Zimmerbambus, Glücksbambus - Arten, Pflege und Schneiden

ZimmerbambusBambus ist schön dicht und schön grün und wächst vor allem immer, auch in Zimmerkultur, bei wenig Pflege? Zweifellos, sogar wenn der "Zimmerbambus" in Wirklichkeit ein Süßgras oder ein Drachenbaum ist. Lernen Sie die bei uns angebotenen Zimmerbambusse kennen, auch die echten, samt ihren Ansprüchen an Pflege und Beschnitt:

Steckbrief: Bambusse für Raumhaltung

  • Der Begriff Zimmerbambus ist ziemlich dehnbar
  • Der gängigste Zimmerbambus ist ein Süßgras
  • Der Glücksbambus ist ein Drachenbaum
  • Beide häufiger verkauft als echten Zimmerbambus
  • Echter Bambus für Indoor-Haltung ist aber auch verfügbar
  • Für reine Zimmerhaltung in wenigen Arten
  • Einer

    Kübelhaltung im Wintergarten sind schon ein paar Bambusarten mehr gewachsen
  • Auch sie werden aufgeführt, die Übergänge von Zimmer/Terrasse/Wintergarten können fließend sein

Zimmerbambus

Der bekannteste Zimmerbambus heißt botanisch "Pogonatherum paniceum" und ist kein Bambus, sondern ein krautig wachsendes Gras aus der Ordnung der Süßgrasartigen, Familie Süßgräser, gleiche Unterfamilie (Panicoideae) wie Zuckerrohr und Mais.

Der Zimmerbambus Pogonatherum paniceum ist kein Bambus, sondern ein ausdauerndes Süßgras, das im Handel auch als Seychellengras, Bambusgras oder Bonsai-Bambus (der nichts mit einem als Bonsai kultivierten Bambus gemein hat) bezeichnet wird.

Pogonatherum paniceumPogonatherum paniceum wächst in ausdauernden Matten mit an der Basis aufrechten Halmen und wird zwischen ca. 30 bis 60 cm hoch. Die Halme sind 1 bis 2 Millimeter dick, im unteren Bereich ziemlich hart und gewöhnlich ohne Verzweigungen, während sich oben Bereich dicht verzweigte Büschel entwickeln. Dieser Zimmerbambus soll blühen, mit gelblichen, bis 3 Zentimeter langen Trauben von Paarblüten am ährigen Blütenstand, es gibt aber weder Bilder noch Erfahrungsberichte über die Blütenentwicklung.

Die Gattung des beliebten "Zimmerbambus" heißt Pogonatherum, ist vorwiegend tropisch und subtropisch verbreitet und hat außer P. paniceum noch folgende Arten zu  bieten:
  • Pogonatherum biaristatum mit Heimat Hainan-Inseln, China
  • Pogonatherum crinitum mit Heimat im tropischen und subtropischen Asien
  • Pogonatherum rufobarbatum kommt aus dem indischen Assam
Auch diese Gräser werden in ihren Heimatregionen kultiviert, bei uns aber nur sehr selten und eher in Tauschbörsen als im Handel angeboten.

Pflege

zimmerbambusDer bei uns verkaufte Zimmerbambus ist der am weitesten verbreitete Vertreter der Pogonatherum
  • Er wächst auf der Arabischen Halbinsel und im tropischen Asien, in den Ländern von Afghanistan bis Taiwan.
  • Dort auf Seehöhe, aber auch auf Berghängen bis in 2300 Meter Höhe, auf sandigem und felsigem Untergrund, an der Straße oder am Flussufer
  • P. paniceum entwickelt kräftige Wurzeln, die auf trockenen Böden und felsigem Untergrund guten Halt geben
  • Ein bisschen wie ein Unkraut also, P. paniceum wächst deshalb bei uns in jedem qualitativ guten Substrat
  • Sonniger Standort, im Sommer gerne im Freien
  • Wurzelballen durchgehend feucht halten, ohne dass Staunässe entsteht
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit durch Sprühen oder Abduschen ist gelegentlich ratsam
  • In der Wachstumssaison von Frühjahr bis Herbst alle 2-4 Wochen mit Flüssigdünger düngen
  • Während der Wachstumsphase sind unsere Wohnraum-Temperaturen um 20 °C recht
  • Überwinterung bei 15 - 18 °C und leicht eingeschränkter Versorgung
  • Oder bei höheren Zimmertemperaturen und voller Versorgung durchkultivieren
  • Schneiden ist keine Pflicht, aber z. B. zum Ausdünnen möglich
  • Umgetopft wird bei Bedarf (i. d. R. einmal jährlich)m möglichst im Frühjahr
  • P. paniceum kann aus Samen, Wurzelausläufern oder durch Teilung der (zu groß gewordenen) Wurzel vermehrt werden
  • Die Gattungsverwandten werden auf gleiche Art und Weise wie P. paniceum gepflegt

