Schaumzikaden bekämpfen - Mittel gegen Aphrophoridae

Wer im Juni in Auwäldern oder an Gewässern unterwegs ist, wird vielleicht erleben, dass er unter einem Baum plötzlich tropfnass wird, obwohl es gar nicht regnet. Das Phänomen wird durch kleine Insekten hervorgerufen, die sich an den Pflanzensäften laben. Die Larven von Schaumzikaden stechen Halme von Gräsern oder die Triebe von Bäumen an und ernähren sich von deren Säften. Und wie einige andere Parasiten können Aphrophoridae dabei gelegentlich auch Krankheiten übertragen. Zudem dringen manchmal über die Wunden Schadpilze in die befallenen Pflanzen ein.

Kurzer Steckbrief
  • lateinischer Name: Aphrophoridae
  • gehören in die Familie der Cercopoidae innerhalb

    der Rundkopfzikaden
  • meist unauffällig bräunlich bis Schwarz gefärbt
  • länglicher oder breitovaler Körperbau
  • ein bis zwei Dornen an den Hinterbeinen
  • zwei Punktaugen und ein Paar Facettenaugen
  • borstenförmige Fühler
  • ausgewachsene Schaumzikaden können fliegen und sehr gut springen
Ernährungsweise

Schaumzikaden verfügen wie alle Zikaden über einen Saugrüssel, über den sie ihre Nahrung aufnehmen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften und sind nicht sehr wählerisch bezüglich ihrer Wirtspflanzen. Die Schaumzikaden stechen bestimmte Pflanzenteile an und saugen den aufsteigenden Saft wie durch einen Strohhalm auf. Während die meisten Schaumzikadenarten vor allem Gräser, Binsen und krautige Pflanzen befallen, saugt die Gattung Aphrophora auch an Gehölzen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Nach der Paarung legen die weiblichen Schaumzikaden ihre Eier im Boden oder in das Gewebe der Wirtspflanze ab. Daraus entwickeln sich die Larven über verschiedene Stadien zum adulten Insekt. Da sich die kleinen Tierchen vom aufsteigenden Pflanzensaft ernähren, der nur einen sehr geringen Nährwert aufweist, ist ein hoher Durchsatz notwendig. Deshalb werden in der Regel große Mengen an überschüssiger Flüssigkeit wieder ausgeschieden. Bei Schaumzikadenlarven wird diese eiweißhaltige Flüssigkeit mit Luftbläschen aus der Atemhöhle versetzt. So erzeugen sie an der Pflanze ganze Schaumnester. Der Schaum, sogenannter Kuckucksspeichel oder Hexenspucke, dient einerseits als Schutz vor Feinden, andererseits hält er die notwendige Feuchtigkeit und Temperatur zur Weiterentwicklung der Larven aufrecht. Allerdings handelt es sich nicht um echten Speichel, das bläschenhaltige Sekret wird von den Larven über den After ausgeschieden. Dieser Schaum ist weder giftig noch schadet er der Pflanze in irgendeiner Weise.

Übrigens: Alle männlichen und teilweise auch die weiblichen Schaumzikaden sind in der Lage mit speziellen Trommelorganen auf ihrem Hinterleib einen rhythmischen Gesang zu produzieren, das typische Zirpen der Zikaden.

Schadwirkung

Mitteleuropäische Aphrophoridae sind im eigentlichen Sinne nicht als Schädlinge zu bezeichnen. Die recht groben Einstichwunden führen bei vielen Pflanzen lediglich zu einer Kallusbildung. Als Kallus wird das wulstige Gewebe bezeichnet, das an den Saugnarben entsteht. Je nach Menge der Zikaden und der Stelle, an der sich die Narben bilden, erhöht sich die Bruchanfälligkeit der Zweige. Gefährlich wird das vor allem bei größeren Bäumen wie der Weide. Bei extrem dichter Eiablage kann es auch zum Welken der Triebe kommen. Zudem wird das Eindringen von Schadpilzen begünstigt. In seltenen Fällen ist es möglich, dass die Schaumzikaden beim Saugen Krankheitserreger übertragen. Erkennungsmerkmale für einen Befall mit Schaumzikaden sind:
  • Schaumnester an der befallenen Pflanze (ab Mai oder Juni)
  • sogenannte "tränende Weiden": hier ist der Befall so groß, dass der Pflanzensaft aus der Weide heraustropft
  • zirpende Gesänge, die an Grillen erinnern
  • bei Berührung der Triebe fliegen die aufgeschreckten Tiere in Scharen davon
  • Knospen an Pflanzen sterben ab und werden Braun (Knospenbräune)
  • Kallusbildung an verholzten Trieben
  • silbrig-weiße Punkte auf den Blättern
Tipp: Sterben Triebe oder Knospen bei einem Befall mit Schaumzikaden ab, sind meist Krankheitserreger oder Pilze in die Pflanze eingedrungen. Hier muss möglichst

