OleanderDer Traum von einer ganzen Schar verschwenderisch blühender Oleander muss nicht zulasten des Geldbeutels realisiert werden. Das mediterrane Blütengehölz lässt sich auf einfache Art und Weise durch Stecklinge vermehren. Mit ein wenig Geduld züchten Sie sich auf diesem Weg jungen Rosenlorbeer heran, die an Schönheit und Blütenpracht der Mutterpflanze ebenbürtig sind. Richtig durchgeführt, legen aus Ablegern herangezogene Oleander innerhalb von ein bis zwei Jahren ihr erstes Blütenkleid an. Wie der Plan gelingt, bringt die folgende Anleitung in 7 Schritten auf den Punkt.

Der beste Zeitpunkt

Als immergrüner Blütenstrauch kann ein Oleander genau genommen zu jeder Jahreszeit mit Stecklingen vermehrt werden, da er sich nicht in eine vollkommene Wachstumsruhe begibt. Im Verlauf der dunklen, kalten Jahreszeit ist es dennoch nicht ratsam, den Prozess in Gang zu setzen. Der herrschende Lichtmangel verursacht an den Jungpflanzen langgezogene, kümmerliche Geiltriebe,
was einzig mithilfe einer aufwändigen Zusatzbeleuchtung verhindert werden kann.
Sofern Sie im Frühjahr einen Rückschnitt durchführen, liefert Ihnen das Schnittgut zahlreiche Triebe, die das Potenzial zum Steckling haben. Dennoch ist diese Jahreszeit immer noch ein Termin zweiter Wahl und sollte lediglich in Anspruch genommen werden, um das wertvolle Restholz sinnvoll zu verwenden.
Das ideale Zeitfenster für die Vermehrung von Oleander durch Ableger ist geöffnet von Mai bis August. In dieser Wachstums- und Blühphase pulsiert das florale Leben bis in die Spitzen der Zweige, wovon der spätere Prozess der Bewurzelung profitiert.

Stecklinge fachgerecht schneiden

Am Oleander ist jeder Trieb von der krautigen Spitze bis zur dicken, verholzten Basis geeignet zum Steckling. Somit steht es Ihnen frei, ob Sie einen kompletten Zweig aus dem Strauch herausschneiden oder lediglich Kopfstecklinge entnehmen. Solange der Trieb gesund und frei von Schädlingen ist, wird er Wurzeln austreiben. Bitte bedenken Sie bei allen Schnittarbeiten, dass Oleander in allen Teilen hoch giftig ist. Legen Sie langärmelige Kleidung und schützende Handschuhe an, da bereits der bloße Hautkontakt mit dem toxischen Pflanzensaft Reizungen und Rötungen verursachen kann. So schneiden Sie einen Ableger richtig:
  • Messer oder Schere schärfen und desinfizieren
  • Den gewählten Oleanderzweig in Teilstücke mit 20 bis 25 cm Länge zerschneiden
  • Das untere Ende eines Ablegers leicht anspitzen, um später die Polarität nicht zu verwechseln
  • Jeden Steckling entlauben bis auf einige wenige Blätter
  • Die Schnittstellen in Bewurzelungspulver tunken
Obschon jedes gesunde Holz am Oleander zum Steckling geeignet ist, besteht dennoch ein Unterschied. Ein- und zweijährige, erst halb verholzte Triebe stellen bei der Bewurzelung Ihre Geduld bei weitem nicht so lange auf die Probe, wie ein vollständig verholzter Ableger. Die lange Wartezeit auf das Wurzelwachstum machen Steckhölzer eines Rosenlorbeers dadurch wett, dass sie in der Regel mehrstämmig gedeihen, wohingegen Kopfstecklinge eher zögerlich verzweigen.

Tipp: Um das kleine Wunder der Bewurzelung hautnah mitzuerleben, stellen Sie die Stecklinge in ein transparentes Gefäß mit weichem Wasser. Zum Schutz vor Fäulnis geben Sie noch ein Stückchen Holzkohle hinzu und stellen die Ableger am halbschattigen, warmen Standort auf. Haben die Wurzelstränge eine Länge von 1 bis 2 cm erreicht, werden Sie gemäß dieser Anleitung eingetopft.

