Rapsglanzkäfer im Garten biologisch bekämpfen

Käfer verbotenÜberschreiten die Temperaturen im Frühling die 15-Grad-Marke, verlässt der Rapsglanzkäfer das Winterquartier und beginnt seine zerstörerischen Aktivitäten. Der 1-2 mm kleine, metallisch glänzende Schädling konzentriert sich längst nicht nur auf Raps, sondern befällt die Blüten wichtiger Kulturpflanzen aus der Familie der Kreuzblütler. Auf der Jagd nach Blütenstaub zerbeißt der Schädling die geschlossenen Knospen, die daraufhin absterben. Die Ernte von Blumenkohl, Brokkoli oder Meerrettich ist bedroht. Zierpflanzen, wie Blaukissen, kümmern dahin. Wie Sie den Rapsglanzkäfer im Garten biologisch bekämpfen, finden Sie hier heraus.


/>Erscheinungsbild und Lebensweise

Um dem Rapsglanzkäfer beizukommen, spielt der Zeitfaktor eine essenzielle Rolle. Je frühzeitiger Sie einen Befall erkennen, desto schlagkräftiger erweist sich die Bekämpfung. Machen Sie sich daher zunächst vertraut mit der äußeren Erscheinung und Lebensweise des Schädlings.
  • Käfer ist 1,5 bis 2,5 mm klein mit länglich-ovalem Körper
  • Farbgebung in schimmerndem Schwarz-Blau, Violett oder Grün
  • Gelblich-weiße Larven, 1-4 mm lang mit braunem Kopf
  • Beginn der Aktivitäten ab 15 Grad Lufttemperatur
  • Befall des Gartens erfolgt von den Beeträndern her
Rapsglanzkäfer beißen in die noch geschlossenen Knospen von Kreuzblütlern, um an die Blütenpollen zu gelangen. Die beschädigten Knospen vergilben, trocknen aus und fallen zu Boden. Im weiteren Verlauf bohren die weiblichen Käfer zahlreiche Knospen an, um darin ihre Eier abzulegen. Innerhalb weniger Tage schlüpfen die Larven, um sich von Blütenstaub und Nektar zu ernähren. Fatalerweise ist die Brut fähig, von Blüte zu Blüte zu wechseln. Am Ende der Blütezeit lassen sich die Larven zu Boden fallen, verpuppen und verwandeln sich innerhalb von 14-18 Tagen in die nächste Käfer-Generation.

Überwachung und Schadschwelle

Damit Sie den optimalen Termin für die biologische Bekämpfung nicht verpassen, geben aufgestellte Gelbfallen Aufschluss über die Populationsentwicklung im Garten. Dezidierte Informationen liefern in der Folge Klopf- und Schüttelproben an mehreren Pflanzen. Schütteln Sie zur Mittagszeit gefährdete Zier- und Nutzpflanzen über einem Gefäß aus und zählen die Käfer. Wählen Sie vorzugsweise Gewächse am Beetrand aus, da die Plage von hier aus stets ihren Anfang nimmt. Die folgenden Schadschwellen erfordern umgehende Maßnahmen gegen Rapsglanzkäfer:
  • Zu Beginn der Knospenbildung: 1-2 Käfer
  • 14 Tage vor Beginn der Blüte: 4 Käfer
  • Unmittelbar vor der Blüte: 5-6 Käfer
Abhängig vom Entwicklungsstadium der Pflanzen, können somit durchaus einige Käfer toleriert werden. Entscheidend ist dabei nicht einzig die Anzahl von Käfern, sondern zugleich die Konstitution der Gewächse. Am ungeeigneten Standort mit staunassem Boden und minderen Temperatur- und Lichtverhältnissen kann ein Totalausfall drohen, während eine starke Pflanze locker 5-6 Käfer toleriert.

Tipp: Im fortgeschrittenen Stadium einer Blüte können Zier- und Nutzpflanzen am geeigneten Standort problemlos mehrere Rapsglanzkäfer verkraften, ohne explizite Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen zu müssen.

