Die "Mutter aller Möhren" ist die Wilde Möhre (lat. Daucus carota), die wild auf mageren Wiesen, an Feld- und Wegrändern wächst - und bereits seit Jahrtausenden sehr vielseitig sowohl in der Küche als auch in der Heilkunde eingesetzt wird.

Steckbrief

  • Botanischer Name: Daucus carota subsp. carota
  • Pflanzenfamilie: Apiaceae (Doldenblütler)
  • Volkstümliche Namen: Gelbe Rübe, Mohr (deshalb auch "Mohrrübe")
  • Herkunft und Verbreitung: weit verbreitet in Europa, Nordafrika sowie Kleinasien
  • Fundorte: auf mageren Wiesen, an Feld- und Wiesenrändern
  • Ein- oder mehrjährig: zweijährig, Blüte bildet sich erst im zweiten Jahr aus
  • Wuchs: krautig, rosettenartig, Blütenstiel aufrecht
  • Wuchshöhe: zwischen 40 und 80 Zentimetern
  • Wurzeln: Tiefwurzler mit verdickter Hauptwurzel
  • Blatt: fein, fiederteilig, grün
  • Blüte: in Dolden stehende Kreuzblüten, weiß mit schwarzem "Auge"
  • Blütezeit: Juni bis September
  • Standort: lehmige, humose Böden mit geringem bis normalem
    Nährstoffgehalt
  • Vermehrung: Direktaussaat im Frühjahr
  • Keimung: Kaltkeimer
  • Pflege: ausreichend feucht halten (aber nicht nass!), gelegentlich düngen (bei humosen Böden nicht unbedingt notwendig); Mischkulturen mit Zwiebeln
  • Ernte: Wurzeln im Spätsommer, Samen, Blätter und Blüten
  • Inhaltsstoffe: Carotinoide, ätherische Öle (v. a. in den Samen), Falcarinol (auch Carotatoxin, kann Entstehung von Krebs vorbeugen), Mono- und Oligosaccharide, Ballaststoffe, Vitamine (B-Gruppe, C)
  • Verwechslung: giftige Doldenblütler wie Schierling oder Hundspetersilie
Tipp: Sie können beim Sammeln die Wilde Möhre von ähnlich aussehenden Giftpflanzen anhand zweier Merkmale unterscheiden. Erstens duften sowohl die Blätter als auch die Blüten stark nach Möhre - während Schierling und Hundspetersilie einen eher ammoniakartigen, unangenehmen Geruch verströmen. Außerdem sind weibliche Möhrenblüten in der Mitte nicht weiß, sondern schwarz - dieses Merkmal weist kein anderer Doldenblütler auf.

Die Verwendung

Möhre - Karotte - Daucus carotaDie Wilde Möhre wird schon seit Jahrtausenden durch den Menschen genutzt. Bei archäologischen Ausgrabungen wurden die Samen der Pflanze in einigen steinzeitlichen Pfahlbauten gefunden, was eine Verwendung dieser bereits durch die Jäger und Sammler der frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte belegt. Heute ist das Wildgemüse leider etwas in Vergessenheit geraten, was wahrscheinlich auch an der leichteren Verfügbarkeit der kultivierten Zuchtformen liegt. Nichtsdestotrotz stecken in der Wilden Möhre viele gesunde Stoffe, außerdem ist sie leicht bekömmlich und schmeckt süßer und milder als die typische Supermarkt-Karotte.

Tipp: Im Supermarkt ist die Wilde Möhre nicht erhältlich. Sie können Sie in der Natur sammeln - oder aber, falls Ihnen das Sammeln zu mühsam oder wegen der Verwechslungsgefahr mit anderen, giftigen Doldenblütlern zu gefährlich ist, im eigenen Garten anbauen.

Die Wilde Möhre in der Heilkunde

Alle wichtigen antiken und mittelalterlichen Autoren haben die Möhre als Heilpflanze beschrieben. Heute gibt es zahlreiche Kulturformen der Pflanze, deren Wurzeln allerdings gelb, orange oder violett gefärbt sind. Die Wurzeln der Wilden Möhre sind dagegen weiß, außerdem sehen sie Petersilienwurzeln sehr ähnlich. Traditionell werden nicht nur die Wurzeln, sondern auch die Samen sowie die Blätter und Blüten der Wilden Möhre verwendet. In der Heilkunden fand (und findet teils auch heute noch) vor allem das Möhrensamenöl Anwendung, welches wertvolle ätherische Öle in einer sehr hohen Konzentration enthält. Diesen wird eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.