Töpfe vorbereiten mit dem richtigen Anzuchtsubstrat

OleanderDamit ein junger Oleander von Beginn an ein wohlgeformtes Wurzelsystem entwickelt, kommt es auf die richtige Form des Anzuchtgefäßes an. Als Flachwurzler geht das Wurzelwerk eines Rosenlorbeers mehr in die Breite als in die Tiefe. Wählen Sie daher einen Topf, der ebenso tief ist wie breit. Darüber hinaus sollte mindestens eine Bodenöffnung als Wasserablauf vorhanden sein, damit sich keine Staunässe bildet. Zur sachkundigen Vorbereitung zählt fernerhin, dass Sie über dem Loch im Topfboden eine Tonscherbe mit der Wölbung nach oben legen.
Substrat für adulte Oleander ist ungeeignet für die Vermehrung durch Stecklinge. Damit sich die erhofften Wurzelstränge bilden, ist eine magere Erde vorteilhaft. Trifft ein Ableger unmittelbar an der Schnittstelle auf eine geballte Ladung an Nährstoffen, sieht er keine Veranlassung, Wurzeln sprießen zu lassen, da die Versorgung ja ohnehin sichergestellt ist. In nährstoffarmem Substrat ist das Wachstum der Wurzeln hingegen eine Frage des Überlebens und schreitet entsprechend zügig voran. Diese Optionen stehen Ihnen zur Verfügung:
  • Handelsübliche Erde für die Anzucht, abgemagert mit etwas feinem Sand
  • Pikiererde, ebenfalls zu 30 Prozent mit Sand vermischt
  • Ein Mix aus Kokoshum und Perlite
In der Praxis hat sich als effektive Lösung ein rein mineralisches Substrat bewährt, beispielsweise Blähton, Vermiculite, Lavagranulat oder Zeolith.

Tipp: Clevere Hobbygärtner legen zwischen Drainage und der mageren Anzuchterde eine hauchdünne Schicht gesiebten Kompost als zusätzlichen Ansporn
für den Steckling, kräftige Wurzeln wachsen zu lassen.

Ableger gekonnt eintopfen

Damit die hauchfeinen Kapillare an den Schnittstellen der Stecklinge nicht verletzt werden, bohren Sie bitte jedes Pflanzloch mit einem Pikier- oder Holzstab im Substrat vor. Erst dann stecken Sie den Trieb zur Hälfte bis zwei Drittel seiner Länge in die Erde und drücken diese rundherum an für einen guten Bodenschluss.
Gießen Sie das Substrat an mit weichem, zimmerwarmem Wasser. Da eine hohe Luftfeuchtigkeit die Bewurzelung vorantreibt, stellen Sie jeden Anzuchttopf unter eine Glashaube. Alternativ stecken Sie zwei Holzstäbchen in die Erde und stülpen darüber eine transparente Plastiktüte. Die Abstandhalter sind dafür zuständig, dass es zu keinem Kontakt zwischen Kunststoff und Steckling kommt, weil daraus Fäulnis entstehen kann.

Standortbedingungen beachten

Je näher die Standortbedingungen an mediterrane Licht- und Temperaturverhältnisse heranreichen, desto erfolgreicher verläuft die Vermehrung von Oleander mit Stecklingen. Weisen Sie daher Ihren Zöglingen einen halbschattigen, warmen Platz zu. Wenngleich ein Nerium oleander zu den Sonnenanbetern gehört, ist in dieser Phase keine pralle Sonneneinstrahlung erwünscht. Darüber hinaus sollte der Standort frei von kalter Zugluft sein. Warme Temperaturen von 20 Grad Celsius und höher zählen zu den wichtigsten Prämissen für das Wachstum der Jungpflanzen.

