Pflaumenliebhaber mit eigenem Garten sind klar im Vorteil. Die leckeren Sommerfrüchte sind nur beschränkt lagerfähig, sodass die Sortenauswahl im Ladenregal spärlich ausfällt. Der eigene Anbau stößt das Tor weit auf in die facettenreiche Welt verführerischer Zwetschgensorten. Seitdem sich geniale Züchter dem Thema widmeten, nimmt die Vielfalt deutlich an Fahrt auf. Diese Auswahl stellt Ihnen 20 alte und neue Pflaumen-Sorten vor.

Pflaume und Zwetschge - worin besteht der Unterschied?

Die Pflaume (Prunus domestica) ist eine Unterart der Gattung Prunus mit sieben Unterarten, aus denen mehr als 2.000 Sorten hervorgegangen sind. Zwetschgen zählen ebenso zu den Unterarten, wie Edel-Pflaumen, auch bekannt als Renekloden sowie Mirabellen oder Haferpflaumen. Aufgrund der reichen Sortenvielfalt sind die Grenzen mittlerweile fließend. Dennoch können aus gärtnerischer und kulinarischer Sicht folgende Unterschiede zwischen Pflaumen und Zwetschgen festgehalten werden:

Pflaume, Edel-Pflaume, Reneklode
  • rund
  • ohne Fruchtnaht
  • schwer steinlösend
  • saftig
  • anfälliger für Scharka-Infektionen
Zwetschge, Zwetsche, seltener Zwetschke
  • länglich
  • mit Fruchtnaht
  • gut steinlösend
  • weniger saftig
  • tolerant gegenüber Scharka-Infektionen
PflaumeMit Blick auf die individuellen Attribute wird deutlich, warum Pflaumen gerne für die Zubereitung von Kompott
und Konfitüren verwendet werden. Für den fruchtigen Kuchenbelag eignen sich Zwetschgen besser. Frisch vom Baum munden sie allesamt.

Historische Pflaumen-Sorten

Graf Althan's Reneklode
Seit 1850 begeistert die Edelpflaume mit goldgelbem Fruchtfleisch unter blauroter, bei Vollreife blutroter Schale. Feinschmecker unter den Hausgärtnern lieben diese alte Sorte, weil der ausgewogene Säuregehalt ein gehobenes Genusserlebnis mit süß-würzigem Aroma verspricht.
  • Pflückreife: Ende August bis Anfang September
  • Befruchtersorte erforderlich
Wangenheimer Frühzwetschge
Die historische Zwetschgensorte ist seit 1840 fester Bestandteil jeder Eliteauslese. Das verwundert wenig angesichts ihrer herausragenden Eigenschaften. Wüchsig auch in rauen Lagen, resistent gegen Krankheiten und selbstfruchtbar, erfüllt der Obstbaum die hohen Ansprüche des privaten Gärtners. Die runden, dunkel-violettblauen Früchte sind nicht nur eine Augenweide, sondern lassen mit fruchtig-süßem Geschmack das Herz höher schlagen.
  • Pflückreife: Ende August bis Anfang September
  • selbstfruchtbar
Oullins Reneklode
Diese Eierpflaume erbringt den überzeugenden Beweis, dass gelbfarbene Früchte ebenso süß und köstlich munden, wie ihre blauvioletten Artgenossen. Schon in 1850 fand die Edelsorte den Weg in französische Bauern- und Klostergärten, nicht zuletzt, weil sie bereits ab Mitte August reif für die Ernte ist. Dank einer festen Schale ist die bewährte Pflaumensorte einige Tage länger haltbar, als weichschalige Renekloden.
  • Pflückreife: Mitte August bis Anfang September
  • selbstfruchtbar
Tipp: Kluge Hausgärtner vergesellschaften ihre favorisierte Pflaumensorte grundsätzlich mit einer Befruchtersorte, selbst wenn sie als selbstfruchtbar beschrieben wird. Die Höhe des Ertrags sowie die Qualität der Früchte profitieren von diesem gärtnerischen Schachzug in jedem Fall.