Verwendung für die Haut

So findet das Möhrensamenöl beispielsweise ein ideales Einsatzgebiet in der Dermatologie, da es Ekzeme und andere Hautausschläge lindern soll. Im Handel sind verschiedene Salben und Cremes mit Möhrensamenöl erhältlich, Sie können diese aber auch selbst herstellen.

Möhrensamenöl selbst herstellen

Möhrensamenöl lässt sich als Auszug ganz einfach selbst herstellen. Dazu müssen Sie lediglich die Samen der Wilden Möhre sammeln und gründlich trocknen, beispielsweise locker ausgebreitet an einem warmen und dunklen Ort. Anschließend zerstoßen Sie diese Samen grob, um sie dann in ein gut verschließbares Gefäß umzufüllen und mit einem hochwertigen Pflanzenöl aufzugießen. Hierzu eignet sich beispielsweise Raps-, Mandel- oder Olivenöl. Lassen Sie die Mischung etwa vier bis fünf Wochen an einem warmen (jedoch nicht mehr als 40 °C) und dunklen Ort stehen, schütteln Sie sie täglich. Anschließend können Sie das Möhrensamenöl durch ein feines Sieb oder Tuch durchseihen und so von etwaigen Feststoffen reinigen. Sie können das Öl sowohl innerlich als auch äußerlich pur verwenden oder es als Basisöl für eine selbst hergestellte Creme einsetzen.

Wilde Möhre für den Darm

wilde Möhre - Karotte - Daucus carotaNeben der positiven Wirkung auf die Haut werden der Wilden Möhre auch harn- und windtreibende Wirkungen zugeschrieben. So soll sowohl die Wurzel als auch das Öl gegen Blähungen und schmerzhafte Koliken helfen, außerdem hilft die rohe, fein geriebene Möhre erwiesenermaßen hervorragend gegen Durchfall. Kein Wunder also, dass der Kinderarzt Ernst Moro (derselbe, nach dem auch der Moro-Reflex bei Säuglingen benannt wurde) zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein heute noch
gebräuchliches Rezept für eine gegen Durchfallerkrankungen wirksame Möhrensuppe entwickelt hat.

Die Wilde Möhre kann diese Wirkung entfalten, da sie zahlreiche stopfende Pektine enthält (weshalb beispielsweise auch geriebene Äpfel prima gegen Durchfall helfen). Außerdem entstehen beim Erhitzen des Gemüses so genannte Oligogalacturonsäuren, die die Bakterien aus dem Darm vertreiben - die Krankheitserreger können dann nämlich nicht mehr an den Rezeptoren der Darmwand anhaften, weil die Oligogalacturonsäuren schneller sind.

Rezept

Moro'sche Möhrensuppe bei Durchfallerkrankungen

Zutaten:
  • 500 Gramm geschälte und geschnittene Möhren
  • ein Liter Wasser
  • Fleischbrühe (selbst gekocht)
  • ein gestrichener Teelöffel Salz
Zubereitung:
Kochen Sie die geschälten und geschnittenen Wilden Möhren etwa eine Stunde lang in Wasser. Pürieren Sie sie nun gründlich und füllen Sie die durch das Erhitzen reduzierte Flüssigkeit mit nahrhafter Fleischbrühe wieder so auf, dass Sie wieder auf einen Liter kommen. Zum Schluss rühren Sie einen gestrichenen Teelöffel Salz unter. Dieser ist wichtig, da bei Durchfallerkrankungen der Salzhaushalt des Körpers gefährlich ins Schwanken geraten kann.

Wilde Möhre schützt vor Krebs

Superfood muss nicht aus exotischen Ländern kommen, denn wir haben es direkt vor unserer Haustür und müssen es nur einsammeln. Das in der Wilden Möhre enthaltene Beta-Carotin sowie ähnliche Stoffe wie Lycopin und Lutein entfalten stark antioxidative Wirkungen und entschärfen dadurch bestimmte Zellgifte. Das beugt nicht nur Herzinfarkten und Schlaganfällen vor, sondern kann durch die enthaltenen Polyine auch präventiv gegen manche Krebsarten helfen. Wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte dieser Effekt bei Lungen- und Kehlkopfkrebs sowie beim Prostatakarzinom. Damit Sie all die gesundheitlichen Vorteile der Wilden Möhre für sich nutzen können, sollten Sie das Gemüse mindestens zwei Mal in der Woche roh, gekocht oder gedünstet zu sich nehmen.

