Besondere Pflanzen im tropischen Regenwald - Liste

Philodendron Das Licht dringt im Regenwald nur vereinzelt bis auf den Boden vor. Unter den dichten Baumkronen ist fast alles in einen lichten Schatten gehüllt. Um zu überleben, müssen die Pflanzen also ganz besondere Strategien entwickeln, um an das begehrte Sonnenlicht zu gelangen. So wachsen viele Pflanzen nicht auf dem Boden, sondern sitzen auf den Zweigen der Bäume auf. Andere stehen zwar im Erdreich, nutzen die Bäume jedoch als Klettergerüst, um möglichst schnell nach oben zu gelangen.

Besondere Lebensbedingungen im tropischen

Regenwald

Beidseits des Äquators erstrecken sich in den warmen, immer feuchten Regionen die bedeutendsten Urwälder dieser Erde: die tropischen Regenwälder. Von den etwa 300.000 bis heute entdeckten Pflanzenarten sind etwa zwei Drittel im tropischen Regenwald heimisch.

 Je nach Höhenlage, in der der Regenwald wächst, unterscheidet man nach:

  • Mangrovenwäldern (in Küstennähe)
  • Tieflandregenwälder
  • Bergregenwälder
Typische Niederschlagsmengen für tropische Regenwälder bewegen sich zwischen 2.000 und 10.000 Millimeter pro Jahr. Die Temperaturen liegen das ganze Jahr über um die 25 Grad. Die Vegetation im tropischen Regenwald ist in charakteristische Stockwerke gegliedert.
  • obere Etage: vereinzelte Bäume mit bis zu 60 Meter Höhe
  • Kronenregion: Bäume mit einem dichten Blätterdach, Hauptkronendach des Regenwaldes, bis etwa 40 Meter Höhe
  • mittleres Stockwerk: besteht aus jungen Bäumen, hohen Sträuchern, Baumfarnen, sehr artenreich
  • Strauchschicht: Sträucher und junge Bäume bis etwa 5 Meter
  • Krautschicht: die darunter liegenden Regionen bekommen nur noch etwa 1-3% Sonnenlicht ab, hier wachsen fast nur Farne, Pilze und Moose
Die Böden in den meist schon seit Millionen von Jahren existierenden Regenwäldern sind in der Regel sehr nährstoffarm.

Krautschicht mit Moosen und Farnen

Bei den Moosen und Farnen stammen zwischen 75 und 90% aller bekannten Arten aus den tropischen Regenwäldern. Zu den beeindruckendsten Exemplaren gehören die Baumfarne, deren gefiederten Blätter bis zu vier Meter Länge erreichen können. Etwa 3000-4000 Arten von Moosen sind im Regenwald heimisch.

Beispiele für Farne:
  • Streifenfarngewächse (Aspleniaceae) wie der Nestfarn (Asplenium nidus)
  • Baumfarne (Cyatheales, Dicksoniaceae)
  • Tüpfelfarne (Polypodium, Lindsaeaceae)
  • Adlerfarngewächse (Dennstaedtiaceae)
  • Wurmfarngewächse (Dryopteridaceae)
  • Kleefarngewächse (Marsileaceae)
  • Schwertfarne (Nephrolepidaceae)
  • Natternzungengewächse (Ophioglossaceae)
Sonstige krautige Pflanzen
  • Schachtelhalme (Equisetaceae)
  • Brachsenkräuter (Isoëtaceae)
  • Bärlappgewächse (Lycopodiaceae)
  • Moosfarne (Selaginellaceae)
Kletterpflanzen

EfeututeDie wahrscheinlich bekanntesten Kletterpflanzen sind die Lianen, die mit der Zeit verholzen und bis zu 300 Meter lang werden können. Bei den Kletterpflanzen gibt es eine Reihe unterschiedlicher Methoden, wie sich die Pflanzen an einem hohen Baum festhalten. Ranker haben meist korkenzieherähnliche Sprossteile, mit denen sie sich festhalten. Spreizklimmer fixieren sich mit Stacheln oder Dornen auf dem Untergrund. Schlinger besitzen keine ausgebildeten Kletterorgane, der ganze Pflanzenspross windet sich um senkrecht stehende Kletterhilfen (Bäume und Sträucher).

