Rohrkolben sind eine Gattung innerhalb der Familie der Süßgräser, die 16 bis 40 Arten umfasst. Sie sind weltweit verbreitet und kommen sowohl in den gemäßigten Breiten als auch in tropischen Regionen vor. Wegen ihrer auffälligen Blattmasse und den dekorativen Blütenständen werden Rohrkolben als Ziergräser geschätzt. Sie prägen feuchte Lebensräume in Gewässernähe und bilden dichte Bestände.

Beliebte Arten

Wegen der wasserreinigenden Wirkung werden Rohrkolben von vielen Teichbesitzern geschätzt. Die Pflanzen liefern einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz im eigenen Garten, da sie kleineren Vögeln einen geschützten Lebensraum bieten. Innerhalb der Gattung Typha gibt es einige Arten, die gerne als Ziergras angepflanzt werden.
  • Laxmanns Rohrkolben (Typha laxmannii): bis 120 Zentimeter hoch
  • Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia): erreicht Wuchshöhen bis 200 Zentimeter
  • Zwerg-Rohrkolben (Typha minima): bleibt 40 Zentimeter niedrig
  • Schmalblättriger Rohrkolben (Typha angustifolia): bis 200 Zentimeter hoch
Tipp: Der Zwerg-Rohrkolben ist weniger problematisch, was das Wuchern betrifft.
Allerdings stellt er höhere Ansprüche an den Standort.

Verwendung

Die höher wachsenden Arten sind für tiefere Wasserzonen geeignet, während der Zwerg-Rohrkolben nicht tiefer als 20 Zentimeter gesetzt werden sollte. Da alle Typha-Arten zum Wuchern neigen, sollten Sie nur in ausreichend große Gewässer mit einer Mindestfläche von sieben bis zehn Quadratmeter gepflanzt werden. Die bessere Lösung ist ein separater Graben, in dem ausschließlich Rohrkolben gepflanzt wird. Dadurch erhalten Sie nebenbei einen hervorragenden Sichtschutz. Für mehr Auflockerung können andere konkurrenzstarke Röhrichtpflanzen oder Blütenpflanzen mit ähnlichen Ansprüchen zwischen den Rohrkolben gesetzt werden.
  • Schilf (Phragmites australis)
  • Hohes Zyperngras (Cyperus longus)
  • Gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus)
  • Blutweiderich (Lytrum salicaria)
  • Wasserminze (Mentha aquatica)

Standort und Boden

Rohrkolben haben sich an feuchte bis nasse Standorte angepasst. Sie wachsen in zeitweise überfluteten Bereichen, die häufig vom Brackwasser beeinflusst werden. Ihre natürlichen Lebensräume liegen an verschiedenen Gewässern.
  • feuchte Randsäume von stehenden Gewässern
  • schlammige Flussufer
  • Sümpfe und Moore
Rohrkolben - TyphaWichtig ist ein nährstoffreicher Boden, der nicht austrocknet. Pflanzen Sie den Rohrkolben auf einen sumpfigen Lehmboden mit geringem Sandanteil. Die Süßgräser bevorzugen vollsonnige Lagen. Sie können in einem Pflanzkorb direkt in niedrige Gartenteiche oder in die Flachwasserzone am Teichrand gesetzt werden. Die ideale Wassertiefe für den Rohrkolben liegt zwischen 30 und 50 Zentimeter. Gelegentlich wachsen die Rhizome bis in Tiefen von 100 Zentimeter. Der pH-Wert des Wassers sollte im mittelharten Bereich zwischen 8,4 und 14 liegen.

Vermehren

Rohrkolben kann über Samen oder durch Teilung der Wurzelknollen vermehrt werden. Die Samenvermehrung erfordert etwas Geduld und ist aufwändiger, als die Rhizomteilung.

Samen selbst sammeln

Rohrkolben verliert seine Keimfähigkeit sehr schnell. Innerhalb weniger Wochen nach der Fruchtreife müssen die Samen ausgesät werden. Nur absolut frischer Samen keimt zuverlässig, daher bietet der Fachhandel selten Saatgut an. Beobachten Sie die braunen Kolben regelmäßig, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Die Fruchtreife erfolgt zwischen Oktober und November. Sobald die Kolben aufplatzen und die cremefarbenen Wattebäusche sichtbar werden, ist die Zeit für die Ernte der Samen gekommen.