Biologische Bekämpfungsmethoden

In den vergangenen Jahren ging die Landwirtschaft unter Einsatz chemischer Insektizide gegen Rapsglanzkäfer vor. Fatalerweise entwickelten die Schädlinge ein hohes Maß an Resistenz gegen die Präparate. Hier wurde die Forschung zurückgeworfen auf ihren Ausgangspunkt. Demgegenüber profitieren Hobbygärtner heute von den Erfahrungen aus dem Anbau von Bio-Raps. Herauskristallisiert haben sich die folgenden Methoden, die sich auf den Hausgarten problemlos übertragen lassen:

Absammeln

Was auf großen Feldern die Käfersammelmaschinen übernehmen, verrichtet der umweltbewusste Hobbygärtner per Hand. Im zeitigen Frühjahr kann ein fleißiges Absammeln von Rapsglanzkäfern den Befallsdruck immerhin um bis zu 30 Prozent mindern, sodass die Toleranzgrenze für Zier- und Nutzpflanzen erreicht wird und kein weiteres Vorgehen erforderlich ist.

Pflanzenöl-Seifen-Lösung

Indem die

Randbereiche von Beeten mit einer Mixtur aus Pflanzenöl, neutraler Seife und Wasser besprüht werden, kann die Einwanderung von Rapsglanzkäfern reduziert werden. Wichtig zu beachten ist, eine reine Kern- oder Schmierseife zu verwenden und kein
handelsübliches Reinigungsprodukt. Bei Bedarf sollte ein Emulgator aus der Apotheke untergemischt werden, damit sich die Zutaten besser vermischen.

Gesteinsmehl

In der naturverbundenen Bewirtschaftung des Gartens dienen feine Gesteinsmehle als natürlicher Dünger. Überdies haben sie sich einen Namen gemacht in der Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Einen abwehrenden Effekt übt der Pflanzenhilfsstoff ebenfalls auf Rapsglanzkäfer aus. Während die düngende Wirkung auf sich warten lässt, hemmt feines Gesteinsmehl den Käfer- und Larvenfraß unverzüglich. In Laborversuchen wurde festgestellt, dass die Wirksamkeit darauf beruht, dass der schützende Wachspanzer aufgelöst wird. Wahlweise bringen Sie das Präparat trocken mithilfe einer Puderspritze aus oder lösen es gemäß Dosierungsanleitung auf in Wasser, um es mit der Sprühflasche zu verteilen.
  • Erste Behandlung mit Gesteinsmehl erfolgt zeitgleich mit der Knospenbildung
  • Zweite Behandlung kurz vor der Blüte durchführen
Abhängig von der Witterung sind weitere Anwendungen erforderlich, denn sowohl Regen als auch starker Wind beeinträchtigen die Effektivität des biologischen Mittels.

Schlupfwespen

Schlupfwespe Richtet sich der Blick auf hilfreiche Nützlinge gegen die Larven des Rapsglanzkäfers, rücken Schlupfwespen in den Fokus. Bislang haben sich immerhin 9 Arten dieser Netzflügler als parasitierende Feinde herausgestellt. Intensive Feldversuche der Universitäten Göttingen und Wien brachten die Erkenntnis, dass im naturnah gestalteten Garten mit einer entsprechenden Population an Schlupfwespen, die Sterblichkeitsrate der Larven bei bis zu 54 Prozent lag. Während in Fachbetrieben spezielle Schlupfwespenarten gezüchtet werden für den Einsatz in Wohnräumen, kommt diese Methode für Beetflächen unter freiem Himmel weniger in Betracht. Streben Sie an, diese Nützlinge als Schützenhilfe im Kampf gegen Schädlinge zu gewinnen, sollten entsprechende Rückzugsorte geschaffen werden. Hier fühlen sich Schlupfwespen heimisch:
  • Artenreich bepflanzte Trockenmauern
  • Gemischte Hecken
  • Hohle Baumstämme
Umrahmen Sie die Beete mit bunten Blumenstreifen, untermalt diese Maßnahme nicht nur das optische Erscheinungsbild, sondern lädt Schlupfwespen zum Verweilen ein. Von dort aus nehmen sie die Larven der Rapsglanzkäfer aufs Korn, parasitieren die Brut und heraus kommt die nächste Schlupfwespen-Generation.

