Weiße Wollläuse an Orchideen - so bekämpfen Sie Läuse

WollläuseWeiße Wollläuse schädigen die betroffenen Pflanzen vor allem dadurch dass sie Pflanzensaft saugen und diese dadurch deutlich schwächen. Zudem können sie Viruskrankheiten übertragen, die die Orchideen zusätzlich schwächen und schlimmstenfalls absterben lassen. Deshalb sollte frühzeitig mit der Bekämpfung begonnen werden, denn je früher ein Befall erkannt und bekämpft wird, desto erfolgversprechender ist diese. Besonders häufig tritt ein Befall während der kalten Jahreszeit auf, bei warmer und trockener Raumluft, sowie an bereits geschwächten Pflanzen.

Hausmittel zur Bekämpfung weißer Wollläuse

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Spiritus und Seife

Spiritus kann zur Bekämpfung von Wollläusen auf verschiedene Art und Weise zum Einsatz kommen. Beispielsweise in einem Gemisch aus 1 l Wasser, 10 ml Spiritus und einigen Tropfen Spülmittel. Alternativ dazu kann man 15 ml Spiritus und 15 ml Kern- oder Schmierseife oder Paraffinöl mit 1 l Wasser mischen und die Pflanze entsprechend damit behandeln. Man trägt das jeweilige Gemisch am besten mit einem weichen Pinsel auf und betupft dabei nur auf die befallenen Stellen. Das Einsprühen der kompletten Pflanze sollte vermieden werden, da einige Orchideen sehr empfindlich reagieren. Spülmittel und Seife dienen hierbei als Emulgator, der dazu dient, dass sich die Substanzen miteinander verbinden. Der Alkohol soll die äußere Wachschicht der Wollläuse auflösen. Bei beiden Mischungen muss die Behandlung mehrmals in Abständen von 2-3 Tagen wiederholt werden, bis die Pflanze schädlingsfrei ist.

Tipp: Man kann Spiritus auch unverdünnt anwenden, indem man mit einem darin getränkten Wattestäbchen die Schädlinge direkt bestreicht oder die Orchidee mit einem in Spiritus getränkten Tuch abwischt.

Selbst hergestellte Öl-Emulsion
  • Ölhaltige Mittel sind für Orchideen in der Regel nicht empfehlenswert.
  • Auf ölhaltige Präparate reagieren vor allem dünnblättrige Orchideen sehr empfindlich.
  • In geringer Konzentration und bei punktueller Anwendung ist das aber meist kein Problem.
  • Ein entsprechendes Gemisch kann man leicht selbst herstellen.
  • Beispielsweise aus 1 l Wasser, 2 Esslöffeln Speiseöl und einigen Spritzern Spülmittel.
  • Das Ganze dann mit einem Pinsel direkt auf die Wollläuse aufgetragen.
  • Bei Bedarf in kurzen Abständen mehrmals wiederholen.
Tipp: Großflächig aufgetragen verklebt das Öl die Poren, die Pflanze kann nur schwer atmen und schlimmstenfalls eingehen.

Wollläuse mithilfe der Homöopathie bekämpfen

OrchideeHomöopathie ist in vielerlei Hinsicht hilfreich, so auch bei der Schädlingsbekämpfung. Gegen die Weiße Wolllaus soll Sulphur C 200 sehr effektiv und schnell wirken. Es wird in Form kleiner Streukügelchen (Globuli) angeboten. Von diesen Globuli löst man 4-6 Stück in 2-3 Litern handwarmem Wasser auf und verrührt alles gründlich. Mit diesem Gemisch werden befallene Pflanzen dann gespritzt, besprüht oder damit gegossen. Tritt keine kurzfristige Besserung ein, wiederholt man das Ganze nach drei Tagen und gegebenenfalls nach weiteren drei Tagen ein weiteres Mal. Sobald eine Besserung erkennbar ist, ist abwarten angesagt. Häufig wird beobachtet, dass Pflanzen, die mit diesem Mittel behandelt wurden, nach und nach robuster werden.

Tipp: Orchideen lieben Tauchbäder in wohltemperiertem kalkfreien Wasser. Aufgrund dessen kann man sie auch für etwa 20 Minuten in ein entsprechendes Wasserbad
stellen, dem man zuvor dieses homöopathische Mittel beimischt.


Bei Befall im Wurzelbereich umtopfen

Ein oberirdischer Befall ist meist leicht zu erkennen. Anders sieht es im Wurzelbereich aus,

hier wird er häufig erst beim Umtopfen sichtbar. Sollten der Wurzelhals oder die Wurzeln befallen sein, ist das Umtopfen der Orchidee unumgänglich. Dazu nimmt man die Pflanze vorsichtig aus dem Topf und entfernt das alte Substrat. Anschließend braust man die Wurzeln mit einem stärkeren Wasserstrahl gründlich ab. Was den Topf betrifft, kann man entweder einen neuen verwenden oder den alten nach einer gründlichen Reinigung wiederverwenden. Das alte Substrat sollte im Hausmüll entsorgt werden. Bevor man in neues Substrat pflanzt, ist es ratsam, dieses keimfrei zu machen, um mögliche Viren, Insekteneier oder Keime abzutöten. Dazu kann man es z.B. für 15-20 Minuten bei 200 Grad in den Backofen oder für etwa 5 Minuten bei 800 Watt in die Mikrowelle geben und dann auskühlen lassen.