frühzeitig gehandelt werden und alle Triebe bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Schnitt im Hausmüll - und keinesfalls im Biomüll oder auf dem Kompost - entsorgen.


Bekämpfung

Zikaden wie die Schaumzikade sind eigentlich ein Indikator für ein intaktes Ökosystem und müssen nicht unbedingt bekämpft werden. Erst ab einer massenhaft auftretenden Population werden die Schaumzikaden lästig, da sie nicht nur überall auf den Pflanzen herumkrabbeln, sondern auch lautstarke Gesänge von sich geben. Zudem besteht die Gefahr von Infektionen mit Krankheitserregern, die sich durch die Wunden in der Pflanze einschleichen und die Pflanze zum Absterben bringen können. Ein sehr starker Befall bringt manchmal auch die Triebe (durch den Flüssigkeitsverlust) zum Welken. In diesen Fällen muss gehandelt werden.

underline;">1. Larven entfernen
Der Schaum, in dem sich die Larven der Schaumzikaden befinden, kann ganz einfach mit dem harten Strahl aus einem Gartenschlauch abgespült werden. Diese Maßnahme erschwert den Larven das Überleben. Bei Rosen und Stauden sind meist Wiesenschaumzikaden am Werk. Sie schaden nicht unbedingt, stellen jedoch ein optisches Problem dar. Werden Kräuter oder Erdbeeren befallen, können die Larven vorsichtig abgespült werden, um die Pflanzen und Früchte nicht zu verletzen. Dieser Vorgang sollte mehrfach wiederholt werden, um wirklich alle Larven von der Pflanze zu spülen.
Tipp: Der Schaum und auch die Zikadenlarven sind weder giftig, noch stellen sie sonst in irgendeiner Form ein gesundheitliches Problem für den Menschen dar.

2. Fressfeinde fördern
Abhängig von der Art der Schaumzikade und ihrer Körpergröße bleiben die kleinen Tierchen in der Regel lange unentdeckt. Wer die flugfähigen, adulten Schaumzikaden bekämpfen möchte, sollte sich auf eine langwierige, jedoch nicht wirklich schwierige Bekämpfung einstellen. Aphrophoridae haben eine ganze Reihe von natürlichen Fressfeinden. Diese gilt es gezielt in den Garten zu locken und zu fördern. Doch lange nicht in allen Gärten finden Nützlinge geeignete Lebensbedingungen. Am besten eignen sich naturnahe Gärten, die nicht nur mit verschiedenen Wildblumen bepflanzt sind, sondern zudem auch Nistplätze und Schlupfwinkel (Steine, Asthaufen) bieten. Wer Nützlinge ansiedeln möchte, sollte gänzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Feinde der Aphrophoridae sind:
  • Raubwanzen
  • Spinnen
  • Ameisen
  • Vögel
  • Grabwespen
3. Gelbtafeln einsetzen
Viele fliegende Schädlinge können durch einen speziellen gelben Farbton angelockt werden. Dieses Phänomen wird bei Gelbtafeln dazu verwendet, die Insekten zu fangen. Die gelben Tafeln enthalten keinerlei Insektizide oder andere Gifte, sie sind lediglich mit einem geruchlosen Spezialleim bestrichen, der weder eintrocknet noch bei höheren Temperaturen zu tropfen beginnt. Weiße Fliegen, Trauermücken und auch Schaumzikaden fliegen zu den Gelbtafeln hin und bleiben im Leim haften. Auf diese Weise können sich die Schaumzikaden nicht mehr weiter vermehren und richten somit auch keinen Schaden auf den Pflanzen an.
  • gleich zu Kulturbeginn einsetzen
  • stets über den Kulturpflanzen aufhängen
  • auch für das Gewächshaus oder die Fensterbank geeignet
  • schaden den Nützlingen nicht
  • die Klebefähigkeit wird durch Wasser nicht beeinflusst
  • ganzjährig verwendbar
  • bei Bedarf austauschen
  • fangen nur die adulten Schaumzikaden
  • gegen die Larven muss separat vorgegangen werden
4. Mittel gegen saugende Insekten
Bei einem sehr starken Befall ist es sinnvoll, neben Gelbtafeln für die adulten Schaumzikaden auch ein Mittel gegen die Larven einzusetzen. Bei Schaumzikadenlarven wirken prinzipiell alle Mittel gegen saugende Insekten wie Blattläuse. Am besten wird auf ein Produkt mit ätherischen Ölen oder Lebermoosextrakt zurückgegriffen und chemische Wirkstoffe vermieden, um das biologische Gleichgewicht im Garten nicht zu stören.

