Stauden schneiden und teilen - Anleitung

Rittersporn gehört zu den Stauden, die mit dem Remontierschnitt behandelt werdenFür den ambitionierten Hobbygärtner zählen Schnitt und Teilung seiner Stauden zu den aufwendigsten Arbeiten in seinem Garten. Werden sie jedoch richtig ausgeführt, wird der Hobbygärtner mit einem farbenprächtigen Meer aus Blüten im Garten belohnt. Unter Beachtung von nur wenigen Regeln kann man durch gezielte und sinnvolle Schnitt- und Teilungsmaßnahmen die Lebensdauer der Pflanzen verlängern. Durch den Schnitt verbessert sich zudem die Blühfreudigkeit und durch die Teilung entstehen neue Pflanzen, die den Garten

an einer anderen Stelle schmücken.

Remontierschnitt

Der Fachmann spricht vom Remontierschnitt, wenn die Pflanze nach der Blüte radikal zurückgeschnitten wird. Der Rückschnitt erfolgt direkt nach der Blüte auf eine Höhe von 5 bis max. 10 cm über dem Boden. Allerdings vertragen nicht alle Staudenpflanzen einen Remontierschnitt. Nachfolgend eine kleine Auswahl an Pflanzen, die einen Remontierschnitt gut vertragen:
  • Frauenmantel (Alchemilla epipsila)
  • Bergflockenblume (Centaurea montana)
  • Goldkörbchen (Chrysogonum virginianum)
  • Rittersporn (Delphinium)
  • Lavendel (Lavandula angustif.)
  • Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta)
  • Hornveilchen (Viola cornuta)
Nachblütenschnitt

Beim Nachblütenschnitt wird die Staude ebenso radikal nach der Blüte zurückgeschnitten. In der Regel erfolgt der Schnitt eine Handbreit über dem Boden. Allerdings ist im Gegensatz zum Remontierschnitt beim Nachblütenschnitt kein erneuter Blütenflor zu erwarten. Dennoch hat der Nachblütenschnitt einige Vorteile. Zum einen wird ein gesunder Neuaustrieb gefördert und dadurch die Lebensdauer der Pflanze erhöht. Zum anderen erhalten Hobbygärtner durch den Nachblütenschnitt die Sortenechtheit und verhindern die Selbstaussaat. Letztlich beugt die Form des Rückschnitts Welkerscheinungen und Pilzbefall vor. Einen Nachblütenschnitt vertragen unter anderem:
  • Frauenmantel (Alchemilla mollis)
  • Indianernessel (Monarda)
  • Jakobsleiter (Polemonium caeruleum)
  • Gelenkblume (Physostegia virginiana)
  • Sonnenhut (Rudbekia laciniata)
Frühherbstschnitt

Der Frühherbstschnitt erfolgt ungefähr Ende September. Dazu wird das Laub der Staude bodennah zurückgeschnitten. Durch diesen Rückschnitt bilden sich Überwinterungsknospen und -rosetten. Bei folgenden Pflanzen ist ein Frühherbstschnitt sinnvoll:
  • Ochsenzunge (Anchusa azurea)
  • Färberkamille (Anthemis tinctora)
  • Mädchenauge (Coreopsis grandiflora)
  • Kokardenblume (Gaillardia)
  • Prachtkerze (Gaura lindheimeri)
Chrysanthemen sollte man mit dem Vorblütenschnitt pflegenVorblütenschnitt

Der Vorblütenschnitt wird in der Fachsprache "pinzieren" genannt. Dieser erfolgt im Frühsommer, bevor sich die Blütenknospen gebildet haben. Hierfür werden die Triebspitzen der Staude etwa um zehn bis 15 cm eingekürzt. Das Einkürzen dient dem Zweck, dass die Pflanzen buschig werden, sich gut verzweigen und mehr Blüten ansetzen. Die Staudenpflanze bleibt durch diesen Schnitt zwar etwas kleiner, aber deutlich standfester. Außerdem lässt sich die Blütezeit etwas verschieben. Nachfolgend einige Beispiele für einen Vorblütenschnitt:
  • Hohe Astern (Aster novi-belgii)
  • Chrysantheme (Dendranthema grandiflora)
  • Sonnenbraut (Helenium)
  • Phlox, Hohe Flammenblume (Phlox paniculata)
  • Hoher Sonnenhut (Rudbekia laciniata)
Ausschneiden der Blüten

