Winterharte Kiwibeeren aus eigenem Anbau bescheren dem Gärtner vitaminreichen Fruchtgenuss und majestätische Kletterpflanzen mit Sichtschutzfaktor. Der kurze Lieferweg vom Beet in die Küche lässt zugleich den CO2-Fußabdruck schrumpfen. Wer hinter der Kultivierung einer innovativen Bayern-Kiwi Weiki® eine anspruchsvolle Herausforderung vermutet, kann sich hier vom Gegenteil überzeugen. Nach der Lektüre dieser Pflanzanleitung mit Hinweisen zur Pflege und Vermehrung sind Sie mit dem Anbau bestens vertraut.

Erfolgreicher Anbau erfordert gemischtes Doppel

An einer solitären Bayern-Kiwi-Pflanze werden Sie vergeblich nach den süßen Früchten Ausschau halten. Weiki® ist eine Zuchtform der Wildart Scharfzähniger Strahlengriffel (Actinidia arguta), die zweihäusig gedeiht. Diese Eigenschaft impliziert, dass eine Pflanze entweder männliche oder weibliche Blüten trägt. Die Evolution zielt mit dieser Strategie darauf ab, Inzuchtdepressionen infolge von Eigenbestäubung zu verhindern. Für den Anbau im Hausgarten resultiert dieses Wachstum in der Prämisse, dass Bayern-Kiwi für eine erfolgreiche Befruchtung stets als gemischtes Doppel gepflanzt werden. Im qualifizierten Fachhandel erhalten Sie die Jungpflanzen demgemäß zumeist im Doppelpack.

Standort

Der Stammvater der winterharten Weiki® ist beheimatet in den Wäldern Ostasiens. Scharfzähniger Strahlengriffel rankt vorzugsweise an Bäumen empor, auf der Suche nach Licht und
Sonnenstrahlen für seine Blüten und Früchte. Dieses Wachstum resultiert in der besonderen Vorliebe für einen sonnigen Kronenbereich und einen beschatteten Fuß. Die Bayern-Kiwi hat sich diese Präferenz zu eigen gemacht. So sollte der ideale Standort beschaffen sein:
  • Sonnige Lage mit Ausrichtung nach Süden oder Südwesten
  • Gerne mit zeitweiligem Schattenwurf in Bodennähe
  • Windgeschützt und jenseits möglicher Spätfrostgefahr
Bereits im März setzt der Austrieb ein, sodass die zarten Blätter von verspäteten Bodenfrösten bedroht sind. Die umsichtige Standortwahl hat auf einen geschützten Platz im Visier an der warmen Südwand des Hauses oder in einer vergleichbaren Lage. Erleidet die Bayern-Kiwi dennoch einen Frostschaden, ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Dank zahlreicher schlafender Knospen regeneriert die Pflanze sich innerhalb kurzer Zeit. Diese Reserveknospen befinden sich weiter unten an den Trieben und stehen bereit, wenn es im oberen Bereich zu Spätfrostschäden kommt.

Bodenqualität

Gegenüber der Bodenbeschaffenheit ist eine Weihenstephaner Kiwi flexibel eingestellt. Ihr Optimum erzielt die Schlingpflanze in leicht saurer, frisch-feuchter Gartenerde mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,0. Leichter Kalkgehalt im Erdreich wird toleriert, sofern alle anderen Voraussetzungen stimmen. Eine gute Durchlässigkeit beugt Staunässe und der damit verbundenen Wurzelfäulnis zuverlässig vor.

Pflanzzeit

Beste Pflanzzeit für Bayern-Kiwi Weiki® ist im Herbst. Während der Monate September und Oktober treffen die jungen Wurzelballen des Duos auf einen sonnenwarmen Boden, der ideale Wachstumsbedingungen offeriert. Bevor der Winter Einzug hält, haben sich die Jungpflanzen so gut etabliert, dass ihnen Schnee und Eis keine Probleme bereiten. Ein zweites Zeitfenster für die Pflanzung öffnet sich im Frühjahr, sobald der Boden vollständig aufgetaut ist. Allerdings verlängert diese Terminwahl die Wartezeit auf eine erste Kiwi-Ernte um eine Saison.