Königin Viktoria
Wie es sich für eine royale Sorte gehört, übertrumpft 'Königin Viktoria' andere Früchte in mancherlei Hinsicht. Die gelben Pflaumen sind sehr groß und erstrahlen sonnenseits in prächtigem Blaurot bis Hellviolett. Das gelbfarbene Fruchtfleisch ist wunderbar saftig, aromatisch und gut steinlösend. Aus gärtnerischer Sicht zählt die Edelpflaume zu den ertragreichsten Züchtungen, sodass sie seit 1844 im Obstgarten einen Stammplatz erhält. Da sie vornehmlich für den Frischverzehr geeignet ist, bleibt der Genuss dem Hausgärtner und seiner Familie vorbehalten.
  • Pflückreife: Mitte August bis Mitte September
  • selbstfruchtbar
Pflaume - Prunus domestica
Anna Späth
Als Anna Späth in 1870 den Sämling entdeckte, war dies der Startschuss für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Wenn ein Pflaumenkuchen besonders gut schmeckt, belegte der Bäcker den Teig in der Regel mit dieser alten Zwetschgen-Sorte. Schon die dunkelblaue Schale verheißt fruchtigen Genuss, den das gelb-grüne Fruchtfleisch hält. Hausgärtner wissen die ausgeprägte Toleranz gegenüber Scharka-Infektionen zu schätzen sowie eine bemerkenswerte Resistenz gegen Fruchtfäule.
  • Pflückreife: Ende September bis Anfang Oktober
  • Befruchtersorte erforderlich
Große Grüne Reneklode
Eine alte Pflaumensorte der Superlative kommt unter dem unspektakulären Namen 'Große Grüne Reneklode' daher. Seit 1490 hat der Klassiker die Herzen der Gärtner in Süd- und Westeuropa erobert und bis heute nicht enttäuscht. Die großen, grüngelben Früchte punkten mit saftigem, mittelfestem Fruchtfleisch, das zuckersüß und dennoch würzig schmeckt. Frisch vom Baum oder aus dem Einmachglas, ist die honigsüße Vitaminbombe bei Groß und Klein beliebt. Als guter Pollenspender gilt die Edelpflaume als eine der besten Befruchtersorten für den Hausgarten.
  • Pflückreife: Mitte August bis Mitte September
  • Befruchtersorte erforderlich
Große Hauszwetschge
Die Große Hauszwetschge macht ihrem Namen alle Ehre, sowohl im Hinblick auf ihren majestätischen Wuchs als auch auf die riesigen, blauen Früchte. Für Generationen von Hausgärtnern war und ist diese alte Sorte die erste Wahl, wenn ein Pflaumenbaum gepflanzt werden soll. Dank der lockeren, weiträumigen Anordnung der Zweige eignet sich die historische Pflaumensorte hervorragend für die Spaliererziehung. Das süß-aromatische Fruchtfleisch ist gut steinlösend. Dank einer festen Schale können Sie Ihren Ernteertrag bis zu 2 Wochen lagern, sofern er bis dahin nicht längst vernascht ist.
  • Pflückreife: Ende August bis Mitte/Ende September
  • selbstfruchtbar
Frühe Fruchtbare
Eine Sommerzwetschge, wie sie sein soll, ist seit Urzeiten unter dem Namen 'Frühe Fruchtbare' ein fester Bestandteil im Obstgarten. Die kleinen, blauen Früchte bergen das typische Zwetschgen-Aroma. Das goldgelbe Fruchtfleisch löst sich leicht vom Stein, was die Hausfrau bei der Zubereitung zu schätzen weiß. Als Naschfrucht sind die zierlichen Pflaumen bei Kindern sehr beliebt. Hausgärtner entscheiden sich auch heute noch für die 'Frühe Fruchtbare', weil sie trotz mittlerer Wuchskraft mit hohen und regelmäßigen Erträgen aufwartet.
  • Pflückreife: Anfang bis Ende August
  • Befruchtersorte empfehlenswert
Tipp: Selbst Premium-Sorten sind nicht gefeit gegen die Pflaumensägenwespe (Hoplocampa flava). Die 5 bis 6 mm kleinen Schädlinge treiben ihr Unwesen zur Blütezeit. Madenverseuchte Früchte sind die unappetitliche Folge. Weiße Klebefallen, Leimringe und Schutznetze haben sich für die ökologische Bekämpfung bestens bewährt.
Pflaume - Prunus domestica

