So vielseitig wie seine Verwendung als moderner Baustoff sind auch die Arten von Beton. Unterteilt in Klassen bietet sich für jede Verwendung der richtige Beton. Wir erklären, welche Arten und Klassen es gibt.

Betonarten

Wo Beton in seiner Anfangszeit vor über zweitausend Jahren "nur" ein homogener, einfach vor Ort herzustellender Ersatz für Stein war, überzeugt der Baustoff heute durch eine enorme Spezialisierung auf unterschiedlichste Verwendungszwecke. Je nach Erfordernis können Zusammensetzung und Beschaffenheit sich stark unterscheiden.

Dämmbeton

Klassischerweise erzeugt Beton seine enormen Belastbarkeiten über eine hohe Dichte um 2,0 bis 2,5 kg / dm3. Damit einher gehen extrem schlechte Dämmeigenschaften. Um den Griff zu zusätzlichen Dämmstoffen obsolet zu machen, verfügt Dämmbeton gleichzeitig über akzeptable Dämmwerte.

  • Aufgabe: Herstellung tragfähiger Bauteile mit Dämmwirkung
  • Besonderheit: Zuschläge wie Naturbims, Blähton oder Schaumglas als Luftporenbildner
  • Einsatzbeispiele: Bauteile oder Gebäude in Betonoptik mit Anforderungen an Wärmeschutz

Faserbeton

Alternativ zum bekannten Bewehrungsstahl werden beim Faserbeton zur Steigerung der Belastbarkeit verschiedene Fasern eingebracht.

  • Aufgabe: hohe Tragfähigkeit bei geringen Bauteildimensionen
  • Besonderheit: Glasfasern, Textilfasern oder selten auch Metallfasern als Ersatz für Armierungsstahl
  • Einsatzbeispiele: schlanke Bauteile, wie Vorsatzschalen, Möbel- oder Gartenobjekte etc.

HINWEIS: Normalerweise muss Beton in Abhängigkeit vom Einsatzzweck eine bestimmte Betondeckung über eingebautem Stahl als Korrosionsschutz aufweisen. Bei nichtmetallischen Fasern kann die Überdeckung deutlich geringer ausfallen und die Bauteildimension daher deutlich reduziert werden.

Leicht verarbeitbarer Beton (LVB)

LVB ist hinsichtlich der eingesetzten Körnung und der Zuschlagstoffe darauf ausgerichtet, möglichst gleichförmig und ohne Schadstellen bearbeitet werden zu können. Er erfüllt sowohl technisch als auch optisch hohe Anforderungen bei einem einfachen Einbau

  • Aufgabe: einfacher Einbau in enge, komplizierte Schalungen mit dichter Bewehrung ohne Fehlstellen, Kiesnester etc.
  • Besonderheit: maximale Körnung üblicherweise 8 bis 16 Millimeter,
    häufig Zusatz von Fließmitteln und Abbindeverzögerern
  • Einsatzbeispiele: Sichtbetonbauteile, schlanke Stützen oder Träger

Lichtdurchlässiger Beton

Zwar gibt es keinen echten "durchsichtigen" Beton. Es ist allerdings möglich, ihn für besondere Effekte durchscheinend zu gestalten.

  • Aufgabe: Transport von Licht durch das Betonbauteil als Effekt bzw. für Grundhelligkeit
  • Besonderheit: schichtweise eingelagerte Glasfasermatten bzw. -bündel als Lichtkanäle
  • Einsatzbeispiele: Kunstinstallationen, öffentliche Gebäude, Museal- und Sakralbauten

ACHTUNG: Der Einbau von Glasfasern in den Beton schränkt die Verwendung von Armierungsstahl ein. Je mehr Lichtdurchlässigkeit gewünscht ist, umso mehr wird die Tragfähigkeit des Bauteils eingeschränkt.

Normalbeton

Die am häufigsten eingesetzte Betonart ist Normalbeton. Man spricht immer dann von Normalbeton, wenn die Grundmischung nicht durch Zuschläge, Einbauten etc. zu einer besonderen Betonart modifiziert wird.

Betonarten und Betonklassen

  • Aufgabe: Herstellung normal belastbarer Betonbauteile ohne besondere Anforderungen
  • Besonderheit: Masse i.d.R. zwischen 2,0 und 2,5 kg/dm3, Druckbelastbarkeit 5,0 bis 55,0 N//mm2, Aushärtung bis zur Regelfestigkeit nach DIN nach 28 Tagen erfolgt
  • Einsatzbeispiele: Wände, Decken, Fundamente etc.