Kletterhilfe

Als linkswindende Schlingpflanze ist die Mini-Kiwi auf eine Kletterhilfe angewiesen. Bewährte Optionen für eine geeignete Konstruktion nennt die folgende Übersicht:
  • Spalier oder Pergola aus Holz, Bambus oder Edelstahl
  • Holzgerüst im waagerechten Spanndrähten im Abstand von jeweils 50 cm
  • Für die Fassadenbegrünung: wandgebundene Rankhilfe aus Drahtseilen
  • Wandgitter mit stabilen, waagerechten Streben aus Holz oder Metall
Eine platzsparende Option bietet eine Kletterhilfe aus gegeneinander gestellten Holzpfählen, wie sie im Anbau von Stangenbohnen üblich ist. Da die Bayern-Kiwi trotz einer Wuchshöhe von 300 bis 500 cm dank schmaler Triebe kein Schwergewicht ist, bietet sich diese Version für die Kultivierung im kleinen Garten an.

Tipp: Balkongärtner pflanzen die Bayern-Kiwi im großen Kübel oder voluminösen Blumenkasten mit integrierter Kletterhilfe. In nährstoffreicher, schwach saurer Pflanzenerde gedeiht die Mini-Kiwi ebenso prächtig, wie im Gartenbeet. Lediglich der höhere Bedarf an Wasser und Nährstoffen ist in Topfkultur zu berücksichtigen.

Pflanzanleitung

Eine gründliche Bodenvorbereitung ebnet für Bayern-Kiwi den Weg zu einem vitalen Wachstum. Graben Sie den Boden bitte spatentief um und entfernen Unkraut, alte Wurzeln und Steine. Den Aushub der Pflanzgrube schaufeln Sie in eine Schubkarre, wo er zu einem Drittel angereichert wird mit Laubkompost und Hornspänen. Schweres Erdreich erhält zudem einige Handvoll Sand zur Auflockerung. Während Sie sich den Erdarbeiten widmen, stellen Sie die eingetopften Wurzelballen in weiches Wasser. Steigen keine Luftbläschen mehr auf, ist ein Ballen ausreichend durchfeuchtet. So verfahren Sie weiter:
  • Größe der Pflanzgrube entspricht dem doppelten Umfang des Wurzelballens
  • Pflanzabstand bei Reihenpflanzung mehrerer Bayern-Kiwis beträgt 200 cm
  • Wassergetränkten Wurzelballen austopfen und mittig in der Grube positionieren
  • Pflanzloch auffüllen mit Kompost-Erde-Gemisch unter Wahrung der bisherigen Pflanztiefe im Container
  • Erde mit den Händen andrücken und großzügig angießen
Am vollsonnigen Standort einer Mini-Kiwi den erwünschten halbschattigen Fuß zu bieten, kann mitunter Kopfzerbrechen bereiten. Das Problem lösen Sie mithilfe einer Unterpflanzung aus kleinwüchsigen Bodendeckern, die ähnliche Ansprüche an die Erde stellen. Empfehlenswert sind Hängepolster-Glockenblumen (Campanula poscharskyana), Elfenblumen (Epimedium), Goldkörbchen (Chrysogonum virginianum) oder Kleiner Frauenmantel (Alchemilla erythropoda). Weniger aufwändig, freilich auch weniger dekorativ ist eine Abdeckung der Wurzelscheibe mit Rindenmulch, Lauberde oder Pinienrinde.

Pflege

Tragen Sie den Anforderungen an den sonnigen, spätfrostgeschützten Standort Rechnung, verlangt die Weihenstephaner Kiwi selten nach gärtnerischer Aufmerksamkeit. Wie Sie den Wasser- und Nährstoffhaushalt sachkundig regulieren, die Kletterpflanze richtig schneiden und unbeschadet überwintern, beleuchten die folgenden Abschnitte im Detail.

Gießen

Bayern-Kiwi Weiki®Die Toleranzgrenze für Kalk befindet sich auf niedrigem Niveau. Wir empfehlen, die Bayern-Kiwi Weiki® überwiegend mit weichem Wasser zu gießen. Gefiltertes Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser sind gut geeignet. Vorteilhaft für die Wasserversorgung ist fernerhin Teichwasser, weil hier wertvolle Nährstoffe gleich mitgeliefert werden. So gießen Sie richtig:
  • Den Boden konstant leicht feucht halten, ohne Staunässe
  • An trocken-heißen Sommertagen bei Bedarf täglich gießen am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang
  • Bayern-Kiwi nicht mit Wasser besprühen, zum Schutz vor Pilzinfektionen
Eine kurze Fingerprobe zeigt an, ob tatsächlich Gießbedarf besteht. Legen Sie die Handfläche auf die Erde. Fühlt sich die Erdoberfläche trocken an, wird zeitnah gewässert. Lassen Sie das Wasser direkt auf die Wurzelscheibe laufen, bis der Boden gesättigt ist.

