Der Sommer im Garten könnte so schön sein, wenn es keine Wespen gäbe. Tatsächlich lösen die Tiere bei vielen Menschen Panikreaktionen aus. Wundern muss einen das nicht, es kursieren schließlich wahre Horrorgeschichten über die Folgen eines Wespenstichs. Ja, Gefahren gibt es, allerdings werden diese meist übertrieben. Aber wie wirkt Wespengift? Wie lange wirkt Wespengift? Und wie schnell wird Wespengift abgebaut?

Zusammensetzung Wespengift

Das Gift, das eine Wespe mit dem Stich in die Wunde spritzt, setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Bestandteilen zusammen. Im Wesentlichen lassen sich dabei folgende drei Gruppen unterscheiden:
  • Enzyme
  • Peptide
  • Biogene Amine
Jeder dieser Gruppen umfasst wiederum eine Vielzahl von Stoffen, die auf die Haut und das Gewebe des gestochenen Opfers einwirken. So wurden im Wespengift alleine folgende biogenen Amine gefunden:
  • Acetylcholin
  • Adrenalin
  • Dopamin
  • Histamin
  • Noradrenalin
  • Serotonin (5-Hydroxytryptamin)
Jede dieser Substanzen hat eine schmerzhafte Wirkung. Erhebliche Schmerzen verursacht darüber hinaus auch das Peptid Kinin. Enzyme wie Phospholipase A1, Phospholipase und Hyaluronidase sorgen dafür, dass die Zellwände im Gewebe durchlässig werden und ermöglichen so eine leichte Ausbreitung des Giftes. Diese Enzyme sind es übrigens auch, die bei entsprechender Veranlagung zum Teil erhebliche allergische Reaktionen verursachen.
Hinweis: Mit einem einzigen Stich gelangen 0,19 mg (Trockengewicht) über den Giftkanal des Stachels direkt in die Wunde. Mit einem Anteil von fast fünf Prozent nimmt das Acetylcholin, das sich bei keinem anderen Lebewesen in einer derart hohen Konzentration finden, eine führende Stellung ein.

Wie wirkt Wespengift?

Nach einem Wespenstich erfolgt umgehend eine Reaktion des Körpers. Typischerweise reagiert er darauf mit Schmerzen, Juckreiz und Hautrötungen. Die Verletzung der Haut, die durch den Stachel erfolgt, spielt dabei nur insofern eine Rolle, als dass darüber das Gift in das Gewebe gelangt. Für die schmerzhafte Wirkung sind dabei vor allem die Peptide bzw. Polypeptide im Gift verantwortlich. Für einen gesunden Menschen ist ein Wespenstich zwar unangenehm, führt aber in der Regel zu keinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Um ihn ernsthaft in Gefahr zu bringen, müsste er gleichzeitig von hunderten Wespen gestochen werden. Anders sieht es hingegen bei kleinen Kindern, Allergikern und bei geschwächten Menschen aus. Hier können die Folgen durchaus ernsthaft sein. Die Spanne
reicht dabei von erheblichen Atembeschwerden bis hin zu einem Herz-Kreislauf-Versagen.

Tipp: Man sollte sich nicht in unmittelbarer Nähe eines Wespennestes aufhalten, da dies meist zu mehreren Stichen gleichzeitig führt. Die sind für Gesunde zwar auch nicht wirklich gefährlich, aber deutlich unangenehmer als ein einziger Stich.

Wie lange wirkt Wespengift?

Zusammensetzung und Wirkung von WespengiftDie Frage lässt sich leider genau so wenig eindeutig beantworten wie die Frage: Wie schnell wird Wespengift abgebaut? Es kommt nämlich immer darauf an - und zwar auf die Konstitution und die Disposition des Menschen, der gestochen wurde. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Wespengift relativ schnell wieder im Körper abgebaut wird und die Wirkung nicht besonders lange anhält. Das gilt explizit für alle Bestandteile der Zusammensetzung des Giftes. Maßgeblich dafür verantwortlich ist der jeweilige Stoffwechsel des betroffenen Menschen. Dieser unterscheidet sich bekanntlich zum Teil erheblich. Wichtig ist zu wissen, dass das Gift sich im Gewebe nicht anreichert und sich dort auch nicht einlagert.

Allergie

Viele Menschen befürchten, dass sie nach einem Wespenstich eine Allergie gegen das Wespengift ausbilden und dann bei einem weiteren Stich einer größeren Gefahr ausgesetzt sind. Dies ist jedoch vollkommener Quatsch und lässt sich medizinisch nicht belegen. Richtig ist vielmehr, dass jeder Stich bei praktisch jedem Menschen allergische Reaktionen wie Juckreiz oder Hautirritationen auslösen. Mit einer Allergie hat das aber nichts zu tun. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit einer Allergie auf Wespengift sogar äußerst gering. Statistische Untersuchungen zeigen, dass nur rund vier Prozent aller Menschen eine entsprechende Disposition haben. Meist sind diese Menschen dann aber auf jede Art von Insektengift allergisch. Die Allergie beschränkt sich dann also nicht alleine auf die Wespen.

Sensibilisierung

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Allergie auf Insektengifte sehr gering ist, kann sie dennoch nicht ausgeschlossen werden. In der Regel wissen Betroffene nicht, dass sie eine entsprechende Veranlagung haben. Die Wirkung, die ein Wespenstich auslöst, kann deshalb ein wichtiger Hinweis sein und sollte genau unter die Lupe genommen werden. Folgende Symptome sind dabei auffällig:
  • sehr starke Hautrötung
  • großflächige Hautirritationen
  • starke Schwellungen
  • Ausbildung von Quaddeln
  • Atemprobleme
  • Herz-Kreislauf-Probleme
Sollte eines dieser Symptome auftreten, empfiehlt sich auf jeden Fall der Gang zum Arzt bzw. zum Allergologen. Der wird dann in der Regel eine sogenannte Sensibilisierung vornehmen. Auf diesem Wege kann herausgefunden werden, ob eine Allergie vorliegt und auf welche Substanzen genau sich diese Allergie bezieht. Wird eine Allergie auf Insektengifte festgestellt, kann dann eine Immunisierung in die Wege geleitet werden.

Hinweis: Symptome wie Schwellungen und Quaddeln müssen nicht zwangsläufig direkt an der Einstichstelle auftreten. Findet man sie nach dem Stich auch an anderen Körperstellen ist das meist ein deutlicher Hinweis auf eine Allergie.

Immunisierung

Bei einer Sensibilisierung wird der Körper über die Haut mit diversen in Frage kommen Substanzen konfrontiert. Je nachdem wie die Reaktion darauf ausfällt, kann festgestellt werden, ob eine entsprechende Allergie vorliegt. Anschließend wird dann meist eine Immunisierung gegen diese Substanzen erfolgen. Dabei handelt es sich um eine Therapieform, die dazu führt, dass das körpereigene Immunsystem nicht mehr so extrem auf einen Insekten- bzw. Wespenstich reagiert. In der Folge kommt es zu einer deutlichen Abminderung der Symptome oder gar zu einem nahezu vollständigen Ausbleiben. Schmerzhaft bleibt ein Wespenstich aber
dennoch.