Leiden Pflanzen unter temporärem Nährstoffmangel, nimmt eine Wurzeldüngung bis zur Wirkung zuviel Zeit in Anspruch. Mit einer Blattdüngung gleichen Sie kurzfristige Mangelerscheinungen im Handumdrehen aus, weil Stickstoff, Phosphor und Kalium den direkten Weg ins Innere der Pflanzen nehmen. Der optimale Düngeeffekt hängt von wichtigen Faktoren ab, wie Rahmenbedingungen, Zusammensetzung und Verabreichung. Dieser Ratgeber erläutert im Detail, wie Sie Ihre Pflanzen über die Blätter richtig düngen. So stellen Sie Blattdünger selber her.

Wann ist Blattdüngung sinnvoll?

In der Nährstoffversorgung von Zier- und Nutzpflanzen ist Bodendüngung tonangebend, weil unter normalen Wachstumsbedingungen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Mikronährstoffe über den Weg der Wurzeln aufgenommen werden. Dieser Prozess nimmt allerdings eine lange Zeit in Anspruch. Das gilt vor allem bei der Verwendung organischer Dünger, wie Kompost, Stallmist und Hornspäne. Die Nährstoffe müssen zunächst durch Bodenorganismen verarbeitet werden, bis sie für die Pflanzen verfügbar sind. Es können Wochen und Monate
vergehen, bis Ihre Stauden, Blumen und Gemüsepflanzen vom Wachstumsschub profitieren.

Tritt ein akuter Nährstoffmangel auf, stehen Sie mit einer Verabreichung organischer und mineralisch-organischer Düngemittel über den Boden auf verlorenem Posten. Um eine temporäre Mangelsituation zu beheben, rückt die schnell wirkende Blattdüngung in den Fokus. Häufige Ursachen für die Verwendung von Blattdünger haben wir im Folgenden zusammengefasst:
  • Extreme Trockenheit verursacht Nährstoff-Fixierung im Boden
  • Kalküberschuss im Erdreich legt lebenswichtiges Eisen fest und löst Blattchlorosen aus
  • Ungenügende Düngung über längere Zeit bei insgesamt magerer Bodenbeschaffenheit
  • Reduzierte Wurzelaktivität infolge verstärkter Samenfüllung
  • Zu langsamer Transport von Nährstoffen in Zeiten kräftigen Biomassewachstums
Das Auftreten einer Ursache bedeutet nicht, dass zwingend eine Blattdüngung erforderlich ist. So geht ein trockener Sommer nicht automatisch mit der Blockade von Nährstoffen im Erdreich einher. Zu Zeiten kräftigen Wachstums können vorhandene Nährstoffvorräte im Boden durchaus den Bedarf der Pflanzen noch eine Zeitlang abdecken. Tatsächlich kommt die Maßnahme erst dann in Betracht, wenn Ihre Pflanzen Symptome eines Mangels zeigen. Klassische Signale sind schlaffe, blasse oder gelblich verfärbte Blätter sowie eindeutige Wachstumsdepressionen.   

Wie gelangt Blattdünger in den Stoffwechsel der Pflanzen?

Während Wurzelstränge darauf programmiert sind, Nährstoffe in fester und flüssiger Form aufzunehmen, gilt das nicht für die Blätter. Die Epidermis zahlreicher Pflanzenarten ist dergestalt konstruiert, dass schuppenartige Wachsplättchen in weichem Grundgewebe den Wasserverlust infolge von Verdunstung reduzieren. Diese Struktur fungiert zugleich als Barriere für feste Düngemittel sowie die meisten gelösten Nährstoffe. Lediglich winzige Poren mit einem Durchmesser von maximal 1 Nanometer (0,000001 mm) lassen einige wenige niedermolekulare Stoffe passieren. Haben die gelösten Nährstoffe diese Barriere auf den Blättern erst einmal überwunden, verläuft die weitere Verarbeitung ähnlich der Nährstoffaufnahme über die Wurzeln.

Steigt die Luftfeuchtigkeit, quillt das Grundgewebe mitsamt der eingelagerten Wachsplättchen auf, sodass sich die Poren vergrößern. Dieser Vorgang verbessert die Aufnahmefähigkeit der Blätter für Nährstofflösungen.

