Wespennest ausräuchern - Das müssen Sie beachten!

Wespennest ausräuchern - Das müssen Sie beachten!

Das Wespennest im Garten stört auch naturliebende Menschen, wenn es sich sehr nahe an ihren täglichen Wegen befindet. “Räucher es doch einfach aus!”, sagt der nie um einen guten Rat verlegene Nachbar. Ist das so einfach? Darf man das überhaupt?

wespennest3 flAuch Wespen haben ihre Rechte

Nur wenn es einen wirklich triftigen Grund gibt, ein Wespennest zu behelligen, darf diese Aufgabe angegangen werden: Alle Wespen sind durch die Bestimmungen des § 39 Bundesnaturschutzgesetz

geschützt, nach Absatz 1 S. 1 ist es verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzten oder zu töten. Weiter ist es verboten, Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.

Einige Wespenarten, zu denen auch die Hornisse gehört, werden wie die Wildbienen und die Hummeln besonders geschützt. Für sie gilt der strenge Artenschutz nach § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz. Sie dürfen weder gefangen, verletzt oder getötet werden. Sie dürfen ihnen noch nicht einmal nachstellen. Es ist sogar verboten, ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Damit sind die Nester und die Brutstätten, die Behausungen und die Zufluchtsstätten geschützt. Ausnahmen werden hier nur nach eingehender Prüfung durch die zuständige Naturschutzbehörde genehmigt.

Verstöße gegen diese Vorschriften können mit heftigen Bußgeldern bis in den fünfstelligen Bereich geahndet werden, deshalb ist zuerst immer zu fragen, ob das Nest nicht geduldet werden kann. Was ein vernünftiger Grund im Sinne des § 39 Bundesnaturschutzgesetz ist, bestimmt eine gesetzeskonforme Auslegung. Dieser Begriff wurde bereits durch viele höchstrichterliche Entscheidungen näher konkretisiert, fest steht, dass alle Motive, die von finanziellen Überlegungen, Bequemlichkeit, Zeitersparnis oder Unwissen bestimmt sind, keine vernünftigen Gründe darstellen können. Über die Ausnahmen von § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz entscheidet die Naturschutzbehörde, die ihre Genehmigungen sehr restriktiv erteilt und vorher die Frage stellt:

Ist das
Ausräuchern überhaupt notwendig?


Meist fallen die Wespennester erst recht spät im Jahr auf, wenn ein Nest z. B. im September auffällt, dauert es nur noch wenige Wochen, bis das Volk von selbst abstirbt. Das Nest wird nicht wieder besiedelt werden. Dann wird in der Regel keine Ausnahmegenehmigung mehr erteilt, noch nicht einmal der Schutz von Kindern ist immer als Argument geeignet. Denn der Erziehungsauftrag definiert sich durch die unserer Gesellschaft festgelegten Werte, zu denen auch der sogar im Grundgesetz verankerte Tierschutz gehört. Eltern dürfen deshalb nicht einfach alle Naturerscheinungen vernichten, die ihren Kindern gefährlich werden könnten, wenn es einen zumutbaren anderen Weg gibt, die Kinder zu schützen. Wie Eltern eben auch nicht fordern können, dass alle Autos von der Straße verschwinden, weil sie ihre Kinder überfahren könnten. Nur wenn das Nest nachweislich gegen Wespengift allergische Menschen, Kranke, Schwache oder sonst Hilfsbedürftige bedroht, wird die Ausnahmegenehmigung natürlich immer erteilt werden.

wespennest2 flDie Ausnahmegenehmigungen werden deshalb nur zurückhaltend erteilt, weil Wespen in biologischer Hinsicht ausgesprochene Nützlinge sind. Ein Volk tötet in jedem Lebenszyklus eine Unmenge an Schädlingen und verfüttert sie an seine Brut. Das Wespennest in der Nähe wird sich auch bei

Ihnen positiv bemerkbar machen: Sie werden keine Fliegen und Mücken mehr im Umfeld haben, auch alle anderen Wespen werden von “Ihren” Wespen vertrieben.

Wir haben übrigens deshalb mit ungewöhnlich hohen Wespen-Populationen zu kämpfen, weil es in den letzten Jahrzehnten einen wahren Hornissen-Verfolgungswahn gab. Tödliche Giftpotenz wurde den Hornissen angedichtet, übrigens zu unrecht (siehe Artikel “Wespenarten”), unzählige Hornissennester wurden ohne Grund und Überlegung vernichtet. Deshalb sind die Hornissen heute gefährdet - und können ihren naturgegebenen Aufgaben, zu denen auch die Regulation von Wespenpopulationen gehört, nicht mehr in ausreichendem Maße nachkommen.

Wespennest ausräuchern

Wenn Sie nicht sicher sind, um welche Wespenart es sich handelt, ob Sie also eine Ausnahmegenehmigung brauchen, müssen Sie zunächst von einem zugelassenen Schädlingsbekämpfer feststellen lassen, ob die Genehmigung erforderlich ist. Sollte das der Fall sein, wird diese erst eingeholt, handelt es sich um Nester der “Deutschen Wespe” und der “Echten Wespe”, kann der Schädlingsbekämpfer sofort zur Tat schreiten, wenn ein objektiv vernünftiger Grund vorliegt. Dabei geht es zuerst um eine Umsiedlung des Nestes, eine Maßnahme wie Ausräuchern wird nur in Ausnahmefällen in Betracht gezogen.

Keinesfalls sollten Sie versuchen, ein Wespennest selbst auszuräuchern, jeder Laie kann hier so schnell Fehler machen, dass er im Laufe des Ausräucherns wahrscheinlich irgendwann von einem Schwarm ausgesprochen aggressiver Wespen angegriffen wird. Außerdem sind bei entsprechenden Versuchen schon einige Häuser abgebrannt worden.