Pflege während der Bewurzelung

OleanderSachgemäß geschnitten, eingetopft und aufgestellt, bestehen beste Aussichten auf einen erfolgreichen Verlauf der Nachzucht ohne Schwund. Eine umsichtige Pflege leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag, dass sich ein Ableger in einen verschwenderisch blühenden Strauch entwickelt. So gelingt es:
  • Die Abdeckung täglich lüften, damit sich kein Schimmel bildet
  • Regelmäßig gießen, ohne Staunässe zu verursachen
  • Stecklinge nicht düngen
Da Oleander kalktolerant sind, können Sie wahlweise normales Leitungswasser oder gesammeltes Regenwasser verwenden. Lassen Sie bitte zwischen den einzelnen Wassergaben die Substratoberfläche leicht antrocknen. Da in dieser Phase des Wachstums ein Übermaß an Feuchtigkeit die Bewurzelung beeinträchtigt, lassen Sie im Untersetzer kein überschüssiges Gießwasser stehen.

Tipp: Indem Sie einen bewurzelten Kopfsteckling einmalig entspitzen, führen Sie eine vitalere Verzweigung herbei. Diese Maßnahme entfällt, wenn Sie den jungen Oleander zum Hochstamm erziehen möchten. Aus Steckhölzern gezogene Jungpflanzen gedeihen aus eigenem Antrieb mehrtriebig und werden ebenfalls nicht entspitzt.

Umtopfen leicht gemacht

Während sich die Mutterpflanze Zeit lässt mit jährlichen Zuwachs, schreitet bei ihren Ablegern das Wachstum zunächst zügig voran. Folglich ist der Anzuchttopf erfahrungsgemäß am Ende des Sommers bereits vollständig durchwurzelt. Jetzt ist es an der Zeit, den jungen Rosenlorbeer umzutopfen. Als Signal für den richtigen Zeitpunkt wachsen die ersten Wurzelstränge aus der Bodenöffnung hervor.
Greifen Sie jetzt zu einem standfesten Kübel, der wiederum perfekt geformt ist für einen Flachwurzler. Das Substrat darf jetzt gerne nährstoffreicher sein. Indem Sie Kübelpflanzenerde und Gartenerde mischen im Verhältnis 1 : 3, bieten Sie einem vegetativ vermehrten Rosenlorbeer beste Wachstumsbedingungen. Idealerweise geben Sie noch eine Handvoll Gesteinsmehl oder Gartenkalk hinzu. So topfen Sie richtig um:
  • Den Kunststoff-Anzuchttopf kneten, um den Wurzelballen vom Gefäßrand zu lösen
  • Die Jungpflanze ohne starken Zug aus dem Topf gleiten lassen
  • Im neuen Kübel das empfohlene Substrat bis auf halbe Höhe einfüllen
  • Mit der Faust mittig eine Mulde in die Erde drücken
  • Den Rosenlorbeer so tief einpflanzen wie zuvor und angießen  
Auf eine Drainage können adulte Oleander verzichten, da sie insbesondere während der Blütezeit einen hohen Wasserbedarf haben und nicht mehr empfindlich sind gegenüber Staunässe. Bevor die mediterrane Schönheit jetzt einen sonnigen Platz einnimmt, sollte sie sich am halbschattigen, warmen Standort über einen Zeitraum von 8 bis 10 Tagen akklimatisieren. Entstammt der neue Rosenlorbeer einem Kopfsteckling, dürfen Sie sich innerhalb von 1 bis 2 Jahren über die erste Blütentracht freuen. Aus Steckholz vermehrter Oleander spannt Sie etwas länger auf die Folter bis zum ersten Blütenspektakel.

Fazit
Durch Stecklinge vermehren Sie Ihren schönsten Oleander auf unkomplizierte Art und Weise. Zwischen Mai und August ist der beste Zeitpunkt, um Ableger mit einer Länge von 20 bis 25 cm zu schneiden. Gut geschützt gegen den giftigen Pflanzensaft, können Sie jedes Holz als Steckling verwenden. Die Bewurzelung schreitet zügig voran, wenn Sie mageres Substrat für die Anzucht verwenden. Ebenfalls trägt ein feucht-warmes Mikroklima unter einer transparenten Haube zum gelungenen Verlauf bei. Am halbschattigen, warmen Standort beschränkt sich die Pflege auf regelmäßiges Gießen und Lüften der Abdeckung. Den Schlusspunkt dieser Anleitung in 7 Schritten markiert das Umtopfen in einen neuen Kübel mit frischer Erde, sobald der Anzuchttopf durchwurzelt ist.