Tipp: Wer ganz sichergehen will, sollte befallene Orchideen zusätzlich zur Behandlung der oberirdischen Pflanzenteile vorsichtshalber auch immer umtopfen.
Natürliche Fressfeinde dieses Schädlings

Schlupfwespen

Wie die meisten Schädlinge haben auch Wollläuse natürliche Fressfeinde, die ihnen der Garaus machen oder zumindest eine Ausbreitung eindämmen können. Nutzinsekten wie z. B. Schlupfwespen können bei speziellen Nützlingslieferanten käuflich erworben werden. Unter den Schlupfwespen hat sich vor allem die Art Leptomastix dactylopii auf Wollläuse spezialisiert. Diese ca. 3 mm kleinen Tiere benötigen Temperaturen von mindestens 24-27 Grad und viel Licht, um sich optimal entwickeln und ihre Arbeit aufnehmen zu können. Denn nur so können sie ausreichend Eier in die erwachsenen Wollläuse und deren Larven ablegen, um diese letztendlich zu vernichten. Eine andere Schlupfwespenart, die gegen Wollläuse eingesetzt werden kann, heißt Leptomastidea abnormis. Sie ist nur etwa 2 mm groß und benötigt Temperaturen zwischen 20 und 24 Grad, kommt aber mit weniger Licht aus.

Florfliegen

  • Neben Schlupfwespen können auch Florfliegen zum Einsatz kommen.
  • Eine geeignete Florfliegenart ist Chrysoperla carnea, auch Goldauge genannt.
  • Sie vertilgt neben Wollläusen auch andere Schädlinge.
  • Die erste Generation dieser Florfliegen macht sich über Milben und Thripse her.
  • Während die Zweite mit Vorliebe Woll- und Blattläuse vertilgt.
  • Meist werden die Florfliegenlarven geliefert, wenn sie sich im ersten Larvenstadium befinden.
  • Sie benötigen dann Temperaturen zwischen 10 und 30 Grad.
  • Sie kommen ebenso wie Schlupfwespen auch mit weniger Licht aus.
Australischer Marienkäfer

OrchideeDer Australische Marienkäfer der Art Cryptolaemus montrouzieri ist bei der Bekämpfung von Woll- und Schildläusen häufig die erste Wahl, denn er ist der effektivste Woll- und Schmierlausräuber. Er hat eine Lebensdauer von etwa 50 Tagen. Für einen bestmöglichen Bekämpfungserfolg benötigen sie Temperaturen von über 20 Grad sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit von mehr als 70 %. Der Marienkäfer ist zum Überleben auf Trinkwasser angewiesen. Dementsprechend ist es hilfreich, die Pflanzen häufiger mit Wasser zu besprühen. Um sich langsam an die neuen Umgebungsbedingungen gewöhnen zu können, sollten die Käfer abends auf den befallenen Pflanzen ausgebracht werden.

Tipp: Ganz gleich, für welche Art von Nützling man sich entscheidet, jede Art sollte grundsätzlich unmittelbar nach Erhalt an Ort und Stelle und nach Anweisung des jeweiligen Herstellers ausgebracht werden.

Chemie, das letzte Mittel der Wahl

Es gibt ausreichend Möglichkeiten, Schädlinge an Orchideen ohne Gift zu bekämpfen, sodass auf den Einsatz chemischer Präparate in den meisten Fällen verzichtet werden kann und sollte. Diese werden in Form von Stäbchen, als Granulat oder Sprays angeboten. Granulate und Stäbchen enthalten in der Regel neben Gift auch Dünger, was unbedingt berücksichtigt werden sollte, denn Orchideen reagieren sehr empfindlich auf Düngersalze. Möchte man trotz allem nicht auf derartige Mittel verzichten, sollte man sich dabei immer genauestens an die Herstellervorgaben halten.

Fazit

Grundsätzlich ist es immer besser, Schädlingen vorzubeugen, als sie zu bekämpfen. Das kann man tun, indem man auf optimale Standortbedingungen und Pflege achtet und die Pflanzen regelmäßig auf einen möglichen Befall kontrolliert. Vor allem beim Kauf sollte auf gesunde Pflanzen geachtet werden. Kommt es trotz allem zu einem Befall, ist es wichtig die befallene Pflanze schnellstmöglich von den gesunden zu isolieren, um eine Übertragung und weitere Ausbreitung zu verhindern. Je früher man dann mit der Bekämpfung beginnt, desto erfolgversprechender ist diese.