Glücksbambus

Ebenfalls sehr häufig ist der Glücksbambus, der so gerne zu Weihnachten und Sylvester verschenkt wird. Der Glücksbambus kommt als ein einzelner Trieb

mit ein paar Blättern daher, der als Glücksbringer für ein paar Wochen die Wohnung dekorieren soll; klingt sehr nach Zimmerbambus.

Ist er aber nicht, der Lucky Bamboo ist nicht unbedingt dazu gedacht, wie eine Zimmerpflanze gepflegt zu werden. Für den Lucky Bamboo in seiner ursprünglichen Verkaufsform brauchen meist keine Pflege-Anleitung, sondern nur einen Wasserhahn und eine Vase für der wurzellosen Trieb.

Sie können aus dem trendigen Stäbchen zwar eine Zimmerpflanze machen, ein Zimmerbambus wird es allerdings nie werden. Der Glücksbambus ist nämlich gar kein Bambus, sondern ein Drachenbaum aus der Gattung Dracaena. Als Glücksbambus werden momentan vor allem Dracaena fragrans stedneri und D. braunii (sanderiana) verkauft. Wahrscheinlich können jedoch die meisten der aktuell 113 bekannten tropischen/subtropischen Dracaena-Arten á la Glücksbambus gezogen werden und irgendwann bei uns im Handel auftauchen.

So wird aus dem Lucky Bamboo eine dekorative und pflegeleichte Zimmerpflanze:
  • Den Trieb in Wasser bewurzeln lassen
  • Drachenbaum in Erde pflanzen und gut einwachsen lassen
  • Den  größten Teil des "nackten" Triebes wegschneiden
  • Und warten, Drachenbäume sind so austriebsfreudig, dass Lucky Bamboo bald nach alles Seiten ausschlagen sollte
  • Verzweigungsfreudig sind Drachenbäume auch, der ersten Verzweigung können weitere folgen
  • Diese Behandlung kann so lange wiederholt werden, bis aus dem Einzeltrieb eine breitwüchsige Zimmerpflanze wird
  • Pflege wie für Drachenbäume beschrieben, die meist sehr problemlos wachsen
  • Die zu Beginn der Schnittformung gekappte Spitze kann zur Vermehrung genutzt werden
  • Drachenbäume bewurzeln leicht aus Stecklingen und aus Stammstücken
  • Überwinterung wie beim P. paniceum beschrieben

Echter Bambus für Innenräume

bambus fargesia rufaWenn der Zimmerbambus ein echter Bambus  sein soll, ist das heute auch kein Problem. Einige der rund 1500 Bambusarten gedeihen durchaus in bei gemäßigten Temperaturen, wenn nur die Winterkälte
draußen bleibt, zuerst folgen die Spezialisten für Zimmerhaltung:

1.  Bambusa tuldoides (häufig verwendetes Synonym: B. ventricosa), Buddhabauch-Bambus
Sehr dekorativer Zimmerbambus mit verdickten Knoten, kleinen, spitzen Blättern und einer Wuchshöhe bis etwa 2 Meter, der bis zur Frostgrenze an einem Standort im Freien bleiben darf.

Den Buddhabauchbambus gibt es auch in einer Zuchtsorte mit farbigem Blattschmuck: B. tuldoides 'Kimmei' mit gelb-grün gestreiften Halmen und cremefarbenen bis gelb gestreiften Blättern.

Tipp
Wenn im Haus kleine Kinder wohnen, sollte die Anschaffung eines Buddhabauch-Bambus noch einmal überlegt werden: Er entwickelt Stacheln, die je nacht Zuchtgruppe ziemlich unangenehm werden können.

2. Bambus multiplex (variegata), Zimmerbambus
Robuster Bambus mit sehr dichtem Wuchs, der bei uns um 150 cm hoch wird, im Innenraum einen sehr hellen Standort, aber recht wenig Wasser und Dünger braucht.