Düngen

Eine Startdüngung im Frühjahr deckt den geringen Nährstoffbedarf vollständig ab. Verteilen Sie 2 bis 3 Liter reifen Kompost mit 100 Gramm Hornspänen auf der Wurzelscheibe und gießen nach. Da Weiki® als Flachwurzler gedeiht, ist eine intensive Bodenbearbeitung mit der Harke nicht empfehlenswert. Verletzungen an den oberflächennahen Wurzelsträngen bieten pathogenen Erregern eine willkommene Eintrittspforte. In Kübelkultur verabreichen Sie von März bis September bitte einen flüssigen Beerendünger, den Sie alle 4 Wochen dem Gießwasser hinzu geben.

Tipp: In der Pflege von Weiki® nimmt regelmäßiges Anbinden der Triebe eine Schlüsselfunktion ein. Damit sich die Ranken nicht gegenseitig beschatten oder miteinander verheddern, werden sie kontinuierlich und gleichmäßig an der Rankhilfe fixiert.

Schneiden

Ein anspruchsvoller Fruchtholzschnitt, wie an exotischen Kiwi-Pflanzen, ist bei Weiki® nicht Teil des Pflegeprogramms. In den ersten 3 bis 5 Jahren sollten
Schnittmaßnahmen auf ein Minimum beschränkt sein, damit sich die Schlingpflanze ungehindert entfalten kann. Unter normalen Rahmenbedingungen reifen Baby-Kiwis ab dem dritten Standjahr an den einjährigen Seitentrieben. Ein Schnitt im Herbst, Winter oder zeitigen Frühjahr könnte somit die Fruchtanlagen oder Knospen unbeabsichtigt entfernen. Angesichts einer jährlichen Zuwachsrate von 50 bis 80 cm, wird die Kletterkünstlerin im Laufe der Zeit zusehends dichter und entwickelt ein Gewirr aus Trieben. Vollkommen auf den Einsatz einer Gartenschere können Sie folglich nicht verzichten. So schneiden Sie eine Bayern-Kiwi vorbildlich:
  • Bester Zeitpunkt für den Schnitt ist im Spätwinter, rechtzeitig vor dem Austrieb
  • Abgestorbene Triebe an der Basis abschneiden
  • Schwache Zweige mit kümmerlichem Wachstum um die Hälfte bis zwei Drittel zurückschneiden
  • Ab dem fünften Standjahr die beiden ältesten Triebe entfernen in Sinne einer kontinuierlichen Verjüngung
  • Nach Spätfrostschäden die abgestorbenen Triebspitzen einkürzen bis ins gesunde Holz
Die robuste Schnittverträglichkeit einer Bayern-Kiwi erlaubt zudem sommerliche Schnittmaßnahmen, um die Wuchshöhe oder -breite zu regulieren. Zu lange Ranken sollten maximal um ein Drittel zurückgenommen werden, um den diesjährigen Ernteertrag nicht zu schmälern.

Überwintern

Ihre hohe Wertschätzung im Hausgarten verdankt die Mini-Kiwi Weiki® primär einer stabilen Winterhärte von bis zu - 30 Grad Celsius. Für eine gut etablierte Pflanze sind keine besonderen Vorkehrungen zu treffen, wenn der Winter Einzug hält. Einzig im Pflanzjahr sowie in Topfkultur sind folgende Maßnahmen sinnvoll, um eine Bayern-Kiwi vor Frostschäden zu bewahren:
  • Nach der Pflanzung im Herbst die Wurzelscheibe abdecken mit Herbstlaub, Nadelreisig oder Stroh
  • In windexponierter Lage im ersten Winter die Triebe umhüllen mit atmungsaktivem und lichtdurchlässigem Vlies
  • Kübel auf Holz stellen und mit einem Wintermantel aus Vlies und Kokosmatten ausstatten
  • Topfsubstrat bedecken mit Rindenmulch, Holzwolle oder Laub
Regelmäßiges Gießen darf im winterlichen Pflegeprogramm nicht fehlen. Kahlfrost geht für alle Gartenpflanzen einher mit der Gefahr von Trockenstress. Prüfen Sie während der kalten Jahreszeit regelmäßig den Feuchtigkeitsgehalt der Erde, um bei Bedarf an milden Tagen ein wenig zu gießen.

