich Holzstrukturen im frisch abgebauten Xylit erkennbar. Inkohlung nennt man den Prozess, der frisches Pflanzenmaterial erst zu Torf, dann zu Xylit, Braunkohle, Steinkohle, Anthrazit und eventuell Graphit werden lässt. Bis die Stufe erreicht ist, in dem das Material zu Xylit wird (auch Lignit oder Schieferkohle genannt), dauert es etwa 10 Millionen Jahre.
- (2) Die dunkelbraune Substanz wird im Tagebau gewonnen, wo Xylit z. B. in rheinländischen Braunkohlelagerstätten in stark zersplitterter Form, als kompakter, platter Stängel oder brockiger Balken mit abgebaut wird und während des Aufbereitungsprozesses von der Kohle getrennt wird.
- (3) Xylit wurde schon zum Heizen eingesetzt, sein Nutzwert im Wärmekraftwerk ist aber gering, die Förderung meist nicht rentabel. Außerdem wird bei der Verbrennung von Lignit viel CO2 freigesetzt, und es entsteht Schwefeldioxid, das mitverantwortlich für den Sauren Regen ist. Das Heizen mit Schieferkohle ist also unter Umweltgesichtspunkten nicht sehr empfehlenswert.
- (4) Ein neuer Einsatz ist die Verölung, durch die aus einer Tonne Lignit ca. 350 kg Kohlenstoffpaste und ungefähr 250 Liter Dieselöl hergestellt werden können. Das hierbei eingesetzte Verfahren der katalytischen drucklosen Verölung gilt als geeignet zur Produktion alternativer Brennstoffe der zweiten Generation, sofern Abfälle oder Biomasse als Ausgangsstoff eingesetzt werden.
- (5) Außerdem wird das Material als Zuschlagstoff für Blumenerde und andere Pflanzensubstrate für den professionellen Gartenbau aufbereitet. Es hat natürlich ähnliche Eigenschaften wie Torf, da dieser eine frühere Entwicklungsstufe dieses Materials ist. Die verfügbaren Nährstoffgehalte sind gering, der pH-Wert liegt wir bei Torf im leicht sauren Bereich. Seine Fähigkeit, Wasser zu halten, ist zwar etwas geringer wie die des Torfs, Xylit überzeugt aber durch gute Stabilität seiner Struktur. Ein Vorteil ist auch, dass in Xylit keinerlei austriebsfähige Pflanzenteile enthalten sind, die sich als Unkräuter bemerkbar machen. Damit kann Xylit in torffreien Erden gut eingesetzt werden.
- (6) Viele Verbraucher achten heute auf torffreie Erde, da sie die Zerstörung der Moore durch den Torfabbau ablehnen. Auch wenn abgetorfte Flächen in Deutschland durch Wiedervernässen regeneriert werden und neue Abbauflächen nur unter strengen Auflagen zugelassen werden, kritisieren Naturschützern den Einsatz von Torf im Privatgarten. Hier wird sehr viel Torf verbraucht, der ohne vorherige Neutralisierung und Düngung lediglich die Durchlüftung des Bodens verbessert und sonst die Bodenqualität eher verschlechtert. Dafür sollten keine alten Naturlandschaften zerstört werden, hier können andere Substanzen eingesetzt werden.
- (7) Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland sagt zu Blumenerden mit Xylit, dass der Braunkohleabbau, bei dem Xylit ja gefördert wird, der Natur ähnlich große Schäden wie der Torfabbau zufügt. Deshalb setzt der BUND sich dafür ein, keinen neuen Braunkohletagebau mehr zu beginnen und die vorhandenen Förderstätten schrittweise stillzulegen. Solange aber noch Braunkohle gefördert wird, fällt dabei automatisch Xylit an, dass im Garten erfolgreich als Torfersatz eingesetzt werden kann.
- (8) Es gibt aber noch andere torffreie Erden, zum Beispiel werden heute aus Rinde und Holzabfällen Torfersatzstoffe hergestellt. Sie haben eine ähnliche bodenverbessernde Wirkung wie Torf, tragen aber kaum zur Versauerung des Bodens bei. In vielen Fällen ist auch einfacher Kompost ein gutes naheliegendes Mittel, das zur Bodenverbesserung eingesetzt werden kann. Welche Substanzen einzubringen sind, sollte also für den Einzelfall geprüft werden. Wer genau wissen will, was sein Boden braucht, lässt vor der Verbesserungsmaßnahme eine Bodenprobe analysieren, diese Analyse bieten viele Landwirtschaftskammern günstig an.
- (9) Es gibt noch eine andere Substanz mit dem Namen Xylit, dieses Xylit oder Xylitol ist ein Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff eingesetzt wird (Lebensmittelzusatzstoff mit der E-Nummer 967). Xylit ist der Trivialname, die wissenschaftliche Bezeichnung dieses Stoffes lautet Pentanpentol.
Wirklich eine spannende Substanz, da werde ich beim nächsten Kauf torffreier Erde gut nachlesen, ob Xylit enthalten ist. Ich könnte mir aber auch sehr gut vorstellen, dass sich ein Xylit-Stängel hervorragend für floristische Kunstwerke einsetzen lässt, werde also als Nächstes erkunden, ob man Xylit irgendwo unverarbeitet kaufen kann.
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