Das Ausschneiden der Blüten beschreibt das regelmäßige Entfernen von bereits verblühten Blütenstängeln und Blüten. Durch das Ausputzen wird die Blütenbildung gefördert, die Blütezeit verlängert und die Selbstaussaat verhindert. Allerdings darf dabei wirklich nur das Verblühte weggeschnitten werden. Beispiele einiger Pflanzen, bei denen sich die Blütezeit durch Ausputzen wirklich verlängert:
  • Ochsenzunge (Anchusa azurea)
  • Sommeraster (Aster frikartii)
  • Lerchensporn (Corydalis cava)
  • Sonneblume (Helianthus microcephalus)
  • Taglilie (Hemerocallis)
Ausschneiden der Samenstände

Unter den Staudenarten gibt es viele, die zwar nach der Blüte noch ein ansehnliches Laub haben, sich aber selbst unkontrolliert aussäen. So macht es durchaus Sinn, den größten Teil der Samenstände vor der Samenreife auszuschneiden. Dadurch spalten sich die Sorten nicht auf und die Selbstaussaat wird verhindert. Bei Zwiebelpflanzen kann das Ausschneiden der Samenstände die Zwiebelneubildung stärken. Folgende Staudenpflanzen eignen sich für das Ausschneiden:
  • Unkontrolliertes Aussäen verhindert man bei der Steppenkerze durch Ausschneiden der SamenständeZierbärenklau

    (Acanthus longifolius)
  • Hornkraut (Cerastium tomentosum)
  • Steppenkerze (Eremurus robustus)
  • Buschmalve (Lavatera thuringiaca)
  • Lilie (Lilium)
  • Pimpinelle (Sanguisorba minor)
Nachwinterschnitt

Im Gegensatz zum Vorblüteschnitt ist es bei einigen
Stauden sinnvoller, den Pflegerückschnitt erst im Frühjahr zu machen. Vor allem deswegen, weil sie im Winter als optischen Blickfang ein Gerüst im Garten bilden und dadurch besser vor Kahlfrösten geschützt werden. Zusätzlich bieten sie Insekten ein Versteck und ihre Samenstände dienen zahlreichen Vogelarten als Nahrungsquelle. Folgende Pflanzen können nach dem Winter unmittelbar in Bodennähe geschnitten werden:
  • Geißbart (Aruncus)
  • Bergminze (Calamintha)
  • Schlangenkopf (Chelone obliquata)
  • Kreuzkraut (Ligularia)
  • Fetthenne (Sedum telephium)
Stauden richtig teilen

Wenn Stauden zu lange an einem Standort verbleiben, kann es passieren, dass sie "veralten" oder "vergreisen". Oftmals lässt dann die Blühfähigkeit nach oder sie wachsen nicht mehr so schnell und verkahlen in der Horstmitte. Einige Staudenarten vergreisen, indem sie trocken und von innen braun werden oder durch fehlende Standfestigkeit nach außen kippen. Dann ist es höchste Zeit, die Stauden zu teilen und sie damit zu verjüngen. So werden sie vitaler und blühfreudiger. Tipp: Oftmals finden sich bei der Teilung kleine Ableger, die im Garten keine Verwendung mehr haben. In Pflanzgefäße gesetzt, verschönern diese Ableger im nächsten Jahr den Balkon oder die Terrasse. Vorausgesetzt sie besitzen kräftige Wurzeln und mindestens eine Triebspitze.