Saatgut direkt aussäen

Gleich nach dem Einsammeln wird das Saatgut ausgesät. Nutzen Sie ein Substrat, welches ähnliche Eigenschaften wie ein Teichboden hat. Es sollte nährstoffreich und möglichst schlammig sein. Beim Rohrkolben müssen Sie sich keine Gedanken bezüglich der Bodendurchlässigkeit machen. Die Sumpfpflanzen zeigen keine Probleme mit Staunässe und gedeihen in verdichteten Böden mit hohem Lehmanteil bestens.
  • Aussaat im späten Herbst oder Winter
  • Keimung erfolgt im nächsten Frühjahr

Natürliche Bedingungen nachstellen

Das liebevoll als Lampenputzer bezeichnete Gras eignet sich auch für den Kübel. Dazu können Sie die Samen im Haus anziehen. Befüllen Sie ein flaches Gefäß mit schlammiger Erde und setzen Sie die Samen etwa einen bis zwei Zentimeter tief in das Substrat. Die Schale wird mit kalkfreiem Wasser
aufgefüllt, sodass das Substrat nass ist.
  • ein bis zwei Wochen bei 20 Grad Celsius lagern
  • anschließend vier bis sechs Wochen kühl stellen
  • für die Keimung wird ein warmer Fensterplatz benötigt
Diese Abfolge ahmt die natürlichen Witterungsbedingungen nach, die in der freien Natur stattfinden. Nachdem die reifen Samen warmen Bedingungen auf der halbschattigen Fensterbank ausgesetzt wurden, benötigen sie einen Kältereiz. Unter frostfreien Bedingungen auf dem Balkon oder im Kühlschrank wird das Saatgut zur Keimung animiert. Diese erfolgt anschließend bei milden Temperaturen auf der Fensterbank.

Vegetative Vermehrungsstrategie ausnutzen

Rohrkolben entwickelt ein kräftiges Rhizom, das mit Hilfe von Sprossabschnitten flach unter der Bodenoberfläche durch das Substrat kriecht. Auf diese Weise kann eine Sumpfpflanze einen ganzen Pflanzenbestand entwickeln. Dabei handelt es sich um identische Klone. Um spezielle Zuchtformen gezielt zu vermehren, werden die Rhizome geteilt und an anderer Stelle eingepflanzt. Der ideale Zeitpunkt für diese Maßnahme ist im Frühjahr, bevor die Pflanzen neu austreiben. Graben Sie die Rhizome aus dem Substrat und trennen Sie die zugewachsenen Abschnitte vom alten Rhizom. Rohrkolben erweisen sich als robust und widerstandsfähig. Sie müssen die Schnittstelle nicht zusätzlich behandeln, denn sie wächst innerhalb kurzer Zeit von selbst zu.

Pflanzen

Rohrkolben werden häufig im Pflanzkorb verkauft, der für das direkte Einpflanzen empfohlen wird. Die langen Rhizomausläufer können leicht durch die Maschen herkömmlicher Gitterkörbe wachsen, weswegen Sie den Korb gegen ein stabiles und undurchdringbares Gefäß ersetzen sollten. Die starken Wurzeln können auch Teichfolie durchbohren. In einem Gefäß finden bis zu drei Pflanzen Platz. Pro Quadratmeter reichen acht bis zwölf Pflanzen der größeren Exemplare aus, um einen dichten Bestand zu erhalten. Die Pflanzen wachsen mit der Zeit zusammen. Wird der Sichtschutz schneller gewünscht, können bis 16 Exemplare nebeneinander gesetzt werden. Bei Typha angustifolia und Typha minima reichen zwei bis vier Pflanzen auf einen Quadratmeter aus.

Tipp: Setzen Sie den Rohrkolben in eine stabile Mörtelwanne, die mit nahrhaftem Boden befüllt im Gartenteich versenkt wird. Mit zwei bis drei Wannen direkt nebeneinander können Sie sich ein Mini-Röhricht gestalten.

Kübel

Rohrkolben - TyphaMit dem Rohkolben können Sie einen Mini-Teich für Balkon oder Terrasse dekorieren, wenn Sie im Garten keinen Platz für einen Teich haben. Besorgen Sie sich einen frostfesten Blumenkübel ohne Loch. Ideal ist ein Gefäß aus Kunststoff, denn Ton oder Stein kann bei einer Überwinterung im Freien leicht durch Frost gesprengt werden. Befüllen Sie den Boden mit einem schlammigen Substrat und setzen Sie den Rohrkolben in die Erde. Alternativ können Sie die Gräser mitsamt ihrer Pflanzkörbe einsetzen und diese mit Steinen beschweren.

