Graptopetalum tacitus bellus - Pflege und Vermehren durch Ableger

Mit zierlichen Blattrosetten übt sich Graptopetalum tacitus bellum die meiste Zeit des Jahres in vornehmer Zurückhaltung. Im Mai und Juni setzt sich das Dickblattgewächs mit einer bezaubernden Sternenblüte eindrucksvoll in Szene. Über viele Wochen erstreckt sich die leuchtend rote oder pinke Pracht. Dieses kleine Naturwunder vollzieht sich im Hobbit-Format, angesichts des Rosetten-Durchmessers von 3-8 Zentimetern. Im kleinen Pflanzgefäß ist die Kolibri Felsenblume gleichwohl an Anmut kaum zu übertreffen. Der folgende Leitfaden vermittelt alle Informationen zu Pflege und Vermehren durch Ableger.

Standort

Der Hunger nach Licht ist bei dieser immergrünen Staude

nicht sehr ausgeprägt. Immerhin ist ein Mindestmaß an Sonnenlicht und Wärme erforderlich, um die hübschen Blüten hervorzulocken. An diesem Standort fühlt sich eine Graptopetalum tacitus bellum bestens aufgehoben:
  • Sonnige bis halbschattige Lage
  • Am Südfenster mit Beschattung bei praller Mittagssonne
  • Sommerliches Temperatur-Optimum pendelt zwischen 18 und 25 Grad Celsius
  • Je heller der Standort, desto ausgeprägter die grau-grüne Blattfärbung
Von Mai bis September/Oktober favorisiert der grazile Sukkulent einen Platz auf dem sonnigen Balkon oder einem anderen Ort im Garten, wo es warm und geschützt ist. Da es der mexikanischen Zierpflanze an Winterhärte fehlt, zieht sie ab Temperaturen unter 10 Grad Celsius um ins Haus.

Substrat

Schenken Sie dem Substrat als fundamentalem Pflege-Faktor die gebührende Aufmerksamkeit, profitieren Sie von einer äußerst genügsamen Kolibri Felsenblume. Wie für nahezu alle Sukkulenten, gilt auch hier eine organisch-mineralische Mischung als ideal. Diese weit gefasste Prämisse öffnet einen großen Spielraum hinsichtlich der konkreten Zusammenstellung. Die folgenden Rezepturen haben sich in der Praxis bestens behaupten können:
  • 3 Teile Kräuter- oder Pikiererde, je 1 Teil Lavagranulat und Blähton
  • Je 2 Teile reifer Kompost und Torfkultursubstrat, je 1 Teil Bims und Lavagranulat
  • Je 2 Teile Lava und Bims, je 1 Teil Sand und Vermiculit
Stellen Sie die eigene Substrat-Komposition für Sukkulenten auf den Prüfstand. Erweist sich die Erde für eine Graptopetalum tacitus bellum als ausreichend strukturstabil, um Gießwasser eine angemessene Zeit zu halten? Nimmt das Substrat nach der winterlichen Trockenzeit das Wasser problemlos auf? Ist die Pflanzerde gut zu durchwurzeln, locker und luftig? Werden alle Fragen positiv beantwortet, haben Sie Ihr individuelles Geheimrezept gefunden.

Sofern Sie kein rein mineralisches Erd-Gemenge verwenden, ist eine Sterilisierung empfehlenswert. Das gelingt ganz einfach in der Mikrowelle bei 800 Watt innerhalb von 10 Minuten oder im Backofen bei 150 Grad innerhalb von 30 Minuten. Dieser Kniff stellt sicher, dass sich im Substrat keine Pilzsporen, Insekteneier oder sonstige unerwünschte Erreger befinden.

Tipp: Sukkulenten, wie Graptopetalum tacitus bellum, vertragen Kalk nur bedingt. Ein hochwertiges Substrat sollte daher einen pH-Wert um 7 aufweisen. Mithilfe eines Teststreifens aus dem Gartencenter ist der konkrete Wert nachzumessen.

Gießen und düngen

Der Wasser- und Nährstoffhaushalt des formschönen Dickblattgewächses ist geprägt von Ausgeglichenheit. Ungeachtet der Reserven, die alle Mitglieder der sukkulenten Gattung in ihren Blättern und Trieben anlegen, sollten sie nicht darben müssen. Gießen und düngen Sie daher in folgendem Rhythmus:
  • Von März bis September mäßig gießen
  • Trocknet die Erde an, wird gewässert
  • Bestens geeignet ist gesammeltes Regenwasser
  • Alternativ abgestandenes Leitungswasser verwenden
  • Kein Wasser in die Rosetten schütten
Eine Kolibri Felsenblume gibt sich mit einer einmaligen Gabe von Dünger zufrieden. Im März oder April verabreichen Sie eine Dosis Kakteendünger in flüssiger Form.

Tipp: Auf eine hohe Luftfeuchtigkeit legt die tropische Pflanze ausnahmsweise keinen besonderen Wert. Vermeiden Sie das Besprühen einer Graptopetalum, um keine Fäulnis auszulösen.

Schneiden

/>
Einen Rückschnitt erfährt Graptopetalum tacitus bellum nicht. Sterben an älteren Exemplaren vermehrt Blätter ab, sind die Stauden durch Schneiden nicht zu
verjüngen. In diesem Fall sollten so viele Ableger wie möglich gewonnen werden, um den Rest des Dickblattgewächses zu entsorgen.
Wiederholtes Ausputzen verwelkter Blüten und Blätter trägt  nicht nur zum gepflegten optischen Erscheinungsbild bei, sondern lockt weitere Sternenblüten hervor.