Optimaler Zeitpunkt

In erster Linie richtet sich der Zeitpunkt nach der Pflanze. Unzählige Stauden wie die Pfingstrose fühlen sich etliche Jahre auch ungeteilt am gleichen Plätzchen wohl. Bei anderen wiederum ist die Gelegenheit zum Teilen alle drei bis sechs Jahre günstig. Generell werden Stauden im Frühjahr oder Herbst geteilt. Zu unterscheiden sind hierbei Sommerstauden und herbstblühende Pflanzen, die sich meist im Frühjahr teilen lassen und Frühjahrsblüher, die im Herbst eine Teilung gut vertragen. Anleitung zum Teilen:
  • nur Teilstücke aus dem Randbereich der Pflanze teilen
  • Wurzelstock mit Wurzelboden vorsichtig mit der Grabgabel ausheben
  • dichte Wurzelballen mit Spatenstich teilen
  • Teilstücke sollten mindestens zwei Triebknospen haben
  • lockeres Wurzelwerk mit den Händen in faustgroße Teilstücke auseinanderpflücken
  • Boden von Unkraut befreien, mit Kompost oder organischen Dünger aufbereiten und Pflanze neu einsetzen
  • Staude gut wässern
Wichtig ist bei Teilung, dass jegliche vertrockneten und kranken Wurzelteile vor dem Einsetzen entfernt werden. Beispiele für Stauden, die nach drei bis fünf Jahren geteilt werden können:
  • Manche Stauden, wie die Katzenminze, sollten nach einigen Jahren geteilt werdenAkelei (Aquilegia)
  • Götterblume (Dodecatheon meadia)
  • Teppichkamille (Matricaria caucasica)
  • Katzenminze (Nepeta fassenii)
Nach sechs bis zehn Jahren sollten beispielsweise folgende Stauden geteilt werden:
  • Katzenpfötchen (Antennaria dioica)
  • Rittersporn (Delphinium)
  • Prachtscharte (Liatris spicata)
  • Gelenkblume (Physostegia virginiana)
Folgende Stauden können nach zehn bis 15 Jahren geteilt und umgepflanzt werden:
  • Perlkörbchen (Anaphalis)
  • Kugeldistel (Echinops)
  • Sonnenauge (Heliopsis scabra)
  • Chinaschilf (Miscanthus sinensis)
Unter den unzähligen Staudenarten gibt es auch langlebige Stauden, die zwar ohne Teilung auskommen, jedoch aufgrund ihrer Ausbreitung öfter reduziert werden wollten. Dazu zählen unter anderem:
  • Herbst-Anemone (Anemone hupehensis)
  • Haselwurz (Asarum europaeum)
  • Taubnessel (Lamium maculatum)
  • Pfingstrose (Paeonia)
Häufig gestellte Fragen
  • Das Laub meines Orientalischen Mohns (Papaver orientalis) sieht nicht mehr schön aus. Was tun? - Oftmals wirkt das Laub dieser orientalischen Schönheit nach der Blüte unansehnlich. Kommt dann noch sommerliche Nässe hinzu, fängt es leicht an zu faulen. Hier hilft nur ein totaler Rückschnitt.
  • Kann ich Trollblume und Tränendes Herz problemlos teilen? - Gerade diese beiden Staudenarten sollten nach Möglichkeit ungestört wachsen. Daher ist eine Teilung nicht sinnvoll.
Beim Remontieren wird Rittersporn nach der ersten Blüte total zurückgeschnittenWissenswertes zum Staudenschnitt in Kürze

Die meisten Stauden müssen geschnitten und geteilt werden. Geteilt werden sie meist, wenn sie zu groß werden und sich zu sehr ausgebreitet haben. Zudem müssen manche Stauden regelmäßig geteilt werden, um ihre Blühfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Geschnitten werden sie aus verschiedenen Gründen. Man kann einen Vorblüteschnitt vornehmen, einen Blütenschnitt, einen Nachblüteschnitt, einen Verjüngungsschnitt und einen Rückschnitt.

