Ein Grundstück, zum Beispiel ein Haus mit Garten oder auch ein Schrebergarten wurde neu erworben. Die Vorbesitzer haben den Garten die letzten Jahre allerdings völlig sich selber überlassen und nun ist dieser verwildert. Doch mit den richtigen Schritten nach und nach kann auch ein völlig verwilderter Garten wieder einfach kultiviert werden. Natürlich bedeutet dies auch ein wenig Arbeit.

Überblick verschaffen

Der erste Schritt zu einem neuen Garten ist der, dass sich der Hobbygärtner einen Überblick über den Wildwuchs verschaffen muss. Denn je nachdem, wie hoch das Gras steht und die Sträucher in die Breite gewachsen sind, sind eventuelle vorhandene Wege und Sitzplätze gar nicht mehr erkennbar. Doch diese könnten auch in die Planung für den neuen Garten aufgenommen werden. Auch Beeteinfassungen, Borde, Baumstümpfe und sogar vom Vorbesitzer liegen gelassenes Baumaterial oder Werkzeug kann unter dem Wildwuchs verborgen sein. Daher sollte sich der Überblick wie folgt verschafft werden:
  • Fläche Quadratmeterweise abgehen
  • alles, was zum Stolpern führen könnte, mit einem Stab kennzeichnen
  • dies ist vor allem für den Einsatz von Maschinen
    wichtig
  • sonst könnten diese am Hindernis hängenbleiben
  • schlimmstenfalls zerstört werden
  • loser Müll und Materialien sofort zur Seite räumen
  • angelegte Wege und Terrassen kennzeichnen
Tipp: Werden die Hindernisse, wie zum Beispiel alte Baumstümpfe oder Beetbegrenzungen aus Stein nicht gekennzeichnet, kann es beim Einsatz von Rasenmäher oder Motorsense zu einem Schaden an den Maschinen kommen, wenn diese an die Hindernisse geraten.

Geräte, Materialien und Maschinen

Um den Garten in einen ersten, gut zu überblickenden Zustand zu bringen, werden einige Hilfsmittel benötigt. Nicht immer ist eine Motorsense oder eine Motorsäge bereits vorhanden. Wenn kein Kauf in der nächsten Zeit geplant ist, können alle Maschinen und Geräte auch im gut sortierten Gartenfachhandel tageweise ausgeliehen werden. Je verwilderter der Garten jedoch ist und Je länger die Arbeiten dadurch andauern, desto mehr empfiehlt sich ein Kauf. Um dem verwilderten Garten in den ersten Tagen entgegenzutreten, werden vor allem die Folgenden Geräte und Maschinen benötigt:
  • Motorsense, für das hohe Gras
  • Rasenmäher für den Feinschliff
  • Vertikutierer, um vorhandenen Rasen zu lüften
  • Fräse zum Auflockern von Böden
  • Kettensäge für Bäume
  • elektrische Heckenschere für den Heckenschnitt
  • Mistgabel
  • Schubkarre
  • Häcksler
  • Rechen
Tipp: Fräse, Kettensäge und Sense sind im gut sortierten Gartenfachhandel auch elektrisch erhältlich und müssen daher nicht zwingend mit einem Benzinmotor eingesetzt werden.

Aufräumarbeiten

BauerngartenBevor Sträucher oder Bäume ganz entfernt werden, sollte ein grober Plan für den neuen Garten bereits vorliegen. Denn alte Bäume, auch wenn sie ungepflegt aussehen, sind nicht so schnell zu ersetzen, können aber einen schönen Schattenplatz über einer Sitzecke im Garten bieten. Bei einer verwilderten Hecke muss beachtet werden, dass diese aufgrund des Naturschutzgesetzes und der in der Hecke eventuell brütenden Vögel nicht zwischen dem 01. März und dem 30. September radikal geschnitten werden darf. Einzeln stehende Sträucher dürfen jedoch zurückgeschnitten werden. Ansonsten sollte beim Aufräumen des verwilderten Gartens wie folgt vorgegangen werden:
  • losen Müll zur Seite in eine Ecke räumen
  • hohes Gras mit Motorsense trimmen
  • hierbei auf die gekennzeichneten Hindernisse achten
  • Grünschnitt in eine Ecke des Gartens zusammenrechen
  • hier kann direkt ein Kompost angelegt werden
  • dieser benötigt am Anfang keine Umrandung
  • große Bäume zurückschneiden
  • eventuell ganz fällen
  • Baumschnitt durch den Häcksler geben
  • ebenfalls auf Kompost bringen
Mit der Mistgabel den gesamten Schnitt auf die Schubkarre geben und in die Ecke bringen, in der der Kompost angelegt wurde. Gefundenen Müll, wie zum Beispiel alte Gartenhandschuhe vom Vorbesitzer, herumfliegende Tüten oder Papier und andere, nicht weiter verwertbare Materialien werden in einer anderen Ecke gesammelt. Eine Rasenfläche nochmals mit dem Rasenmäher abgehen.