Recyclingbeton

Recyclingbeton greift den Trend zu mehr Nachhaltigkeit auf und ersetz in Abhängigkeit von den angestrebten Eigenschaften Teile der mineralischen Zuschläge durch recycelten Bauschutt. Zuschlageigenschaften wie Körnung, Sieblinie, Belastbarkeit etc. werden dabei unverändert beibehalten und berücksichtigt.

  • Aufgabe: Reduzierung des Verbrauchs endlicher Ressourcen
  • Besonderheit: aufgearbeiteter Bauschutt als Substitut für mineralische Zuschläge (Sand, Kies, Split)
  • Einsatzbeispiele: je nach Betonklasse wie Betonarten ohne Recyclingbaustoffe

Schleuderbeton

Schleuderbeton beschreibt die Herstellung axialsymmetrischer Linearbauteile, wie Pfosten, Masten, Rohe etc. in rotierenden Hohlformen.

  • Aufgabe: stark verdichtete, dünnwandige
    Bauteile mit hoher Belastbarkeit durch Einsatz der Zentrifugalkraft
  • Besonderheit: stark schichtiger Aufbau durch unterschiedlich schwere Inhaltsstoffe in der Zentrifuge
  • Einsatzbeispiele: Strommasten, Betonrohre etc.

Selbstverdichtender Beton (SVB)

Häufig führt eine mangelhafte Verdichtung wegen schwerer Zugänglichkeit der Schalung oder einer extrem dichten Bewehrung zu optischen und technischen Mängeln im Betonbauteil. Selbstverdichtender Beton kommt dagegen ohne mechanische Verdichtung durch Rütteln oder Stampfen aus.

  • Aufgabe: Vermeidung von Fehlstellen, Kiesnestern etc. in engen Schalungen
  • Besonderheit: hohe Gleichförmigkeit ohne mechanische Verdichtungsmethoden durch starken Zusatz von Fließmitteln und Abbindeverzögerern
  • Einsatzbeispiele: Sichtbetonbauteile, filigrane Bauteile, wie Stützen und Träger, Brücken etc.

Sichtbeton

Seit geraumer Zeit setzen viele Designer Beton bewusst als sichtbare Oberfläche ein. Wichtig ist für eine hochwertige Optik eine Oberfläche ohne Luftblasen oder Kiesnester.

  • Aufgabe: hochwertige optische Oberfläche
  • Besonderheit: starker Einsatz von Fließmitteln, mitunter farbige Zuschläge zur Veränderung der Optik
  • Einsatzbeispiele: Gebäude in Sichtbetonoptik, Ingenieursbauwerke, wie Brücken, Stützwände, Unterführungen etc.

Spannbeton

Die Tragfähigkeit von normalem Stahlbeton lässt sich weiter erhöhen, wenn das gesamte Bauteil von vorn herein entgegen der späteren Lastrichtung unter Spannung gesetzt wird. Man spricht dann von so genanntem vorgespanntem Beton oder auch Spannbeton

  • Aufgabe: Erhöhung der Belastbarkeit
  • Besonderheit: Einbau von Spanndrähten, Spannseilen oder Spannstäben, die nach Aushärten des Betons technisch gespannt werden (v.a. durch Verschraubung)
  • Einsatzbeispiele: Industriebauwerke, Verkehrsbauwerke (Brücken!)

Stampfbeton

Ohne Bewehrung und nur durch mechanische Stöße verdichtet zählt Stampfbeton als die älteste Betonart überhaupt. Vor allem im Bestand ist er häufig zu finden, beispielsweise bei Fundamenten oder massiven Brückenpfeilern.

  • Aufgabe: Aufnahme von Druckbelastungen, häufig in Gründungsbauteilen
  • Besonderheit: keine Armierung, lagenweiser Einbau und Verdichten durch Stampfen
  • Einsatzbeispiele: früher für alle Betonbauteile, heute noch gelegentlich im Gartenbau als Fundamente und für andere untergeordnete Bauteile

Betonklassen

Um exakt den gewünschten bzw. für eine Aufgabe erforderlichen Beton zu erhalten, gibt es heute eine ganze Reihe unterschiedlicher Klassifizierungen. Dabei betrachtet jede Klassifizierung eine andere Eigenschaft. Als Ergebnis können technische Bezeichnungen für einen bestimmten Beton heute eine ganze Reihe verschiedener Festsetzungen beinhalten. Typisch ist die Klassifizierung nach:

Druckfestigkeitsklasse

Ausschlaggebend für die Belastbarkeit eines Betons ist der Druck, den er in abgebundenem Zustand aushält. Typische Bezeichnungen sind ein "C" für "Concrete", sowie zwei durch Schrägstrich abgetrennte Zahlen. Die erste (kleinere) gibt die Belastung in N/mm2 bei einem zylindrischen Probekörper an, die zweite Zahl für einen würfelförmigen Probekörper. Gängigen Druckfestigkeitsklassen sind:

  • C8/10 (z.B. bei Magerbeton für untergeordnete Bodenverbesserungen, im Gartenbau etc.)
  • C12/15
  • C16/20
  • C20/25
  • C25/30 (gängig für viele Arten
    an Normalbeton, z.B. beim klassischen Hausbau)
  • C30/37 (ab dieser Klasse i.d.R. nur noch mit spezieller technischer Ausrüstung herstellbar)
  • C35/45
  • C40/50
  • C50/60
  • C55/67
    usw.
  • C90/105 (ab hier keine allgemeine Zulassung mehr vorhanden, daher im Einzelfall jedes Mal Genehmigung nötig, Herstellung technisch nur noch als Schleuderbeton möglich)
  • C100/115

Expositionsklasse

Expositionsklassen - Betonklassen

Je nachdem, wie stark ein Bauteil aus Beton den Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, muss diesen Einflüssen dauerhaft Widerstand bieten können. Hierzu wird Beton in verschiedene Expositionsklassen unterteilt:

  • X0: Unbewehrter Beton und Fundamente ohne Frost, kein Angriffsrisiko für Beton und / oder Bewehrung
  • XC (1-4): Innen- oder Gründungsbauteile mit hoher Luftfeuchte (Schwimmbad, Ställe, Wäschereien etc.), offene Bauwerke
  • XD (1-4): Bauteile im Sprühnebelbereich von Verkehrsflächen, Fahrbahnen, Solebäder
  • XS (1-3): Außenbauteile in Küstennähe, sowie Hafenanlagen, Kaimauern etc.
  • XF (1-4): Taumittelbehandelte Verkehrsflächen, Meerwasserbauteile, Räumerlaufbahnen
  • XA (1-3): Chemischen Angriffen ausgesetzte Bauteile, wie Behälter von Kläranlagen, Güllebehälter, Gärfuttersilos
  • XM (1-3): Verschleißbeanspruchung, z.B.: bei Industriefußböden

Ergänzend bezeichnen vier Güteklassen W0, FW, FA und WS die Betongüte für feuchtebeanspruchte Bauteile.

Konsistenzklasse

Je nach Einsatzzweck kann Beton mit bestimmten Fließ- oder auch Standeigenschaften nötig sein:

  • C0: Sehr steif, nicht DIN EN206
  • F1: steif
  • F2: plastisch
  • F3: weich
  • F4: sehr weich
  • F5: fließfähig
  • F6: sehr fließfähig
  • F6*: SCC (selbstverdichtend)

Gesteinskörnung

Je nach Erfordernis können unterschiedlich große Körnungen der Zuschläge zum Beton eingesetzt werden. Man unterscheidet Sandbeton, Kiesbeton oder Splittbeton. Welche Korngröße zum Einsatz kommt, wird mit dem maximalen Durchmesser (Dmax) angegeben.

Rohdichte

Je nach Dichte des Betons wird in drei Kategorien unterteilt.

  • Leichtbeton
  • Normalbeton
  • Schwerbeton

Jede dieser Kategorien wird durch die DDIN EN206 nochmals in Rohdichteklassen eingeteilt, aus denen sich die Rohdichte ergibt. Für Leichtbeton sind das zum Beispiel 6 Rohdichteklassen D1,0 bis D2,0, wobei D2,0 eine Rohdichte zwischen 1.800 und 2.000 Kilogramm je Kubikmeter Beton bedeutet. Die Rohdichte eines Betons ist wichtig für das Eigengewicht eines Bauteils, beispielsweise aber auch für die Definition einer Auflast durch ein Betonbauteil.

Typische Bezeichnungen

Nicht immer muss eine bestimmte Betonmischung in allen verfügbaren Klassen eingestuft sein. Mitunter reicht es auch aus, zum Beispiel die Belastung und die Expositionsklasse zu bestimmen, während Dichte und Körnung für den Verwendungszweck unerheblich sind. Ein typischer Beton für Gründungsbauteile, wie Fundamente, Bodenplatten etc. ist somit etwa:

C25/30 XC1

Dabei handelt es sich um einen typischen Normalbeton mittlerer Belastbarkeit mit einer geringen Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit, wie sie etwa bei normalen erdberührenden Bauteilen ohne drückendes Grundwasser etc. zum Einsatz kommen kann.