3. Bambusa vulgaris, Zimmerbambus
Dekorativer Zimmerbambus mit dickem, gelbem Stamm, der Indoor an einem sehr hellen Standort mit hoher Luftfeuchtigkeit, viel Wasser und viel Dünger gedeiht. Wenn eine dieser drei Voraussetzungen nicht geboten werden kann, nimmt er das bis hin zu verkümmerten Blättern übel; ebenso Einräumen aus der Sommerfrische bei unter 5 °C plus.

4. Phyllostachys aurea 'Koi'
Phyllostachys aurea 'Koi' trägt schmucke grüne Streifen auf den Zwischenknoten, grün-gelbe Streifen auf den Halmen und kann an einem sonnigen Standort im Haus bis 3 Meter hoch werden.

Tipp
Phyllostachys ist die Bambus-Gattung, die sehr häufig als Zierpflanze für Gärten verkauft wird und von der Sie vielleicht wegen dem dort häufig anstehenden Ärger mit den Rhizomen schon einmal gehört haben. Sie könnten den Namen aber auch aus dem kulinarischen Umfeld kennen, Phyllostachys ist nämlich auch die Bambus-Gattung, von denen der Bambus zum Verspeisen geerntet wird – auch der Phyllostachys-Zimmerbambus ist höchstwahrscheinlich genießbar.

Pflege des echten Bambus im Zimmer

Ein Standort im Zimmer sollte wirklich nur den gerade als  Zimmerbambus eingeordneten Bambusarten zugemutet werden. Diese Arten wurden bereits in unserem Wohnraumklima mit den häufig nicht sehr guten Lichtverhältnissen erprobt und haben bewiesen, dass sie das durchhalten.

Diese Bambusarten kommen mit Lichtverhältnissen aus, die in ihrer Heimat eher als trübe angesehen würden, in der Wohnung soll ihnen ein Standort am Nordfenster reichen, zum Südfenster sollten sogar zwei bis drei Meter Abstand gehalten werden. Im lichtarmen deutschen Winter brauchen diese Zimmerbambus allerdings einen Standort in wirklich hellen Innenräumen, und gegen sommerliches "Licht tanken" im Freien ist auch nichts zu sagen.

Schwierigkeiten gibt es hier am ehesten mit der Luftfeuchtigkeit, die in der subtropischen Heimat des Bambus zwischen 60 und 80 % liegt und in unseren Wohnräumen (hoffentlich, mit Blick auf die Schimmelgefahr) nicht dauerhaft 50 % übersteigt. Eine Diskrepanz, die durch regelmäßigen Einsatz einer luftbefeuchtenden Sprühflasche oder Umstellen des Zimmerbambus mit mehreren durstigen Grünpflanzen etwas abgemildert werden kann. Einen Einzelplatz in trockener Heizungsluft mögen Zimmerbambus weniger, da sie über ihre vielen Blätter viel Wasser verdunsten.

bambus fargesia rufaEin Sommerstandort im Freien wird gerne angenommen, auch hier sollten Zimmerbambus aber an heißen Sonnentagen mit Wasser besprüht werden, gerne öfter. Vorsicht mit direkter Sonne, je größer die Blätter einer Bambusart sind, desto mehr Schutz und Gewöhnung braucht der Bambus.

Der Topf sollte einem Zimmerbambus einen ausreichenden Wurzelraum bieten, er sollte nach dem Kauf umgepflanzt und dabei nur so tief gesetzt werden, dass die Oberkante des Wurzelballens mit der Erdoberfläche im Topf abschließt.

Das Substrat sollte nährstoffreich, (durch Untermischen von Sand) locker und durchlässig sein und möglichst auf einen pH-Wert knapp unter 6 leicht sauer eingestellt werden (besser mit speziellem Kompost wie Rindenkompost als mit umweltfeindlichem Torf). Zu viel Kalk (basische pH-Werte) mag der Zimmerbambus nicht, ab pH 7 können die Bambuswurzeln nicht mehr alle Nährstoffe aufnehmen, ab  pH 8 ist der Bambus vom Absterben bedroht (aber pH-Werte um oder über 8 verträgt kaum eine Pflanze). Deshalb darf auch nicht mit zu kalkhaltigem Wasser gegossen werden, sehr kalkhaltiges Leitungswasser wird durch einen Löffel Essig weicher.

Nach dem Pflanzen wird der Zimmerbambus gut angegossen und in der Folge das ganze Jahr über regelmäßig und reichlich gewässert. Bei mehreren Bambuspflanzen auf einen warmen Sommerbalkon lohnt sich unbedingt die Installation eines Perlregners oder eines Tropfenbewässerungssystems.