Prämissen und Rahmenbedingungen im Überblick

BrennnesseljaucheDie besondere Form der Pflanzenernährung über das Laub erfordert die Beachtung spezifischer Voraussetzungen. Da es sich bei Düngerlösungen im Wesentlichen um Nährsalze handelt, kann es bei falscher Applizierung zu Blattschäden kommen. Verbrennungen, Blattnekrosen und anderen Defekten beugen Sie effektiv vor, indem Sie Blattdünger ausschließlich unter folgenden Rahmenbedingungen verabreichen:
  • Bedeckte Witterung ohne direkte Sonneneinstrahlung
  • Unter dem Einfluss hoher Luftfeuchtigkeit, idealerweise in den Abendstunden
  • Temperaturen von mehr als 15 Grad Celsius
In den Morgenstunden herrscht zwar ebenfalls die gewünscht hohe Luftfeuchtigkeit infolge von
Taubildung. Allerdings trocknen die Blattoberflächen im Laufe des Vormittags schnell ab und die vergrößerten Blattporen schließen sich. Verabreichen Sie einen Blattdünger hingegen in den Abendstunden, verbleibt ein ausreichend langes Zeitfenster für die Nährstoffaufnahme während der Nacht. Optimiert wird die Wirksamkeit durch die morgendliche Taubildung, weil infolgedessen bereits angetrocknete Spritzbeläge auf dem Laub wieder aufgelöst und erneut für die Blattporen verfügbar werden.

Tipp: Blattdüngung kann Bodendüngung nicht ersetzen. Aufgrund der sehr geringen Konzentration der verabreichten Nährlösung erzielen Blattdünger keine nachhaltige Wirkung, vor allem bezogen auf die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium. Als "Feuerwehrmaßnahme" mit Sofortwirkung hat sich Blattdüngung dennoch bewährt.

Blattdünger selber herstellen - Rezepte für Hausgärtner

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Blattdünger selber herzustellen:

Brennnessel-Sud

Zu den Premium-Blattdüngern im Hausgarten zählt ein Sud aus Brennnesseln. Richtig hergestellt, hat die Nährlösung eine geballte Ladung Stickstoff im Gepäck, dem Motor des Wachstums. So stellen Sie den Dünger selber her:

Brennnesseln ernten
Von Mai bis Juli ist die beste Zeit für eine Ernte von Brennnesseln für die Herstellung von Blattdünger. Sowohl die Große Brennnessel (Urtica dioica) als auch die Kleine Brennnessel (urtica urens) sind geeignet, wobei letztere den höheren Stickstoffgehalt aufweist. Pflücken Sie lediglich die Blätter nicht blühender Pflanzen, damit Ihnen keine Samen in die Nährlösung geraten. Zum Schutz vor den schmerzhaften Brennhaaren legen Sie bitte Handschuhe an, lange Hosen und ein langärmeliges Oberteil. Damit Sie auch außerhalb der Erntezeit über einen Vorrat an Brennnesseln für die Herstellung von Blattdünger verfügen, empfehlen wir eine Erntemenge über den aktuellen Bedarf hinaus und den Überschuss zu trocknen.

Sud herstellen
Füllen Sie die Brennnesselernte in einen großen Kessel und übergießen die Blätter mit Wasser, sodass sie knapp bedeckt sind. Legen Sie den Deckel auf und lassen die Kräuter für 24 Stunden einweichen. Im Anschluss kochen Sie die Brennnessel kurz auf und lassen alles für 20 Minuten leicht köcheln. Mit einem Stampfer drücken Sie die gehaltvollen Blätter aus, legen den Deckel wieder auf und lassen den Sud abkühlen. Die abgekühlte Brennnessel-Brühe gießen Sie durch ein Sieb. Pur sollte Brennnessel-Sud nicht auf Pflanzenblätter aufgesprüht werden. Fertig ist Ihr selbst produzierter Blattdünger erst nach einer Verdünnung mit Regenwasser mit Verhältnis 1:20. Normales Leitungswasser ist für diesen Zweck nicht geeignet, weil es einen Kalkbelag auf den besprühten Blättern hinterlässt.