Ersingers Frühzwetsche
Haben Sie im Garten noch einen sonnigen Platz im Windschatten frei mit sandig-lehmiger Erde? Dann ist dies der ideale Standort für die traditionelle Zwetschen-Sorte von 1890. Wo die Rahmenbedingungen stimmen, trägt der Baum eine süße Last aus unzähligen Früchten, die bis zu 40 Gramm schwer werden können. Ob direkt vom Baum, als Kompott, Marmelade oder Kuchenbelag leistet 'Ersingers Frühzwetsche' einen schmackhaften Beitrag zur sommerlichen Speisekarte.
  • Pflückreife: Mitte Juli bis Anfang August
  • Befruchtersorte erforderlich
Bühler Frühzwetschge
Anfang des 20. Jahrhunderts sorgte eine Zwetschgen-Sorte für Furore, die rasch Einzug hielt auf der Liste der besten Obstsorten in Deutschland. Entdeckt wurde das Prachtexemplar in Kappelwindeck bei Bühl. Der Name des Züchters konnte nie ermittelt werden. Die blauen, dicken Früchte sind bis heute in Hausgärten beliebt. In jedem Jahr wird im September mit dem 'Bühler Zwetschgenfest' der geschichtsträchtigen Sorte gehuldigt. Ein Hochgenuss sind die süß-sauren Früchte auf Hefeteig unter knusprigen Butterstreuseln.
  • Pflückreife: Ende August bis Mitte September
  • selbstfruchtbar
The Czar
In privaten Streuobstwiesen ist die historische Pflaumensorte ein gern gesehener Gast, denn sie bereitet dem Gärtner bereits bei Anbau und Pflege viel Freude. Für den gewerblichen Obstbauer ist 'The Czar' nicht interessant, weil die Lagerfähigkeit auf wenige Tage begrenzt ist. Das erhöht die Attraktivität für den Hausgärtner, denn ihm ist das Privileg vergönnt, sich frisch vom Baum am saftigen, süß-sauren Fruchtfleisch zu erfrischen.
  • Pflückreife: Anfang bis Ende August
  • selbstfruchtbar

