Lippenmäulchen, Mazus reptans - Pflege-Tipps

LippenmäulchenErstrahlt ein dichter, blauer Blütenteppich im Mai, ist es das Lippenmäulchen, das hier den Frühling willkommen heißt. Selbst der härteste Winter hindert den robusten Bodendecker nicht daran, Ihren Garten alljährlich in ein wogendes Blütenmeer zu verwandeln. Nennenswerte Pflege erwartet ein Mazus reptans nicht, denn die Niedrigstaude entstammt den rauen Gefilden des Himalajas. Selbst trockenen, sandigen Ecken des Gartens verleiht das anmutige Gauklerblumengewächs opulente Blütenfülle. Beherzigen Sie die folgenden Pflege-Tipps, damit das Lippenmäulchen diese Meisterleistung über viele Jahre hinweg vollbringt.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie der Gauklerblumengewächse

    (Phrymaceae)
  • Titel der Art: Lippenmäulchen (Mazus reptans)
  • Polsterbildende, kriechende, krautige Pflanze
  • Wuchshöhe 3-8 Zentimeter
  • Wuchsbreite 20-30 Zentimeter
  • Blauviolette Blüte von Mai bis Juli
  • Lanzettliches bis elliptisches grünes Laub
  • Winterhart und laubabwerfend
In erster Linie kommt das Lippenmäulchen als Bodendecker zum Einsatz. Da es bedingt trittfest beschaffen ist, dient es mitunter als dekorativer Rasenersatz.

Standort und Boden

Damit das Lippenmäulchen den erwünschten kompakten, dichten Habitus entwickelt, kommen ihm die folgenden Standortbedingungen zugute:
  • Sonnige bis halbschattige Lage
  • Humoses, gut durchlässiges Erdreich
  • Ideal ist eine sandig-lehmige Bodenbeschaffenheit
Der Nährstoffgehalt ist von eher untergeordneter Relevanz für ein gesundes, vitales Wachstum. Einen höheren Stellenwert nimmt dagegen die lockere Konsistenz der Beeterde ein, wie sie im Kies- oder Steingarten vorherrscht. Kreative Hobbygärtner verwenden Mazus reptans gerne als stilvolle Unterpflanzung im Kübel oder Blumenkasten. In diesem Fall empfiehlt sich handelsübliche Blumenerde als Substrat, die mit einigen Handvoll Sand oder Perlite vermischt wird. Gleiches gilt, wenn die Kleinstauden in Pflanztaschen eingesetzt werden in Trockenmauern oder Gabionen.

Pflege-Tipps

Im Rahmen der Pflanzung im Frühling oder Herbst, erhält das Lippenmäulchen eine Startdüngung. Idealerweise besteht diese aus einer reichlich bemessenen Portion Kompost, angereichert mit Hornspänen oder einem analogen organischen Dünger. Alternativ versorgt ein Langzeitdünger die Jungpflanze mit allen wichtigen Nährstoffen für den perfekten Start ins Staudenleben. In der Folge sind frisch gepflanzte Mazus reptans regelmäßig zu gießen, damit sich die Wurzeln gut etablieren können. Ausgestattet mit so viel Lebenskraft, erwartet das Gauklerblumengewächs im weiteren Verlauf der Kultivierung nur ein Minimum an Pflege.
  • Den Bodendecker bei sommerlicher Trockenheit zwei Mal pro Woche durchdringend wässern
  • In Kübelkultur wird regelmäßig gegossen, wobei das Substrat zwischenzeitlich antrocknen sollte
  • Eine Startdüngung im Frühjahr bedient den Nährstoffbedarf für die gesamte Saison
  • Verblühte und verwelkte Pflanzenteile auszuputzen, fördert einen üppigen Blütenflor
Eine kurzzeitige Dürreperiode nimmt die robuste Pflanze zwar klaglos hin; gleichwohl reagiert sie auf einen Wassermangel mit reduziertem oder unregelmäßigem Wachstum. Angesichts der soliden Schnittverträglichkeit, können unattraktive Triebe bzw. Polstersegmente mit der Gartenschere jederzeit bodennah abgeschnitten werden.

Tipp: Fester Dünger ist schwerlich an das dichte Blütenpolster zu verabreichen. Lippenmäulchen werden daher gedüngt mit Pflanzenjauchen, flüssigem Kompost oder einem handelsüblichen Präparat.

Überwintern

Beheimatet im rauen Klima des Himalaja-Gebirges, ist das Lippenmäulchen frostfest bis -30 Grad Celsius. Aus dieser
Sicht ist zumindest im Beet kein spezifischer Winterschutz erforderlich. Frisch gesetzte Pflanzen stellen eine Ausnahme dar. Sie werden vor dem ersten Frost angehäufelt mit Lauberde oder bedeckt mit Stroh, Reisig oder Tannennadeln. Für Mazus reptans mit Pflanzgefäß sieht eine fachgerechte Pflege folgende Vorkehrungen zum Schutz vor winterlicher Witterung vor:
  • Den Kübel auf einem Holzblock vor die geschützte Hauswand verbringen
  • Das Gefäß umhüllen mit Folie, Gartenvlies oder Jute
  • Das Substrat bedecken mit einer Schicht aus Laub, Stroh, Rindenmulch oder Sägespänen
  • An frostfreien Tagen gießen,

    wenn der Schnee ausbleibt
Wenn Sie sich durch die verwelkten Pflanzenteile nicht gestört fühlen, sollten Sie diese bis zum Frühjahr nicht abschneiden. Sie dienen als natürlicher Winterschutz für den Wurzelbereich. Erst unmittelbar vor dem neuen Austrieb werden alle Triebe bodennah eingekürzt.