Tipp: Steht Ihnen nicht der Sinn nach der Ernte aggressiver Brennnesselblätter? Dann verwenden Sie für die Herstellung des Blattdüngers das Laub von Beinwell, Fenchel und Rote Beete. Einige grüne Wegelagerer sind ebenfalls reich an Stickstoff, wie Ehrenpreis, Vogelmiere oder Hahnenfuß.

Harnstoff - Blattdünger aus der Apotheke

Zu den vielgenutzten Blattdüngern im Hausgarten zählt Harnstoff. Der hygienisch unbedenkliche und ungiftige Feststoff ist nicht nur gut wasserlöslich. Darüber hinaus verfügt die organische Verbindung über bis 46 Prozent mehr Stickstoff, als andere Düngemittel. Dank der raschen Wirksamkeit haben behandelte Pflanzen bereits nach 24 Stunden 85 Prozent des Blattdüngers aufgenommen. Als besonderer Vorteil ist zu werten, dass es sich bei Harnstoff nicht um ein Salz handelt, sodass keine Blattschäden zu befürchten sind. Harnstoff erhalten in der Apotheke, in Reformhäusern, Drogerien und in Online-Shops.

Schon 10 Gramm Harnstoff reichen aus, um 1 Liter Wasser in einen gehaltvollen Blattdünger zu verwandeln. Wichtig zu beachten ist, dass Sie gesammeltes Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser verwenden, um Kalkablagerungen auf den Pflanzen zu vermeiden.

Wurmfarm liefert natürlichen Blattdünger als Nebenprodukt

Boden - RegenwurmBetreiber einer Wurmfarm profitieren nicht nur von nährstoffreichem Wurmhumus für die Bodendüngung. Als Nebenprodukt entsteht in der unteren Ebene ein natürlicher Flüssigdünger.
Im Gegensatz zu handelsüblichen, flüssigen Blumendüngern, eignet sich Wurmtee für die Blattdüngung. Als positiver Zusatzeffekt enthält der organische Flüssigdünger neben Nährstoffen und Spurenelementen reichlich Kieselsäure, abhängig von der Zusammensetzung der kompostierten Abfälle. Dieser Stoff stärkt nicht nur die Zellwände Ihrer Zier- und Nutzpflanzen, sondern bekämpft zugleich die Pilzsporen von Mehltau.

Für die Herstellung als Blattdünger zapfen Sie den Wurmtee ab. Mit weichem Wasser verdünnen Sie die Lösung solange, bis die Farbe an schwachen Kräutertee erinnert. Besprühen Sie die Ober- und Unterseiten der Blätter einmal pro Woche unter den empfohlenen Rahmenbedingungen.  

Anleitung - So düngen Sie richtig

Je jünger die Blätter, desto dünner ist die schützende Wachsschicht der Epidermis. Entsprechend hoch ist die Aufnahmegeschwindigkeit der Nährstoffe. Ältere Blätter besitzen eine dickere Wachsschicht, was die Verwendung eines Netzmittels erfordert, damit die Nährlösung lange genug auf der Blattoberfläche haften bleibt, um ihre Wirkung zu entfalten. Neben den erläuterten Rahmenbedingungen, ist somit noch das Alter der Pflanzen zu berücksichtigen, um die Blattdüngung fachmännisch anzuwenden. So geht es:
  • Düngerlösung für ältere Pflanzen einige Tropfen Spülmittel hinzufügen zur Minderung der Oberflächenspannung
  • Blattdünger im Spritzverfahren auftragen mit feinen Tröpfchen von 0,1 mm bis 0,2 mm
  • Im Sprühverfahren Nährlösung applizieren in Tröpfchengrößen kleiner 0,1 mm
  • An empfindlichen Pflanzen vorab eine Probespritzung vornehmen
Die gewählte Applikationstechnik bestimmt die Dosierung. Spritzbrühe wird ohne Trägerluft ausgebracht und erfordert eine größere Tröpfchengröße, als Sprühbrühe, die mithilfe von Gebläseluft auf die Blätter transportiert wird. Haben Sie sich für eine Blattdüngung im Spritzverfahren entschieden, hat sich in der Praxis eine Dosierung von 40 Millilitern Nährlösung je Quadratmeter Blattfläche als wirksam erwiesen. Verwenden Sie das feinere Sprühverfahren, kommen Sie mit 20 Millilitern Lösungsmenge je Quadratmeter aus, die gegen das Laub geblasen wird.