Die Wilde Möhre in der Küche

Grundsätzlich kann die Wurzel der Wilden Möhre wie jedes andere Wurzelgemüse auch geschält und zubereitet werden. Allerdings ist die Ausbeute naturgemäß nicht so hoch wie bei den deutlich größeren und dickeren Kulturformen - immerhin handelt es sich um ein naturbelassenes Wildgemüse, welches nicht auf Leistung gezüchtet wurde. Sie können die Wilde Möhre kochen, backen, dünsten, braten, als Zutat in Aufläufen, Suppen und Eintöpfen verwenden oder auch einfach roh essen, beispielsweise fein geraspelt mit anderen Gemüsen und Kräutern als Salat. Auch die Blüten und Blätter der Pflanze lassen sich in der Küche einsetzen, etwa in Suppen, Salaten und grünen Smoothies.

Tipp: Die Wurzeln der zweijährigen Wilden Möhre sollten nur vor der Blüte im ersten Jahr geerntet werden. Die Wurzeln von blühenden Möhren verholzen und schmecken eher bitter denn süß. Sie bleiben aber essbar und entwickeln keine Giftstoffe.

Samen als Gewürz für vielerlei Gerichte

Möhre - Karotte - Daucus carotaAuch die getrockneten und zerstoßenen Samen der Wilden Möhre eignen sich vorzüglich für den Einsatz in der Küche. Der leicht scharfe, kümmelartige Geschmack würzt Suppen, Eintöpfe sowie selbstgebackenes Brot und Aufstriche bzw. Dips.

Tipp: Sammeln Sie die reifen Samen der Wilden Möhre an einem trockenen Tag, möglichst am späten Vormittag oder frühen Nachmittag. Dies reduziert den Wassergehalt, was wiederum das Trocknen erleichtert - und eine spätere Schimmelbildung verhindert.

Rezept

Selbst gebackenes Vollkornbrot mit Wilder Möhre, Sonnenblumenkernen und Anissaat

Zutaten:
  • 300 Gramm Dinkel-Vollkornmehl
  • 200 Gramm Weizen-Vollkornmehl, Type 1050
  • 200 Gramm fein geriebene Wilde Möhren
  • 100 Gramm Sonnenblumenkerne
  • 1/2 Teelöffel Anissaat
  • 1/2 Teelöffel schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
  • 1/2 Teelöffel zerstoßener Möhrensamen
  • 1 bis 2 Teelöffel Meersalz (je nach Geschmack)
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • Olivenöl, extra vergine
Zubereitung:
Vermischen Sie das Mehl, die Hefe sowie die Gewürze gründlich in einer trockenen Schüssel. Fügen Sie etwa 0,25 Liter lauwarmes Wasser hinzu - bei Bedarf auch mehr - und kneten Sie die Zutaten zuerst mit dem Knethaken, dann mit bemehlten Händen zu einem glatten Teig. Legen Sie den Teig nun in eine Schüssel, bedecken Sie diese mit einem Küchenhandtuch und lassen Sie den Teig mindestens eine halbe Stunde an einem warmen Ort gehen.

Der Teig sollte sich anschließend deutlich vergrößert haben. Kneten Sie nun die geriebenen Wilden Möhren sowie die Sonnenblumenkerne gründlich unter und formen Sie anschließend einen Brotlaib. Sie können diesen auch in eine gefettete Kastenform geben. Nun muss das Brot noch einmal mindestens eine halbe Stunde gehen, bevor Sie es in den auf 180 °C vorgeheizten Backofen schieben.

Vergessen Sie nicht, eine hitzefeste Schüssel mit Wasser mit hineinzustellen. Nach etwa 40 Minuten dürfte das Möhrenbrot fertig gebacken sein - holen Sie es aus der Form und klopfen Sie mit den Fingerknöcheln auf den Boden. Klingt das Brot hohl, ist es gar und schmeckt vorzüglich mit Butter und Salz.

Tipp: Schwangere sowie Frauen mit Kinderwunsch sollten vor allem die Samen der Wilden Möhre nicht essen. Diese sollen eine verhütende Wirkung haben (tatsächlich wurde das Wildgemüse in früheren Zeiten zu Verhütungszwecken genutzt) sowie auch Früh- und Fehlgeburten auslösen können.