Vermehren

Wer so freudig Wurzeln schlägt im Garten, wie das Lippenmäulchen, weckt natürlich den Wunsch nach weiteren Exemplaren. Zwei Methoden der Vermehrung stehen zur Auswahl.

Teilung

Im Frühjahr oder Spätsommer ist die richtige Zeit, um Mazus reptans durch Teilung zu vermehren. Diese Prozedur leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Vitalität einer Blütenstaude. Selbst wenn keine Nachzucht geplant ist, empfiehlt sich die Teilung alle 3 bis 4 Jahre. So machen Sie es richtig:
  • Den Boden um die Staude herum auflockern
  • Das Lippenmäulchen mit der Grabegabel oder dem Spaten aus der Erde heben
  • Mit einem scharfen Messer in mehrere Segmente schneiden, die über 2-3 Knospen verfügen
  • Am neuen Standort genauso tief einpflanzen und gut angießen
Handelt es sich um eine ältere Pflanze, bietet die Teilung eine perfekte Gelegenheit, um kümmerliche Pflanzenteile herauszuschneiden. Im Laufe der Jahre entwickeln sich im inneren Kreis des Bodendeckers unansehnliche Regionen, die auf diese Weise verjüngt werden.

Aussaat

Die Vermehrung durch Aussaat gestaltet sich deutlich aufwändiger, als die Teilung. Da es sich bei den winzigen Samen um Kaltkeimer handelt, sind sie einer Stratifizierung zu unterwerfen, um die Keimhemmung zu brechen. Dabei wird ein Wechsel der winterlichen Jahreszeiten simuliert, verbunden mit einem Kältereiz. Empfehlenswert ist diese Variante der Nachzucht insbesondere dann, wenn eine Vielzahl junger Pflanzen erwünscht ist, um das Lippenmäulchen beispielsweise als Rasenersatz zu pflanzen. Hierzu werden im Herbst die reifen Kapselfrüchte gesammelt und wie folgt behandelt:
  • Die Samen für 24 Stunden einweichen in einer 2-prozentigen Lösung aus Kaliumnitrat (Apotheke)
  • Anschließend eine Plastiktüte füllen mit feuchtem Sand und den vorgeweichten Samen
  • Im Gemüsefach des Kühlschranks deponieren bei 0-5 Grad Celsius
  • Regelmäßig den Feuchtigkeitsgehalt prüfen und nach Keimlingen Ausschau halten
Spitzen die Keimblättchen aus den Samen hervor, ist die Kältephase beendet. Nun werden sie ausgesät in einer Saatschale mit nährstoffarmem Substrat, dünn übersiebt und mit Wasser aus der Sprühflasche befeuchtet. Aufgestellt am halbschattigen, warmen Fensterplatz, entwickeln sich im Verlauf des Winters kleine Lippenmäulchen. Wird es den Keimlingen zu eng im Saatgefäß, ist es Zeit für die Vereinzelung in kleine Töpfe mit handelsüblicher Pikiererde. Während der gesamten Prozedur ist streng darauf zu achten, dass die Jungpflanzen weder zu trocken, noch zu nass stehen. Gedüngt wird in dieser Phase nicht.

Krankheiten und Schädlinge

Die widerstandsfähigen Mazus reptans erweisen sich bei guter Pflege als weitgehend resistent gegenüber den klassischen Pflanzenkrankheiten. Alle Robustheit schützt die kleinen Blütenwunder gleichwohl nicht vor gefräßigen Schnecken. Diese Schädlinge haben es vor allem im Frühjahr abgesehen auf das zarte Laub. Eine wirksame Abwehrmaßnahme bilden Wanderschranken aus scharfen Materialien, wie Holzspänen oder Splitt. Streuen Sie regelmäßig Kaffeesatz aus um das Beet, denn Koffein wirkt toxisch auf Schnecken.

Fazit

Lippenmäulchen schaffen mit dichten Blütenpolstern ein zauberhaftes Szenario in Ihrem Garten. Je sonniger der Standort, desto üppiger gestaltet sich das Wachstum auch im Kübel oder Blumenkasten auf dem Balkon. Gepflanzt in humosem, gut durchlässigem Substrat mit einer sandigen Komponente, reduziert sich der Pflegeaufwand rasch auf ein Minimum. Regelmäßig gießen bei Trockenheit und eine Dosis Dünger im Frühjahr genügen vollauf. Bei Bedarf schneiden Sie die Gauklerblumengewächse ein wenig zurecht und putzen Verwelktes und Verblühtes aus. Die Lippenmäulchen werden munter Wurzeln schlagen und so manchen neiderfüllten Blick über den Gartenzaun erhaschen.