Tipp: In eine dritte Ecke kommt das noch brauchbare Material, etwa eine Gartenschere, die noch zwischen den Sträuchern lag oder ein Gartenschlauch, der noch genutzt werden kann. Das Sortieren aller
gefundenen Gegenstände kann dann erst einmal warten.

Stil des Gartens

Der Stil des Gartens sollte sich natürlich dem des Hauses anpassen. Wer ein altes Bauernhaus gekauft hat und hier den Garten neu gestalten will, der wird sich sicherlich in Richtung Bauerngarten orientieren. Bei einem schlichten Einfamilien- oder Reihenhaus ist eigentlich alles möglich, ein modern gestaltetes Eigenheim hingegen sollte auch von einem modernen Garten eingefasst werden. Bei jeder Stilrichtung sollte vor der Planung das Folgende bedacht werden:
  • wünscht der Hobbygärtner sich Nutzpflanzen
  • sollen nur Beete mit blühenden Pflanze angelegt werden
  • passt die alte Gartengestaltung noch ins neue Konzept
  • muss alles geändert werden
  • oder kann die alte Gestaltung bestehen bleiben
Tipp: Der Stil des eigenen Gartens ist natürlich Geschmackssache und auch ein Bauernhaus kann durchaus von einem modern angelegten Gartenkonzept mit klaren Linien umrandet werden. Ebenso kann auch ein Bauerngarten an einem Einfamilien- oder Reihenhaus eine dekorative Wärme ausstrahlen.

Vorhandene Pflanzen behalten

AufräumarbeitenWurde der Garten grob aufgeräumt, kann entschieden werden, welche Pflanzen, Bäume und Sträucher behalten werden. Vielleicht befindet sich in einer Ecke auch ein wildes Blumenbeet mit Zwiebelpflanzen und Stauden. Auch dieses kann weiter genutzt werden, wenn es von den Unkräutern befreit und die Stauden zurückgeschnitten wurden. Auch eine bereits vorhandene Himbeerhecke kann nach dem Schneiden weiter genutzt werden. So sollte sich ein folgender Überblick verschafft werden:
  • befinden sich alte Obstbäume im Garten
  • gibt es weitere verwendbare Obstsorten
  • zum Beispiel Johannisbeeren, Stachelbeeren u.ä.
  • passen vorhandene Beete ins eigene Konzept
  • entsprechen die vorhandenen Pflanzen dem eigenen Geschmack
Wichtig bei der Entscheidung für die Bäume und Sträucher ist vor allem auch die Arbeitszeit. Denn eine Himbeer- oder Brombeerhecke wächst sehr schnell und kann dadurch auch im Sommer viel Arbeit machen.

Tipp: Wer sich nicht sicher ist, ob der eine oder andere Obstbaum noch Früchte trägt, sollte die nächste Ernte abwarten. Ist der Baum zu alt und trägt nicht mehr, kann er dann immer noch gefällt werden. Ebenso sieht es mit den Obststräuchern aus.

Ideen für Garten suchen

Wer noch nie einen Garten angelegt hat, für den kann es schwer werden, die Neuanlage auch zu planen. Befinden sich bereits Wege, eine Terrasse und weitere Sitzplätze in einem Garten, dann ist es einfacher, denn es bietet sich nach dem Aufräumen bereits ein einigermaßen fertiges Bild vom vorher verwilderten Garten. Ist dies jedoch nicht der Fall, dann müssen auch diese Anlagen geplant werden. Ein guter Tipp ist es dann, nicht nur verschiedene Gartenmagazine zu durchforsten. In vielen Gemeinden werden sogenannte "Offene Gärten" von Privatpersonen angeboten, die viele Inspirationen bieten können. Weitere Hilfen können wie folgt gefunden werden:
  • Pflanzenportraits im Internet anschauen
  • so können vorab viele Fragen geklärt werden
  • Boden- und Lichtansprüche
  • Abstände zu anderen Pflanzen
  • Breite und Höhe der gewünschten Pflanzen
Tipp: Vor dem Besuch eines "offenen Gartens" sollte der Besitzer gefragt werden, ob Fotos oder eventuell sogar ein kleiner Film gemacht werden dürfen. Dann können die vielen Eindrücke zu Hause nochmals Revue passieren und viele Ideen für den eigenen Garten gefunden werden.