Tipp: Inwieweit Nematoden sich als hilfreich in der biologischen Bekämpfung von Rapsglanzkäfern erweisen, wird derzeit intensiv erforscht. Praxisreife Lösungen liegen noch nicht vor. Erste Zwischenergebnisse geben indes Grund zur Hoffnung.

Neem

Der Neembaum (auch Niembaum genannt) ist in den Tropen beheimatet und liefert Früchte, die unter anderem Neemöl und Neemsamen liefern, die sich in der Schädlingsbekämpfung als wirksam zeigen. Insbesondere beißende Insekten, wie der Rapsglanzkäfer können mit Neem-haltigen Mitteln bekämpft werden. Die folgenden Präparate sind für die Verwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen:
  • Bio-Schädlingsfrei Neem von Bayer Garten (zugelassen bis 31.12.2023)
  • Lizetan Neem von Bayer Garten (zugelassen bis 31.12.2023)
  • Compo Bio Insektenfrei (zugelassen bis 31.12.2023)
  • Naturen Bio Schädlingsfrei Neem (zugelassen bis 31.12.2023)
Da es sich bei diesen Präparaten um teil-systemische Mittel handelt, sollten diese einzig als letzten Ausweg in Betracht gezogen werden. Neben dem natürlichen Wirkstoff des Neembaumes, enthalten die Produkte überdies Azadirachtin. Diese chemische Verbindung basiert zwar ebenfalls auf Neemöl, wird indes synthetisch hergestellt.

Vorbeugende Maßnahmen

In der Prävention spielt die artgerechte Kultivierung gefährdeter Zier- und Nutzpflanzen eine wichtige Rolle. Vermeiden Sie Lagen mit drohender Staunässe. Ein Standort mit Bodenverdichtung schwächt das Wachstum und öffnet dem zerstörerischen Treiben von Rapsglanzkäfern Tür und Tor. Wo ausschließlich mit organischen Mitteln gedüngt wird, regiert ein vitales Bodenleben und es kommt nicht zu schädlicher Überdüngung. Haben Sie Zugriff auf unbelastete Gülle, fungiert diese im zeitigen Frühjahr nicht nur als ausgezeichneter Startdünger, sondern vertreibt im gleichen Zug heranrückende Rapsglanzkäfer. Ist ein Garten durchströmt vom Duft ätherischer Öle, machen die Schädlinge offensichtlich einen großen Bogen um die Beete. Zumindest in Laborversuchen stellte sich die abwehrende Wirkung von Minzöl oder Lavendelöl heraus. Während die Wissenschaftler sich darum bemühen, die richtige Applikationstechnik und Produktformulierung herauszuarbeiten, pflanzen Hobbygärtner schon einmal Lavendel, Zitronenmelisse, Kampfer und vergleichbare Pflanzen.
 
Fazit

Um einem der wichtigsten Frühjahrsschädlinge Einhalt zu gebieten, ist der Zeitpunkt der Bekämpfung ebenso relevant, wie die Bekämpfung selbst. Überwinden die Temperaturen die 15-Grad-Schwelle, sollten die Zier- und Nutzpflanzen aus der Familie der Kreuzblütler täglich auf einen Befall durch den Rapsglanzkäfer kontrolliert werden. Da der Einsatz von chemischen Insektiziden im privaten Garten tabu ist, gehen Sie mit den hier vorgestellten biologischen Bekämpfungsmethoden gegen die destruktiven Käfer vor. Wie gut, dass altbekannte Mittel, wie Gesteinsmehl, Nützlinge und die klassische Pflanzenöl-Seifen-Mischung, sich bestens im Kampf gegen die Glanzkäfer und deren Larven bewähren.