Gedüngt wird gewöhnlich drei Mal im Jahr, im April zum Austrieb, im Juni auf dem Höhepunkt des Wachstums und im September als Wintervorbereitung eine kalibetonte Düngung. Überwintert werden diese Zimmerbambusse, wie gerade bei den Namensvettern beschrieben wurde.

Bambus im Kübel

Das für die Kübelhaltung angebotene Bambussortiment hält eine reine Zimmerhaltung meist eher nicht lange aus. Es wird dennoch nachfolgend kurz aufgeführt, da Wintergärten und Gewächshäuser umbaute Räume sind und manchen Gärtnern als Zimmer gelten:
  • Chimonobambusa tumidinoda, Spazierstockbambus
  • Fargesia murielae 'Jumbo'
  • Fargesia murielae 'Simba'
  • tatea acuminata, Mexikanischer Trauerbambus
  • Phyllostachys aurea in der Naturform
  • Phyllostachys aureosulcata f. aureocaulis
  • Phyllostachys aureosulcata f. spectabilis
  • Pseudosasa japonica
  • Phyllostachys nigra, Schwarzrohrbambus, auch als P. nigra f. punctata
  • Pleioblastus simonii
Die Pflege des Kübel-Bambus gestaltet sich wie gerade beim Zimmerbambus beschrieben, mit folgenden Besonderheiten: Der Bambus im großen Kübel eignet sich nur für Standorte im Wintergarten und Gewächshaus, an denen die Luftfeuchtigkeit auf 60 bis 80 % eingestellt werden kann und dem Bambus wenigstens in dieser Hinsicht optimale Wachstumsbedingungen bietet. Der Pflanzkübel sollte hier mindestens doppelt so groß sein wie der Wurzelballen und wie der kleinere Pflanztopf an der Unterseite mit Entwässerungslöchern ausgestattet sein. Als optimales Substrat für die Kübelhaltung hat sich beim Bambus eine Mischung von 30 % reifer Komposterde, 30 % Bimsstein, Blähton, Perlite, 20% Rindenkompost (zum Ansäuern) und 20 % Lehm herausgestellt.

Tipp - Wenn Sie sich einen besonders schönen, aber nicht gerade alltäglichen Zimmerbambus oder Kübelbambus ausgeguckt haben, kommt der gewöhnlich per Bestellung ins Haus. Achten Sie dann unbedingt darauf, dass der Versand nur bei Temperaturen über 15 °C stattfindet, damit Ihr Bambus nicht schon angeschlagen ins Haus kommt. Sie können an den Versandbedingungen gleich die Seriosität des Händlers prüfen, denn bei seriösen Händlern brauchen nicht Sie auf die Versandtemperatur achten, sondern der Händler achtet selbst darauf.

Bambus schneiden

Zwei von den vorgestellten Zimmerbambussen bzw. Zimmerbambus-Gruppen sind Gräser und können wie jedes Gras (Rasen) beliebig weit und oft beschnitten werden, der dritte ist ein Drachenbaum und damit auch unproblematisch schnittverträglich.

Inwieweit Sie mit der Schere wirklich Hand anlegen, hängt von Wuchsform und Wuchskraft des "Zimmerbambus" ab:
  • Das Süßgras Pogonatherum paniceum wächst von selbst zum gefälligen Tuff und braucht kaum beschnitten werden
  • Der Glücksbambus muss dagegen sehr häufig beschnitten werden, wenn Sie einen großen Drachenbaum aus ihm ziehen wollen
  • Echter Bambus im Zimmer muss schon öfter einmal beschnitten werden, weil er den ihm zugewiesenen Platz überschreitet
  • Manchen echte Bambuspflanzen tut ein jährlicher Schnitt im Frühjahr gut
  • o sollten die langen Triebe von Bambusa vulgaris gekürzt werden, um eine runde Krone zu gestalten
Tipp - Wenn Sie Ihren Zimmerbambus beschneiden, gewinnen Sie gleich Material für die Vermehrung, die meist schon bei schlichtem Einpflanzen abgeschnittener Pflanzenteile funktioniert. Pogonatherum kann auch durch Wurzelausläufer/Wurzelteilung vermehrt werden, rhizombildende Bambusarten durch Rhizomstücke, horstbildende Bambusarten durch Teilung der Horste.