Schnittarten

  • Beim Vorblüteschnitt handelt es sich um einen gezielten Rückschnitt der Triebe vor dem Blütenansatz.  Alle Triebe werden um etwa die Hälfte eingekürzt. Durch das Abzwicken der Triebspitzen werden die Verzweigung und der Blütenansatz gefördert. Die Stauden bleiben niedriger, sind kompakter und sehr standfest. Allerdings verzögert sich die Blütezeit um bis zu 20 Tagen.  Der Richtige Zeitpunkt für diesen Schnitt ist von Ende Juni bis Anfang Juli. Lohnenswert ist der Schnitt bei sommer- und herbstblühenden Beetstauden wie Sonnenauge, Sonnenbraut, Herbst-Aster und Hoher Flammenblume.
  • Den Blütenschnitt führt man durch, um die Blütezeit zu verlängern oder die Staude zu einer zweiten Blüte anzuregen. Bei vielen Stauden verlängert man die Blühzeit, wenn man regelmäßig die verwelkten Blüten ausschneidet. So bilden sich fortlaufend neue Blüten. Ideal ist dieser Schnitt für Purpursonnenhut, Kokardenblume, Stauden-Sonnenblume, Sonnenauge, Sommermargerite und Goldsturm-Sonnenhut.
  • Der Schnitt für eine zweite Blüte wird Remontierschnitt genannt. Es handelt sich um einen Totalrückschnitt nach der ersten Blüte. Die Staude wird bis eine handbreit über dem Boden zurück geschnitten. Eine mineralische Düngergabe und ausreichend wässern fördern den erneuten Austrieb. Ideal ist dieser Schnitt für Garten-Rittersporn, Feinstrahlaster, Sommer-Margerite, Garten-Lupine, Sommer-Salbei, Dreimasterblume, Himmelsleiter und Garten-Trollblume.
  • Der Nachblüteschnitt wird vorgenommen, um die Selbstaussaat zu verhindern. Das bewahrt die Sortenechtheit. Die Sämlinge vieler Sorten variieren und sind häufig wertlos. Sie verdrängen aber häufig die Mutterpflanze. Man schneidet also die verwelkten Blütenstände ab, bevor sie zur Samenreife gelangen. Besonders sinnvoll ist dieser Schnitt bei Sonnenauge, Hohe Flammenblume, Goldrute und Dreimasterblume.
  • Der Verjüngungsschnitt sorgt für einen kompakteren Wuchs. Da einige Stauden nach der Blüte schnell unansehnlich werden, auseinander fallen oder ähnlich unschön werden, schneidet man sie nach der Blüte vollständig zurück. Sie treiben bereits nach wenigen Tagen wieder aus. Die frischen grünen Blätter sehen deutlich besser aus.  Die Horste bleiben kompakt. Das Erscheinungsbild wird grundsätzlich verbessert, auch wenn es nicht zu einer Zweitblüte kommt. Sinnvoll ist dieser Schnitt bei Beinwell, Lungenkraut, Schleier-Frauenmantel, Pracht-Storchschnabel und vielen Geranium-Arten.
Die Staude Storchschnabel sollte zur Verjüngung geschnitten werdenSchnittzeitpunkt
  • Der Rückschnitt im Herbst oder im zeitigen Frühjahr dient zur Bildung neuer Triebknospen.
  • Im Winter wenig standfeste und leicht versamende Stauden schneidet man spätestens bis November zurück.
  • Wenn die Stauden standfest sind und mit attraktiven Fruchtständen zieren, lässt man die über den Winter stehen.
Wenn Stauden in der Horstmitte verkahlen, die Wüchsigkeit nachlässt und der Blütenreichtum fehlt, ist es Zeit, sie zu teilen und damit zu verjüngen. Man gräbt die Horste aus und teilt sie in kleine Stücke. Diese kann man wieder einsetzen, möglichst nicht an gleicher Stelle. Man verwendet nur kräftige und wuchskräftige Teilstücke. Die wüchsigen Teile befinden sich am Rand des Horstes.  Die Teilstücke sollten mindestens zwei bis drei Knospen aufweisen.
  • Der beste Zeitpunkt für die Teilung ist in der Ruheperiode zwischen Herbst und zeitigem Frühjahr.
  • Gräser teilt man generell im Frühjahr. Pfingstrosen teilt man nur im Herbst.