Vermehren

Praktikabel und erfolgversprechend erweist sich die vegetative Vermehrung mit Steckhölzern. Wichtigster Unterschied zum Nachzucht-Verfahren bei anderen Gehölzen ist die gemeinsame Kultivierung männlicher und weiblicher Ableger von Beginn an. Die Steckholz-Vermehrung verläuft in zwei Etappen, die im Folgenden beschrieben werden:

Steckhölzer schneiden

Bayern-Kiwi Weiki®Steckhölzer werden im Herbst geschnitten, wenn die Knospen für die nächstjährige Blüte angelegt sind. Um beim Schnitt treffsicher ein weibliches und ein männliches Exemplar zu wählen, markieren Sie die Pflanzen idealerweise während der Blütezeit mit farbigen Ringen. Die unterschiedlichen Blütenformen sind das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Weibliche Blüten zeichnen sich aus durch einen cremeweißen Kranz aus Narben und Griffeln, wohingegen bei männlichen Blüten zahlreiche dunkle Staubgefäße im Blüteninneren dominieren. So schneiden Sie die Kiwi-Steckhölzer richtig:
  • Weitgehend verholzte, diesjährige Zweige beider Geschlechter auswählen und wiederum markieren
  • Möglichst lange Steckhölzer schneiden und vollständig entlauben
  • Die Triebspitzen nicht schneiden
  • In Zeitungspapier oder Sand einschlagen und im kühlen, dunklen Keller aufbewahren
Steckhölzer benötigen während der Überwinterung keine Feuchtigkeit. Im Gegenteil ist Nässe am Aufbewahrungsort schädlich und könnte Fäulnis verursachen.

Steckhölzer zuschneiden und einsetzen

Ende Februar oder Anfang März wecken Sie die Steckhölzer aus dem Winterschlaf. Erst jetzt schneiden Sie jeden Ableger in die gewünschte Form. Da hierbei die Polarität eine wichtige Rolle spielt, schneiden Sie im unteren Bereich bitte schräg und an der Holzspitze gerade. Anhand diese Schnittführung besteht beim späteren Einsetzen keine Verwechslungsgefahr der Wuchsrichtung. So gehen Sie Schritt für Schritt fachkundig vor:
  • Männliche und weibliche Steckhölzer zuschneiden auf eine Länge von 10 bis 15 cm mit mindestens 4 Augen
  • Den schrägen Schnitt an der Basis 2-3 mm unterhalb einer Knospe ansetzen
  • Den gerade Schnitt am der Steckholz-Spitze 2-3 mm oberhalb einer Knospe ausführen
  • 12-er Kunststoff-Topf füllen mit Anzuchterde
  • Darin jeweils 1 männliches und 2 weibliche Steckhölzer zur Hälfte einsetzen
  • Das Substrat andrücken und mit weichem Wasser gießen
Bis Mitte Mai pflegen Sie die zukünftigen Bayern-Kiwis am warmen, hellen Fensterplatz. Förderlich für das Wachstum von Wurzeln und Blättern ist eine transparente Haube, die jedoch keine Berührungspunkte mit den Steckhölzern hat. Gießen Sie regelmäßig und lüften die Abdeckung täglich für einige Minuten. Dünger erhalten die Ableger in dieser Phase nicht. Sobald die ersten Kiwi-Blättchen sprießen, kann die Haube entfernt werden. Nach den Eisheiligen stellen Sie Ihre Zöglinge bitte an einen sonnigen, windgeschützten Standort im Garten oder auf dem Balkon. Zwecks Akklimatisierung verweilen die Jungpflanzen zuvor für 8 Tage am halbschattigen Platz. Bis zum Beginn der Pflanzzeit im Herbst haben sich die Steckhölzer in kräftige Pflanzen verwandelt und können ins Beet ausgepflanzt werden.