Bekämpfung von Erdraupen - im Garten- und Weinbau

Bekämpfung von Erdraupen - im Garten- und Weinbau

Wenn Sie im Frühjahr Raupen am Boden bemerken, die sich über Ihre Gemüsepflanzen hermachen, werden Sie sicher wissen wollen, wie Sie diese Fressmaschinen bekämpfen können. Vielleicht interessiert es Sie auch, wer hier frisst:

schaedlinge-raupe flWas sind Erdraupen?

Erdraupe wird umgangssprachlich jedes Tierchen genannt, das am Boden wohnt und später zu einem Eulenfalter werden will. Das ist nicht sehr präzise, die Eulenfalter sind eine Schmetterlingsfamilie mit etwa 35.000 Arten. Die Pflanzenschutzliteratur grenzt schon etwas

ein, nur die Raupen der Unterfamilie Noctuinae (Eulen) werden als Erdraupen angesehen. Die Biologen sind noch etwas genauer: Taxonomisch dürfen sich nur Raupen einiger Gattungen der Eulen Erdraupen nennen. Das sind die Gattungen Agrotis (Erdeulen) und Euxoa (Bodeneulen), deren Vertreter so lustige Namen wie Hausmutter oder Ausrufezeichen oder Ypsiloneule tragen.

Wann und woher?

Die weiblichen Nachtfalter legen auf den Blättern verschiedenster Gewächse ihre Eier ab, aus denen dann die Raupen schlüpfen. Die Raupen überwintern meist und erwachen ausgehungert im Frühjahr, nun müssen sie die Zeit bis zur Verpuppung nutzen, um groß und stark werden. Die Jungraupe lebt und frisst oberirdisch, wenn sie älter wird, gräbt sie sich in den Erdboden ein und kommt bis zur Verpuppung nur noch nachts zum Fressen an die Oberfläche. Im Garten und im Weinberg sind gerne die Raupen des Ausrufezeichens, der Saateule und der Ypsiloneule unterwegs. Um das genau festzustellen, müssten Sie die schwer bestimmbaren Raupen aber schon füttern, bis sie sich als Falter zu erkennen geben.

Schaden durch Erdraupen
  • Wie auch immer sie genau einzuordnen ist, die Raupe am Boden hat Hunger und will an Ihren Salat. Sie mag auch gerne Weinblätter und jedes Wurzelgemüse von Möhre bis Sellerie. Zur Not werden dann noch Kohlgemüse, Lauch und Kartoffeln, Spinat und Zwiebeln und manche essbaren Wildkräuter, wie die Gänsefuß-Arten Erdbeerspinat und Guter Heinrich in den Speiseplan aufgenommen. Wenn die Raupe dann etwas größer ist, frisst sie alle Pflanzen mit schmackhaften Wurzeln von unten an.
  • Wahrscheinlich am anfälligsten ist der Kopfsalat, der sich auch so schön einfach vertilgen lässt. Junge Pflanzen werden mitunter völlig aufgefressen,
    die Erdraupen ziehen die Blätter sogar teilweise unter die Erde. Oder die Erdraupen fressen den ganzen Wurzelhals durch, der Salatkopf liegt dann nur noch lose auf dem Boden.
Vorbeugung und Bekämpfung
  • Für den Gemüsegarten ist die Mischkultur eine Erfolg versprechende Idee, Erdraupen-Leckereien werden durchsetzt mit Pflanzen, die die Erdraupen nicht mögen (z.B. Tomaten im Selleriebeet). Sie müssen sich dann natürlich kundig machen, welche Nachbarn gut in einer Mischkultur zusammenleben. Die Erdraupen leben nicht gern im Feuchten, Sie sollten also durch Mulchen und regelmäßiges Gießen für eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit sorgen.

  • Bei starkem Befall könnten Sie die Raupen absammeln, nachdem Sie sie mit einer Mischung aus zwei Teilen Wasser und einem Teil Kleie, der je Liter 3 El Zucker und 3 El Quassia (gemahlenes Bitterholz) beigemischt wurde, aus ihren Schlupflöchern hervorgelockt haben.

  • Vor allem im Weinbau wird immer wieder die Unkrautentfernung empfohlen, damit die Eulenfalter ihre Eier nicht ablegen können. Meist ist das kontraproduktiv, die Eier werden trotzdem untergebracht, und die Raupen fressen eben sofort Weinstock oder Gemüse an, während sie sonst erst

    die Unkräuter vertilgt hätten.

  • Wenn Sie viele Tiere im Garten haben, haben Sie gute Chancen, dass diese bei der Bekämpfung helfen: Igel, Kröten, Amseln, Laufkäfer, Raupenfliegen, Spitzmäuse, Schlupfwespen und Maulwürfe sind erklärte natürliche Feinde der Erdraupen. Auch Hühner fressen sehr gerne Erdraupen, wenn Sie also schon lange von den Eiern aus dem eigenen Hühnerstall träumen, könnte die Erdraupen-Bekämpfung den finale Anstoß zur Verwirklichung dieses Traumes geben: In Weinbergen werden heute gerne Hühner gehalten, die die Erdraupen ausgesprochen effektiv dezimieren.
  • Das Pflanzenschutzamt Berlin empfiehlt Alternativen zu synthetischen Pflanzenschutzmitteln, im Fall der Erdraupen soll Tee aus Salbei, Ysop oder Thymian helfen. 10 Gramm Blätter (bei Ysop 100 g) werden mit einem Liter kochendem Wasser übergossen und dürfen 20 Minuten zugedeckt ziehen, nach dem Abkühlen wird der Tee 1 zu 3 verdünnt und auf die Jungpflanzen gegeben.

  • Dann können noch wirtspezifische Nematodenpräparate eingesetzt werden, die in die Erdraupen eindringen und ihnen durch Abgabe symbiontischer Bakterien den Garaus machen. Diese millimetergroßen Älchen oder Fadenwürmer sind ungefährlich für Pflanzen, Menschen und die Umwelt.

  • Die chemische Bekämpfung ist im Gemüsegarten meist unerwünscht, aber auch ziemlich aussichtslos: Alle zugelassenen Mittel konnten in einem Versuch der mecklenburg-vorpommerschern Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei den Erdraupen wenig anhaben.

  • Wenn die Erdraupen Sie zu sehr ärgern, könnten Sie als Vorbeugung für nächstes Jahr noch Ihre Gemüsekulturen mit Kulturschutznetzen abdecken, dann können die Nachtfalter ihre Eier nicht an den Pflanzen ablegen.