Wespengift: Zusammensetzung & Immunisierung

Wespengift: Zusammensetzung & Immunisierung

Jeder milde Winter lässt Menschen, die sich vor Insekten fürchten, bereits Schlimmes ahnen: Wespen überall, ein Wespenstich mit vielleicht tödlichen Folgen wird sicherlich nicht zu vermeiden sein. Dabei ist die Gefahr nicht ganz so präsent, wie von insektensensiblen Menschen angenommen wird. Kenntnis über das, was hier vor sich geht, ist wie immer eine Voraussetzung für die angemessene Einordnung der Ängste:

wespen3 flWenn die Wespe sticht

Wenn die Wespe sticht, wird das Gift durch den Giftstachel des Hautflüglers tief in die Haut

eingearbeitet. Denn der Giftstachel ist ein komplizierter Apparat, der sich am Ende aus zwei Stechborsten zusammensetzt, die in schiebenden Bewegungen aus einer Scheide hervorstoßen. Am anderen Ende des Stachels sitzt die Giftblase, aus dem das Insektengift in den Einstich geleitet wird. Der Wespe steht eine kräftige Muskulatur für diese Arbeit zur Verfügung, die ihr im Gegensatz zur Biene auch die Kraft gibt, den Stachel wieder aus der Haut zu ziehen.

Zusammensetzung des Wespengifts

Das Wespengift ist ein guter Mix, der das Ziel hat, Feinde abzuwehren und deshalb einige unangenehme Wirkungen entfaltet. Zunächst sorgen einige Enzyme für eine gute Verteilung des Gifts. Phospholipase A1, Phospholipase und Hyaluronidase machen die Zellwände durchlässig, so kann sich das Gift gut im angrenzenden Gewebe ausbreiten. Noch vier weitere Hilfsstoffe konnten die Forscher entdecken, die die oben genannten Proteine bei der Arbeit unterstützen. Bei diesen Proteinen sind die Substanzen dabei, die den Allergikern am meisten zu schaffen machen, die wichtigsten Allergene tragen die Namen Phospholipase A1, Hyaluronidase und Antigen 5. Peptide sind dafür verantwortlich, dass der Wespenstich schmerzt, außerdem sorgen sie ebenfalls für Verteilung des Giftes und setzten entzündungsfördernde Mediatoren frei. Mit zu den Peptiden gehört das Kinin, das besonders stark schmerzerzeugend wirkt. Abgerundet wird der unheilvolle Cocktail durch eine Reihe von biogenen Aminen, die auch Schmerzen erzeugen, die glatte Muskulatur beeinflussen und für Hautrötung, Juckreiz und die Bildung von Quaddeln sorgen: Histamin, Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und der Neurotransmitter Acetylcholin. Diese Stoffe sind eher für die kurzfristigen Reaktionen verantwortlich, sie werden im Körper sehr schnell wieder abgebaut.

Nicht allergische Körperreaktionen auf Wespengift

Wespengift wirkt zunächst einmal direkt an der Einstichstelle, wo es das Gewebe irritiert und schädigt. Wenn sich die Einstichstelle
längere Zeit nicht beruhigt, ist das meist eine lokale allergische Reaktion. Bei einer solchen allergischen Lokalreaktion empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie noch keine spezifische Immuntherapie.
Weiter können allgemeine körperliche Rektionen auftreten, vor allem Atemwege und Kreislauf betreffend. Außerdem setzt das Insektengift entzündungsfördernde Substanzen frei, die bei geschwächten oder empfindlichen Menschen den allergischen Reaktionen ähnliche Symptome hervorrufen können (Schwellungen oder Kreislaufprobleme zum Beispiel), die aber einfach eine Reaktion auf das Gift sind.

Keine Allergie nach dem ersten Stich

Die allergische Reaktion, die so viele Menschen befürchten, ist nur bei etwa vier Prozent der Gestochenen zu befürchten, zeigt sich aber nicht nach dem ersten Stich. Bei diesem wird die Sensibilisierung eingeleitet, die dann später bei dem gerade angesprochenen geringen Anteil von Menschen in die Allergie mündet.

Wann kann und soll eine Immunisierung erfolgen?
  • Der Gang zum Allergologen ist immer dann angebracht, wenn der Wespenstich eine

    ungewöhnlich starke Hautreaktion auslöst. Das können starke Schwellungen der Stichstelle, Juckreiz, Quaddeln oder Rötungen sein, kurze Zeit nach dem Stich und unter Umständen auch an anderen Stellen am Körper.
  • wespeWenn es sich um den ersten Stich handelt, wird der Allergologe in der Regel nicht viel mehr tun, als die lokale Reaktion zu therapieren (siehe oben die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie). Ist nicht sicher, ob der Körper diesem Insektengift bereits einmal ausgesetzt war, gibt ein Labortest darüber Auskunft, ob im Körper Antikörper vorhanden sind, die dann die Testkonzentration des anschließenden Hauttests vorgeben. Bei diesem Hauttest werden dann verdünnte Lösungen der allergieverursachenden Substanzen auf den Unterarm geträufelt, anschließend ritzt man die Haut an. Aus der Reaktion wird dann auf das Vorliegen einer Allergie geschlossen.
  • Gibt der Befund es vor, wird dann eine Hyposensibilisierung durchgeführt, in der der menschliche Körper dazu gebracht werden soll, die unnötige und überschießende Reaktion, mit der das Immunsystem auf das Allergen antwortet, zu reduzieren. Durch diese Therapie kann meist eine erhebliche Verringerung der Beschwerden erreicht werden, im besten Fall treten überhaupt keine Reaktionen mehr auf.
  • Wer unter Wespenallergie leidet, sollte Wespen auf jeden Fall aus dem Weg gehen, bis er sich so gründlich mit der Wespenabwehr beschäftigt hat, dass er durch sein Verhalten keine Aggressivität der Tiere mehr auslösen wird. Aus dem Weg gehen bedeutet nicht nur die Meidung von Risikogebieten (Wespennestern), sondern auch die Anwendung Insekten abweisender Repellentien und eine generelle Vorsicht (Auto kontrollieren, Insektenfenster in den Wohnräumen anbringen, nicht aus bereits geöffneten Getränkedosen trinken). Natürlich sollte er sich auch damit beschäftigen, wie bei einer Wespenstichallergie Erste Hilfe zu leisten ist, außerdem gibt es ein spezielles Notfallset für Allergiker, das immer mitgeführt werden sollte.