Neue Sorten

Cacaks
Schöne

Im Rennen um die beste Backzwetschge nimmt 'Cacaks Schöne' einen Spitzenplatz im Ranking ein. Im Rahmen der Züchtung wurde besonderes Augenmerk gerichtet auf wichtige Attribute, wie saftiges Fruchtfleisch, gut steinlösend, großfrüchtig und vollmundig. Die dunkelblauen Früchte stehen bei Bäckern hoch im Kurs, als idealer Kuchenbelag. Überdies lassen sich aus den Zwetschgen köstlicher Kompott und aromatische Konfitüre zubereiten. Die Wünsche des Hausgärtners flossen in die Arbeit der Züchter ebenfalls ein. Die neue Sorte überzeugt mit hoher Standorttoleranz, zuverlässiger Ertragskraft und geringen Pflegeansprüchen.
  • Pflückreife: Mitte August bis Mitte September
  • selbstfruchtbar
Reneklode
Tegera
Wer sich bis Mitte August nicht gedulden mag, ergänzt den Pflanzplan mit 'Tegera'. Bereits zwei Wochen vor 'Cacaks Schöne' beschert Ihnen die neue Sorte eine üppige Ernte für den Frischverzehr und als Kuchenbelag. Dunkelblau baumeln die mittelgroßen Pflaumen verheißungsvoll am Baum und verströmen einen angenehmen Duft. Wermutstropfen für den interessierten Hausgärtner dürfte die geringe Scharka-Resistenz sein, sodass ein Anbau in gefährdeten Regionen nicht ratsam ist.
  • Pflückreife: Ende Juli bis Mitte August
  • selbstfruchtbar
Jojo
Eine hohe Scharka-Resistenz gepaart mit reichem Fruchtbehang machen die innovative 'Jojo' zu einer interessanten Sorte für private und gewerbliche Gärtner gleichermaßen. Die neue Züchtung ist daher in den Sortenempfehlungen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau aufgeführt. Die großen Früchte sind gut steinlösend und bieten ein festes, süßes Fruchtfleisch. Wichtig zu beachten ist die sehr frühe Blütezeit ab März, sodass diese Pflaumensorte vornehmlich für warme Lagen ohne Spätfrostgefahr zu empfehlen ist.
  • Pflückreife: Anfang bis Ende September
  • selbstfruchtbar
Herman
Halten Sie Ausschau nach einer Pflaumensorte, die Sie bereits ab Mitte Juli ernten können? Dann möchten wir Ihnen die neue Züchtung 'Herman' ans Herz legen. Die dunkelblauen, herrlich duftenden Pflaumen machen ihre kleine Größe wett durch ein saftiges, süß-säuerliches Fruchtfleisch, das sich ausgezeichnet vom Stein lösen lässt. Die gute Scharka-Resistenz trägt dazu bei, dass die neue Sorte auch im Ertragsanbau eine hohe Wertschätzung erfährt.
  • Pflückreife: Anfang bis Mitte Juli
  • selbstfruchtend
Haganta
Früchte in rekordverdächtiger Größe zeichnen 'Haganta' aus. Bis zu 80 Gramm bringt eine Pflaume auf die Waage. Empfehlenswert für den Hausgarten ist die neue Züchtung nicht zuletzt aufgrund ihrer geringen Anfälligkeit für die gefürchtete Scharka-Krankheit. Schon im zweiten Jahr nach der Pflanzung beschert Ihnen diese Sorte die ersten gefüllten Erntekörbe. Die Früchte färben sich schon sehr früh blau, sodass der Gärtner darauf achten sollte, nicht vorzeitig mit der Ernte zu beginnen.
  • Pflückreife: Mitte bis Ende September.
  • selbstfruchtbar
Hanita
Vergesellschaften Sie 'Hanita' mit 'Haganta', gedeiht das Dream-Team moderner Pflaumensorten in Ihrem Obstgarten. Mit ihren bis zu 50 Gramm schweren Früchten, hoher Ertragskraft und robuster Scharka-Resistenz, hat sich 'Hanita' innerhalb weniger Jahre als eine der beliebtesten Sorten etabliert. Obschon als selbstfruchtbar deklariert, fördern sich beide Züchtungen gegenseitig in Sachen Geschmack und Ernteertrag. Warten Sie mit der Ernte, bis sich die Früchte dunkelblau färben, denn bei Vollreife entfaltet sich erst der richtige Geschmack.
  • Pflückreife: Mitte August bis Anfang September
  • selbstfruchtbar
Zwetschge
Aprimira
Steht Ihnen der Sinn nach einer neuen, ungewöhnlichen Sorte, kommt 'Aprimira' ins Spiel. Als natürliche Kreuzung zwischen Mirabelle und Hauszwetschge, hat die Neuheit einige herausragende Eigenschaften zu bieten. Die gelb-orange Schale erstrahlt mit rot-violetten Backen. Das orangefarbene Fruchtfleisch weist einen hohen Zuckergehalt auf, was einen honigsüßen Geschmack erzeugt. Obschon Aprimira im Handel als Aprikosenmirabelle bezeichnet wird, weist die Forschungsanstalt Geisenheim ausdrücklich darauf hin, dass Aprikosenpollen oder Samen an dieser Sorte keinen Anteil haben. Wer eine Aprimira verkostet, wird  nicht den kleinsten Hauch von Aprikosenaroma wahrnehmen. Vielmehr streichelt das Fruchtfleisch den Gaumen mit einer Mischung aus Mirabellen- und Zwetschgenaroma.
  • Pflückreife: Mitte bis Ende August
  • selbstfruchtbar
Opal
Diese Liebhabersorte bringt mit rotvioletten Pflaumen Farbe in den Garten und süßen Genuss auf den Tisch. Prädestiniert für den Frischverzehr, bleibt die neue Sorte reserviert für den Hausgärtner, der die köstlichen Früchte am liebsten knackfrisch verspeist. Da sich das goldgelbe Fruchtfleisch leicht vom Stein löst, verwandelt sich die morgendliche Pflaumenernte unter der Hand der Hausfrau bis zum Nachmittag in einen leckeren Kuchen für die Kaffeetafel. Der Ertrag befindet sich auf so hohem Niveau, dass in guten Jahren zusätzliches Ausdünnen der Krone erforderlich ist, damit die süße Last die Zweige nicht zerbrechen lässt. Hausgärtner nehmen die Arbeit gerne in Kauf, denn mit der gefürchteten Scharka-Infektion müssen sie sich an dieser neuen Pflaumensorte nicht herumplagen.
  • Pflückreife: Anfang bis Ende August
  • selbstfruchtbar
Geisenheimer Top
Die ideale Pflaumensorte für den kleinen Garten punktet mit schlanker Gestalt, weiß-rosa Blütenmärchen und stahlblauen Sommerfrüchten. Dank der späten Blütezeit im April geht die erfolgreiche Züchtung Spätfrösten aus dem Weg. Das Resultat ist eine üppige Ernte im frühen Herbst, für deren herrliches Aroma sich das Warten lohnt. Neben dem platzsparenden Wachstum legten die Züchter erhöhten Wert auf eine robuste Resistenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen.
  • Pflückreife: Mitte bis Ende September
  • selbstfruchtbar