Beinwell, bot. Symphytum, ist eine Gattung aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Es gibt etwa vierzig Arten, die Europa, Nordafrika und Zentralasien verbreitet sind. Beinwellblätter werden hierzulande zu Beinwelljauche verarbeitet und als organischer Stickstoffdünger verwendet. Als Heilpflanze werden Blätter und Wurzeln u.a. für Salben, Breimischungen und Tinkturen verwendet.

Inhaltsstoffe und Anwendung

Beinwellwurzeln enthalten u.a.:
  • ätherische Öle
  • Gerbstoffe
  • Cholin
  • Asparagin
  • viele Mineralien
  • Eiweißstoffe
  • Vitamin B12
  • Allantoin
Beinwell wird v.a. wegen
des Allantoins angewendet. Allantoin ist Urea sehr ähnlich, deshalb wird Beinwell eingesetzt für
  • die Beruhigung der Haut
  • die Unterstützung des Zellaufbaus
  • die Anregung der Zellbildung
  • die Beschleunigung der Zellregeneration
Ferner kommt Beinwellsalbe zum Einsatz bei Zerrungen, Verstauchungen, Muskelkater oder Sehnenrissen. Neben diesen positiven Inhaltsstoffen finden sich im Beinwell aber auch Pyrrolizidinalkaloide. Sie sind in hoher Dosierung krebsauslösend und leberschädigend, denn beim Abbau der Pyrrolizinalkaloide entstehen Abbauprodukte, die für die Leber toxisch sind. In der Folge führen sie zu Störungen der Leberfunktion und im schlimmsten Fall zu einem Leberverschluss.

Verwendung

Blaubluehender Beinwell - Blauer Beinwell - Symphytum azureumBeinwellwurzeln können frisch oder getrocknet verwendet werden. Zu den gängigsten Anwendungsformen gehören:

Frische Beinwellwurzeln
  • pur oder zusammen mit Blättern zu einem Brei verarbeiten und auf die Haut auftragen
  • Saft von frisch gepressten Beinwellwurzeln auf die wurzelbildenden Stellen von Stecklingen geben (soll die Wurzelbildung anregen)
Getrocknete Beinwellwurzeln
  • zu Salbe oder Tinktur verarbeiten
  • zusammen mit Wasser als Umschlag verwenden (geht auch mit gemahlenen Wurzeln)

Beinwellumschlag

Die einfache Form eine Schwellung mit Beinwell zu lindern, ist ein Beinwellumschlag. Dabei werden 100 Gramm getrockente Beinwellwurzel mit einem Liter Wasser aufgekocht. Anschließend wird ein Stück Baumwollstoff in dem noch warmen Sud getränkt und auf die Schwellung aufgelegt. Alternativ werden die getrockneten Beinwellwurzeln mit drei bis vier Esslöffel mit heißen Wasser vermischt, bis ein dicklicher Brei entsteht. Dieser wird dann auf ein Stück Baumwollstoff gestrichen.
Danach wird das Stoffstück auf die zu behandelnde Stelle gelegt. Nach zwei Stunden sollten Sie den Umschlag entfernen. Außerdem sollten Sie den Umschlag maximal dreimal pro Tag (früh, mittags, abends) auflegen. Bei der Verwendung von Beinwell muss daraufhin gewiesen werden, dass er nicht nur heilende Stoffe sondern auch Giftstoffe enthält. Da die Giftstoffe auch beim Trocknen nicht verloren gehen, sollten Sie, um Vergiftungen mit Pyrrolizinalkaloiden zu vermeiden,

Beinwell immer nur in geringen Dosen anwenden

Beinwell (Pflanzen und Wurzeln) maximal vier bis sechs Wochen am Stück anwenden
Salben oder Breimischungen nur auf die intakte Haut auftragen (Giftstoffe dürfen nicht in die Blutbahn gelangen)
Beinwell nicht zur inneren Anwendungen verwenden

Tipp: Beinwellsalben und andere Beinwellprodukte sollten von Schwangeren, Stillenden und bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden.

Ernten

Beinwellwurzeln ernten Sie am besten im Herbst oder im Frühjahr. Der ideale Zeitraum liegt zwischen Oktober und April. Da sich die Wurzeln aus feuchtem Boden leichter entnehmen lassen, sollten Sie die Wurzeln nach einem Regentag ernten. Um an die Wurzel heranzukommen, muss sie ausgegraben werden. Dazu graben Sie mit der Schaufel um die Wurzel herum. Wundern Sie sich nicht, wenn die Wurzel kein Ende zu haben scheint, denn manche Prachtexemplare wurzeln bis zu 1,8 Meter tief und werden bis zu 50 Zentimeter lang. Ist die Wurzel ausgegraben, wird sie einfach aus der Erde herausgezogen. Steckt sie zu fest im Erdreich, dann können Sie mit einer Schaufel nachhelfen.

Tipp: Wenn Sie ein Stück der Wurzel in der Erde lassen, wächst daraus wieder neuer Beinwell.

Trocknen

Das Trocknen der Beinwellwurzel ist an und für sich sehr einfach. Die Wurzel kann an folgenden Orten getrocknet werden:
  • im Ofen
  • im Dörrapparat
  • im Freien
  • in der Wohnung auf einem alten, straff gespanntes Betttuch aufgelegt
Kriechender Beinwell - Symphytum ibericumIm Ofen bzw. im Dörrapparat werden die Wurzeln bei sehr niedriger Temperatur getrocknet. Ideal ist eine Temperatur zwischen 40 bis 60 Grad Celsius, keinesfalls höher. Wird die Wurzel im Freien oder in der Wohnung getrocknet, dann sollte eine direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Um den Trockenvorgang zu beschleunigen und letztendlich auch die Verarbeitung zu erleichtern, wird die frische Beinwellwurzel, nachdem sie gewaschen und gereinigt worden ist, in kleine Stücke geschnitten. Ob Sie die Wurzel längst oder quer teilen, bleibt Ihnen überlassen. Ist die Wurzel zerteilt, zeigt sich unter der schwarzen Haut ihr weißes Inneres, welches sich an der Luft schnell braun verfärbt. Deshalb ist das Innere der Wurzel im getrockneten Zustand auch braun gefärbt.

Tipp: Um den Trockenvorgang nicht zu verzögern, sollten die einzelnen Stücke nicht übereinander liegen. Alternativ können Sie die Wurzelstücke an einer Schnur auffädeln, und sie an der Zimmerdecke frei aufhängen.

Obwohl sich die Wurzeln sehr einfach trocknen lassen, besteht beim Trocknen an der Luft die Gefahr von Schimmelbildung, da die Wurzeln sehr viel Wasser enthalten. Deswegen sollten Sie beim Trocknen an der freien Luft den Vorgang kontinuierlich überwachen. Außerdem sollten Sie die Beinwellwurzeln wegen ihrer Neigung zu Schimmelbildung möglichst schnell trocknen.

Lagerung

Getrocknete Beinwellwurzeln lassen sich gut lagern, wenn sie
  • kühl
  • trocken
  • dunkel und
  • gut verschlossen
aufbewahrt werden. Die Lagerfähigkeit liegt dann bei ungefähr zwölf Monaten. Selbst hergestellte Salben dürfen in keinen Metallbehältern aufbewahrt werden, da Allantoin, kommt es mit Metall in Berührung, sehr schnell zerfällt. Tinkturen aus Beinwellwurzeln halten sich bei Raumtemperatur an einem lichtgeschützten Platz bis zu zwei
Jahre.