Planung der Neuanlage

Wurde der Garten soweit von allem alten Bewuchs befreit, dann geht es an die Neuplanung. Wichtig ist hier vor allem auch der Zeitpunkt. Denn stehen auch am neu gekauften Haus noch einige Bauarbeiten an ist abzuwägen, ob Maschinen noch durch den Garten fahren müssen, um an das Haus zu gelangen. Dann lohnt sich eine Neuanlage des Gartens noch nicht. Ansonsten sollte bei der Planung des neuen Gartens wie folgt vorgegangen werden:
  • sollen die alten, eventuell vorhandenen Wege genutzt werden
  • ebenso bereits angelegte Terrassen oder Sitzplätze
  • liegen die Beete günstig
  • soll ein Teich angelegt werden
  • beim Pflanzen den Sonnenstand beachten
  • nicht alle Pflanzen vertragen den ganzen Tag Sonne
  • auch ganztägiger Schatten wird oft nicht vertragen
  • neue Wege oder Sitzplätze planen
  • Rasenfläche planen
  • Geräteschuppen oder Gartenhaus planen
In einem Beet sollten nicht
zu viele Pflanzen gepflanzt werden, denn ansonsten wird es schnell wieder unübersichtlich. Hier ist der Spruch "weniger ist mehr" zu beherzigen. So sollten nur wenige verschiedene Pflanzenarten, zum Beispiel fünf oder sechs, in einer größeren Gruppe eingesetzt werden. Von jeder Sorte werden dann drei bis fünf Pflanzen kultiviert. So wird in einem Beet Ruhe geschaffen.

Tipp: Wichtig bei der Planung des neuen Gartens ist vor allem, welche Zeit der Hobbygärtner für Arbeiten in seinem Garten einplant. Ein Teich, viele Bäume, eine lange Hecke oder auch viele Sträucher können viel Arbeit machen. Ist dies nicht gewünscht, sollte der Garten so pflegeleicht wie möglich angelegt werden.

Schritt für Schritt arbeiten

BeeteWenn der Garten nach der Planung fertiggestellt werden soll, dann muss hier Schritt für Schritt gearbeitet werden. So werden als erstes die groben Arbeiten durchgeführt. Hierzu gehören neu anzulegende Wege, Terrassen, Sitzflächen in einer Ecke im Garten sowie ein Wasserlauf, Teich oder Brunnen. Auch eine Grillecke mit einem festgemauerten Grill kann nun gebaut werden. Weiter sollte wie folgt vorgegangen werden:
  • Bäume nun dekorativ zurückschneiden
  • Gartenumzäunung planen
  • eventuell eine neue Hecke einpflanzen
  • Sichtschutz für Terrasse und Garten bauen
  • eventuell Pergola nach Plan aufstellen
  • auf Wunsch einen Geräteschuppen oder Gartenhaus bauen
Erst nach der Fertigstellung dieser Baumaßnahmen sollte der Feinschliff erfolgen. Wer viele Beete rund um eine noch nicht vorhandene Rasenfläche plant, sollte diese nun als erstes abstecken und abgrenzen. Je nach Jahreszeit können die Beete nun mit blühenden und Nutzpflanzen bepflanzt werden, bevor ein neuer Rasen eingesät wird, der die nächste Zeit nicht betreten werden darf. Ist alles fertig, eingepflanzt und angelegt, können Gartenmöbel und Dekorationen im Garten ihren Platz erhalten.

Tipp: Schneller, als einen neuen Rasen auszusäen geht es mit Rollrasen. Hierfür wird die vorgesehene Fläche vorbereitet und der Rasen ausgelegt. Auch dieser darf die ersten Tage nicht betreten werden, doch im Gegensatz zum Aussäen ist die Fläche viel schneller begeh- und belastbar.