Zu den Lianen gehören einige Arten der Gattungen:

  • Kaperngewächse (Capparaceae)
  • Spindelbaumgewächse (Celastraceae)
  • Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae)
  • Bauhinien, Orchideenbäume (Bauhinia)
  • Flaschenbaumgewächse, Schuppenapfelgewächse (Annonaceae)
  • Seifenbaum, Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Bekannte Kletterpflanzen aus dem tropischen Regenwald:
  • Fensterblatt (Monstera deliciosa)
  • einige Flamingoblumen (wie Anthurium scandens)
  • Efeutute (Epipremnum aureum)
  • Baumfreund (Philodendron)
  • Passionsblumengewächse (Passifloraceae) wie die Passionsfrucht oder Maracuja
Aufsitzerpflanzen (Epiphyten)

Pflanzen, die nicht klettern können, haben sich etwas anderes ausgedacht. Sie setzen sich einfach auf die Äste von
Bäumen, um an das begehrte Licht zu gelangen. Häufig werden die Samen dieser Epiphyten von Vögeln in die oberen Stockwerke des Regenwaldes gebracht. Im Laufe der Evolution haben diese Epiphyten die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um sich von der Wasser- und Nährstoffversorgung des

Bodens unabhängig zu machen.

1. Orchideen

Zu den Orchideen gehören etwa 30.000 Arten, von denen die meisten im tropischen Regenwald heimisch sind. Einige Orchideenarten bilden frei herabhängende Luftwurzeln, mit denen sie das Regenwasser regelrecht aufsaugen können. Orchideen sind jedoch keine Schmarotzerpflanzen, die sich von dem Baum, auf dem sie leben, ernähren. Sie halten sich lediglich an der Rinde der Bäume fest, um näher am lebenswichtigen Sonnenlicht zu stehen. Wasser und Nährstoffe ziehen sie vorwiegend aus dem Regen oder Nebel, der hier täglich auftritt. Beliebte Arten:
  • Phalaenopsis
  • Vanda
  • Dendrobium
  • Echte Vanille
2. Bromelien, Ananasgewächse (Bromeliaceae)

Auch Bromelien wachsen als Aufsitzerpflanze auf Bäumen im tropischen Regenwald. Die trichterförmigen Blätter sammeln das Regenwasser und Nährstoffe aus herangewehten Partikeln. Bei den Ananasgewächsen sind die Blätter mit sogenannten Saugschuppen besetzt. Diese Schuppen quellen auf, sobald sie mit Regenwasser benetzt werden. Die Pflanzen bieten Lebensraum für Kleinstlebewesen aber auch Frösche, die ihre Eier in die Wasserspeicher legen. Übrigens gehören auch die Tillandsien zu den Bromeliengewächsen.
  • Guzmania
  • Billbergia (Zimmerhafer)
  • Neoregelia
  • Tillandsie Tillandsien (Tillandsia)
3. Aronstabgewächse (Araceae) wie das Speerblatt (Anubias) oder einige Arten der Flamingoblume (Anthurium)

4. Grünlilien (Chlorophytum comosum)

5. Zwergpfeffer (Peperomia)

6. Schamblumen (Aeschynanthus)

Halbepiphyten

Neben den eigentlichen Epiphyten, die ihr gesamtes Leben auf einer größeren Pflanze verbringen, gibt es auch einige spezialisierte Pflanzen, die nur bis zu (oder ab) einem bestimmten Alter dort verbringen. Hierzu gehören beispielsweise zwei bekannte Pflanzen:

1. Würgefeige

Das Leben einer Würgefeige beginnt als Samen auf einem Ast eines großen Baumes. Zunächst wächst sie dort als einfache Aufsitzerpflanze. Wächst und gedeiht eine Würgefeige gut, ist das nahezu immer mit dem Tod ihres Wirtsbaumes verbunden. Sobald die Würgefeige genügend eigene Stelzwurzeln ausgebildet hat, beginnt sie ihren Wirt zu erdrosseln. Zu den Würgefeigen gehören verschiedene Arten der Gattung Ficus.

2. Monstera

Einige Vertreter aus der Gattung Monstera (Fensterblatt) keimen auf dem Boden und begeben sich zunächst auf die Suche nach einem größeren Baum. Erst dort bilden sich die richtigen Blätter aus. Beim Klettern bildet Monstera zwei verschiedene Wurzeltypen: die Haftwurzeln und lange, sehr schnell wachsende Luftwurzeln. Mit ihnen ist es der Pflanze möglich, selbst aus über 30 Metern den Boden zu erreichen und dort Nährstoffe und Wasser aufzunehmen, selbst wenn der untere Teil der Pflanze bereits abgestorben ist.