Überwintern

Gönnen Sie den mexikanischen Sukkulenten eine Wachstumspause im Winter, besteht der Lohn in einer üppigen Blüte ab Ende April/Anfang Mai. Eine durchgängige Kultivierung bei Zimmertemperaturen wird eine Blüteninduktion hemmen. Fallen im Oktober die Temperaturen unter 10 Grad Celsius, siedelt die Graptopetalum bellum um in ein adäquates Winterquartier.
  • Ideal ist ein sonniger Fensterplatz bei Temperaturen von 3 bis 8 Grad Celsius
  • Ein helles Treppenhaus, eine frostfreie Garage oder das kühle Schlafzimmer bieten sich an
  • Nur so viel wässern, dass die Erde nicht vertrocknet
  • Auf die Gabe von Dünger wird verzichtet
Während andere Pflanzen bei solch reduzierten Temperaturen mit entsprechend weniger Licht auskommen, kann es für die Kolibri Felsenblume nicht hell genug sein. Im Zweifel gleicht eine künstliche Beleuchtung bestehenden Lichtmangel aus. Das dürfte am Ost-, West- oder Nordfenster erforderlich sein.

Vermehren durch Ableger

Für die Nachzucht weiterer Exemplare, bietet sich in erster Linie die Vermehrung durch Ableger an. Diese Methode punktet mit einer simplen Durchführung und bringt Jungpflanzen hervor mit exakt den gleichen Attributen, wie die Mutterpflanze. Zum Ableger geeignet sind sowohl Tochterpflanzen, auch Kindel genannt, als auch Blattstecklinge. Beide Verfahren werden im Folgenden erläutert.

Kindel
Gut etablierte Graptopetalum bellum bringen im Frühjahr oder Sommer Nachkommen hervor. Dabei handelt es sich um Mini-Ausgaben der Mutterpflanze, die ab einer Höhe von 4 bis 5 Zentimetern vollkommen autark sind. So werden Kindel für die Vermehrung verwendet:
  • Einen Ableger an der Basis abschneiden mit einem scharfen, desinfizierten Messer
  • Im unteren Teil die Blätter abziehen, sodass etwa 2 cm des Triebes freiliegen
  • Für einen oder zwei Tage die Schnittstelle trocknen lassen
  • Einen kleinen Topf mit dem empfohlenen Sukkulentensubstrat füllen
  • Darin das Kindel bis zum unteren Blattpaar einpflanzen
Um den Ableger zu wässern, stellen Sie den Topf in ein Gefäß mit einem 5 Zentimeter hohen Wasserspiegel. Hier saugt die Erde selbsttätig die Feuchtigkeit an. Aufgestellt am hellen, nicht vollsonnigen Standort, warten Sie die Bewurzelung ab. Ein erster, frischer Austrieb signalisiert ein kräftiges Wurzelwachstum. Ab diesem Zeitpunkt pflegen Sie die Jungpflanze im normalen Rahmen.

Blattstecklinge
Zu den zahlreichen vorteilhaften Attributen von Dickblattgewächsen zählt die Verwendung der Blätter als hervorragende Ableger, prall gefüllt mit Pflanzensaft. Hierzu wählen Sie die gewünschte Anzahl an Stecklingen aus und schneiden diese an der Basis ab. Nachdem die Schnittstellen einen oder zwei Tage trocknen konnten, geht es so weiter:
  • Kleine Töpfe füllen mit Torf-Sand, Perlite, Blähton oder Lavagranulat
  • Das Substrat anfeuchten mit kalkarmem Wasser
  • Jeweils einen Blattsteckling auflegen oder zur Hälfte einsetzen
Eine Plastikhaube schafft für die Ableger ein förderliches feucht-warmes Mikroklima, bei Temperaturen um 20 Grad Celsius. Wiederum sind helle Lichtverhältnisse wünschenswert, jedoch keine pralle Sonne. Während aus den Schnittstellen neue Wurzelstränge gedeihen, darf das Substrat nicht austrocknen. Nach dem ersten Austrieb fällt die Abdeckung weg, damit sich kein Schimmel breitmacht. Hat ein Steckling seinen Anzuchttopf vollständig durchwurzelt, topfen Sie ihn um in ein größeres Gefäß. Idealerweise verwenden Sie eine breite Schale, die dem Rosetten-artigen Habitus besonders gut entgegen kommt. Über dem Wasserablauf sorgt eine Drainage dafür, dass sich keine Staunässe bildet. Damit die Graptopetalum tacitus bellum einfach zu gießen ist, sollte zwischen Gefäßrand und den Blättern ein Freiraum von 2 Zentimetern bestehen.

Fazit

Mit der Graptopetalum tacitus bellum zieht ein kleines Kunstwerk der Natur ein in Ihr Heim. Die saftigen, grau-grünen Blattrosetten zieren in der Schale jeden Raum, solange es dort sonnig und warm ist. Im Sommer möchten die mexikanischen Sukkulenten an die frische Luft, auf den Balkon oder in den Garten. Ist den immergrünen Stauden ein adäquates Substrat vergönnt, dreht sich der Pflegeaufwand um Gießen bei Trockenheit und eine einmalige Gabe von Flüssigdünger im Frühjahr. Zum Dank bringt die Kolibri Felsenblume eine herrliche Blüte hervor, die von Mai bis Juni in Rot oder Pink erstrahlt. Nach einer hellen, kühlen Überwinterung, wiederholt sich das kleine Wunder so lange, bis die Kraft des tropischen Dickblattgewächses erlahmt. Wer rechtzeitig an die Vermehrung durch Ableger denkt, wird zu keiner Zeit auf dieses bezaubernde Erlebnis verzichten müssen.