5. Niemöl
Niemöl, auch als Neemöl bezeichnet, ist ein rein ökologisches Mittel, das aus den Samen des Niembaumes hergestellt wird. Es hilft gegen die unterschiedlichsten Schädlinge in Haus und Garten und ist ganz einfach anzuwenden.
  • aufgesprüht hilft Niemöl gegen akuten Befall
  • im Gießwasser stärkt es die Pflanze von innen heraus
  • Nützlinge sind in keiner Weise gefährdet
  • Lösung aus wenigen Tropfen Niemöl pro Liter Wasser herstellen
  • auf die Blätter (auch Blattunterseite) aufsprühen
  • dem Gießwasser beimengen (vorbeugende Wirkung)
  • gegebenenfalls zunächst Schaumnester mit dem Gartenschlauch abspülen
  • nicht bei Regen oder bei starkem Sonnenschein anwenden
Tipp: Die Larven der Schaumzikade sterben nicht sofort ab, sondern erst nach ein paar Tagen. Meist ist die Pflanze nach einmaligem Einsprühen noch nicht schädlingsfrei und die Prozedur muss mehrfach wiederholt werden.

Arten und Verbreitung

Außer in der Arktis und Antarktis leben Aphrophoridae überall auf der Welt. Besonders viele der etwa 850 Arten kommen in den Tropen vor. Einige Schaumzikaden bevorzugen feuchte Gebiete und leben in der Nähe von Gewässern oder Wiesen, andere leben in Trockengebieten. Bei uns kommen vier Gattungen der Schaumzikaden vor. Die kleinen Insekten werden in der Regel nach ihrem Verbreitungsgebiet oder der Wirtspflanze benannt, die sie bevorzugt heimsuchen. Aus diesem Grund sind vor allem diese Pflanzen bedroht. Bei uns sind folgende Schaumzikaden heimisch:

1. Aphrophora (relativ große Arten mit bis zu 12,5 cm Länge)
  • Erlenschaumzikade (Aphrophora alni)
  • Kiefernschaumzikade (A. corticea)
  • Alpenschaumzikade (A. major)
  • Bunte Weidenschaumzikade (A. pectoralis)
  • Braune Weidenschaumzikade (A. salicina)
2. Lepyronia (breitovale Körperform)
  • Wanstschaumzikade (Lepyronia coleoptrata), schimmert bläulich
3. Neophilaenus (artenreichste Gattung, deutlich schlankere Körperform)
  • Zwenkenschaumzikade (Neophilaenus albipennis)
  • Feldschaumzikade (N. campestris)
  • Waldschaumzikade (N. exclamationis)
  • Steppenschaumzikade (N. infumatus)
  • Grasschaumzikade (N. lineatus)
  • Zwergschaumzikade (N. minor)
  • Spitzkopf-Schaumzikade (N. modestus)
4. Philaenus (breitovale Körperform)
  • Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius)
Fazit

Schaumzikaden sind überaus faszinierende und meist völlig harmlose Insekten, die sich von Pflanzensäften ernähren. Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei einem Massenbefall, ist eine Bekämpfung notwendig. Schaumzikaden können mit gängigen Mitteln wie Gelbtafeln oder Niemöl bekämpft werden. Hier ist allerdings ein wenig Geduld gefragt, denn der Erfolg stellt sich erst nach einiger Zeit ein.