Schmarotzerpflanzen

Andere Pflanzen versuchen erst gar nicht, eigenständig zu überleben. Sie ernähren sich von anderen Pflanzen.
  • Rafflesien (Rafflesia)
  • Corynaea crassa (aus der Familie der Balanophoraceae)
Pflanzen aus dem Unterwuchs

Im tropischen Regenwald ist der Lichteinfall auf den Boden sehr viel geringer als in unseren Laubwäldern. Das hat zur Folge, dass dort eine geringere Vielfalt an krautigem Bodenwuchs zu verzeichnen ist. Viele dieser Pflanzen sind wegen ihres geringen Lichtbedarfs bei uns als Zimmerpflanzen beliebt:
  • Begonie Begonien (Begonia)
  • Aronstabgewächse (Araceae) wie das Einblatt (Spathiphyllum), Kolbenfaden (Aglaonema)
  • Flamingoblumen (Anthurium)
  • Dieffenbachie (Dieffenbachia)
  • Pfleilwurzgewächse (Marantaceae) wie die Korbmarante (Calathea Zebrina)
  • Sauerkleegewächse wie Biophytum sensitivum
  • Pfeilblätter (Alocasia)
  • Strahlenaralien (Schefflera), teilweise auch Kletterpflanzen
  • Raublattgewächse, Borretschgewächse (Boraginaceae)
  • Schwanenblume (Butomaceae)
  • Gottesaugen (Tradescantia) wie das Zebra-Ampelkraut (Tradescantia zebrina)
  • Zwergpfeffer (Peperomia) wie Peperomia caperata
  • Silbernetzblatt (Fittonia)
Palmen und Bambus

Zudem gehören auch unterschiedliche Palmen und Bambusarten (wie der Riesenbambus) zu den typischen Vertretern des tropischen Regenwaldes. Aber auch Pflanzenarten, die in mitteleuropäischen Gärten angepflanzt werden, sind im Regenwald anzutreffen wie Buchsbaumgewächse (Buxaceae). Heute sind mehr als 200 Palmenarten mit etwa 2500 Unterarten bekannt. Die meisten Palmen sind in den tropischen Regenwäldern zu Hause, denn sie benötigen viel Wärme und Feuchtigkeit, allerdings auch etwas mehr Licht als andere Pflanzen, die dort vorkommen. Deshalb findet man sie meist auf Lichtungen oder am Rand des Regenwaldes. Palmen mit geringem Lichtbedarf:
  • Bergpalme (Chamaedorea elegans)
  • Große Strahlenpalme (Licuala grandis)
  • Kentia Palme (Howea fostweriana)
  • Australische Schirmpalme (Livistona australis)
Fleischfressende Pflanzen

Eine ganz besondere Pflanzenart, die im tropischen Regenwald vorkommt, sind die fleischfressenden Pflanzen. Hierzu gehören beispielsweise:
  • Kannenpflanzen (Nepenthes)
  • Schlauchpflanzen (Sarracenia) wie Sarracenia purpurea
Nutzpflanzen

Viele Pflanzen, die wir als Gewürze oder Früchte kennen, oder deren Holz zu Möbeln verarbeitet wird, stammen aus dem tropischen Regenwald. Um nur einige Beispiele zu nennen:
  • Banane (wächst auf Lichtungen)
  • Zimt
  • Ingwer
  • Papaya (Carica papaya)
  • Echte Vanille
  • Mahagonibaum
Fazit

Im tropischen Regenwald herrscht eine unglaubliche Artenvielfalt. Die einzelnen Pflanzen haben sich wegen der ungünstigen Boden- und Standortbedingungen extrem spezialisiert. Oft kommen die Pflanzen im Umkreis von mehreren Hundert Metern nur ein einziges Mal vor, große Ansammlungen der gleichen Art sind sehr selten. Einige Pflanzen sind sehr schattenverträglich, andere bilden wunderschöne Blüten und sind daher als Zimmerpflanzen beliebt. Sie alle mögen es das ganze Jahr über warm und eher feucht.