Tipp: Der Mini-Teich bekommt etwas Farbe, wenn Sie Seerosen einpflanzen. Setzen Sie die Wasserpflanzen im April ein, um schon im Sommer die erste Blütenpracht zu genießen.

Schneiden

Der Rohrkolben sollte ständig im Auge behalten werden, denn unbeobachtet nimmt er schnell große Flächen ein. Gezielte Schnittmaßnahmen zur richtigen Jahreszeit bekommen daher eine besondere Aufmerksamkeit.

Verwelkte Blattmasse regelmäßig entfernen

Für die Optik ist es wichtig, dass alte Pflanzenteile sofort entfernt werden. Sobald ein Halm vertrocknet ist, treibt der Rohrkolben an anderer Stelle aus dem Rhizom aus. Abgestorbene Sprossachsen entwickeln keine neuen Triebe und können bedenkenlos abgeschnitten werden. In kleineren Gewässern sollte auch die Blattmasse kontinuierlich gestutzt werden, damit der Rohrkolben nicht das Gesamtbild dominiert und schwächeren Arten das Licht raubt.

Kolben im Sommer schneiden

Die Kolben der Lampenputzer erweisen sich als dekorative Elemente in Trockensträußen und Gestecken. Dafür müssen Sie den Blütenstand früh abschneiden. Wenn die Früchte bereits reifen, können die Kolben jederzeit aufplatzen und die behaarten Samen entlassen. Die Kolben können bereits zu Beginn der Blütezeit abgeschnitten und anschließend getrocknet werden. Durch diese Maßnahme verhindern Sie eine unkontrollierte Vermehrung durch Samen, die sich über weite Strecken mit dem Wind verbreiten.

Tipp: Legen Sie die Kolben zum Trocknen für zwei Wochen an einen warmen und luftigen Ort. Dadurch bleiben die Stängel lange stabil.

Schnittpause im Herbst einlegen

Rohrkolben - Typha
Der Herbst wird zur arbeitsarmen Zeit für Gärtner mit Rohrkolbenbeeten, denn die dicken Halme der Süßgräser bleiben über den Winter stehen. Die vertrockneten Stängel mit den straff aufrechten Blättern sorgen während der kalten und tristen Jahreszeit für Auflockerung im grauen Garten. Außerdem tun Sie etwas für den Schutz der Natur, denn die hohlen Stängel bieten überwinternden Insekten einen geschützten Rückzugsort. Die vertrockneten Kolben sind eine gern genutzte Nahrungsquelle für kleine Singvögel, die sich im Winter von den übrig gebliebenen Samen ernähren.

Radikalschnitt im Frühjahr durchführen

Erst im Frühjahr werden Rohrkolben zurückgeschnitten, um Platz für den frischen Austrieb zu schaffen. Greifen Sie mehrere Stängel an ihrer Basis und schneiden Sie das Bündel knapp über dem Boden ab. Bei dieser Maßnahme sollten Sie auch wuchernde Bestände radikal eindämmen und Rhizome einkürzen, denn sonst dehnt sich der Bestand unkontrolliert aus und verdrängt andere Pflanzen in der Nachbarschaft.

Überwintern

Rohrkolben sind winterhart und überstehen die kalte Jahreszeit ohne Probleme, sofern das Substrat mit den Rhizomen nicht einfriert. Wenn sich nur auf der Wasseroberfläche eine Eisschicht bildet, besteht keine Gefahr für die Wurzelknollen. Stehen strenge Wintermonate bevor, sollten Sie die Pflanzgefäße vorsichtshalber aus den Flachwasserzonen holen und frostfrei im Keller überwintern. Ansonsten reicht es aus, die Halme im Herbst zusammenzubinden. Dadurch verhindern Sie, dass sich abgestorbene Blätter lösen um auf den Grund des Gewässers sinken.

Krankheiten und Schädlinge

Arten der Gattung Typha erweisen sich als robust. Sie werden kaum von Pilzen, Blattläusen oder Krankheitserregern befallen. Auch Schnecken stellen kein Problem dar. Die einzige Gefahr geht von einer Nachtfalterart aus. Die Rohreulen (Nongaria) haben sich zum großen Teil auf die Pflanzen spezialisiert. Weit verbreitet ist die Große Rohrkolbeneule, die ihre Eier auf die Blätter der Sumpfpflanze legt. Sobald die Larven schlüpfen, ernähren Sie sich bis zum Verpuppen von der Blattmasse. Jedoch treten die Nachtfalter nicht massenweise auf, sodass sich der Rohrkolben in der Natur selbst regeneriert. Im Garten müssen Sie nicht mit einem Befall rechnen.