Wilde Möhre (Daucus carota): Steckbrief & Samen

moehre-wilde jgsDie Wilde Möhre gehört zu den Pflanzen, die in unserer Natur häufig vorkommen, jedoch von wenigen Menschen wahrgenommen werden. Dabei würde sich es sich durchaus lohnen, der Wilden Möhre Aufmerksamkeit zukommen zu lassen:

Alltagsgewächs Wilde Möhre

Die Wilde Möhre ist die Vorfahrin unserer Gartenmöhre und ebenso essbar. Nur die Wurzel kann nicht mit hübscher Farbe dienen, sondern ist hell und bleich. Die Urahnin ist durchaus präsent, die Wilde Möhre besiedelt gerne und auch nicht selten Wiesen und Wegränder.

Sie mag einen sonnigen Standort und eigentlich jeden Boden, scheint aber leichte Sandböden oder Kalkböden zu bevorzugen.

Inhaltsstoffe

Die Wilde Möhre enthält im Vergleich zur Kulturmöhre nur wenig Karotin, deshalb hat die Wurzel keine orangefarbene Tönung. Dafür kann sie mit anderen Inhaltsstoffen überzeugen: Sie enthält ätherische Öle, das Polyin Falcarinol und eine ganze Reihe von Vitaminen (Vitamin A, B1, B2 und C).

Samen und Wurzel - ein Gewinn für den Menschen

Der Samen der Wilden Möhren wurde schon in früheren Zeiten viel zu Heilzwecken verwendet, das ist historisch belegt. Meist wurde ein Teeaufguss verabreicht. Die Wirkstoffe wurden zur Entwässerung eingesetzt, sollten harntreibend wirken und Blähungen stillen. Außerdem solle die Arznei die Menstruation anregen, die Wurzel wecke Begierde zum Beischlaf, der Samen verhelfe zur Empfängnis oder wehre diese ab. Samen und Wurzel galten auch als Wurmmittel und sogar als Mittel gegen giftige Tiere, Blätter und Samen sollten gegen Krebsgeschwüre helfen. In der Volksmedizin wurden Möhrensamen sogar gegen einen Kater empfohlen.

Tatsächlich enthält der Samen ätherische Öle in hoher Konzentration, in Untersuchungen der letzten Jahre konnten sich eine Reihe therapeutischer Wirkungen bestätigten. Möhrensamenöl beseitigte im Tierversuch bis zu 30 Prozent aller Helicobacter-pylori-Infektionen des Magens, diese können Ursache für eine Reihe von Beschwerden wie Magengeschwüre und Sodbrennen sein. In den Samen sind schmerzstillende und entzündunghemmende Stoffe enthalten, die fast genauso stark wirken sollen wie bekannte Schmerzmittel. Möhrensamenöl wird auch mit großem Nutzen in der Hautpflege und bei der
Behandlung von Hautproblemen eingesetzt. Gewarnt wird vor Verzehr von Möhrensamen in der Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch, wie viele andere Pflanzen sollen sie Substanzen enthalten, die Fehlgeburten auslösen können oder verhütend wirken können.

Auch die Wurzel gehört zu den Pflanzenteilen, deren Verzehr sich positiv auswirken kann. Wissenschaftler haben in Tierversuchen nachgewiesen, dass das enthaltene Falcarinol die Entwicklung bösartiger Tumore im Dickdarm hemmen kann. Auch bei der Betrachtung einiger anderer Krebsarten wurden Möhren nach Paprika und Brokkoli als drittwichtigstes Lebensmittel für die Krebsprävention identifiziert. Wer häufig allergisch reagiert, sollte beim Ernten vorsichtig sein: Vor allem die Möhrenblätter enthalten Falcarinol in höherer Konzentration. Diese auch in Efeu und Petersilie enthaltene Substanz hat schon Kontaktallergien ausgelöst.

Das sind nur einige der positiven Eigenschaften der Wilden Möhre, sie ist auf jeden Fall ein Wildgemüse, mit dem sich interessierte Menschen gewinnbringend beschäftigen können.

Vorsicht vor Verwechslung mit giftigen Dolden

Die Wilde Möhre sieht aus wie ein typischer Doldenblütler, zu dieser Familie (Apiaceae, historisch auch Umbelliferae) gehört sie ja auch. Wie einige mehr oder weniger giftige Pflanzen, die ihr im Aussehen sehr ähnlich sind. All diese Dolden werden ziemlich groß, wachsen als

Einzelpflanzen und entwickeln Stängel mit mehreren Doldenstrahlen, an denen viele winzige weiße Blüten sitzen.

Der giftigste Vertreter dieser Art ist der Gefleckte Schierling, von ihm ist die Wilde Möhre durch zwei Merkmale gut zu unterscheiden: Er hat (vor allem im unteren Bereich) einen rot gefleckten Stiel und er stinkt nach Mäuseurin, falls jemand weiß, wie das riecht. Der Geruch soll jedoch auf jeden Fall so unangenehm sein, dass der Mensch aufmerkt. Außerdem hat der Gefleckte Schierling einen unangenehm bitteren und brennenden Geschmack. Ebenfalls Giftstoffe enthalten Hundspetersilie und Hecken-Kälberkropf, mit deren Erscheinungsbild Sie sich vor dem Ernten von Wilden Möhren vertraut machen sollten. Andere Dolden wie Wiesenkerbel und Wiesen-Bärenklau enthalten phototoxische Substanzen.

Die Wilde Möhre hat ein exklusives Merkmal, an dem sie gut zu erkennen ist: Viele (aber nicht alle) Blüten entwickeln eine unübersehbare Scheinblüte in der Mitte, die mit ihrer lilanen Farbe auffällt. Außerdem riecht sie deutlich nach Möhre, wenn man eine Wurzel zerbricht.

Erstaunliche Möhren

Aber nicht nur die Wilde Möhre hat Inhaltsstoffe zu bieten, die dem Menschen hilfreich sein können. Auch unsere gewöhnliche Möhre oder Karotte enthält antibakteriell wirksame Inhaltsstoffe und ätherische Öle, denen gleich mehrere positive Wirkungen zugeschrieben werden. Aus dem Wissen um diese Stoffe entstanden viele Hausmittel rund um die Möhre und spannende Rezepte, wie das der Moroschen Möhrensuppe.

Bildquelle: Johann Georg Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen. Nürnberg 1796.